(Pop.: 14.881)

Der Landkreis Teicha im Seeland ist ein kompakter Landstrich von 20 mal 22 Kilometern, der sich östlich und südöstlich des Großen Teichs ausbreitet. Im Westen bildet der Flutkanal, der den Großen Teich mit dem weiter südlich gelegenen Grenzsee verbindet, eine klare Grenze, im Süden schiebt sich der geschlossene Seeland-Wald als dunkler Block ins Kreisgebiet. Nach Osten steigen die Felder in langen, leicht gewellten Rücken zum Zento-Rücken an, jener langen Höhenlinie, die das Seeland vom Nachbarland Zentravia trennt. Die niedrigsten Punkte liegen mit rund 101 Metern am Ufer des Großen Teichs bei Teicha, Flutkanal und Ziehen, der höchste bewohnte Punkt ist Nolenau mit 169 Metern. Dazwischen liegen weite Schläge mit Getreide, Raps und Klee, eingefasst von Baumreihen, Feldwegen und Entwässerungsgräben. Nur vier Ortschaften tragen die insgesamt 14.881 Einwohner: die Kreisstadt Teicha, das Dorf Flutkanal an der Mündung des gleichnamigen Kanals, das hoch über den Feldern gelegene Nolenau und der Bade- und Ausflugsort Ziehen im Ziehener Küstenwald. Dazwischen: viel Wasser, viel Wald, viel offenes Land.


Die Kreisstadt Teicha mit seinen 9.467 Einwohnern liegt wie ein breiter Riegel an der südöstlichen Ecke des Großen Teichs. Die Stadt drängt mit ihrer Uferfront direkt an das Wasser, wo ein kleiner Hafen, eine Uferpromenade und die Anleger der Ausflugsboote den Übergang zwischen Stadt und See markieren. Südlich der letzten Häuser beginnt beinahe abrupt der Seeland-Wald; ein Fußweg führt von der Uferpromenade in wenigen Minuten in dunklere, kühle Waldstücke. Östlich der Stadt ziehen sich Felder und Weiden in parallelen Streifen bis hinauf zum ersten Absatz des Zento-Rückens. Die Stadt ist in Nord-Süd-Richtung entlang der Seestraße gebaut, die das Ufer begleitet; sie trifft im Stadtzentrum auf die Marktgasse, die von Osten aus dem Ackerland herabkommt und hier den alten Stadtkern mit dem Markt verbindet. An diesem Kreuzungspunkt liegt das Landratsamt Teicha, ein langgestreckter Verwaltungsbau aus hellen Ziegeln mit einem niedrigen Uhrturm, der seit den 1960er-Jahren den administrativen Mittelpunkt des Kreises bildet.

Der historische Kern von Teicha gruppiert sich um den rechteckigen Marktplatz, dessen Nordseite von Bürgerhäusern mit breiten Torfahrten eingenommen wird. In einem dieser Häuser, Markt 7, backt die Bäckerei „Kaun & Sohn“ seit Generationen Brote mit Roggen aus den Feldern um Nolenau; morgens stehen Fischer, Büroangestellte aus dem Landratsamt und Schüler in einer einzigen Schlange. An der Südseite des Platzes öffnet sich die Gastwirtschaft „Zum Grenzseefischer“, deren Speisekarte fast vollständig aus Fischgerichten besteht: Teichzander, Barschspieße, eine kräftige Suppe aus gemischtem Seefisch. Ein paar Schritte weiter, Ecke Marktgasse/Seestraße, steht das kleine „Hotel Zento-Blick“, dessen obere Zimmer einen freien Blick über den Großen Teich bis zu den Lichtern von Seestadt bieten, wenn dort abends die Hafenkräne beleuchtet sind. In den Erdgeschossen der Häuser wechseln sich Schreibwarenladen, kleiner Supermarkt, ein Geschäft für Outdoor-Artikel und ein Laden mit Bootszubehör ab; der See ist in dieser Stadt kein Hintergrund, sondern täglicher Bezugspunkt.

Markanter Orientierungspunkt ist die Kirche „St. Nautilus“ am nördlichen Rand des Marktplatzes. Ihr Turm ist nicht besonders hoch, aber eigenwillig: ein quadratischer Schaft aus hellem Bruchstein, auf dem kein typischer Spitzhelm sitzt, sondern eine Laternenstruktur mit umlaufender Galerie. Diese Laterne wird nachts beleuchtet; früher diente sie Booten auf dem Großen Teich als inoffizielle Peillinie auf dem Weg nach Seestadt. Das Kirchenschiff ist niedrig und breit, innen mit einer flachen Holzdecke, die in kräftigen Balkenfeldern bemalt ist. An den Wänden hängen Votivtafeln von Fischern, Schleusenarbeitern und Eisseglern, die nach Stürmen oder Unfällen ihre Rückkehr aufs Wasser mit kleinen Bildern und knappen Inschriften markierten. Die Legende erzählt, dass die Kirche erst nach einer schweren Sturmflut erbaut wurde, bei der der Wasserstand des Großen Teichs über die Ufer trat und das halbe Stadtgebiet überschwemmte. Als der Pegel wieder fiel, habe man an der Stelle der heutigen Kirche eine schwimmende Glocke gefunden, die niemand zuordnen konnte; sie hängt heute im Turm und wird nur zu besonderen Anlässen geläutet.

Der „Alte Kornspeicher Teicha“ steht ein paar Schritte hinter der Kirche St. Nautilus in der Speicherstraße und ist ein schmales, hohes Gebäude mit hölzernen Ladeluken. Im 18. und 19. Jahrhundert lagerten hier Getreide und Hülsenfrüchte, bevor sie auf Schiffe verladen und über den Großen Teich weitertransportiert wurden. Heute beherbergt der Speicher ein kleines Kulturzentrum mit Lesungen, Konzerten und einer Dauerausstellung über die landwirtschaftliche Geschichte der Region. Vom Dachboden aus, der für Besucher zugänglich ist, fällt der Blick über die Dächer der Stadt und den Hafen, in dem die Ausflugsboote für die Linie nach Seestadt bereitliegen.

Am nördlichen Ende der Uferpromenade schließt sich die „Alte Schleusenmeisterei“ an, ein langes, zweigeschossiges Haus mit flachem Dach und schmalen Fenstern, dessen Fassadentafeln noch die Markierungen für Hochwasserstände tragen. Dieses Gebäude ist einer der historischen Orte des Landkreises. Es wurde im 19. Jahrhundert als Dienstsitz der Ingenieure errichtet, die den Bau des Flutkanals planten und später die Pegel zwischen Großen Teich und Grenzsee überwachten. In einem kleinen Museumsteil sind heute Karten mit handgezeichneten Querschnitten des Kanals, alte Pegellatten und Messinstrumente ausgestellt. Führungen erklären, wie die Wasserwirtschaft des Großen Teichs nicht nur für die Schifffahrt, sondern auch für die Landwirtschaft auf dem Zento-Rücken entscheidend wurde. Von hier aus sieht man nach Westen über das Wasser die schmale Linie des Kanals, der die Kreisgrenze bildet, und kann im Sommer die Ausflugsboote beobachten, die im Stundentakt nach Seestadt und weiter zu den Ortschaften am Kleinen Teich übersetzen.


Südlich von Teicha und Flutkanal nimmt der Seeland-Wald große Flächen des Landkreises ein. Der Wald besteht aus Kiefern, Buchen und einzelnen Eichen, die in ungleichen Beständen stehen. Zwischen den Stämmen ziehen sich breite Rückegassen und schmalere Pfade, die von Wanderern, Pilzsuchern und Radfahrern genutzt werden. Der Landkreis hat hier einen Naturpfad eingerichtet, der vom Stadtrand Teichas bis fast zum Pumpwerk bei Flutkanal führt. Auf dem „Wasserwege-Pfad“ erklären Tafeln den Zusammenhang zwischen Wald, Wasserhaushalt und Flutkanal. Ein Abschnitt des Weges ist als Holzsteg gebaut, der einen kleinen Moorbereich und mehrere Quellrinnen überquert. Dieser „Baum- und Quellsteg Seeland-Wald“ ist besonders bei Familien beliebt, weil Kinder von oben in die dunklen Wasserflächen blicken, Libellen beobachten und die Wurzelteller umgestürzter Bäume aus nächster Nähe sehen können. Im Herbst sammeln Bewohner aus Teicha hier Pilze, vor allem Pfifferlinge und Steinpilze, die anschließend in den örtlichen Gaststätten in einfachen Mahlzeiten verarbeitet werden.


Flutkanal, das Dorf, liegt mit seinen 3.578 Einwohnern genau dort, wo der Kanal in den Großen Teich mündet. Die Siedlung sitzt auf der Ostseite des Kanals, die breite Wasserfläche des Großen Teichs im Norden und den geraden Band des Flutkanals im Westen; auf der Landseite wachsen sofort die ersten Bäume des Seeland-Waldes hoch. Ins Dorf führen zwei Straßen: von Osten die Seestraße (B512) aus Teicha, die hier zur Uferstraße wird und als B53 nach Westen weiter nach Südteich führt, und von Süden die Waldstraße (B53), die am Rand des Flutkanals nach Arnsheim führt. Zwei Brücken überspannen den Flutkanal: die breite „Kanalbrücke“, über die die B53 verläuft, und die Eisenbahnbrücke, die auch von Fußgängern und Radfahrern benutzt wird. Hier stehen fast immer ein paar Menschen, die auf das Wasser blicken, den kräftigen Strom verfolgen oder auf Transportkähne warten, die mit Baumstämmen aus den südlichen Waldgebieten herabgleiten.

Entlang der Uferstraße reihen sich niedrige Häuser mit Holzveranden, in denen die Bewohner nasse Seile trocknen oder Netze flicken. Viele Familien leben hier seit Generationen vom Wasser: als Schleusenwärter, Kanallotsen, Fischer oder Wartungspersonal der Pumpwerke. Am Ende der Uferstraße steht das „Pumpwerk Flutkanal-Nord“, ein weiterer historischer Ort des Landkreises. Von hier wurden früher zusätzliche Wassermengen in den Kanal gedrückt, wenn nach starken Regenfällen die Pegel des Großen Teichs gefährlich stiegen. Auf den Ziegelwänden sitzen noch emaillierte Schilder mit Betriebsanweisungen in alter Rechtschreibung. Heute läuft vieles automatisiert, doch einmal im Jahr, am „Tag des Kanals“, wird das Pumpwerk für Besucher geöffnet, die sich von ehemaligen Technikern erklären lassen, wie die gewaltigen Kolben und Ventile früher klangen. Der Festtag endet abends oft in der Kneipe „Zum Schleusentor“, einem niedrigen Haus an der Kanalbrücke, in dem Geschichten von Eiswintern, Treibeis und fast gescheiterten Schleusungen erzählt werden.


Nolenau liegt vier Kilometer nordöstlich der Kreisstadt, bereits spürbar höher auf 169 Metern Höhe, inmitten von Feldern, die sich dort langsam zum Zento-Rücken anheben. Das Dorf besteht aus einer Handvoll Höfe, die lose um eine dreieckige Grünfläche stehen, auf der eine Linde mit tief herabhängenden Ästen Schatten spendet. In einem umgebauten Stadel an der Ostseite der Grünfläche betreibt Familie Trost den „Dorfladen Nolenau“, der zugleich Lebensmittelladen, Poststelle und Treffpunkt ist. Die Regale sind eng, doch in einer Kühltheke liegen Käserollen, die direkt hinter dem Haus reifen; Ziegen- und Kuhmilch stammen von den Hängen, die sich bis an die ersten Stufen des Zento-Rückens ziehen. Über Nolenau thront auf einem kleinen Hügel der historische Ort „Alte Wacht Nolenau“, ein ehemaliger Beobachtungsposten an der alten Grenze zu Zentravia. Heute sind nur noch niedrige Steinreste eines runden Turmfundaments und einige Mauerzüge zu erkennen, aber Informationstafeln zeigen, wie hier früher Zöllner standen und den Verkehr über die Kammwege kontrollierten. Kinder aus dem Dorf erzählen sich, dass man bei starkem Wind in den Steinen noch den Klang alter Hornsignale hören könne.

Von Nolenau führt ein markierter Weg in einer knappen Stunde zur Aussichtsplattform „Zento-Blick“, einer der besonderen Sehenswürdigkeiten des Landkreises. Eine einfache Stahlkonstruktion ragt dort einige Meter über einen Abhang hinaus, sodass man frei über die hangabwärts laufenden Felder und den gesamten Landkreis Teicha sehen kann. Im Westen glitzert der Große Teich, in seinem Knick erkennt man die Uferfront von Teicha, weiter südlich die Öffnung des Flutkanals. An klaren Tagen zeichnet sich jenseits des Zento-Rückens das Tal des Zento in Zentravia und das Westmassiv ab. Tafeln erklären die geologische Entstehung des Zento-Rückens, seine Rolle als Wetterscheide und die Besonderheiten der Böden, auf denen um Nolenau herum Getreide und Hülsenfrüchte gedeihen. Wanderer, die morgens in Teicha am Hafen starten, können über Feldwege nach Nolenau laufen, dort im Dorfladen eine Stärkung kaufen und am Nachmittag den „Zento-Blick“ erreichen.


Das Dorf Ziehen mit seinen 1.478 Einwohnern liegt weiter nördlich an der Ostküste des Großen Teichs, eingebettet in den Ziehener Küstenwald. Die Häuser stehen zwischen hohen Kiefern und Buchen, die bis knapp vor den Strand reichen. Im Zentrum öffnet sich eine kleine Lichtung mit Bushaltestelle, Lebensmittelladen und einem Kiosk, der im Sommer Eis, Snacks und Zeitungen verkauft. Von hier geht ein Weg hinunter an den See, wo ein breiter Sand- und Kiesstreifen als Badestrand dient. Ein Holzsteg reicht weit in den Großen Teich hinein; entlang des Steges liegen Ruderboote, Paddelboote und im Sommer auch einige kleine Segeljollen.

Ziehen ist vor allem als Ausflugs- und Badeort bekannt, hat aber eine zweite Jahreszeit: den harten Winter. In besonders kalten Jahren friert der Große Teich bis weit hinaus zu, und die glatte Oberfläche wird zur Bahn für Eissegel-Wettkämpfe. Dann verlegt der „Eis- und Segelverein Ziehen“ seine Aktivitäten auf die zugefrorene Fläche; vom Ufer aus sieht man die niedrigen Schlitten mit ihren Segeln über das Eis schießen. Direkt am Ufer steht die „Halle am Eis“, ein länglicher Holzbau, in dem Segel und Rümpfe gelagert und repariert werden. In einem vorderen Raum ist das kleine Eissegelmuseum untergebracht, eine der jüngeren Sehenswürdigkeiten des Landkreises. Alte schwarz-weiße Fotos zeigen Männer mit wuchtigen Mänteln und Frauen in langen Röcken auf improvisierten Eisschlitten, daneben stehen moderne Rennschlitten mit Kohlefaserprofilen. An einer Wand hängt ein handgemalter Plan des Großen Teichs mit den traditionellen Kursen, auf denen Rennen gefahren werden; einige führen in breiten Bögen bis nahe an die Ufer von Teicha.

Orte und Gemeinden

  • Flutkanal (Kreis Teicha – Seeland)

    Flutkanal (Kreis Teicha – Seeland)

    Flutkanal liegt an der Mündung des Flutkanals in den Großen Teich, eingekeilt zwischen Wasser und Seeland-Wald. Entlang der Uferstraße wohnen Familien, die seit Generationen als Fischer, Kanallotsen oder Pumpwerksarbeiter vom Wasser leben. Mittelpunkt ist die Kanalbrücke mit Blick auf die Kähne und den Zug der BZF108. Das Pumpwerk Flutkanal-Nord, die kleine Kirche „Zum Heiligen Pegel“, der Dorfladen mit Postschalter und die Kneipe „Zum Schleusentor“… Weiter …

  • Landkreis Teicha (Seeland)

    Landkreis Teicha (Seeland)

    Der Landkreis Teicha im Osten des Seelandes liegt zwischen Großem Teich, Flutkanal, Seeland-Wald und dem ansteigenden Zento-Rücken. Vier Orte prägen ihn: die Kreisstadt Teicha mit Hafen, Markt, Kirche St. Nautilus, altem Kornspeicher und Schleusenmeisterei; das Kanaldorf Flutkanal mit Pumpwerk, Brücken und starkem Bezug zur Wasserwirtschaft; das höher gelegene Nolenau mit Dorfladen, der „Alten Wacht“ und der Aussichtsplattform „Zento-Blick“; sowie Ziehen im Küstenwald mit Badestrand,… Weiter …

  • Nolenau (Landkreis Teicha – Seeland)

    Nolenau (Landkreis Teicha – Seeland)

    Nolenau ist ein kleines Dorf auf 169 Metern Höhe am beginnenden Zento-Rücken, vier Kilometer nordöstlich von Teicha. Höfe gruppieren sich um eine dreieckige Grünfläche mit Linde und Dorfladen der Familie Trost, der zugleich Poststelle und Treffpunkt ist. Hinter dem Laden reifen Käserollen aus Milch der umliegenden Hänge. Wege führen zur Feldkapelle, zur „Alten Wacht“ als ehemaligem Grenzposten und weiter zur Aussichtsplattform Zento-Blick mit Blick… Weiter …

  • Teicha (Kreisstadt – Seeland)

    Teicha (Kreisstadt – Seeland)

    Teicha ist eine Kreisstadt am südöstlichen Ufer des Großen Teichs, in der Wasser und Alltag eng verwoben sind. Am Marktplatz mit Bäckerei Kaun & Sohn, Kirche St. Nautilus und dem Landratsamt kreuzen sich Amtswege und Schulrouten. Der Hafen mit Ausflugsbooten nach Seestadt, die Uferpromenade und die kleine Werft zeigen die Bedeutung des Sees für Arbeit und Freizeit. Hinter der Kirche erinnert der Alte Kornspeicher… Weiter …

  • Ziehen (Kreis Teicha – Seeland)

    Ziehen (Kreis Teicha – Seeland)

    Ziehen ist ein kleines Dorf am Ostufer des Großen Teichs, eingerahmt vom Ziehener Küstenwald. Im Zentrum liegt eine Lichtung mit Bushaltestelle, Lebensmittelladen und Kiosk, von der ein Weg zum breiten Sand- und Kiesstrand mit Holzsteg führt. Im Sommer prägen Badegäste, Bootsverleih und Zimmervermietungen den Ort, viele Pendler fahren mit Bus oder Auto nach Teicha und Nolenau. Direkt am Ufer steht die „Halle am Eis“… Weiter …