Die Südteicher Räucherei & Konserven GmbH liegt am westlichen Kai von Südteich, dort, wo die Wasserfläche des Großen Teichs in einen schmalen Seitenarm übergeht. Schon von weitem erkennt man den Betrieb an den gemauerten Schornsteinen, den flachen Ziegelbauten und dem metallischen Geruch, der sich mit Dampf und Salz mischt. Der Komplex entstand 1897 als kleine Räucherhütte eines Fischers namens Karl Riemer, der begann, Karpfen und Hechte in Tonnen zu konservieren, um sie an die Märkte von Unterstrand und Seestadt zu liefern. Aus seiner Werkstatt wurde im Laufe von mehr als einem Jahrhundert ein regional bekannter Betrieb, der bis heute den Geschmack des Seelandes prägt. Das Hauptgebäude, ein langer Ziegelbau mit giebelständigem Dach, trägt noch immer die ursprüngliche Inschrift „Riemer & Co. – Teichwarenfabrik“. Dahinter stehen die neueren Hallen der Südteicher Räucherei & Konserven GmbH, errichtet 1934, erweitert 1961 und 1998 modernisiert. Das Gelände gliedert sich in drei Bereiche: die Räucherei, in der Fische und Teichkrebse verarbeitet werden, die Konservenproduktion mit Dampfkesseln und Etikettieranlage, und die Verpackerei, wo täglich Kisten für den Versand nach Seestadt, Kohla und Bierona verladen werden.

In der Räucherei riecht es nach Teer, Holz und Salz. Die alten Öfen werden bis heute mit Buchen- und Erlenholz befeuert; ihre schwarzen Innenwände glänzen vom jahrzehntelangen Gebrauch. Fische – meist Karpfen, Hecht, Aal und Zander – hängen an langen Stangen in Reihen, ihr Fett tropft in Schalen aus Gusseisen. Über den Türen stehen Tafeln mit alten Familiennamen: Riemer, Held, Manske, Scholl – Generationen von Arbeitern, die hier ihren Dienst taten. Morgens ab sechs Uhr dampft der Hof, und die Luft trägt den Geruch weit über den Teich. Neben den Räucheröfen steht der Bereich für die Krebsverarbeitung, in dem die regionale Spezialität Teichkrebse in Dilllake entsteht. Die Tiere stammen aus den Zuchtteichen südlich des Großen Teichs. Sie werden kurz abgebrüht, dann in gläserne Dosen geschichtet und mit einer Brühe aus Dill, Salz und etwas Essig übergossen – ein Rezept, das auf Karl Riemer selbst zurückgeht. Auf jeder Dose steht in blauer Schrift: „Südteicher Konserve – Frisch aus dem Wasser, nach alter Art.“ In der Konservenhalle reihen sich die Autoklaven, hohe Metallzylinder, in denen die Gläser sterilisiert werden. Das rhythmische Zischen und Klacken bildet den ständigen Grundton des Betriebs. Besucher können von einer verglasten Galerie aus den Ablauf verfolgen – von der Anlieferung der Fische bis zum Etikettieren. Kinder drücken sich gern die Nasen an den Scheiben platt, wenn die Rollen der Etikettiermaschine laufen: der Takt der Dosen, das Surren des Bandes, das dumpfe Schließen der Deckel. Es ist der Klang einer Arbeit, die seit Generationen fast unverändert geblieben ist.

Das Sortiment der Fabrik reicht heute von traditionellen Räucherfischen über eingelegtes Gemüse bis zu regionalen Delikatessen. Besonders bekannt sind die Gläser mit Roter Bete in Wacholderessig, die einst als Beilage zu Fischgerichten entwickelt wurden, sowie Gurkenscheiben mit Meerrettich, die nach einem Rezept aus Achthaus gefertigt werden. Ein kleiner Teil der Produktion geht an Feinkostläden in Seestadt, doch der größte Teil bleibt im Seeland selbst – verkauft auf Märkten, in Dorfläden oder direkt ab Werk im kleinen Verkaufspavillon am Eingang. Dort kann man mittags geräucherten Aal in Papier, eingelegte Teichkrebse oder Fischpastete im Glas kaufen; ein Schild weist schlicht darauf hin: „Nur solange Vorrat reicht.“
Der Betrieb beschäftigt etwa fünfzig Mitarbeiter. Viele stammen aus Südteich oder Rosengarten, einige aus Unterstrand. Das Wissen um Temperatur, Rauchdauer und Lakezusammensetzung wird meist mündlich weitergegeben, von Generation zu Generation. „Man riecht, wann der Fisch fertig ist“, sagt der heutige Betriebsleiter Henrik Manske, dessen Großvater schon bei Riemer arbeitete. Diese Erfahrung, gepaart mit technischer Präzision, macht die Produkte so unverwechselbar.
Auch die Verbindung zu anderen Orten des Seelandes ist eng. Die Agrarverbund Seeland-Ebene Unterstrand eG liefert Gemüse, Gurken und Rüben, die als Beilagen konserviert werden. Das Leinenwerk Faultierwald Faden & Band stellt die strapazierfähigen Säcke für Transport und Lagerung her. Selbst die Etiketten stammen aus der Druckerei Papierstedt, während Ulmdorf den Brennstoff für die Dampfkessel liefert. So ist die Räucherei ein Knotenpunkt der regionalen Wirtschaft, ein Ort, an dem sich die Erzeugnisse des ganzen Seelandes treffen.

Von besonderem Reiz ist der Werfthafen unmittelbar vor dem Betrieb. Die alten Anleger dienen heute als Ankunftsort für die Boote der Fischer, die morgens ihre Fänge bringen. Wenn die Sonne über dem Teich aufsteigt, spiegelt sich der Rauch der Öfen auf der Wasserfläche, und das leise Klatschen der Wellen mischt sich mit dem metallischen Klirren der Werkzeuge. Ein Stück Alltagsmusik, die jeden Morgen gleich klingt.
Im hinteren Teil des Geländes befindet sich das kleine Werksarchiv, das eine Reihe bemerkenswerter Dokumente bewahrt: alte Lieferscheine nach Seestadt, handschriftliche Rezeptbücher, Fotos aus den 1920er Jahren mit Frauen in weißen Schürzen, die Gläser in Holzkisten stapeln. Eine Vitrine zeigt die ersten Konservendosen, noch mit handgelötetem Deckel und eingestanztem Firmenzeichen. Daneben hängt ein vergilbtes Plakat aus dem Jahr 1936: „Südteicher Teichwaren – Gesundheit aus dem Wasser!“

