(Pop.: 47.301 – 62m NN)

Zentro liegt südöstlich des Grenzsees an der Stelle, an der der Grenzfluss aus Richtung Abflußstedt in den Zento mündet. Die Stadt ist dadurch bis heute ein Ort der Kanten: oben das leicht erhöhte Gelände, auf dem die alten Amts- und Kirchenbauten stehen, darunter die Uferstraßen, Anleger und Werkhöfe am Wasser. Am Zusammenfluss liegen zwei Uferlinien, die im Alltag eigene Namen tragen: die nördliche Kaimauer heißt bei Lieferanten „Grenzseite“, die südliche „Zentokante“, weil dort die Lagerhäuser stehen, deren Tore direkt zum Fluss zeigen. In trockenen Sommern wird an den Steinstufen unterhalb der Zentokante sichtbar, wie tief der Wasserstand fällt; die Stadt markiert das nicht mit Schildern, sondern mit eingeritzten Jahreszahlen, die Bootsbauer und Wasserbauer wie Kalender lesen.

Die historische Schicht der Hauptstadt beginnt nicht mit einem Markt, sondern mit Verwaltung und Schrift. Das Dekanat Zentravia entstand 730 am Grenzsee als klösterliche Gründung um Lucius I. und entwickelte sich zu einer geistlichen Macht, die zugleich weltlich regierte. Zentro wurde zum Sitz dieser Ordnung, weil hier Wasserwege, Landwege zusammenkamen. Unter Severus I. wurden Klöster entlang des Grenzsees gegründet und Verwaltungsformen befestigt; Reginaldus der Gelehrte förderte Übersetzungen antiker Texte, aus denen die „zentravische Schule“ ihren Ruf zog. 790 begann der Bau der großen Kathedrale, 804 öffnete die Lucidianische Universität als erste Universität Landauris – beides Projekte, die in Zentro nicht als einzelne Monumente stehen, sondern als Netz aus Höfen, Schreibstuben, Lehrhäusern, Herbergen, Speichern und Werkstätten bis in die Nachbarstraßen hineinwirken. Der Einbruch des 9. Jahrhunderts blieb auch im Stadtgrundriss sichtbar: Nach der Pestwelle 841 und den Plünderungen 845 wurden Teile des dekanatischen Zentrums aufgegeben, Parzellen verschmolzen, Höfe wurden zu Sammelstellen, und manche Gasse endet bis heute an einer Mauer, die ursprünglich eine provisorische Sperre war. Der politische Verlust der Eigenständigkeit um 850 beendete die Epoche, ließ aber das Funktionsgewebe bestehen: Schulen, Skriptorien, Werkstätten und kirchliche Verwaltung arbeiteten weiter, nur unter neuen Herren und mit anderen Siegeln.

Die Stadtverwaltung hat ihre Zentrale im Stadthaus am Kanzleiplatz 1, einem Block aus drei verbundenen Gebäuden: ein älterer Steinbau mit Archivflügel, ein Hoftrakt aus Backstein und ein jüngerer Sitzungstrakt, dessen Fensterreihen nach innen auf den „Protokollhof“ gehen. Dort hängen unter einer Überdachung die Aushänge des Amtsblatts; wer Einspruch einlegen oder eine Genehmigung nachlesen will, kommt nicht selten mit einem Lineal, weil die Aushänge in Zentro traditionell als Raster gelesen werden. Neben dem Stadthaus sitzt das Landeshaus Zentravia (Kanzleiplatz 3), in dem Ausschüsse tagen, und gegenüber liegt die Landesdruckerei in einem ehemaligen Speicher (Uferstraße 12), die Formulare, Siegelpapier und amtliche Karten druckt. Dass diese drei Einrichtungen Tür an Tür stehen, ist kein Zufall: In Zentro wird Verwaltung als Kette verstanden, in der Druck, Ablage und Entscheidung räumlich nah beieinander liegen müssen.

Das Bildungsleben Zentrots hängt an der Lucidianischen Universität, die in der Stadt weniger als Campus denn als Stadtteil existiert: Hörsäle in umgebauten Höfen, Bibliotheken in ehemaligen Speicherhäusern, Institute in Häusern, die man am Schild erkennt, nicht am Prachtbau. Ihre ältesten Disziplinen sind dort verankert, wo Zentravia historisch stark war: Theologie, Verwaltung, Übersetzung, Archivwesen. In den letzten Generationen kamen technische Felder hinzu, die aus dem Flussland entstehen: Wasserbau, Vermessung, Verkehrsplanung, Materialkunde für Stein und Holz. Zwischen Universität und Stadtverwaltung gibt es einen ständigen Austausch, der sich nicht nur in Praktika zeigt, sondern im Personal selbst: Viele Amtsleiter haben nebenbei Lehraufträge, und manche Dozenten beraten in Ausschüssen, wenn Brücken, Deiche oder Bahntrassen geändert werden. Genau daraus ergibt sich Zentrots nüchterne Kultur: Diskutiert wird oft anhand von Akten, Karten und Protokollen, nicht anhand von Parolen.

Die Universität verteilt sich auf drei eng benachbarte Höfe, die im Alltag nach ihren Funktionen heißen: der Lucidianische Hof (Hofgasse 4) mit den großen Hörsälen, der Übersetzerhof (Reginaldusgasse 7) mit Sprach- und Textlaboren und der Vermessungshof (Zollstockweg 3) mit Kartenräumen und Werkstätten. In den Kartenräumen stehen lange Tische mit eingeschnittenen Maßleisten; Studierende legen dort Pläne aus und beschweren die Ecken mit Messgewichten, die aus ausrangierten Brückenbolzen gefertigt wurden. Die Universitätsbibliothek „Lucidianum“ sitzt im ehemaligen Kornspeicher am Kapitelsplatz 6; im Erdgeschoss ist die Ausleihe, darüber liegen zwei Lesesäle: der „Helle Saal“ mit breiten Fenstern und der „Stille Saal“, in dem keine Laptops erlaubt sind und die Aufsicht noch echte Stempel auf Rückgabekarten setzt. Wer tiefer arbeitet, beantragt Zugang zum Stadt- und Landesarchiv im Archivflügel der Kathedrale; dort gibt es eine kleine Restaurierwerkstatt, in der Papier geglättet, Tintenfraß gestoppt und Bindungen nach alten Mustern erneuert werden.

Kulturell ist Zentro kein Ort, der sich über ein großes Haus definiert. Es sind viele kleine Formate, die zusammen eine Hauptstadt ergeben: Lesungen in Hinterzimmern von Buchhandlungen, Ausstellungen in den Fluren der Werkstätten, Orgelkonzerte in der Kathedrale, Debattenabende in den Vereinsräumen. Ein Termin, der jedes Jahr wiederkehrt, ist die Skriptorienwoche: Druckereien öffnen ihre Werkhallen, Restauratoren zeigen, wie Papier gefasst und Pergament geglättet wird, Studierende verkaufen günstige Nachdrucke alter Texte, und in Kontro gibt es Vorführungen, bei denen Buchpressen und Stempelmaschinen laufen. Das Ereignis wirkt auf Besucher oft wie eine Messe, ist aber vor allem eine Art öffentliches Protokoll darüber, wie die Stadt funktioniert: Wissen wird nicht nur behauptet, sondern produziert, geprüft, abgelegt und weitergegeben.

Das Theaterleben verteilt sich auf zwei Spielorte. Das Stadttheater Zentro am Marktrand (Marktplatz 9) ist ein Haus mit Bühne und Orchestergraben, das vor allem Sprechtheater und Musikabende zeigt; die Programme stehen oft im Zusammenhang mit der Universität, weil Stücke zu Recht, Amt und Moral regelmäßig in Seminaren diskutiert werden. Der zweite Ort ist die Werkstattbühne „Papierlager“ in einer umgebauten Halle (Kontro, Pressenweg 14), in der kleinere Ensembles spielen und Studierende Bühnenbild und Lichttechnik erproben. Daneben gibt es das „Kino am Grenzlicht“ (Nord, Lampenstraße 3), ein kleines Haus mit zwei Sälen, das Filmreihen zu Archivmaterial, Stadtgeschichte und Dokumentarfilmen kuratiert; nach Vorführungen sitzt das Publikum oft im Foyer, weil dort die Projektoren und Schnittplätze sichtbar hinter Glas stehen und man sich über Technik und Quellen streiten kann.

Hotels und Gasthäuser in Zentro sind meist klein und an Funktionen gebunden. In der Mitte nimmt das „Hotel Kapitelsaal“ (Kapitelsplatz 10) Gäste von Verwaltung und Universität auf; es hat einen Leseraum mit Tagesprotokollen und Karten der Stadt, die regelmäßig aktualisiert werden. In Nord steht die „Pension Nordhof“ (Bahnhofstraße 7), die für kurzfristige Aufenthalte genutzt wird und ihre Zimmerpreise nach Wochenrhythmen staffelt, weil die Skriptorienwoche und Prüfungsphasen die Nachfrage stark verändern. Essen wird weniger über Szene, mehr über Gewohnheit organisiert: Das „Café Protokoll“ (Rathausgasse 3) öffnet früh und verkauft einfache Mittagsgerichte; die „Uferstube“ (Uferstraße 5) kocht für Leute aus Druckerei, Archiv und Bauhof; in Kontro sitzt die Kantine „Schichtwechsel“ (Torweg 1), in der Speisekarten nach Wochenplänen geführt werden, damit Betriebe Pausen abstimmen können.

Stadtteile

Wer Zentro heute beschreiben will, kommt an der Teilung in sechs Stadtteile nicht vorbei, Stadtteile, die jeweils eigene Institutionen tragen: Mitte als Verwaltungs- und Schriftkern, Kontro als Werk- und Lagerraum, Nord als Dienst- und Schulband, Ost als Labor- und Versorgungsquartier, Südost als Wasser- und Auenrand und West als Übergang zur Ebene mit Mühle, Silos und Vereinen. Das wirkt nicht wie eine bewusst inszenierte Hauptstadt, sondern wie eine Stadt, die aus Arbeitsschritten gebaut wurde: schreiben, prüfen, herstellen, lagern, reparieren, archivieren.

Mitte

(Pop.: 19.549 – 62m NN)

Die Mitte ist der dichteste Block aus Institutionen und Alltag. Hier liegt der Marktplatz nahe am Fluss, und das Rathaus sitzt an einer Geländekante, von der man auf Uferstraße und Anlegeplätze blickt; in Seitenhöfen stehen ehemalige Lagerhäuser, die als Buchbindereien und Restaurierungswerkstätten genutzt werden. Der Platz selbst ist kein reiner Repräsentationsraum: Unter der Woche stehen dort die Stände der Gemüse- und Getreidehändler aus der Zento-Ebene, freitags kommen Fischer vom Grenzsee, die ihre Kisten am frühen Morgen an der Ufermauer abstellen. Zwischen Rathaus und Uferstraße verläuft die Aktenroute: Postkarren, Kurierfahrräder, Lieferwagen der Druckereien, Studierende mit Ordnern, dazwischen die Angestellten der Ämter, die mittags im Stehen essen und nachmittags wieder in die Gassen verschwinden. In der Mitte sind viele Läden klein, aber spezialisiert: ein Karten- und Papierladen, der wasserfeste Umschläge für Bootsleute verkauft; eine Stempelwerkstatt, die Siegel für Vereine und Betriebe graviert; eine Buchhandlung, die neben Neuem vor allem kommentierte Abschriften zentravischer Texte führt, weil Dozenten sie im Seminar verlangen.

Die Kathedrale steht nicht isoliert, sondern in einem Gebäudekranz aus Kapitelsaal, Archivflügel und Wirtschaftsgebäuden. Ihre ältesten Bauteile werden in Zentro gern „die Schichten“ genannt, weil man an manchen Mauern den Wechsel von Steinformaten und Mörteln ablesen kann. In einem Seitenschiff hängt eine Flutmarke, die man den Krisenjahren zuschreibt: kein Denkmal mit Pathos, sondern eine schlichte Kerbe im Stein mit eingeritzter Jahreszahl, die Schulklassen regelmäßig suchen, weil sie in vielen Stadtführungen als Prüfpunkt gilt. In der Sakristei wird noch heute eine Läuteordnung verwahrt, die man Corvinius’ Reformzeit anheftet: ein Blatt mit Zeiten, bei denen die Glocken nicht „feiern“, sondern Signale geben sollen – für Amtsbeginn, für Stadttor-Schluss (als es noch Stadttore gab), für Feuer, für Hochwasser. Niemand kann mehr belegen, dass das Blatt wirklich aus jener Zeit stammt; wichtig ist, dass es als Arbeitsdokument behandelt wird, nicht als Reliquie: die Küster tragen Randnotizen ein, wenn sich Takte ändern oder Baustellen die Wege umlegen.

Neben der Kathedrale liegen zwei weitere Stadtkirchen, die das Gemeindeleben der Mitte tragen. St. Severus am Severusplatz 4 ist die Kirche der Amtsleute: viele Trauungen von Verwaltungsangestellten finden hier statt, und im Gemeindehaus sitzt eine Beratungsstelle, die bei Miet- und Arbeitsfragen hilft. St. Aurelian (Aurelianstraße 11) ist kleiner, aber stark durch die Universität geprägt; dort werden regelmäßig Vorlesungsreihen als Abendandachten fortgeführt, und die Orgelproben sind öffentlich, weil die Gemeinde die Wartung über Spenden finanziert. Wer sich für die ältesten Bauglieder der Stadt interessiert, geht nicht zuerst in ein Museum, sondern in die Kreuzgänge hinter St. Aurelian: Dort sind in einer Mauer drei originale Türstürze aus einer aufgegebenen Schreibstube eingemauert, die als Anschauungsstücke für Steinmetzlehrlinge dienen.

Zu den festen Adressen der Mitte gehören die „Buchhandlung Reginaldus“ (Kapitelsplatz 2) mit einem eigenen Tisch nur für Nachdrucke aus dem Lucidianum, das „Amt für Maß und Gewicht“ (Waagengasse 5), in dessen Schaufenster alte Eichgewichte liegen, und die „Kanzlei Zehn Siegel“ (Notariatshof 1), die als erste Anlaufstelle gilt, wenn Vereine Satzungen ändern oder Betriebe neue Firmensiegel brauchen. Für den Alltag der Universitätsstadt wichtig ist die Mensa im ehemaligen Herbergsbau (Herbergsstraße 8): kein großer Komplex, sondern ein verwinkelter Saal mit Ausgabefenstern, in dem die Studierenden nach Fachschaften sortiert sitzen, weil es dort informelle Aushängeplätze gibt – der Tisch der Archivwissenschaften liegt traditionell am Heizkörper, weil dort die Trockenpresse für nasse Akten steht, die man nach Starkregen aus Kellern gerettet hat.

Kontro

(Pop.: 8.246 – 68m NN)

In Kontro arbeitet Zentro. Er liegt dort, wo die Ausfallflächen genügend Platz lassen für Höfe, Hallen und Zwischenlager. Kontro ist weniger „Vorstadt“ als Arbeitszone: Speditionen mit Schuppen an der Straße, Metall- und Holzwerkstätten, Betriebe für Schilder, Regalböden, Ersatzteile, Möbelgriffe und Zäune. Wer morgens durch Kontro geht, hört zuerst die Geräusche von Toren und Druckluft, sieht Paletten mit Papierrollen, Kisten mit Beschlägen und Karren voller Bauholz. Viele Handwerksbetriebe haben hier ein zweites Standbein, das man in einer Hauptstadt nicht erwartet: eine kleine Gießerei, die Scharniere und Geländerstützen nach alten Maßen fertigt, weil Zentro im Bestand ständig umbaut; ein Betrieb für Wasserbauteile, der Schieber und Rechen für die Gräben der Zento-Ebene liefert; eine Werkstatt, die alte Bücherpressen repariert, weil die Universität und mehrere Druckereien noch mit schweren Maschinen arbeiten. Kontro hat auch seine Treffpunkte: eine Kantine an der Werkhofeinfahrt, in der mittags nicht „Essen gehen“, sondern „Schicht tauschen“ passiert; eine Vereinsgarage der Freiwilligen Feuerwehr, deren Mitglieder viele der Werkstätten im Notfall zuerst anfahren, weil dort Öl, Holz und Gasflaschen lagern.

Einige Betriebe sind so eng mit der Stadt verbunden, dass ihre Namen in Protokollen auftauchen. Die „Kontroer Schieberwerke Henn“ (Schieberstraße 6) liefern seit Jahrzehnten Bauteile für Pumpenhäuser und Schleusen, und die Werkstatt führt ein Regal mit Mustern, an denen städtische Ingenieure per Hand prüfen, ob neue Schieber zu alten Rahmen passen. „Kessler & Bartsch Beschläge“ (Beschlaghof 2) fertigt Türbänder und Fensterbeschläge für Amtsgebäude und hat eine Schablonensammlung, die nach Baujahren sortiert ist. „Rolle & Rand“, ein Lager- und Zuschnittbetrieb für Papier und Karton (Pressenweg 9), verkauft nicht nur Material an Druckereien, sondern schneidet auch Verpackungen für Archive zu; dort stehen oft Studierende, die für Seminare Archivkisten bauen, weil das günstiger ist als fertige Systeme. Für die Versorgung wichtig ist die „Kontroer Gerätehalle“ (Nietenweg 1), in der Bauern aus der Zento-Ebene Werkzeuge warten lassen; wer dort arbeitet, kennt die Felder und Höfe nur aus den Reparaturspuren an Pflugscharen und Pumpengehäusen.

Nord

(Pop.: 5.654 – 72m NN)

Rund um den Bahnhof Zentro Nord hat sich ein Gürtel aus Diensten gebildet: ein kleines Hotel für Umsteiger, zwei Fahrradwerkstätten, ein Schließfachladen für Aktenkisten, die man nicht im Zug tragen will, und ein Schreibwarenhandel, der auffällig viele Formularmappen verkauft. In den Nebenstraßen des Nordens stehen Wohnblöcke aus mehreren Bauphasen; dazwischen findet man Hinterhöfe mit Holzschuppen und Dachböden. Der Norden ist außerdem ein Schulstandort. Die „Severus-Realschule“ (Nordring 12) hat Werkstätten für Metall und Holz, die in Kooperation mit Kontroer Betrieben betrieben werden; die Schüler fertigen dort einfache Bauteile für städtische Einrichtungen, etwa Schilderhalter oder Regalböden für Bibliotheksdepots. Das „Lucius-Gymnasium“ (Kreideweg 5) ist bekannt für sein Archiv- und Debattierprofil: Jede Klasse führt ein Jahr lang ein eigenes „Schulprotokoll“, das am Ende in einer kleinen, öffentlich zugänglichen Vitrine im Foyer landet. Daneben liegt das „Haus der Lehrämter“ (Seminarstraße 2), eine universitäre Einrichtung für Ausbildung und Fortbildung, in dem abends Kurse für Aktenkunde, Schriftkunde und Kartenlesen laufen; viele Verwaltungsangestellte kommen nach Dienstschluss dorthin, weil Beförderungen in Zentro oft an Nachweise gebunden sind, die man dort günstig erwerben kann.

Ost

(Pop.: 4.598 – 69m NN)

Im Osten verlaufen Gräben, Bahnführungen und die Ränder der großen Straßen so, dass Wohnquartiere in länglichen Blöcken entstehen. Ost hat weniger öffentliche Monumente, dafür viele Orte, an denen sich Stadtleben abwickelt, ohne dass es als „Zentrum“ markiert ist: eine städtische Berufsschule, die regelmäßig mit Kontroer Betrieben zusammenarbeitet; ein Untersuchungsamt, das Wasserproben aus Zento und Grenzfluss auswertet; eine Reihe von Gärten, die als Parzellen organisiert sind und in denen auffällig viel Papier gesammelt und wiederverwendet wird – alte Druckbögen als Abdeckung, Umschläge als Saatgutbeutel, Karton als Windschutz. In Ost erzählt man sich gern die Geschichte vom „stillen Skriptorium“: eine ehemalige Schreibstube, die nach 845 angeblich zugemauert wurde, weil dort Abschriften versteckt lagen. Man zeigt dabei keine eindeutige Tür, sondern drei mögliche Höfe und widerspricht sich mit Vergnügen; die Legende funktioniert weniger als Wahrheitssuche, sondern als Gesprächsanlass zwischen Nachbarn.

Ost trägt die städtische Versorgung, ohne dass es nach „Versorgung“ aussieht. Das „Fluss- und Auenlabor Zentro“ (Probenstraße 3) gehört zur Stadt und arbeitet eng mit der Universität; im Hof hängen Trockennetze für Sedimentproben, und in einem kleinen Ausstellungsraum werden monatlich Karten gezeigt, die den Zustand von Gräben und Uferkanten dokumentieren. Das „Städtische Klinikum Waldbach“ (Stationsweg 18) liegt am Rand des Quartiers und umfasst eine Notaufnahme, eine kleine Chirurgie und eine Station für Atemwegserkrankungen, die in nebligen Herbstwochen überlastet ist; im Eingangsbereich steht eine Uhr, deren Zeiger nicht dekorativ sind, sondern die Schichtwechselzeiten anzeigen. Für Familien wichtig sind die „Grundschule Ostgarten“ (Gartenweg 6) und die „Kita Grenzlicht“ (Lampiongasse 1), die einen Werkraum hat, in dem Kinder aus Restpapier kleine Heftungen lernen; das ist kein pädagogischer Gag, sondern Teil eines städtischen Programms zur Papiervermeidung, das aus dem Archivwesen heraus entstanden ist.

Südost

(Pop.: 1.898 – 71m NN)

Südost liegt hinter dem Ostwald an der Autobahn. Hier liegen die Auenflächen am Waldbach. Die Siedlung ist klein, aber funktional gegliedert: am Rand des Ostwalds stehen Reihenhäuser mit breiten Geräteschuppen, weiter unten in Richtung Aue liegen Pachtgärten und die Anlagen der Wasserwirtschaft. Das „Wasserwerk Waldbach“ sitzt hinter einem Zaun am Auenweg 2; dort werden nicht nur Leitungen gewartet, sondern auch mobile Hochwasserbretter gelagert, die bei Starkregen an mehreren Punkten der Stadt eingesetzt werden. Der „Kleingartenverein Waldbachaue“ hat Parzellen, die bewusst hoch aufgeschüttet sind; Mitglieder führen Listen darüber, welche Sorten nach feuchten Frühjahren am besten tragen, und tauschen Saatgut in kleinen Umschlägen, die oft aus alten Formularen gefaltet sind. In Südost liegt auch das „Auenhaus“, ein niedriges Gebäude mit Gemeinschaftsraum (Waldbachstraße 9), das der Ruder- und Kanuverein nutzt, in dem aber ebenso die Auenpflegegruppe der Stadt tagt und Freiwillige ihre Geräte lagern.

West

(Pop.: 7.356 – 71m NN)

Der Westen schließlich ist Übergang in die Ebene. Hier stehen Getreidesilos, eine Mühle, Lager und Höfe, die Zentro versorgen und zugleich von der Hauptstadt profitieren. Es gibt hier auch die kleinen Orte des sozialen Alltags: eine Filiale der Stadtbibliothek in einem ehemaligen Verwaltungsbau, die auf praktische Literatur spezialisiert ist (Wasserbau, Landwirtschaft, Archivkunde); eine Turnhalle, die abends Handball und Aktenkunde-Kurse nebeneinander beherbergt.

West wird im Alltag über Betriebe erklärt. Die „Zentroer Mühlenwerke“ (Mühlenring 4) mahlen Getreide aus Kornumünde und Südeck; im Hof steht eine Waage, die auch von kleinen Höfen genutzt wird, wenn sie Lieferungen bündeln. Das „Kornhaus West“ (Siloallee 1) ist kein Handelsplatz mit Publikum, sondern ein Lager- und Umschlagbetrieb, der in den frühen Morgenstunden arbeitet und in der Stadt vor allem dadurch präsent ist, dass Bäckereien ihre Lieferfenster danach ausrichten. Zwei Bäckereien haben hier ihren Schwerpunkt: „Backstube Wendt“ (Mühlenring 9) beliefert Kantinen und Schulen, „Brot & Bindfaden“ (Westplatz 2) verkauft zusätzlich Schreibwaren und einfache Heftungen, weil viele Eltern dort morgens Schulmaterial nachkaufen. Für Übernachtungen gibt es im Westen den „Gasthof Kornkammer“ (Westplatz 6), der vor allem Handwerker aufnimmt; die Zimmer sind schlicht, aber im Flur hängt eine Tafel, auf der Gäste Werkzeuge anbieten oder nach Ersatzteilen fragen – das funktioniert, weil Kontro und West über solche Tauschbeziehungen verbunden sind.

Verkehrsanbindung

Straße

Autobahn: A1 (W: Seena; O: Schlumpfhausen); A5 (S: Mehlis, N: Vierstern); Bundesstraßen: B6 (NW: Grenzbachbrücke 8km, SO: Mehlis 9km; B62 (SW: Fährstedt 17km, NO: Zentobrücke 19km; Landesstraßen: Z-1 (N: Vierstern); Z-5 (N: Grenzbachbrücke); Z-14 (W: Seena, O: Schlumpfhausen)

Bahn (Abfahrten ab Zentro Hbf)

Expresszüge aller zwei Stunden: Zentrobahn 0:59 – 22:59 nach Bierona; 0:53 – 22:53 nach Kohla

Eilzüge Zentrobahn 8:23, 11:26, 14:23, 17:23, 20:23 nach Bierona; 7:46, 10:51, 13:46, 16:46, 19:46 nach Kohla; SeeLB89 7:30, 11:30, 15:30, 19:30 nach Grenzquell

RegionalbahnenZentrobahn stündlich 7:42 – 20:42 nach Bierona, 21:42 nach Ruppin; 7:07 – 19:07 nach Kohla, 20:07 nach Teichfurt, 21:07 nach Südteich; SeeLB89 stündlich 6:00 – 20:00 nach Grenzquell, 21:00 nach Teichstedt; SeeLB90 stündlich 6:30 – 20:30 nach Kleinros, 21:30 nach Abflußstedt; BthB93 stündlich 6:00 – 20:00 nach Rehstadt, 21:00 nach Priestewitz; BZF109 stündlich 5:45 – 20:45 nach Ferkelau; BZF111 stündlich 5:50 – 19:50 nach Novafurt