
(Pop.: 536 – 101m NN)
Doulos, ein Dorf mit 536 Einwohnern, liegt auf 101 Metern Höhe am südlichen Rand des Seelandwaldes, dort, wo der Doulosbach nach seiner langen, gewundenen Strecke aus dem Wald in den Grenzsee mündet. Der Ort bildet gewissermaßen die letzte Schwelle zwischen dem Forst und dem offenen Wasser, zwischen den säumenden Buchenhängen im Norden und den stillen Uferwiesen im Süden. Wenn man von Altenow über die Bundesstraße B6 herkommt, öffnet sich nach einigen Kilometern die Landschaft: Die Felder weichen einer sanften Senke, durch die der Bach mäandert, und am gegenüberliegenden Ufer liegt das Dorf, in dessen Mitte der alte Mühlgraben glitzert. Die Luft riecht nach feuchtem Holz, Wasser und Zellstoff – der unverwechselbare Geruch eines Ortes, der seit Jahrhunderten vom Papier lebt.

Die Papiermühle von Doulos, gegründet im Jahr 1764, ist das älteste erhaltene Industriegebäude im Landkreis Altenow. Sie entstand an der Stelle einer früheren Ölmühle, deren Wasserrechte übernommen wurden, und wurde zunächst von Hand mit Wasserkraft betrieben. Im 19. Jahrhundert erfolgten mehrere Umbauten, unter anderem der Anbau eines zweiten Flügelbaus, in dem später Holzstoff verarbeitet wurde. Heute produziert die Mühle Zellstoff, der an die Papierfabrik Grenzbach in Altenow Altenow wird. Die Verbindung zwischen den beiden Betrieben besteht seit 1909 – eine seltene, fast familiäre Kontinuität industrieller Zusammenarbeit. Das Mühlengebäude selbst ist ein langgestreckter Bau aus gelbem Backstein mit grauem Schieferdach. Über dem Eingang prangt noch die alte Inschrift „Papier- und Hadern-Mühle Doulos 1764“. Im Inneren sind die alten Wasserräder längst durch Turbinen ersetzt, doch einige der hölzernen Antriebswellen wurden als historische Relikte belassen. Die Mühle wird heute von der Familie Eissner geführt, die in vierter Generation in Doulos lebt. Im Obergeschoss befindet sich ein kleiner Raum mit Fotos, alten Rechnungen und Werkzeugen – eine Art inoffizielles Industriemuseum, das auf Anfrage besichtigt werden kann. Wer Glück hat, wird von Hanno Eissner selbst geführt, einem Mann mit wettergegerbtem Gesicht, der mit ruhiger Stimme Geschichten aus der Zeit erzählt, als noch Lumpen statt Holz verarbeitet wurden und der Doulosbach regelmäßig über die Ufer trat.

Das Dorf hat sich um die Mühle entwickelt, und vieles im Ort erinnert an seine Geschichte mit Wasser und Holz. Die Straße entlang des Baches ist gesäumt von Fachwerkhäusern, deren Balken dunkel glänzen. Viele stammen aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert, als Doulos durch den Handel mit Papier und Holz einen gewissen Wohlstand erreichte. In der Dorfmitte steht das alte Schulhaus, ein zweigeschossiger Bau mit hellen Putzwänden und grün gestrichenen Fensterläden. Seit 1984 beherbergt es die „Sammlung zur Forstgeschichte des Seelandwaldes“, eine kleine Ausstellung mit Werkzeugen, alten Forstkarten und Modellen von Schlitten, mit denen einst Baumstämme transportiert wurden. Eine Vitrine widmet sich der Zeit, als Waw in den 1950er-Jahren Umschlagplatz für das Holz des gesamten Seelandwaldes war. Damals fuhr täglich ein kleiner Güterzug auf einer provisorischen Schmalspurbahn, die vom Sägewerk in Waw bis zur Bahnstation bei Doulos führte. Heute ist von der Bahnlinie kaum etwas zu sehen, doch die Schienenstränge, die einst am Mühlgraben endeten, sind auf alten Fotos in der Ausstellung dokumentiert.
Der Dorfplatz liegt unweit der Schule, gesäumt von Linden und einem steinernen Brunnen, der früher die Wasserversorgung sicherstellte. In einem der angrenzenden Gebäude, einem ehemaligen Kolonialwarenladen, befindet sich heute die kleine Schenke „Zum Grenzblick“, wo Einheimische und Wanderer einkehren. Von der Terrasse aus hat man einen Blick auf den Doulosbach, der hier kurz vor seiner Mündung träge durch die Wiesen zieht.

Am westlichen Ende des Dorfes erhebt sich auf einer kleinen Anhöhe das Gutshaus von Doulos, ein langgestrecktes Herrenhaus aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es wurde einst von der Familie Krander erbaut, die große Teile des umliegenden Waldes besaß und den Holzeinschlag in der Region organisierte. Heute befindet sich das Gut in Privatbesitz, doch die Fassade ist sorgfältig restauriert. Besonders auffällig ist das Eingangsportal mit seiner schweren Holztür, gefertigt von der „Holzwerkstatt Melos“. Diese Tür gilt als ein Meisterstück seeländischer Handwerkskunst – massiv, schlicht, mit eingearbeiteten Intarsien aus Eschenholz, die das Muster des Flutkanals darstellen. Besucher, die das Gutshaus von außen betrachten, verweilen oft vor dieser Tür, weil sie als Symbol für die Verbindung der Dörfer des Seelandes gilt: Melos, Waw, Altenow, Doulos – alle durch Arbeit und Material miteinander verknüpft.
In Doulos zeigt sich diese Verbundenheit auch im Alltag. Viele Dorfbewohner arbeiten in den Holzwerken von Waw oder in der Papierfabrik von Altenow. Einige pendeln per Bahn – der Bahnhof von Doulos liegt am westlichen Ortsrand an der Linie SeeLB90. Von hier aus fahren stündlich Züge nach Kleinros und Zentro. In den frühen Morgenstunden steigen Holzarbeiter, Mühlenleute und Schüler in denselben Zug, und im Dorf heißt es dann: „Der 6:36er bringt die Arbeit.“ Am östlichen Ortsrand führt die B6 weiter nach Berenburg. Der Weg folgt dem Verlauf des Grenzsees, dessen Ufer sich in der Sonne spiegelt. Von hier aus sieht man Fischerboote, die im seichten Wasser ankern, und bei Wind hört man das Rauschen der Schilfgürtel. Auf einem kleinen Damm steht ein Steinkreuz, das an eine Flut von 1878 erinnert, bei der mehrere Mühlengebäude zerstört wurden.
Bahn: SeeLB90 stündlich 6:36 – 21:36 nach Kleinros, 6:54 – 20:54 nach Zentro, 21:54 nach Berenburg)
Ch.: B6 (W: Altenow 5km, O: Berenburg 14km); SEE23 (N: Waw 7,5km, S: Mühlen 9km); Waldstraße nach Arnsheim

