(Pop.: 712 – 98m NN)

Berenburg, ein Dorf mit 712 Einwohnern, liegt auf 98 Metern Höhe im südlichen Seelandwald, dort, wo der Flutkanal in den Grenzsee mündet. Der Ort zieht sich entlang des Hanges über dem Wasser, in einer Landschaft, die von Wald, Hangterrassen und der glänzenden Weite des Sees geprägt ist. Wenn man von Arnsheim her kommt, folgt man dem Lauf des Kanals, der schnurgerade durch den Forst zieht, bis er sich in einem weiten Becken öffnet. Hier, wo der Flutkanal in den Grenzsee übergeht, liegt Berenburg – ein stilles Dorf, das einst vom Holz lebte und heute vom Wasser erzählt.

Sein Ursprung reicht in das frühe 19. Jahrhundert zurück, als der Kanal ausgebaut wurde, um die Binnenwasserstraße von Kohla bis ans Mare Internum auch für größere Schiffe schiffbar zu machen. Damals war Berenburg ein reiner Umschlagplatz, kaum mehr als einige Hütten, ein Lagerplatz und eine Schleuse. Später entstanden entlang des Hanges Wohnhäuser, Werkstätten und Gasthöfe für die Schiffer, die hier Rast machten. Noch heute zeugen die steinernen Reste der alten Treidelpfade vom damaligen Betrieb, als Pferde und Männer die schweren Lastkähne den Kanal hinabzogen. Der Ort hat seine Vergangenheit nicht verloren – sie ist nur leiser geworden.

Im Zentrum Berenburgs, am kleinen Hafenbecken, steht die Gaststätte „Zum Grenzblick“. Ihr Name ist Programm: Von der Terrasse sieht man über das ruhige Wasser des Grenzsees bis zur fernen Uferlinie auf der buthanischen Seite. Früher kamen hier Holzfäller, Flößer und Schiffsleute zusammen, heute sind es Fischer, Wanderer und Radfahrer, die entlang des Kanals unterwegs sind. Der Wirt, Hendrik Merten, ist selbst Nachfahre eines Treidelknechts. Er erzählt gern von den Tagen, als der Ort noch vom Schlag der Zugketten erfüllt war und der Hafen jeden Morgen nach Teer und Holz roch. Im Gasthaus hängt ein Gemälde des Künstlers Lennert Grau aus Waw – eine großformatige Holztafel, in die Wellen und Gesichter geschnitzt sind, ein Werk zwischen Landschaft und Erinnerung. Grau, ein zurückhaltender Mann, hat viele seiner Figuren in Berenburg ausgestellt. In der kleinen Galerie im ehemaligen Lagerhaus am Hafen sind seine Tier- und Menschenfiguren aus Eichenholz zu sehen, die wie aus der Maserung selbst gewachsen scheinen.

Berenburg ist ein Dorf des Wassers. Der Flutkanal prägt das Leben hier ebenso wie der See. Morgens spiegeln sich die Dämme und Schilfgürtel in der stillen Oberfläche, während Nebel aus den Niederungen aufsteigen. Am Nordrand des Ortes liegt die Schleuse XII, ein technisches Denkmal aus dem 19. Jahrhundert. Sie reguliert den Pegelunterschied zwischen Kanal und See und ist noch heute in Betrieb, wenn auch automatisiert. Der Schleusenwärter, Timo Krahl, wohnt im kleinen Backsteinhaus neben der Anlage. Besucher dürfen, sofern kein Schiff durchfährt, die Brücke über die Kammer betreten und den Blick hinab auf das grünlich schimmernde Wasser werfen. Auf einer Metalltafel ist die Geschichte der Schleuse verzeichnet – vom Bau im Jahr 1846 bis zur letzten Sanierung im Jahr 1982.

Entlang des Kanals verläuft die Trasse der ehemaligen Treidelbahn. Zwischen Arnsheim und Berenburg pendelt heute stündlich ein kleiner Schienenbus, der auf denselben Gleisen fährt, die einst für den Holztransport genutzt wurden. Die Strecke ist kurz, aber landschaftlich eindrucksvoll: sie folgt dem schnurgeraden Kanal, begleitet von alten Weiden und den Spuren der früheren Verladeplätze. Für viele Besucher ist diese Fahrt ein stilles Erlebnis – ein Blick in die Zeit, als die Wälder noch das wichtigste Gut des Seelandes waren.

Die Häuser Berenburgs stehen dicht am Hang, oft mit kleinen Terrassen, von denen man auf das Wasser blickt. Einige stammen noch aus der Zeit der Holzflößer, mit massiven Sockeln aus Feldstein und Fachwerkaufsätzen. Andere sind jüngere Ziegelbauten, deren rote Dächer in der Abendsonne leuchten. In den engen Gassen duftet es nach Harz, Rauch und Seegras. Kinder spielen am Ufer, wo Boote vertäut liegen, und manchmal hört man das Klopfen der Fischer, die ihre Netze ausbreiten.

Neben dem Hafen steht ein kleiner Schuppen mit der Inschrift „Holzlager 1849“. Heute dient er als Werkstatt des Bootsbauers Arvid Senn, der hier alte Ruderboote restauriert. Seine Werkbank steht direkt am Wasser, und wer ihm zusieht, erkennt die langsame, fast meditative Präzision, mit der er Holz formt. Senn sagt, das Holz müsse den See riechen, bevor es ins Wasser zurückkehre.

Das Dorf hat keine große Kirche; ein kleiner Andachtsraum in einem früheren Verwaltungsgebäude ersetzt seit den 1920er-Jahren das alte Gotteshaus, das einem Sturm zum Opfer fiel. Doch die Bewohner sagen, der See selbst sei ihre Kirche – offen, weit und beständig. In den Sommermonaten kommen Pilger und Radwanderer, die der „Seelandroute“ folgen, und halten am Hafen Rast. Dann belebt sich der Ort, Kinder verkaufen Obst und Honig, und der Klang der Schleuse mischt sich mit dem Summen der Gespräche.

Etwa dreieinhalb Kilometer östlich von Berenburg, am Nordufer des Grenzsees, liegt die Steinmark, eine Felsformation, in deren glatte Oberflächen uralte Runen eingeritzt sind. Man nimmt an, dass sie aus der Wikingerzeit stammen und einst als Kult- oder Grenzzeichen dienten. Der Ort ist nur über einen schmalen Pfad durch den Wald erreichbar, wo sich der Blick plötzlich auf das graue Gestein öffnet, das direkt aus dem Wasser aufragt. Im Sommer findet hier das Runenfest statt, bei dem Kinder aus den Dörfern kleine Tonplatten mit den alten Zeichen formen und sie am Ufer niederlegen, bevor das Wasser sie fortträgt. Wenn die Sonne über dem See steht und die Felsen rötlich glühen, scheinen die Runen selbst zu leuchten, als trügen sie die Erinnerung an jene Menschen, die hier vor Jahrhunderten ihre Spuren hinterließen. Die Steinmark ist ein stiller, geschichtsträchtiger Ort, an dem Natur, Wasser und Vergangenheit ineinander übergehen – ein Platz, an dem das Seeland sein ältestes Gedächtnis bewahrt.

Abends, wenn die Sonne über dem Grenzsee versinkt, leuchtet Berenburg in goldenem Licht. Die Schatten der Schleusenbrücken strecken sich über das Wasser, und der See wirkt fast unbewegt, als hielte er den Atem an. Auf der Terrasse der Gaststätte „Zum Grenzblick“ sitzen Einheimische und Gäste nebeneinander, trinken Bier oder Kräuterschnaps, und wenn der Wind dreht, hört man das ferne Läuten der Glocken von Arnsheim. Über dem Wasser zieht manchmal ein Reiher, und die ersten Lichter spiegeln sich in den sanften Wellen.

Bahn: SeeLB90 stündlich 6:36 – 21:36 nach Kleinros, 6:07 – 21:07 nach Zentro, SeeLB91 stündlich 7:35 bis 21:35 nach Arnsheim

Ch.: B6 (W: Doulos 14km, SO: Prießen 11km), B531 (N: Arnsheim 10km), Waldstraße nach Südteich