
(Pop.: 1.068 – 58m NN)
Das Dorf Seena liegt in der Zento-Ebene im flachen Tal des Tåkefoss. Der Bach kommt aus dem Waldgebiet nördlich der Autobahn, läuft als schmaler, kühler Lauf durch Wiesenstreifen und Gräben und wird im Ort an mehreren Stellen gefasst: mit niedrigen Steinschwellen, Holzbohlen über Seitenarme und einem kleinen Wehr, das die Mühle speist. Wer mit der Bahn ankommt, sieht zuerst die Rückseiten von Gärten und Schuppen, dann die Mühlenweide und die Dächer entlang der Z-14. Die Züge der Linie 93 halten stündlich; am Morgen steigen Pendler aus, am Nachmittag Schüler mit Rucksäcken und Sporttaschen. Am Bahnsteig hängt ein Aushangkasten, in dem neben Fahrplanhinweisen auch die Diensteinteilung der Feuerwehr und der Speiseplan der Schule steckt, weil im Ort vieles über denselben Kasten verteilt wird.
Der Name Seena wird gern in einem Satz erklärt, der im Unterricht und im Wirtshaus gleich klingt: „Seena, weil man hier immer sieht, ob Wasser kommt.“ Gemeint ist nicht ein See, sondern die Art, wie der Bach und die Gräben auf Wetter reagieren. Ältere erzählen, dass früher ein „Seen“-Tag der Tag war, an dem man die Senken kontrolliert und die Durchlässe freigeräumt hat. In den Gemeindebüchern taucht der Ort früh als Station für Weg- und Wasserpflege auf, und die wenigen großen Umbauten lassen sich an Bauteilen ablesen: dem alten Pflaster am Mühlenweg, den Backsteinen am Schulhaus, den erneuerten Geländern an den Bachbrücken.

Im Dorfzentrum liegt ein Kreisverkehr, der für Reisende fast automatisch zum Halt wird. Direkt dort steht der „Seenaer Hofladen Fröbel“ (Z-3, Nr. 17). Vor dem Laden ist eine Milchtankstelle mit Münzeinwurf und Spülstation; daneben ein Regal, das man in einem Hofladen nicht überall erwartet: Schrauben, Riemen, Arbeitshandschuhe, Schlauchschellen. Die Betreiberin, Heike Fröbel, führt den Laden so, dass Pendler auf dem Weg zur Bahn und Handwerker auf dem Weg zur Baustelle denselben Einkauf erledigen können. Morgens stehen Thermoskannen-Kaffeebecher neben Milchkanistern, und wer nur kurz hält, greift oft zu einem belegten Brot aus der Kühlvitrine. Hinter dem Laden ist ein kleiner überdachter Platz mit Bänken; dort wird mittags gegessen, wenn jemand auf Abholung wartet oder im Ort etwas zu erledigen hat.

Ein paar Minuten zu Fuß vom Kreisverkehr liegt die „Seenaer Mühle am Tåkefoss“ (Mühlenweg 5). Das Gebäude ist lang, mit einer niedrigen Anlieferseite und einem höheren Teil am Wasser. Die Mühle stellt Futtermehle her; Säcke gehen auf Bestellung nach Zentro, oft in Chargen, die auf Paletten vorbereitet im Lager stehen. Der Bachlauf ist klein, aber die Mühlenräder werden gepflegt, weil die Schule sie als Anschauung nutzt. Wenn eine Klasse kommt, stellt der Müller, Sven Kordt, die Abdeckung zur Seite, lässt das Rad kurz laufen und erklärt an Handgriffen, was Wasser, Welle und Übersetzung machen. Im Hof stehen alte Mahlsteine als Sitzsteine; darauf liegen im Sommer Brotdosen, wenn die Kinder Pause haben. Neben dem Mühlengebäude gibt es eine schmale Stelle am Ufer, an der man die Fische im klareren Wasser sieht, sobald der Bach nach ein paar trockenen Tagen wieder weniger Schwebstoffe trägt.

Die Kirche von Seena steht nicht monumental, aber sichtbar an einer kurzen Stichstraße hinter der Z-14. Sie hat einen rechteckigen Saalbau, einen kleinen Dachreiter und ein Portal, dessen Steinrahmen an den Kanten glatt ist. Besonders ist, dass der Kantor zugleich Oberlehrer ist. In Seena wird der Mann selten mit beiden Titeln vorgestellt; man sagt je nach Anlass „der Lehrer“ oder „der Kantor“. Oberlehrer und Kantor heißt Jannik Reus. Vormittags steht er vor der Tafel im Schulhaus, nachmittags sitzt er im Kirchenraum an der Orgelbank, und abends dirigiert er bei Festen die Lieder, wenn der Chor Unterstützung braucht. Diese Doppelrolle bestimmt den Takt im Ort: Proben werden so gelegt, dass sie nach dem Unterricht beginnen, und die Kinder lernen Lieder oft zuerst in der Schule und singen sie später in der Kirche. Im Gemeindeleben gibt es einen kleinen Kirchenchor, eine Gruppe, die den Kirchhof pflegt, und ein jährliches Erntefest, bei dem nicht Dekoration im Vordergrund steht, sondern das gemeinsame Essen im Gemeindehaus: Brot, Käse, Wurst, dazu Suppe aus großen Töpfen.
Die Schule ist ein zweigeschossiger Bau mit hellem Putz, niedrigen Fenstern und einem Hof, auf dem ein Metallgerüst als Kletteranlage steht. Eine Ecke des Hofs ist als Fahrradbereich markiert; dort stehen morgens Reihen von Rädern, weil viele Kinder aus den Außenhöfen kommen. Die Turnstunden finden oft auf dem Sportplatz am Ortsrand statt, der ein einfaches Feld, eine kleine Tribüne aus Holz und einen Geräteschuppen hat. Im Geräteschuppen lagern neben Bällen auch Werkzeuge, die für Dorfeinsätze gebraucht werden: Schaufeln, Besen, Absperrband. Die Feuerwehr nutzt den Sportplatz für Übungen, wenn es um Aufstellen und Abläufe geht; an Übungsabenden sieht man die Fahrzeuge kurz am Rand stehen, während die Gruppe die Pumpenanschlüsse durchgeht.
Seena hat Straßen, die man sich über Funktionen merkt. Der Mühlenweg führt tatsächlich zur Mühle, die Schulstraße endet am Hof des Schulhauses, und entlang der Z-14 stehen die Häuser mit den breiteren Zufahrten, weil dort Lieferwagen und landwirtschaftliche Anhänger drehen müssen. In der Gartenstraße wohnen mehrere Familien, die in Zentro arbeiten; vor den Häusern stehen oft zwei Fahrräder und ein Pendlerauto nebeneinander. Ein markantes Haus ist das ehemalige Bahnwärterhäuschen nahe der Gleise, heute als kleines Büro für einen Paketdienst genutzt. Dort nimmt Riko Dammann Sendungen an und verteilt sie über eine App, weil viele tagsüber nicht zu Hause sind. Die Ausgaben erfolgen abends zu festen Zeiten; wer spät kommt, findet ein Fach im Paketregal, das mit Zahlenschloss arbeitet.

Einkaufen im Ort funktioniert über wenige Punkte. Neben dem Hofladen gibt es einen kleinen Bäckerwagen, der an drei Tagen pro Woche vormittags am Kreisverkehr steht und vor allem Pendler bedient. Eine Fleischerei kommt freitags mit einem Kühlwagen und stellt sich auf den Platz neben dem Feuerwehrhaus. Für vieles fährt man nach Zentro, aber Seena deckt das, was täglich gebraucht wird: Milch, Brot, Arbeitskleinteile, ein paar Medikamente aus einer Hausapotheke im Hofladen. Eine Arztpraxis gibt es nicht dauerhaft; einmal pro Woche kommt eine mobile Sprechstunde in den Nebenraum des Gemeindehauses, organisiert über den Kreis. Die Sprechstundenhilfe heißt Lotte Wernik; sie führt Listen, damit niemand lange im Flur steht.
Übernachten kann man in Seena in kleiner Zahl. Zwei Zimmer bietet „Gästehaus am Mühlenweg“ (Mühlenweg 8), geführt von Petra Kordt, einer Verwandten des Müllers; sie richtet Frühstück so, dass Bahnfahrende es früh bekommen. Wer mit dem Rad unterwegs ist, fragt oft bei „Hofquartier Fröbel“ (Z-3, Nr. 17, Hinterhaus) nach, wo zwei Kammern mit eigener Dusche vermietet werden. Abends essen Gäste meist im Ort, wenn sie rechtzeitig ankommen: Im „Kreisverkehr-Krug“ (Z-14, Hausnummer 2) gibt es einfache Küche, und man sitzt dort zwischen Leuten, die noch in Arbeitskleidung kommen, und Schülern, die auf die Eltern warten. Betreiber ist Gerd Salm, der das Lokal so führt, dass man auch allein am Tisch sitzen kann, ohne dass es auffällt.
Verkehrsverbindungen:
Bahn: Buthabahn Linie 93 stündlich 6:21-21:21 nach Zentro, 6:20-20:20 nach Rehstadt, 21:21 nach Priestewitz
Straße: Autobahn A1 (W: Ackero, O: Zentro); Z-3 (N: Abflußstedt 16km, S: Kontros 9km); Z-14 (W: Zell 9km, NO: Zentro West 12km); Feldstraße entlang der Bahn SW nach Südeck 12km; Feldweg durch den Langen Han zum Fluß Zento.

