
(Pop.: 1.478 – 281 m NN)
Arson liegt dort, wo das langgezogene Tal der Fulda vom Drosener Rücken eingefasst wird und Drosedorf unmerklich in einen neuen Ort übergeht. Wer von Osten kommt, merkt den Übergang kaum: Die Häuser stehen weiterhin locker entlang der Dorfstraße, die Höfe ziehen sich hangaufwärts, und der Bach begleitet den Weg. Erst an den ersten Schildern, an anderen Straßennamen und an der veränderten Hangneigung wird deutlich, dass hier Arson beginnt. Das Dorf zieht sich rund fünf Kilometer das Tal entlang und bleibt dabei konsequent unten im Gelände. Oberhalb, nördlich des Tals, verlaufen die Bahnlinie und die B6 auf dem Rücken; sie sind sichtbar, aber nicht Teil des Dorflebens. Nur rund um den Bahnhof an der Kreuzung von B6 und Z-11 gibt es eine kleine Ansiedlung, die wie ein vorgeschobener Außenposten wirkt.
Der Name Arson gibt seit Generationen Anlass zu Diskussionen. In alten Unterlagen taucht er in wechselnden Schreibweisen auf, oft in Verbindung mit Wegerechten und Grenzvermerken. Im Dorf erzählt man, der Name gehe auf „Ars“, die Kunst des Abwägens und Verhandelns, zurück, weil hier Streitigkeiten zwischen Tal- und Rückenbewohnern geschlichtet worden seien. Andere halten dagegen und verweisen auf eine alte Bezeichnung für abgelegene Höfe.
Die Lage im Tal der Fulda prägt Klima und Alltag. Morgens hält sich der Nebel länger als oben auf dem Rücken, und im Herbst ziehen die feuchten Nächte kühl durch die Weinberge. Die Hänge beiderseits des Dorfes sind mit Wein- und Obstpflanzungen bedeckt, ähnlich wie im benachbarten Drosedorf, aber etwas großzügiger angelegt. Hier gibt es mehr zusammenhängende Flächen, weniger kleinteilige Parzellen. Die Reben stehen in klaren Reihen, dazwischen Obstbäume, die im Frühjahr das Tal hell färben. Arson ist ein Winzerdorf. Viele Höfe besitzen Kelterräume, oft in niedrigen Anbauten oder ehemaligen Ställen. Im Herbst öffnen auch hier Straußwirtschaften, meist ohne feste Öffnungszeiten. Ein Kranz am Tor oder eine Kreidetafel an der Straße genügt als Einladung.
Die Dorfstraße ist das Rückgrat des Ortes. Sie folgt dem Bachlauf, weitet sich stellenweise zu kleinen Aufweitungen und verengt sich wieder zwischen Höfen. Abzweigende Wege führen zu einzelnen Gehöften oder hinauf zu den Hängen. Namen wie Mühlweg, Keltergasse oder Unterer Rain tauchen auf Straßenschildern auf, sind aber im Alltag weniger wichtig als Orientierungspunkte: die große Linde, der alte Pumpenschacht, der Hof mit dem blauen Tor. Wer hier lebt, gibt Wege nicht mit Hausnummern an, sondern mit Beschreibungen. Diese Art, den Ort zu lesen, gehört zu Arson.
Ein besonderer Punkt liegt nicht im Tal, sondern oben auf dem Rücken: der Bereich um den Bahnhof. Dort kreuzen sich B6 und Z-11, und nur hier hat sich eine kleine, dichte Bebauung entwickelt. Am Rathauswinkel, B6 Nr. 88, hängt ein schwarzer Kasten für Aushänge. Er wirkt wie ein kleines Amtsblatt im Freien und ist einer der wichtigsten Informationsorte des Dorfes. Hier werden Jagdzeiten bekanntgegeben, Fahrplanänderungen notiert, Marktordnungen ausgehängt und manchmal auch handgeschriebene Hinweise ergänzt. Der Kasten wird regelmäßig kontrolliert, und es gilt als ungeschriebenes Gesetz, dass niemand etwas entfernt, bevor es durch Neues ersetzt wird. Bürgermeisterin Klara Seidel sagt, der Kasten sei verlässlicher als jedes digitale System, weil hier jeder vorbeikomme, der den Ort verlässt oder betritt.

Gegenüber vom Bahnhof liegt das Gasthaus „B6-Tafel“ in der Chausseestraße 4. Es ist weniger ein Ausflugslokal als ein Ort für Zwischenstopps. Das Menü ist klein, wechselt wöchentlich und richtet sich nach den Zügen und Bussen. Mittags sitzen hier Bauarbeiter, Bahnpendler und Lieferfahrer, abends vereinzelt Gäste aus dem Tal, die den Weg hinauf nicht scheuen. Wirt Jakob Fenn führt das Haus seit Jahren und weiß, wann ein Zug verspätet ist, bevor es offiziell ausgehängt wird. In einer Ecke hängen alte Fahrpläne, die nicht aus Nostalgie dort geblieben sind, sondern weil sie zeigen, wie sich Verbindungen verschoben haben.

Zurück im Tal liegt die Kirche St. Melethia-Nord am Kirchplatz 1. Sie ist ein unscheinbarer Bau von außen, doch ihr Inneres macht sie besonders. Entlang der Wände stehen eine Reihe von Schreibpulten, schlicht aus Holz gefertigt. Sie wurden früher bei Grenz- und Wegerechtsstreitigkeiten genutzt, wenn Parteien ihre Aussagen festhielten oder Karten ausbreiteten. Diese Pulte sind erhalten geblieben und werden heute bei besonderen Anlässen genutzt, etwa bei Bürgerversammlungen oder thematischen Gottesdiensten. Pfarrer Tobias Henkel bezieht sie bewusst in die Gemeindearbeit ein, weil sie an eine Zeit erinnern, in der Worte Gewicht hatten und festgehalten werden mussten. Der Kirchplatz selbst ist klein, mit Kies statt Pflaster, und dient nach dem Gottesdienst oft als Ort für kurze Gespräche, bevor alle wieder in ihre Richtungen auseinandergehen.

Ein beliebter Spaziergang führt vom östlichen Ortsausgang Richtung Drosedorf zur alten Chausseesteinreihe. Die Steine stehen in regelmäßigen Abständen entlang eines früheren Weges, der einst als direkte Verbindung diente, bevor die B6 oben auf dem Rücken angelegt wurde. Heute ist dieser Weg ruhig, und die Steine tragen noch Nummern und Entfernungsangaben, die kaum jemand entziffern kann. Kinder nutzen sie als Balancierstrecke, ältere Dorfbewohner bleiben stehen und erzählen, welcher Stein früher als Treffpunkt galt.
Südlich des Dorfes, vor der Grenze zum Bierland, beginnt der Thalwald. Er schließt direkt an die letzten Höfe an und wirkt wie eine natürliche Erweiterung des Ortes. Der Wald ist beliebt bei Spaziergängern und Pilzsammlern, vor allem im Spätsommer und Herbst. Es gibt keine großen Parkplätze oder ausgeschilderten Themenwege, sondern ein Netz aus Forstwegen und schmalen Pfaden. Wer hier unterwegs ist, kennt meist jemanden, der ihm gesagt hat, wo es sich lohnt zu schauen. Der Förster wohnt im Dorf und wird oft angesprochen, wenn es um Sammelregeln oder Holzfragen geht. Der Thalwald ist Arbeitsraum und Erholungsgebiet zugleich, und diese Doppelrolle wird akzeptiert.
Arson hat keine großen Betriebe, aber viele kleine Arbeitsorte. Neben Wein- und Obstbau gibt es eine Schreinerei, die Fassdauben und einfache Möbel herstellt, eine Reparaturwerkstatt für landwirtschaftliche Geräte und einen kleinen Transportbetrieb, der vor allem zwischen Tal und Rücken unterwegs ist. Die Schule ist klein und arbeitet eng mit der in Drosen zusammen; viele Kinder fahren später dorthin. Der Kindergarten liegt nahe der Kirche und nutzt einen Garten, der bis an den Bach reicht. An warmen Tagen hört man die Kinderstimmen bis zur Dorfstraße.
Das öffentliche Leben organisiert sich über Vereine und Gewohnheiten. Die Feuerwehr probt regelmäßig, der Sportverein nutzt eine Wiese am Ortsrand, und es gibt einen Weinbauverein, der sich mehr um Organisation als um Repräsentation kümmert. Stammtische finden in wechselnden Straußwirtschaften statt oder im Gasthaus an der B6. Ein Dorfladen existiert nicht, dafür kommt ein mobiler Händler zweimal pro Woche. Post und Pakete werden über einen Abholpunkt im Rathauswinkel organisiert, was gut zum Aushangkasten passt.
Für Gäste bietet Arson wenige, aber passende Möglichkeiten. Es gibt Gästezimmer auf zwei Höfen, die vor allem zur Lesezeit genutzt werden. Wer hier übernachtet, nimmt am Alltag teil: Frühstück mit Blick auf die Hänge, Gespräche über Wetter und Ertrag, abends ein Glas Wein im Hof. Arson ist kein Ziel für Eile, sondern für Beobachtung. Das Dorf zeigt, wie sich ein Ort zwischen Rücken, Tal und Grenze eingerichtet hat – mit Wegen, die nicht spektakulär sind, aber tragen.
Verkehrsverbindungen:
Bahn: Bierona-Zentravia-Ferrovia Linie 111 stündlich 6:23-21:23 nach Zentro, 6:25-20:25 über Drosen nach Novafurt, 21:25 nach Drosen
Straße: B6 (W: Clausdorf 15km, O: Drosedorf 7km); Z-11 (N: Caaschwitz 8km, S: als BL17 durch den Thalwald nach Worda 9km)

