(Pop.: 472 – 91 m NN)

Mehlis liegt acht Kilometer südöstlich von Zentro an der B6, ca einen Kilometer von der A5-Abfahrt entfernt. Wer über die Bundesstraße fährt, sieht zuerst eine Reihe niedriger Wohnhäuser, dahinter Schuppen aus Holz oder Wellblech. In diesen Gebäuden laufen tagsüber Metall- und Holzarbeiten: Schlosser schleifen Pflugteile, Tischler reparieren Stallfensterrahmen, und eine kleine Gruppe junger Leute baut Lastenanhänger für E-Bikes. Der Ort zählt 472 Einwohner, liegt 91 Meter über dem Meer und ist flach genug, dass der Wind weit über die Felder greift. Eine Feldwegmarkierung an der Südstraße weist den Weg in Richtung Dreamwood; der Pfad folgt Entwässerungsgräben, passiert zwei Pumpstationen und erreicht nach gut vier Kilometern den Waldrand.

Die Dorfstraße schneidet Mehlis von Nord nach Süd. An ihrem höchsten Punkt steht die Kirche St. Lucius. Der Backsteinbau ist kompakt: ein gotisierendes Westportal, ein kurzer Turm, innen drei Joche mit flacher Decke. Die Bänke tragen Messingschilder alter Handwerkszünfte – Schmiede, Wagner, Zimmerleute – ein Hinweis, wie eng Glaubens- und Arbeitsleben verbunden blieben, selbst nachdem die letzte Zunftordnung aufgehoben war. Pfarrerin Rieke Sommer hält sonntags einen Gottesdienst um 9 Uhr; danach bleiben viele Besucher draußen stehen, weil neben dem Nordportal der mobile Bäckerwagen parkt und frische Roggenbrötchen verkauft. Der Gemeinderaum hinter der Sakristei dient werktags als Treffpunkt für zwei Gruppen: montags probt hier ein gemischter Chor, am Donnerstagabend diskutiert der Bauausschuss über Wegbefestigungen und Grundstücksgrenzen.

Mehlis entstand an einer alten Salz-Fuhrroute; der Ortsname leitet sich nach Überlieferung von „Mälzer-Litz“ ab, einem Hof, in dem Treiber Gerste und Hopfen mahlten, bevor sie weiter nach Fährstedt fuhren. Spuren dieser Vergangenheit erkennt man noch am Nordende: Dort stehen drei Kornspeicher aus Eichenbohlen, heute als Garagen genutzt. Ein schmaler Giebel trägt das Datum 1783, unter dem sich neue Schlösser befinden – die Speichertüren schließen mit modernen Vorhängeschlössern, weil Hobbytüftler dort Werkzeug lagern.

Im Alltag ist Mehlis vor allem eine Werkstattgemeinde. Hinterhofschuppen, oft nur von der Nebenstraße zugänglich, klingen nach Schweißgeräten, Kreissägen und Druckluft. Zwei Betriebe prägen das Bild: „Wortmann & Söhne Feinblech“ fertigt Gehäuse für Pumpen und Rührwerke, „Holz + Form Kreyer“ stellt einfache Stallfensterrahmen, Melkstandverkleidungen und Kornrutschen her. Beide beliefern Höfe bis hinüber nach Clausdorf und Arson. Wer durch den Ort geht, sieht an vielen Einfahrten Paletten mit verzinkten Rohren oder Bretterstapeln, die darauf warten, abgeholt zu werden.

Schräg gegenüber der Kirche sitzt die Grundschule. Ein eingeschossiger Ziegelbau, innen drei Klassenräume, eine kleine Bibliothek und ein Werkraum. Der Schulhof grenzt an einen Graben; zwei Holzstege führen zu Gemüsebeeten, die die Klassen bewirtschaften. In der großen Pause hört man oft Hammerschläge: Die Lehrerin für Werken lässt die Kinder Nisthilfen oder Insektenhotels bauen, die später an den Feldwegen zum Dreamwood aufgehängt werden.

Am westlichen Ortsrand, direkt an der B6, liegt die Gaststätte „Zur Kreuzfuge“. Das Gebäude war früher eine Baustoffhalle; jetzt teilen sich Gastraum, Küche und eine Werkbank den Platz. Wirt Frank Salomon serviert mittags ein festes Menü für Handwerker – meist Gerstensuppe, Schweinehals mit geschmortem Kohl und Quarkkuchen – und hält abends eine kleine Karte mit drei Gerichten: gebratene Forelle aus einer Teichanlage bei Fichtchen, Blutwurst mit Zwiebelsauce, Linseneintopf mit geräuchertem Wammerl. Dazu gibt es Fass-Cidre aus Clausdorf und einen hellen Rückenwein aus Pölau. An einem Seitenfenster hat Salomon eine Durchreiche für rasche Bestellungen montiert; wer nur einen Kaffee oder ein Brötchen möchte, bleibt draußen stehen, damit der Gastraum für Sitzungen frei bleibt. Maschinenring-Vertreter aus Wielitz nutzen die Tische, um Bestellungen von Brettern und Metallteilen mit den örtlichen Werkstätten abzustimmen.

Die Nähe zur A5 spürt man weniger durch Lärm als durch Logistik: Morgens rollen Lieferwagen mit Paletten Richtung Auffahrt, nachmittags kehren sie mit Rohmaterial zurück. Ein schmales Speditionsgebäude an der Nordspange beherbergt den Paketshop; dort sortieren drei Angestellte Sendungen nach Farben, weil Werkstattkunden ihre Kisten schneller finden, wenn sie rote, blaue oder gelbe Label sehen statt Nummern. Im gleichen Gebäude sitzt ein kleiner Co-Working-Raum – eine alte Idee des Bürgermeisters, um Einzelunternehmer in der Buchführung zu unterstützen. Der Raum wird hauptsächlich von Konstrukteuren genutzt, die CAD-Pläne für neue Stalltechnik erstellen.

Der Dreamwood bestimmt viele Freizeitwege. Ausgangspunkt ist ein Schild an der Südstraße, auf dem einfache Holzpfeile die Entfernung bis zur Waldbach-Parzelle anzeigen. Der Weg ist zwei Meter breit, geschottert, und führt an alten Pumpstationen vorbei. Eine Info-Tafel beschreibt die Funktion der Schöpfwerke, die bei Starkregen den Grundwasserstand regulieren. Kurz vor dem Wald stehen fünf Bänke aus recyceltem Lärchenholz; hier rasten Wanderer, Radfahrer und Eltern mit Kinderwagen. Im Herbst sammeln Bewohner Pilze – vor allem Maronen und Birkenrotkappen –, die dann samstagabends auf dem kleinen Markt vor der Kirche getauscht oder verkauft werden.

Das Feuerwehrhaus liegt am Z-17-Abgang Richtung Fichtchen

. Zwei Tore, ein Holzlager und ein Stromanschluss für das Notstromaggregat. Einmal im Monat übt die Jugendfeuerwehr, indem sie Wasser aus dem Graben ansaugt und einen provisorischen Löschangriff auf eine Schaumstoff-Attrappe fährt. Zuschauer stehen meist auf der Brücke und kommentieren, wie schnell der erste Strahl ankommt. Neben dem Gerätehaus befindet sich ein asphaltierter Platz, den die Dorfjugend als Bolzfläche nutzt; Tore bestehen aus alten Metallrahmen, die bei Wortmann & Söhne angefallen sind.

Einkaufen lässt sich in einem kleinen Dorfladen an der Kirchstraße. Betreiberin Rosi Strunk führt Grundnahrungsmittel, Schrauben, Dichtungen und Einweckgläser. Wer Spezialteile braucht, lässt sie über das Ersatzteillager in Wielitz liefern. Brot kommt dienstags und freitags frisch von einer Bäckerei aus Zentro-West, Milchprodukte liefert ein Hof aus Fichtchen. Eine mobile Metzgerei hält donnerstags vor dem Laden; Kunden tragen ihre Bestellung oft schon am Vorabend in eine Liste ein, die an der Tür hängt.

Ein Arzt besucht Mehlis dienstags und freitags. Die Sprechstunde findet im hinteren Raum des Gemeindehauses statt. Der Terminplan liegt offen aus, damit jeder sehen kann, wann noch Lücken bestehen. Für dringende Fälle steht ein Pedelec-Notrad bereit; der Gemeindediener radelt damit zum nächsten Nachbarort, falls Medikamente fehlen.

Übernachtungsmöglichkeiten sind begrenzt. Familie Gornik vermietet zwei Zimmer in einem Nebenhaus; Handwerker buchen sie wochenweise, Wanderer meist spontan. Die Zimmer sind einfach: Holzbetten, Granitboden, ein kleiner Schreibtisch. Frühstück gibt es in der Wohnküche; selbstgemachte Marmelade, Käse aus Fichtchen, Kaffee aus einer altmodischen Bialetti. Abends sitzen Gäste oft im Hof, während in den Werkstattschuppen noch die letzten Schleifmaschinen laufen.

Ab Sommer richtet der Kulturverein jeden dritten Samstag einen Filmabend im Gemeindesaal aus. Leinwand ist ein aufgespanntes Laken, Projektor und Lautsprecher stammen aus dem Bestand der Schule. Gezeigt werden bevorzugt Dokumentarfilme über Landtechnik oder historische Aufnahmen des Zento-Flusses. Eintritt wird nicht erhoben; wer kommt, bringt etwas für das Büfett mit. So entsteht eine Mischung aus Kino, Stammtisch und Probebühne für neue Rezepte.


Verkehrsverbindungen:
Bahn: Bierona-Zentravia-Ferrovia Linie 111 stündlich 6:49-21:49 nach Zentro, 5:59-19:59 über Drosen nach Novafurt, 20:59 nach Drosen
Straße: Autobahn A5 (N: über Zentro nach Nudeltopf, S: zur A17 nach Bierona); B6 (NW: Zentro 8km, SO: Wielitz 6km); Z-17 (S: Fichtchen 5,5km); Feldwege (N: Zentro-Südost, durch den Dreamwood nach Osten, nach Westen zum Zento-Fluss nach Fährstedt)