(Pop.: 3254 – 401m NN)

Wer mit der Zentralmassivbahn aus Richtung Weishaus anreist erlebt kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof von Zunig einen bemerkenswerten Landschaftswechsel. Das Tal des Zunigbachs öffnet sich, gerahmt von sanften, aber dicht bewaldeten Hängen, und mittendrin schmiegt sich die zweitgrößte Gemeinde des Landkreises Ferkelau auf 401 Metern Höhe an das Gelände. Mit ihren 3.254 Einwohnern ist die Kleinstadt ein Ort, der den Spagat zwischen tief verwurzelter Handwerkstradition und modernster Technologie mit einer beinahe gelassenen Selbstverständlichkeit meistert. Schon beim Verlassen des Bahnhofs, wo stündlich die Züge zwischen Blue River und Nudeltopf halten, weht einem oft der herbe, frische Duft von frisch gesägtem Holz um die Nase – ein erstes Indiz für das wirtschaftliche Herz des Ortes.

Im Zentrum von Zunig steht die Kirche St. Hilmar, deren massiver romanischer Turm wie ein steinerner Wächter über den Marktplatz ragt. Es ist die Stille im Inneren, die den Besucher sofort gefangen nimmt. Hier trifft man vielleicht auf Lukas, einen jungen Restaurator, der mit Engelsgeduld die weltberühmten Fresken aus dem 13. Jahrhundert von Staub befreit. Diese Wandmalereien erzählen Geschichten von biblischen Szenen, die in ihrer Farbgewalt und ihrem Detailreichtum im gesamten Zentralmassiv ihresgleichen suchen. Lukas erklärt gerne neugierigen Gästen, dass der romanische Turm einst als Wehrturm diente, bevor die Gemeinde im Spätmittelalter den gotischen Chor anfügte. Der Kirchplatz selbst ist der pulsierende Kern der Stadt, gesäumt von Häusern mit Fassaden aus dunklem Lärchenholz, die das architektonische Erbe der Region widerspiegeln.

Nur wenige Schritte von der Kirche entfernt befindet sich das Zuniger Kulturzentrum, ein ehemaliges Lagerhaus, das mit viel Glas und Stahl in eine moderne Begegnungsstätte verwandelt wurde. Hier leitet Frau Dr. Aris die Geschicke des Hauses. Ob avantgardistische Konzerte, Lesungen bekannter zentravianischer Autoren oder Ausstellungen lokaler Bildhauer – das Zentrum sorgt dafür, dass Zunig weit über die Grenzen Zentravias hinaus als intellektueller Ankerpunkt wahrgenommen wird. Es ist dieser Kontrast aus der Schwere der Geschichte und der Leichtigkeit moderner Kultur, der den Charme des Ortes ausmacht.

Die wirtschaftliche Stärke von Zunig ist untrennbar mit dem Wald verbunden, der die Stadt von allen Seiten umschließt. Zunigmobilar, ein großer Möbelbetrieb am Stadtrand hat sich auf die Fertigung von Massivholzmöbeln spezialisiert, die heute in ganz Zentravia für ihre Langlebigkeit und ihr zeitloses Design geschätzt werden. In den Werkstätten arbeitet Elara Schönkind, eine Schreinermeisterin in dritter Generation. Wenn sie über die Maserung der heimischen Eiche streicht, spricht sie von der Seele des Holzes, die in jedem Schrank und jedem Tisch weiterlebt. Nicht weit davon entfernt widmet sich der Handwerksbetrieb „Der Bodenmeister“ der Perfektion unter den Füßen. Hier entstehen hochwertige Parkettböden, die oft in den repräsentativen Villen der Hauptstadt Zentro oder in den modernen Lofts von Seestadt verlegt werden. Die Handwerker hier verstehen sich als Bewahrer einer Ästhetik, die ohne den Rohstoff der Umgebung undenkbar wäre.

Doch Zunig blickt nicht nur zurück oder auf das Handwerk. Ein markanter Glasbau am nördlichen Ortsrand beherbergt das Zentrum für Simulation und Modellierung. Hier werden komplexe ökologische und ökonomische Systeme berechnet, was einen faszinierenden Kontrast zu den staubigen Sägewerken bildet. Junge Wissenschaftler aus dem ganzen Land bringen ein internationales Flair in die hiesigen Cafés und Bars. Ein weiterer wichtiger Akteur ist die Crystal Clear Water AG. Das Unternehmen nutzt die außergewöhnliche Reinheit der Quellen, die unter dem Queck-Riegel entspringen. Während das Mineralwasser in die charakteristischen blauen Flaschen für den Export gefüllt wird, gibt es eine Besonderheit: Die AG stellt auch das Brauwasser für eine kleine, feine Brauerei in Zunig zur Verfügung. Dieses Wasser ist so weich, dass das hiesige Pils eine ganz eigene, fast seidige Note besitzt, die man am besten abends in einer der gemütlichen Bars im Ortskern probiert.

Kulinarisch gipfelt die Zuniger Lebensart im Gourmetrestaurant „Zum Zunigquell“. Der Küchenchef Julian Klünge, ein gebürtiger Zuniger, der nach Jahren in den Metropolen der Welt in seine Heimat zurückgekehrt ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die traditionelle Küche Zentravias neu zu erfinden. Seine Spezialität ist der „Zuniger Wildtopf“, bei dem das Fleisch direkt aus den Wäldern des Queck-Riegel stammt und mit Kräutern verfeinert wird, die an dessen Hängen wachsen. Die moderne Interpretation regionaler Klassiker lockt Feinschmecker sogar aus dem 18,5 Kilometer entfernten Weishaus oder aus dem östlich gelegenen Ferkelau an, die über die gut ausgebaute B51 oder die Landstraße Z-1 anreisen.

Wer die Kalorien des „Zunigquells“ direkt wieder verbrennen möchte, dem sei eine Expedition auf den Queck-Riegel empfohlen. Mit seinen 705 Metern ist er der dominierende Berg der Region, eingebettet zwischen den Tälern des Westlichen, Nördlichen und Östlichen Queckbachs. Doch Vorsicht: Der Queck-Riegel ist kein Ort für gemütliche Sonntagsspaziergänger auf asphaltierten Wegen. Es gibt hier schlichtweg keine Straßen oder markierten Pfade. Wer den Gipfel stürmen will, muss sich auf das Abenteuer „Querwaldein“ einlassen. Mit festen Wanderstiefeln und einem guten Orientierungssinn stapft man durch tiefes Moos, über umgestürzte Baumstämme und durch dichtes Farnkraut. Es ist eine Erfahrung von absoluter Stille und Wildnis, die in Zentravia selten geworden ist. Man begegnet höchstens mal einem scheuen Reh oder hört das Klopfen eines Schwarzspechts. Ein wichtiger Hinweis für alle Abenteurer: Man darf den Entdeckergeist nicht zu weit nach Norden treiben. Dort grenzt das Waldgebiet an die Queck-Research-Area. Hohe Zäune und aufmerksame Sicherheitskräfte markieren dort deutlich das Ende der Wanderfreiheit, und die Einheimischen erzählen sich hinter vorgehaltener Hand die wildesten Geschichten darüber, woran dort oben geforscht wird.

Zunig ist auch ein idealer Basispunkt für Ausflüge in die Umgebung. Die Autobahn A5 bietet schnelle Verbindungen nach Seestadt im Westen oder Tremo im Nordosten. Wer es beschaulicher mag, nutzt die Z-1 nach Süden in Richtung Horchau. Trotz dieser guten Anbindung hat sich der Ort eine gewisse Abgeschiedenheit bewahrt. In den Abendstunden, wenn die Pendler aus dem Simulation-Center nach Hause kehren und die Lichter in den Hotels und Pensionen angehen, legt sich eine friedliche Ruhe über das Tal. Dann hört man nur noch das leise Rauschen des Zunigbachs, der unermüdlich den Weg in Richtung Ebene sucht.

In Zunig scheint die Zeit langsamer zu gehen, ohne jedoch stehenzubleiben. Es ist ein Ort der Macher – ob sie nun Holz biegen, Wasser aufbereiten oder komplexe Datenströme simulieren. Für den Reisenden bietet Zunig eine seltene Mischung aus intellektuellem Anspruch, handwerklicher Ehrlichkeit und einer Natur, die sich ihre Wildheit bewahrt hat. Ein Aufenthalt hier ist mehr als nur ein Zwischenstopp auf dem Weg durch das Zentralmassiv; es ist eine Einladung, die Langsamkeit und die Qualität des Augenblicks neu zu entdecken, sei es vor einem Fresko in St. Hilmar oder bei einem Glas Wasser direkt aus den Tiefen des Queck-Riegels.


Verkehrsverbindungen:
Bahn: Linie 18A (Zentralmassivbahn) stündlich 6:43-19:43 über Kornutal, Novatal nach Blue River, 20:43 nach Novatal, 21:43 nach Kornutal; 7:05-20:05 über Weishaus, Münchhausen nach Nudeltopf, 21:05 nach Münchhausen, 22:05 nach Weishaus
Straße: A5 (W: Seestadt, NO: Tremo); B51 (W: Weishaus 18,5km, O: Ferkelau 9km); Landstraßen Z-1 (S: Horchau 7km)