Butterstein

Butterstein (Gemeinde Oldquo – Landkreis Teichdorf – Seeland)

(Pop.: 48 – 625m NN)

Butterstein liegt zwei Kilometer oberhalb von Oldquo im Teichbachtal, dort wo die SEE21 enger wird und der Bach zwischen Steinen und Wurzelwerk in schnellen Kurven läuft. Der Ort zählt 48 Einwohner, 625 Meter Höhe, und wirkt vor allem aus der Nähe: ein paar Häuser am Hang, ein kurzer Straßenbogen, ein Geräteschuppen, zwei Weiden mit Zäunen, die zwischen Bäumen verschwinden. Wer von unten kommt, passiert zuerst die kleine Brücke über einen Seitenrinne, an der im Frühjahr oft noch Schnee in dunklen Brocken liegt.

Danach steht links das ehemalige Schulhaus, ein rechteckiger Bau mit hohen Fenstern und einem Schild, das nicht nach Museum aussieht, sondern nach Betrieb: „Schulhauskäserei Butterstein“ (Schulweg 1). Morgens öffnet Edda Kirschner die Hintertür, weil die Milchkannen über den Hof kommen; vorne geht die Ladentür auf, sobald die erste Charge in den Kühlraum gestellt ist. Innen stehen Wannen, Pressformen und ein Butterfass aus Holz, das immer ein wenig nach Salz riecht. Die Butter wird hier nicht „produziert“, sie wird gestampft, und wer beim richtigen Moment im Raum ist, hört das dumpfe Schlagen des Stößels, bis die Masse zusammengeht. Der Käse reift im Keller des Schulhauses; dort sind die Regale niedrig, und die Laibe tragen Kreidestriche: Datum, Weide, Salzbad. Die Milch stammt von Kühen, die in Waldweide gehalten werden. Man sieht sie oft nicht, aber man sieht ihre Spuren: breite Trampelpfade unter den Bäumen, Lecksteine, an denen der Boden blank ist, und an manchen Stellen ein Gatter, das man nach dem Durchgehen wieder einhängen muss, weil sonst am Abend eine Kuh im Dorfgarten steht.

Butterstein hat keinen Laden im klassischen Sinn, aber am Schulhaus hängt ein Kühlschrankautomat, der auch abends noch genutzt wird. Auf der anderen Straßenseite sitzt „Bergkram Henn“ (Teichbachweg 4), eine kleine Stube, die als Postablage und Paketannahme dient, geführt von Tilda Henn, die nebenbei die Listen für den Dorfverein schreibt. Hinter dem Tresen hängen Schlüssel an Haken: „Feuerwehr“, „Gemeindehaus“, „Keller Schulhaus“. Wer nach einem Quartier fragt, bekommt nicht Prospekte, sondern einen Hinweis auf zwei Gästzimmer im Dachgeschoss der Käserei, „Zimmer überm Keller“ genannt, weil man nachts das gleichmäßige Summen der Kühlung hört. Wanderer nehmen sie gern, wenn sie über Staracasa heraufkommen und am nächsten Tag weiter Richtung Tons wollen. Von Butterstein führt tatsächlich ein Gebirgsweg nach Westen den Hang hinauf; er ist steil, und in den Kurven stehen Stämme, die als Stufen dienen, weil sich der Boden bei Regen löst. Wer ihn geht, begegnet manchmal Ruben Pahl, dem Postzusteller aus Staracasa, der hier nicht nur Briefe bringt, sondern auch Medikamente und Ersatzteile, weil die Wege oben selten einen zweiten Anlauf am selben Tag erlauben.

Im Ort selbst gibt es eine Kapelle, St. Leonhard (Kapellensteig 2), kaum größer als ein Zimmer, mit einer Bank vor der Tür. An Feiertagen hängt dort ein Leinentuch über dem Eingang, und innen steht eine Holzfigur, deren Sockel abgescheuert ist, weil Menschen beim Hinausgehen kurz die Hand darauf legen. Das Gemeindeleben läuft in kleinen Einheiten: ein Backtag im alten Ofen hinter dem Schulhaus, ein Reparaturabend, wenn ein Zaun im Wald gerissen ist, und im Herbst der „Buttergang“, bei dem die Kirschner-Käserei die erste frische Butter der Saison anschneidet und jeder, der will, ein Stück Brot und eine Prise Salz bekommt. Der Teichbach selbst wird in Butterstein nicht romantisiert, sondern beobachtet: Pegel nach Regen, Eisschollen im Januar, Treibgut im April. Wer länger bleibt, merkt, wie oft das Gespräch über Wege geht, nicht über Aussicht. „Der Hangweg nach Tons hält“, sagt man, oder: „Die Brücke am Seitenrinne muss vor dem Winter neue Bohlen kriegen.“ Und wenn abends im Bergkram die Stühle auf die Tische gestellt werden, hängt am schwarzen Brett meist schon ein Zettel mit der nächsten Aufgabe.

Ch.: SEE21 (S: Oldquo 2km), Teichbachtalstraße (N: Berchfried 4km), Gebirgsweg (W: Tons)