(Pop.: 647 – 713 m NN)

Teichquell liegt hoch im Tal des Kleinen Teichflusses, rund dreieinhalb Kilometer unterhalb der Quelle. Die SEE19 führt von Süden herauf; sie bleibt dicht am Wasser, das hier schmal zwischen Steinen läuft und an manchen Stellen über flache Stufen springt. Hinter den letzten Kurven öffnet sich ein Talboden mit Wiesenstreifen, Brücken, Holzstapeln am Rand – und dann stehen die ersten Häuser von Teichquell auf 713 Metern. Morgens hängt oft Dunst über dem Fluss, und wer früh unterwegs ist, sieht an den Wegrändern noch feuchte Nadeln und Tropfen an den Zäunen. Der Ort ist klein genug, dass man nach wenigen Minuten weiß, wo die wichtigen Türen sind: Kirche, Sanatorium, Hotels, Restaurants, Bars – und Häuser für die Einheimischem, die hier das ganze Jahr wohnen.

Die Kirche St. Brigida (Kirchweg 2) fällt sofort auf, weil sie rund gebaut ist. Im Inneren steht keine Reihe von Seitenschiffen, sondern ein Zentralraum, der den Ton sammelt. Wenn Jonna Klee an der Orgel probt, hört man das schon auf dem Kirchweg, sobald die Tür einen Spalt offensteht: lange Töne, die nicht abbrechen, sondern im Raum stehen bleiben. An Sonntagen ist die Kirche auch Treffpunkt für Gäste, die nach dem Gottesdienst nicht sofort zurück in ihre Zimmer gehen, sondern noch am kleinen Anschlagbrett lesen, welche Wandergruppe heute geführt wird und wann die nächste Orgelandacht angesetzt ist.

Ein paar Gehminuten höher liegt das „Sanatorium Teichquell“ (Höhenstraße 14), ein langgestreckter Bau mit Liegehallen. Dort beginnt der Tag früh: Pfleger schieben Deckenwagen, Patienten gehen langsam ihre Runden auf dem Korridor oder draußen auf der Höhenstraße. Wenn die Fenster geöffnet werden, zieht kühle Luft durch die Hallen; auf den Scheiben standen vorher oft feine Tropfen, die sich beim Lüften in Streifen sammeln. Die Küche des Sanatoriums ist im Ort bekannt, weil sie verlässlich liefert: mittags klare Suppen, abends häufig das Käsefondue, für das die Käserei aus Donau die Laibe bringt. Angehörige erkennt man an den Taschen: Thermosflaschen, Wechselwäsche, manchmal ein Stapel Bücher, weil Besuche hier selten „kurz“ sind.

Teichquell lebt von Urlaub und Kur, und das sieht man an einfachen Dingen, die überall auftauchen: Trockenräume, Skiständer, Karten an Wänden, Aushänge mit Wetter und Spurbericht. Im „Hotel Quellenhof“ (Quellplatz 6) stehen im Eingangsbereich Reihen von Wandhaken, darunter Tropfbleche für Stiefel. Hinter dem Tresen liegt eine Kiste mit kleinen Ersatzteilen – Riemen, Schnallen, ein paar universelle Schrauben – weil Gäste irgendwann immer mit etwas Lockerem kommen. Der Quellenhof hat eine Eigenheit, die Stammgäste schätzen: ein großer, beheizter Tisch in der Ecke, „Kartenplatte“ genannt, auf dem Wanderkarten ausgebreitet werden dürfen; wer dort sitzt, bekommt ungefragt einen Bleistift und ein Stück Klebeband, um eingerissene Faltungen zu reparieren.

Daneben hat sich in den letzten Jahren ein zweites Haus etabliert, das stärker auf Wintersport ausgerichtet ist: das „Hotel Loipenblick“ (Loipenring 1). Es liegt am Rand des Orts, dort, wo die Spur meist beginnt. Im Erdgeschoss gibt es einen Wachstisch mit Absaugung; abends stehen dort Leute in Socken und wischen Skier ab, während an der Wand eine Tafel hängt: „Morgens -6, mittags -2, Neuschnee 3 cm“. Eine Sauna mit offenem Badebereich ergänzt das Bild. Die Zimmer sind schlicht, aber es gibt überall Haken und Ablagen für nasse Sachen, und im Keller einen Schuhraum mit Warmluftgebläse, der nach Gummi und Holz riecht. Wer im Sommer kommt, nutzt denselben Raum für Wanderschuhe – und findet an der Rezeption statt Wachs kleine Gamaschen zum Ausleihen.

Als drittes Hotel wird oft das „Hotel Talsteg“ (Talstraße 4) gewählt, weil es näher am Fluss liegt und vielen Angehörigen des Sanatoriums den Weg verkürzt. Das Haus hat einen langen Balkon zum Wasser hin; dort stehen morgens oft zwei Stühle pro Zimmer, und man sieht Becher mit Tee und Inhalationsgeräte, weil manche Gäste ihren Kuralltag mitgebracht haben. Eigentümlichkeit des Talstegs ist die „Stille Stunde“ nachmittags: Zwischen 14 und 16 Uhr bleibt die Bar geschlossen, im Flur hängen Schilder, und das Personal verschiebt Reinigungsarbeiten auf später. Nicht aus Esoterik, sondern weil viele Sanatoriumsbesucher genau in dieser Zeit ihre Ruhe brauchen.

Neben der Pension „Waldkante“ (Forstweg 3) – beliebt bei Wanderern, weil sie direkt am Übergang zum Wald liegt und einen Trockenraum mit Leinen und Heizkörpern hat – gibt es als Ergänzung die „Pension Fichtenhang“ (Höhenstraße 7). Sie wird von Anke Harnisch geführt, die ein kleines Gästebuch auslegt, in dem nicht „schöne Aussicht“ steht, sondern Einträge wie „Weg nach Waldfels bei Eis vorsichtig“ oder „Schnitzkurs in Hanischwald lohnt“. In der Fichtenhang-Pension gibt es früh Frühstück ab 5:45, weil einige Gäste vor dem ersten Shuttle nach Waldfels loswollen oder vor den Therapieterminen im Sanatorium noch spazieren gehen.

Drei Gaststätten prägen den Ort. Die „Brigida-Stube“ (Kirchweg 5) sitzt in einem niedrigen Haus gegenüber der Kirche; sie kocht Eintöpfe, Braten, eine kräftige Kartoffelpfanne und führt ein Notizbuch mit handgeschriebenen Tagesgerichten. An der Wand hängt ein Rahmen mit alten Orgelpfeifen, die bei einer Reparatur übrig blieben. Wer spät kommt, bekommt oft noch Brot und Käse, weil die Küche zwar schließt, aber die Gastgeberin Marta Klug ungern jemanden mit leerem Magen in den Wald zurückschickt.

Direkt am Fluss liegt die „Triftstube am Wehr“ (Flussweg 2). Dort stehen schwere Tische, die nasse Ärmel vertragen, und an der Decke hängen alte Holzrechen als Deko, die aus den umliegenden Anlagen stammen sollen. Spezialität ist Forelle, wenn sie verfügbar ist, sonst gibt es Räucherwurst, Linsen und einen Apfelkuchen, der in großen Blechen gebacken wird. Eigentümlichkeit der Triftstube: eine kleine Leihkiste mit Stirnlampen hinter der Tür – wer unterschätzt, wie schnell es im Tal dunkel wird, kann sich eine Lampe gegen Pfand mitnehmen.

Die dritte Gaststätte heißt „Zum Liegehallenhof“ (Höhenstraße 12), zwei Häuser unterhalb des Sanatoriums. Sie ist Treffpunkt für Sanatoriumsangehörige, Pflegekräfte und Besucher. Der Wirt, Dragan Petrov, hat eine klare Regel: Die Lautstärke bleibt moderat, weil hier viele erschöpft ankommen. Es gibt dafür eine gute Auswahl an einfachen warmen Gerichten und eine Suppe „für später“, die in Thermobehältern auch mitgenommen werden darf. An einem Brett neben dem Tresen hängen Zettel: „Fahrt morgen nach Novacasa – Platz frei“, „Wanderstöcke gefunden“, „Handschuhe liegen geblieben“.

Für den späten Abend gibt es zwei Bars, die den Ort nicht in eine Partykulisse verwandeln, sondern schlicht eine zweite Stufe anbieten: sitzen bleiben, reden, aufwärmen. Die „Nebelschluck-Bar“ (Quellplatz 6, im Souterrain des Quellenhofs) ist klein, mit niedriger Decke und einer langen Bank an der Wand. Sie ist bekannt für heiße Mischgetränke mit Gewürzen und für eine Karte mit alkoholfreien Varianten, weil viele Kurgäste abends etwas trinken wollen, ohne ihre Therapie zu stören. Am Eingang hängt ein Trockenständer nur für Mützen; nach einer Stunde sind die Mützen warm, und das merkt jeder sofort.

Die zweite Bar ist die „Höhenbar Vierzehn“ (Höhenstraße 14, Seiteneingang), die an bestimmten Abenden auch für Nichtpatienten geöffnet ist. Sie liegt in einem Nebenraum des Sanatoriums, früher ein Lesezimmer. Dort spielt leise Musik, oft kommen kleine Gruppen nach Vorträgen oder nach dem Abendspaziergang. Eigentümlichkeit: Es gibt keine lauten Gläserstapel; das Personal benutzt Filzunterlagen und arbeitet auffallend ruhig, weil direkt darüber Patientenzimmer liegen. Alkohol wird diskret ausgeschenkt.

Orte, die zur Gemeinde Teichquell gehören:

Wer länger bleibt, landet fast automatisch in den Wegen um den Ort. Die Talstraße nach Norden führt nach Hanischwald (62 Einwohner, 744 m) zur Quelle, wo neben zwei kleinen Hotels auch eine Waldbar und die Schnitzschule sitzen; alle zwei Wochen beginnen dort Kurse, in denen Holzlöffel und einfache Figuren entstehen, und man sieht später in Teichquell Gäste mit frisch geschnitzten Stücken in der Jackentasche.

Den Hang hinauf nach Osten geht es nach Waldfels (36 Einwohner, 758 m), Startpunkt vieler Loipen und der Abfahrtsstrecke nach Teichwald – ohne Lift, aber mit elektrischem Shuttlebus, der morgens und nachmittags pendelt.

Und wer über den Rücken weiterzieht, kommt nach Donau (89 Einwohner, 836 m), wo die Waldkäserei arbeitet; wenn in Teichquell Fondueabend ist, stehen die Laibe oft schon am Vormittag im Kühlraum des Sanatoriums.

Ch.: SEE19 (S: Altenroda 7,5km); Bergstraßen (W: Novacasa 11,5km, O: Waldfels 1km und weiter nach Donau), Talstraße (N: Hanischwald)