(Pop.: 842 – 250 m NN)

Fünfstern liegt am südlichen Rand des Zento‑Rückens, wo das hügelige Gelände sanft in die weite Zento‑Ebene übergeht. Die Lage auf dem Rücken beschert dem Ort Licht, Wind und weiten Blick über Felder und Gräben. Die wenigen Bäche, die von den Höhen herabfließen, versickern rasch in den fruchtbaren Böden – hier braucht man keinen Flusslauf, sondern reagiert auf Wetterwechsel über Gewitterwolken und Morgennebel.

Der Name Fünfstern erscheint auf historischen Karten im Zusammenhang mit alten Flurwegen, die auf fünf markanten Kreuzungspunkten endeten – sternförmig verzweigt. Die Legende im Ort erzählt, dass einst fünf Reisende an diesen Wegpunkten Zuflucht suchten und gemeinsam den Ort gründeten. Ob das genau so geschah, weiß keiner genau, aber die Erzählung lebt in Gesprächen an der Theke des Dorfkrugs weiter.

Fünfstern liegt an einem Netz kleiner Landesstraßen, die den Ort mit Grenzbachbrücke, Funka und Vierstern verbinden. Die Zentrobahn hält stündlich und verknüpft den Ort zuverlässig mit Zentro, Bierona, Seestadt und Kohla und weiteren Städten entlang der Strecke. Für Reisende per Zug ist der Bahnsteig der erste Kontakt mit dem Ort: ein schlichter Unterstand, zwei Gleise, ein Fahrplan und oft ein Radanhänger, der auf seinen Besitzer wartet. Per Straße führt die Z‑5 aus südlicher Richtung nach Grenzbachbrücke, während die Z‑8 den Norden und Osten erschließt. Feldwege verbinden Fünfstern mit Abflußstedt oder Saarow – nicht Hauptachsen, aber angenehm für Spaziergänger und Radfahrer, die lieber zwischen Feldern und Hecken unterwegs sind als auf stark befahrenen Straßen.

Die Hauptstraße durch Fünfstern ist zugleich Dorfplatz, Arbeitsachse und Versammlungsraum: eine Reihe niedriger Wohnhäuser, Handwerksbetriebe und Treffpunkte, deren Fassaden eher funktional als hübsch sind, aber sehr charaktervoll. Die Straße windet sich leicht, weil sie dem Gelände folgt: Ein kurzes Stück steigt sie an, dann fällt sie wieder ab, sodass man beim Spazierengehen immer wieder andere Perspektiven auf Felder und Himmel hat. An markierten Kreuzungen hängen Ortsschilder in fünf Richtungen – ein augenzwinkernder Verweis auf den Ortsnamen und eine beliebte Fotogelegenheit für Besucher.

Am Kirchstieg 3 liegt die Dorfkirche St. Severinus. Es ist ein Gebäude mit Dachreiter – nicht monumental, aber solide, klar proportioniert und eingebettet in eine kleine Grünfläche mit Bänken. Innen dominieren Holz und helle Farben: ein einfacher Altar, schlichte Bänke, ein paar bunte Fenster, die Lichtpunkte auf den Boden werfen. Die Kirchenbänke wurden von Tischlern aus dem Seeland gefertigt, was im Ort gern erwähnt wird – nicht als Luxus, sondern als Ausdruck von Verbundenheit: Fünfstern hat keine große Kirchentradition in Stein und Glas, aber in Holz und Handwerk. Die Gemeinde ist klein; Gottesdienste sind ungezwungen und regelmäßig. Es gibt keinen eigenen Gemeindekindergarten, aber eine offene Runde nach dem Gottesdienst, bei der Alteingesessene und Zugereiste sich austauschen.

Mitten in der Hauptstraße steht das Kulturhaus „Fünfer Saal“. Es ist mehr als nur ein Veranstaltungsort: Hier finden regelmäßig Filmabende, Reparaturcafés, Versammlungen der örtlichen Feldgenossenschaften und Quartalstreffen statt. Der Fünfer Saal ist nicht modern, sondern funktional – mit Holzstühlen, einer alten Projektionsleinwand und einem Tresen, an dem freiwillige Helfer warme Getränke ausschenken. Der Reparaturcafé‑Nachmittag am ersten Samstag im Monat gehört zu den beliebtesten Veranstaltungen: Dort stehen Laien und Profis Seite an Seite, um Fahrräder, Geräte und Elektroartikel zu prüfen und gemeinsam zu reparieren. Kinder, die zuhören, lernen schnell, was ein Schraubenschlüssel wirklich bedeutet.

Kunst und Handwerk sind in Fünfstern lebendig. Ein kleines Kunstatelier am östlichen Dorfrand, das Atelier „Himmelsblick“, hat sich auf Landschaftsmalerei und Drucktechniken spezialisiert. Die Betreiberin, Lena Grünfeld, lebt selbst seit ihrer Kindheit hier und arbeitet mit natürlichen Pigmenten aus den Böden der Umgebung. Ihre Werke entstehen oft draußen – auf Staffelei an Feldwegen, mit wechselndem Licht und weitem Blick. Entlang der Hauptstraße finden sich kleinere Gewerke: eine Schreinerei, die klassische Möbel und Zäune fertigt, eine Fahrradwerkstatt, die auch für Reisende kleine Reparaturen anbietet, und ein Kräuterbetrieb, der Salben und Tees aus lokalen Pflanzen herstellt.

Fünfstern hat keine großen Hotels, aber eine Auswahl an gemütlichen Unterkünften. Das Gasthaus mit Gästezimmern „Zum Fünfpunkt“ ist ein familiär geführtes Haus mit acht Zimmern und angeschlossener Gaststube. Die Küche setzt auf saisonale Produkte aus der Umgebung: Wildgerichte im Herbst, Gemüse aus den Feldern, hausgebackenes Brot und einfache Desserts. Am Rand des Ortes, mit Blick über die Zento‑Ebene, liegt die kleine Pension „Sternblick“. Morgens hört man Vögel, abends Grillenzirpen – und manchmal am Himmel einen Zug, der vom Rückgrat der Bahnlinie talwärts ins Licht fährt.

Auch kulinarisch hat Fünfstern mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick erwarten würde. Die Kneipe „Zur Goldenen Gabel“ ist gemütlich und zugleich ambitioniert: Neben dem traditionellen Mittagstisch gibt es eine Delikatessenkarte mit leicht geräuchertem Fisch vom Grenzsee, saftigen Braten und lokalen Bieren oder Weinen aus dem Umland. Die Atmosphäre ist familiär, Tische stehen eng, Gespräche kreisen um Tagesereignisse und Anekdoten aus dem Ort. Im Café „Sternenzauber“ direkt an der Hauptstraße trifft man sich nachmittags zu Kaffee und Kuchen oder abends auf ein leichtes Gericht. Die Einrichtung ist schlicht, aber warmherzig, und an der Pinnwand hängt stets ein neues Gedicht eines unbekannten Dorfbewohners.

Der Alltag in Fünfstern ist nicht laut – aber lebendig. Schulbusse halten morgens vor wenigen Wohnstraßen, Pendler steigen in die Bahn oder fahren mit dem Rad zur Arbeit, und selbst unangekündigte Besucher werden oft kurz am Zaun gegrüßt. Die Feuerwehr organisiert den Laternenumzug im Herbst und betreut den Dorfweihnachtsmarkt, der trotz kleiner Größe viele Menschen aus umliegenden Orten anzieht. Der Wochenmarkt findet einmal im Monat auf dem Platz vor dem Fünfer Saal statt: Stände mit Käse, Obst, Brotwaren und handgefertigten Textilien laden zum Verweilen ein.

Abseits der Hauptstraße gibt es kleine Entdeckungen: eine leichte Anhöhe nördlich des Dorfes, von der man klare Sicht in fünf Richtungen hat – nach Norden zur Zento‑Ebene, nach Westen hin zum Wald, nach Süden zur Bahnlinie. Der alte Kirchweg, der einst zum Nachbardorf führte, wird heute als Spazier‑ und Radweg genutzt. Einige Höfe am Rand des Dorfes bieten Gästezimmer und fördern den Austausch mit Landwirtschaft und Tierhaltung.

Verkehrsverbindungen:

Bahn: Zentrobahn (Linie 11) stündlich 7:23-20:23 über Zentro nach Bierona, 21:23 nach Ruppin, 7:24-19:24 über Seestadt nach Kohla, 20:24 nach Teichfurt, 21:24 nach Südteich

Straße: Z-5 (S: Grenzbachbrücke 9km, NO: Funka am Gnistreskog 8km); Z-8 (NW: weiter als SEE26 nach Tewitz 15km, O: Vierstern 6km); Z-12 (W: Saarow 12km); Feldweg nach Abflußstedt