
(Pop.: 921 – 99 m NN)
Wielitz liegt südöstlich von Zentro in einem Abschnitt der Zento-Ebene, der von Verkehrsachsen, Feldern und kleinen Dienstleistungsbetrieben geprägt ist. Mit 921 Einwohnern auf 99 Metern Höhe ist der Ort groß genug, um ein kleines Zentrum zu bilden, und zugleich eng verwoben mit den Bewegungen der umliegenden Höfe, Werkstätten und Mostereien.
Der Name Wielitz wird im Dorf gern mit dem Wort „weilig“ in Verbindung gebracht, einem alten Begriff für „zweckmäßig eingerichtet“. Ältere Bewohner behaupten, der Ort sei immer dann gewachsen, wenn andere etwas brauchten – Ersatzteile, Vorlagen, Abrechnungen. Tatsächlich taucht Wielitz in Quellen früh als Umschlagplatz kleiner Güter und als Rastpunkt an einer alten Nord-Süd-Route auf. Die moderne Lage an A5 und B6 hat diesen Charakter fortgeführt. Lastwagen fahren hier selten einfach durch; viele halten, um etwas abzuholen oder abzugeben, oder um im Gasthof gegenüber der Kirche an Besprechungen teilzunehmen.

Im Ortskern steht die Kirche St. Aurelian (Kirchweg 1), ein klar gegliederter Bau mit schlichtem Turm und einem stark verzierten Westgiebel. Die Kirche ist Zentrum mehrerer Gruppen: der kleine Chor probt am Donnerstagabend, die Landfrauen treffen sich im Gemeinderaum, und am Sonntagvormittag sieht man entlang des Kirchwegs Fahrräder in kleinen Gruppen anlehnen. Pfarrer Benedikt Kruse führt die Gemeinde seit Jahren und nutzt die Predigt oft, um die Verbindung zwischen Arbeit und Jahresrhythmus zu betonen. Besonders während der Mostsaison sind Dankgottesdienste gut besucht; viele Betriebe liefern in dieser Zeit Apfelmaische oder frischen Saft zu Höfen rundum, und die Lasten prägen das Dorfgeschehen.

Gegenüber der Kirche liegt ein Gasthof, der in Wielitz eine besondere Rolle spielt. Hier tagt der Maschinenring des Landkreises, hier werden Wartungspläne verteilt und Gebrauchtmaschinen angeboten, und hier sitzt man abends zusammen, wenn ein Vertrag unter Dach und Fach gebracht wurde. Der Gasthof hat zwei Gasträume: einen größeren für Besprechungen, einen kleineren für den normalen Betrieb. Wirtin Tanja Ohlers hat die Fähigkeit, aus wenigen Zutaten eine ordentliche Mahlzeit zu machen, und hält darüber hinaus einen Ordner bereit, in dem die Gruppen die Nutzung des Raums koordinieren. Viele Gäste sind Stammgäste; man erkennt sie an mitgebrachten Ordnern und dem Blick auf die Uhr vor Sitzungsbeginn.
Entlang der Hauptstraße reihen sich mehrere unscheinbare, aber wichtige Betriebe. Ein großes Ersatzteillager versorgt Hofwerkstätten aus dem gesamten Landkreis. In den Regalen liegen Ketten, Dichtungen, Keilriemen, Ventile, Lager und unzählige Kleinteile, die niemand außerhalb der Landwirtschaft auseinanderhalten könnte. Die Halle ist sauber, beschriftet und klar strukturiert, und möglicherweise ist sie der Ort, an dem in Wielitz die meisten Gespräche geführt werden. Meist beginnen sie mit einem Problem an einem Gerät und enden bei den Wettervorhersagen oder der Frage, ob die Murmur-Linie dieses Jahr viel Wasser führen wird.
Daneben sitzt ein Reifenservice, spezialisiert auf landwirtschaftliche Fahrzeuge. Traktorreifen stehen dort in Größen, die für Außenstehende enorm wirken. Besitzer Fritz-Helge Zorn arbeitet mit einem kleinen Team und sagt, die Hälfte seiner Arbeit bestehe darin, Pannen auf Feldwegen zu beheben. Wenn man ihn auf der Straße sieht, erkennt man den Dienstwagen sofort am am Heck befestigten Montagearm. Im Dorf gilt der Reifenservice fast als eigenständige Institution; wer hier arbeitet, weiß nicht nur, welche Reifentypen die Höfe fahren, sondern auch, welcher Hof welchen Hangabschnitt bewirtschaftet.
Ein weiterer Dienstleister ist ein kleiner Buchhaltungsverbund, der sich auf Höfe und Mostereien spezialisiert hat. In einem zweistöckigen Gebäude nahe der Z-16 sitzen fünf Mitarbeiter, die Abrechnungen, Steuerunterlagen und Lieferdokumente verwalten. Auswärtige wundern sich über die Vielzahl handgeschriebener Tabellen, doch der Verbund arbeitet in einer Mischung aus digitalen und traditionellen Methoden, die den Betrieben entgegenkommt. Viele Winzer und Mostereien aus Arson, Drosedorf oder Clausdorf schicken ihre Unterlagen nach Wielitz, wo sie sortiert, eingeordnet und für Prüfungen vorbereitet werden.

Eine Besonderheit im Ort ist der „Satzraum“ in einem ehemaligen Ladenlokal an der Hauptstraße. Die Fenster sind halb verhangen, und im Inneren stehen Arbeitstische, Leuchtplatten und ein alter Drucksatzschrank, der eigentlich nicht mehr gebraucht würde, aber weiterhin benutzt wird. In diesem Raum entstehen Druckvorlagen: Vereinshefte, Speisekarten, Etiketten für Apfelwein oder Traubensaft, Layouts für kleine Feste, Programme für Kirchweihen. Die fertigen Dateien oder Papierbögen gehen anschließend nach Schlumpfhausen oder Drosen, wo die Druckmaschinen stehen. Der Satzraum ist ein Durchgangsort zwischen Entwurf und Produktion, und oft trifft man hier Menschen aus den umliegenden Orten, die mit einem Stapel Logos oder handschriftlichen Änderungen hereinkommen. Die Satzmeisterin, Leonie Gras, arbeitet ruhig und schnell und hat ein System entwickelt, mit dem sie die Vielzahl kleiner Aufträge im Blick behält.
Wielitz ist trotz der Nähe zu den Autobahnen kein lauter Ort. Die Wohngebiete liegen etwas abseits der Verkehrsachsen, und viele Häuser stehen in Winkeln, die sich nicht sofort erschließen. Straßen wie der Mühlenweg, der Ostbogen oder der Niederweg verbinden Höfe und kleine Wohnhöfe. Kinder spielen am Nachmittags am Rand der Felder, und Radfahrer nutzen die Wege, um nach Mehlis oder Richtung Dreamwood zu gelangen. Ein Feldweg führt etwa vier Kilometer nach Norden in das Tal der Fulda und dann weiter in den Dreamwood. Dieser Weg wird gern als Abendrunde genutzt; an manchen Tagen sieht man dort kleine Gruppen, die nach der Arbeit frische Luft suchen.
Schule und Kindergarten liegen beisammen am westlichen Ortsrand. Der Schulhof ist großzügig, mit Blick auf die Felder, und in der Pause sieht man oft Kinder mit kleinen Fahrrädern, die über ein improvisiertes Parcoursfeld fahren. Der Kindergarten nutzt einen angrenzenden Garten mit Obstbäumen. Lehrer und Erzieher kommen überwiegend aus Wielitz selbst oder aus Mehlis. Die Nähe zu den Verkehrsachsen macht die Wege kurz, aber das Dorf bleibt in sich geschlossen.
Der Alltag im Ort ist strukturiert, aber unaufgeregt. Der Supermarkt übernimmt die Grundversorgung, ein kleiner Bäckerwagen kommt zweimal pro Woche, und viele Bewohner kaufen direkt bei Bauern ein, die ihre Höfe am Ortsrand geöffnet halten. Ein Paketshop befindet sich im Ersatzteillager, und Postdienste werden über eine kleine Ecke im Supermarkt organisiert. Ein Arzt fährt zweimal pro Woche Sprechstunden im Gemeindehaus.
Für Gäste bietet Wielitz vor allem zwei Pensionen und Zimmer auf Höfen. Sie werden sowohl von Geschäftsreisenden genutzt – etwa Vertretern von Maschinenherstellern – als auch von Wanderern, die über den Dreamwood oder die Fuldawege unterwegs sind. Der Gasthof gegenüber der Kirche ist auch für sie der zentrale Ort, da hier warme Mahlzeiten und einfache Zimmer verfügbar sind. Die Abende sind ruhig; oft hört man nur Gespräche von Maschinenringmitgliedern, die über Ersatzteile, Erntetermine oder Reifendruck diskutieren.
Verkehrsverbindungen:
Bahn: Bierona-Zentravia-Ferrovia Linie 111 stündlich 6:42-21:42 nach Zentro, 6:06-20:06 über Drosen nach Novafurt, 21:06 nach Drosen
Straße: Autobahn A5 (N: über Zentro nach Nudeltopf, S: zur A17 nach Bierona); Autobahn A17 (S: Bierona, N: zur A1); B6 (NW: Mehlis 6km; SO: Clausdorf 8km); B61 (W: Fichtchen 5km); Z-16 (O: Fulda 8km)

