
(Pop.: 578 – 98 m NN)
Saarow liegt ruhig und leicht zurückgesetzt am Nordufer des Grenzsees, zwischen Prießen (Seeland) und Abflußstedt. Der Ort ist kein Durchfahrtsplatz, sondern Ziel: Wer hierherkommt, bleibt – sei es für ein Wochenende oder mehrere Wochen. Die Bebauung schmiegt sich an den Hang oberhalb des Sees, und die Straßen tragen Namen wie „Uferhang“ oder „An der Ruderhalle“, als wollten sie nichts anderes sagen als: Hier geht es um den See, um Ruhe, um Bewegung und um Reha.
Bekannt ist Saarow für das „Sanatorium Grenzseehöhe“ (Uferhang 9), ein weitläufiges Gebäude mit Seeblick, in dem Anwendungen zwischen Medizin, Sport und Selbsterfahrung kombiniert werden. Das Repertoire reicht von klassischen Therapien bis zu eher ungewöhnlichen Angeboten wie Nackt-Yoga am Ufer oder Atemtraining im Morgendunst. Im Winter wird das Eislaufen betreut – sofern die Eisdecke trägt. Morgens sieht man Gruppen auf dem Holzsteg Gymnastik machen, angeleitet von Physiotherapeuten. Im Erdgeschoss des Sanatoriums liegt ein Lesesaal, in dem neben medizinischer Fachliteratur auch aktuelle Zeitungen aus Zentro ausliegen – viele Gäste kommen aus dem Beamten- oder Universitätsdienst und wollen nicht ganz den Kontakt zur Hauptstadt verlieren.

Die Seepromenade ist kurz, aber gepflegt. Sie endet am Bootshaus „Saarower Ruderhalle“, einem langgestreckten Holzbau mit schiefergrauem Dach. Hier trainieren vormittags Reha-Gruppen, nachmittags einige ambitionierte Hobbysportler. Der Verein, der das Bootshaus betreibt, achtet auf Ruhezeiten und regelmäßige Wartung – nichts soll die Erholung stören. Die Ruderhalle gehört zum Ort wie der See selbst. Auf einem Brett neben dem Eingang steht in weißer Farbe: „Wer rudert, kommt auch weiter, wenn es still wird.“
Im oberen Teil von Saarow liegt die Kreativquell-Keramikwerkstatt, geführt von Martha Soltner, einer ehemaligen Kunstlehrerin aus Altenow. Sie bietet nicht nur Kurse an, sondern produziert auch feines Gebrauchsgeschirr, das im Umland beliebt ist. Direkt daneben hat sich mit „Purity Labs Pharma“ ein kleiner Pharmabetrieb angesiedelt, der unter streng geregelten Bedingungen Pflegeprodukte und medizinische Salben herstellt. Die Gebäude sind unscheinbar, aber technisch gut ausgestattet; viele Mitarbeitende kommen aus Abflußstedt oder Prießen und pendeln täglich.
Saarow hat keine eigene Kirche – für Gottesdienste fahren die Gläubigen in die Nachbardörfer, besonders zur Kirche St. Reginaldus in Abflußstedt. Die Gemeinde selbst ist locker organisiert; es gibt keinen eigenen Kirchengemeinderat, aber eine kleine Runde, die zu Feiertagen oder Lebensübergängen passende Räume im Ort organisiert. Für kulturelle Veranstaltungen wird gern der Lesesaal des Sanatoriums genutzt – etwa bei Lesungen, kleinen Konzerten oder Filmabenden. Das Publikum besteht meist aus Kurgästen, interessierten Einheimischen und Mitarbeitenden aus den Gesundheitsbetrieben.

Für Gäste gibt es drei Anlaufpunkte: Neben dem Sanatorium befindet sich das „Hotel Uferblick“ (Seehang 4), ein familiär geführter Betrieb mit zwölf Zimmern und einem Panorama-Frühstücksraum. In der warmen Jahreszeit wird das Frühstück auch auf der Terrasse serviert – mit direktem Blick auf den See. Wer es rustikaler mag, steigt in der „Pension Hainblick“ (Am Waldrand 7) ab, deren Betreiberin, Gundula Beek, früher als Försterin tätig war und heute Geschichten über den Grenzsee und seine Tiere erzählt, wenn man sie fragt.
Zum Essen geht man ins „Gasthaus Grenzblick“ (Uferstraße 11), das vor allem regionale Küche bietet – Fischgerichte, Bratlinge aus Seewiesenkräutern, einfache, nahrhafte Suppen. Die Einrichtung ist schlicht, die Atmosphäre offen. Am Wochenende kommen auch Ausflügler aus Prießen und Abflußstedt. Eine Etage tiefer, im Kellergewölbe des Hauses, liegt die Bar „Tau“, ein beliebter Ort für lange Abende. Die Bar bietet alkoholfreie Cocktails ebenso wie einheimische Brände – besonders gefragt ist der „Grenzsee-Klar“, ein Kräuterschnaps, der laut Barkeeper angeblich „gegen alles hilft, was zwischen See und Stadt hängen bleibt“.
Einen Supermarkt sucht man in Saarow vergebens, dafür gibt es den „See-Eck Laden“ (Promenadenweg 1), der morgens frisches Brot aus Abflußstedt verkauft, mittags eine Auswahl an Salaten und Kuchen bereitstellt und auch mal ein Paket entgegennimmt. Die Betreiberin, Helena Zörk, organisiert außerdem im Frühjahr einen kleinen Wochenmarkt, auf dem Produkte aus der Region angeboten werden: Honig, Eier, eingelegte Gurken, Trockenkräuter.
Das soziale Leben im Ort ist zurückhaltend, aber verlässlich. Viele kennen sich, man grüßt auf dem Weg zum See oder zur Bahn. Die Haltestelle der Seelandbahn liegt leicht oberhalb des Ortes; stündlich fahren Züge nach Zentro oder Kleinros. Im Winter, wenn der See zugefroren ist, werden Wege geräumt, und das Bootshaus verwandelt sich zum Treffpunkt mit Glühwein, Tee und Wärmflaschen. Dann kommt man ins Gespräch – leise, wie es zu Saarow passt.
Verkehrsverbindungen:
Bahn: Seelandbahn (Linie 90) stündlich 6:26-21:26 über Abflußstedt nach Zentro, 6:04-21:04 über Altenow nach Kleinros
Straße: B6 (NW: Prießen 6km, SO: Abflußstedt 6km); Z-12 (O: Fünfstern 13km)

