
(Pop.: 987 – 51 m NN)
Zell liegt in der Zento-Ebene südwestlich der Hauptstadt, zwischen der Autobahn und den langen, geraden Feldwegen, die sich bis an den Horizont ziehen. Wer von der A1 abfährt, landet nicht in einem Ortsbild, das sich aufdrängt, sondern in einer Streuung aus Höfen, Silos und Lagerflächen, die sich an der B42 und an der Z-14 orientieren. Am Ortsrand stehen zwei Wartebuchten für landwirtschaftliche Gespanne; morgens sammeln sich dort Traktoren mit Anhängern, bevor sie in Kolonnen zu den Schlägen fahren. Nachmittags ist der Asphalt oft staubig vom Feldbetrieb, und an den Einfahrten liegen Bretter bereit, um die Gräben zu überbrücken, wenn ein Gerät in den Hof muss.
Zell hat viele Felder, und man sieht an der Infrastruktur, wie ernst das gemeint ist. Hinter den Höfen liegen breite Kettenfahrspuren, daneben die Entwässerungsgräben, die nach Regen rasch ablaufen müssen, damit die schweren Maschinen nicht stecken bleiben. An mehreren Stellen stehen kleine Pumpenhäuschen aus Beton mit Metalltüren, die im Frühjahr geprüft werden; der Schlüssel hängt bei der Feuerwehr, und wer ihn holt, trägt sich in ein Heft ein. Der Boden ist dunkel und schwer, deshalb arbeiten viele Betriebe mit festen Zeitfenstern: Saat und Ernte werden in wenigen Tagen abgewickelt, und dann läuft nachts noch Licht auf den Feldern, wenn das Wetter kippt. Dorfbewohner sprechen nicht von „schönen Landschaften“, sondern von „tragfähigen Wegen“ und „guter Befahrbarkeit“.
Sechs Kilometer nördlich, hinter der Autobahn, beginnt der Zellwald, ein großes Waldstück, das in der Ebene wie ein dunkler Block liegt. Dort entspringt der Tåkefoss. Im Sommer ist er am Quellbereich ein schmaler, kalter Lauf, der zwischen Wurzeln verschwindet; nach Regen trägt er braunes Wasser und spült feine Erde aus den Waldwegen. In Zell selbst bekommt man den Bach nicht als romantischen Ort, sondern als Arbeitslinie mit: Er speist Gräben und Feuchtstellen und muss so geführt werden, dass er die Felder nicht vernässt. Der Landwirt Nils Kruppe zeigt Besuchern gern die Stelle am nordöstlichen Feldrand, wo ein alter Holzsteg über einen Seitenlauf führt; dort hängt ein Brett mit Markierungen, wann der Durchlass zuletzt freigeräumt wurde. Im Herbst gehen Schulklassen aus dem Kreis manchmal in den Zellwald, um Quellbereiche zu besichtigen, und kommen mit nassen Schuhen zurück.

Das Dorfzentrum ist klein und liegt nicht wie in anderen Orten um einen großen Platz, sondern um mehrere kurze Straßenstücke. Die Lindenstraße ist die auffälligste, weil dort die Dorfkirche St. Kolman (Lindenstraße 2) steht. Der Bau ist schlicht, mit einem gedrungenen Turm und einem Eingang, den man an den blanken Beschlägen erkennt. Unter der Woche dient die Kirche häufig als Probenraum für den Posaunenchor. Man hört dann abends Blechklang durch die geöffneten Seitenfenster, und davor stehen Fahrräder, ein paar Autos und manchmal ein Lieferwagen, weil ein Teilnehmer direkt aus Zentro kommt. Die Chorleiterin heißt Maren Silt; sie arbeitet tagsüber in einer Werkstatt im Kreis und legt die Proben so, dass Schichtarbeiter noch rechtzeitig dazukommen. Für Hochzeiten wird die Kirche kaum dekoriert; man stellt eher zusätzliche Bänke und einen Tisch für die Unterschriften auf, weil in Zell viele Feiern anschließend in einer Scheune oder in einem Hofraum stattfinden.

Wer in Zell lebt, arbeitet oft auf oder für die Höfe. Der größte Betrieb ist die „Ackerhof Zell GmbH“ am B42-Abzweig zur Feldstraße (B42, Hofzufahrt 1). Dort stehen zwei große Hallen: eine für Getreide und Dünger, eine für Maschinen. Vor der Maschinenhalle hängt eine Tafel mit Wartungsintervallen, und daneben steht ein Regal mit Filtern und Schläuchen, weil man in der Saison nicht auf Lieferungen warten will. Geführt wird der Hof von Katja Heller, die den Betrieb von ihrem Vater übernommen hat und in der Erntezeit mit Funkgerät unterwegs ist. Kleinere Betriebe arbeiten spezialisierter: Der „Hof Brandt“ (Kleehof 7) hält Saatgutpartien getrennt und fährt Proben zur Qualitätsstelle im Kreis; der „Möhlener Gemüsebetrieb“ (Z-14, Hausnummer 11) baut Rüben und Kohl an und hat am Freitag einen kleinen Verkaufswagen am Ortsrand stehen, an dem Pendler auf dem Heimweg halten.
Weil Zell nahe an Autobahn und Bundesstraße liegt, hat sich am Nordrand ein Streifen aus Lager- und Servicebetrieben gebildet. „Zeller Umladung“ (Gewerbering 3–9) ist eine Reihe flacher Hallen, in denen Palettenware und Ersatzteile für Baustellen und Höfe umgeschlagen werden. Man sieht dort morgens Stapler, nachmittags Kleintransporter, und fast immer jemanden, der mit Klemmbrett am Heck eines Lieferwagens steht. Daneben sitzt „Keil & Kette“, ein kleiner Teilehändler (Gewerbering 11), der Lager, Riemen und Ketten nicht nur verkauft, sondern auch zuschneidet und presst. In den Regalen liegen Kartons mit Normteilen, und hinter der Theke hängt ein Schraubstock mit einer Handpresse für Ketten. Betreiberin ist Selma Rehn, die jeden Kunden zuerst fragt, ob das Teil „für heute“ oder „für später“ gebraucht wird – und dann entsprechend aus dem Regal greift.

Die alltäglichen Dienstleistungen sind auf das Nötige reduziert. Der Dorfladen „Zeller Kasse“ (Lindenstraße 9) verkauft Brot, Milch, Konserven und Werkzeugkleinkram; die Postagentur ist im hinteren Teil, und Pakete werden in einem Gitterregal gelagert. Der Ladenbesitzer Jaro Menten nimmt auch Abholaufträge an: Wer morgens im Bus sitzt, schickt ihm eine Nachricht, und abends liegt die Kiste bereit. Eine Bankfiliale gibt es nicht, aber ein Geldautomat hängt an der Außenwand des Ladens. Die Arztpraxis kommt an zwei Tagen in der Woche als mobile Sprechstunde ins Gemeinschaftszimmer der Feuerwehr; dann steht ein Schild an der Tür, und im Flur sitzen Leute mit Jacken und Papiermappen.

Zell hat keinen Wochenmarkt, dafür eine Reihe von festen Routinen. Am Samstagvormittag stehen vor dem Dorfladen zwei Biertische, auf denen der örtliche Imker Ove Lask Honig verkauft und die Familie Brandt Eier in Pappschachteln stapelt. Wer mehr Auswahl will, fährt nach Südeck oder in Richtung Hauptstadt, aber viele erledigen in Zell das, was zwischen Feld und Heimweg passt. Essen bekommt man am zuverlässigsten in der „B42-Stube“ (B42, Hausnummer 6), einer kleinen Gastwirtschaft mit Mittagstisch. Die Wirtin, Daria Kummel, kocht dort Eintopf, Bratkartoffeln und belegte Brote; abends wird es früher ruhig, weil in der Erntezeit viele vor Sonnenaufgang wieder raus müssen. Übernachten kann man in zwei Gästezimmern bei „Hellers Hofquartier“ (B42, Hofzufahrt 1, Seitenhaus) oder im „Zimmerhaus Lindenstraße“ (Lindenstraße 5), das von einer älteren Witwe geführt wird, die Schlüsselübergaben über einen Kasten am Eingang löst.
Sehenswert ist in Zell weniger ein einzelnes Monument als die Arbeitslandschaft, die man an mehreren Punkten gut versteht. Am Feldweg nach Norden gibt es einen kleinen, erhöhten Kiesplatz, von dem man über die Schläge bis zur Autobahnkante sehen kann; dort steht eine alte, verbeulte Feldwaage, die früher wandernd genutzt wurde. Im Zellwald wiederum liegt eine Schutzhütte am Randweg, an deren Balken eine Karte des Quellgebiets befestigt ist; Försterin Lene Kopp hängt dort Hinweise aus, wann Holzarbeiten laufen und welche Wege gesperrt sind. Wer am Abend durch Zell geht, hört manchmal den Posaunenchor aus der Kirche und daneben das entfernte Brummen von Maschinen, die noch auf den Feldern arbeiten. Das passt zum Ort: kurze Wege, klare Aufgaben, und ein Tagesablauf, der sich nach Wetterfenstern, Lieferzeiten und dem, was gerade auf dem Acker ansteht, richtet.
Ch.: Autobahn A1 (W: Ackero, O: Zentro); B42 (N: Neimlis 14km, S: Südeck 9km); Z-14 (O: Seena 9km, W: als BT8 nach Honeck in Buthanien 7,5km)

