(Pop.: 1.874 – 301 m NN)

Hartmannsfeld liegt auf dem Drosener Rücken, der dem Osten des Landkreis Drosen in Zentravia sein charakteristisches Terrain verleiht. Dieser Rücken, entstanden aus alten geologischen Schichten, die heute Schulklassen am Steinbruch erklären, bildet eine sanfte, aber spürbare Grenze zwischen dem offenen Tiefland und dem dunklen Grün des Waldes. Von hier schweift der Blick weit über die Weiden, auf denen Herden grasen, bis zu den Hügeln im Osten und zur A1, die Nova und Zentro, die Hauptstadt Zentravias, verbindet.

Wo andere Dörfer der Ebene hauptsächlich Ackerbau fortschreiben, hat sich hier über Generationen eine besondere Verbindung zur Weidewirtschaft herausgebildet. Das merkt man sofort, wenn ein Schaftransport am frühen Morgen die Landstraße entlang rollt oder Rinder in der Abenddämmerung aus den Weiden zurückgeführt werden. Über diesen Weiden erhebt sich in etwas Abstand vom Rauschen der B55 und dem gelegentlichen Heulen des Windes der Kirchhügel, auf dem die St. Severus-Kirche steht. Der kleine Feldsteinbau ist schlicht. Die Menschen hier kommen sonntags zusammen, zum Gottesdienst, aber oft auch nur, um kurz innezuhalten vor dem weiten Blick über die Rückenlandschaft.

Ein Pfad führt von St. Severus hinab zu einem alten Steinbruch, wo Touren und Exkursionen des örtlichen Fördervereins Geologie anschaulich machen: Schicht um Schicht erzählt das Gestein vom Werden der Landaurischen Landschaft. Für die Schüler aus Hartmannsfeld und umliegenden Orten ist das eine Art „heimatliche Urkunde“ – sie zeigt, wieviel Zeit und Veränderung in diesem Rücken steckt.

Dem Alltag des Dorfes hat die Verkehrslage einen ganz eigenen Takt gegeben. Die A1-Ausfahrt Drosen/Hartmannsfeld macht den Ort zu einem pragmatischen Zugangspunkt für Transport und Dienstleistung. Wer vom Westen über die A1 nach Zentravia fährt, dem fällt oft zuerst die Straßenmeisterei ins Auge: eine funktionale Anlage mit Wintertechnik, die im Herbst und Winter ausrückt, wenn der Wolkenflüsterwald Schnee über die Höhen drückt. In der Erntezeit arbeitet wenig entfernt eine Kfz-Werkstatt, spezialisiert auf Achsen und Reifen großer Landwirtschaftsanhänger – ein Berufszweig, der nur dort entsteht, wo schwere Feldarbeit und moderne Verkehrswege zusammentreffen.

Am frühen Mittwochmorgen aber verwandelt sich der Platz vor dem Gemeindehaus in eine kleine Bühne: Wochenmarkt. Bauern aus der Umgebung bieten frisches Gemüse, Brot, Käse und den Honig des örtlichen Imkers Andreas Kühn an, der seine Bienen in Reihen am Waldrand stehen hat. Sein Honig, dunkel und reich an Waldbotenstoffen, gilt unter Kennern als kleine regionale Delikatesse.

Im alten Schäferhaus an der Weidenstraße 5 schlägt ein anderer Puls: hier dokumentieren Ausstellungen Werkzeuge, Karten alter Triften und Markenbücher, die zeigen, wie Schäfer früher ihre Herden auf den Weiden des Rückens bewegten. Die Kuratoren erzählen von Hirten, die in langen Sommern auf dem Rücken wachten, und von den alten Wegen, die vom Dörfchen Fuka am Waldrand bis zu den Sennhütten reichten.

Ein Spaziergang durch Hartmannsfeld führt an unterschiedlichsten Orten vorbei: an der Backstube mit integrierter Postagentur, wo frühmorgens schwere Semmeln aus dem Ofen kommen; an der kleinen Arztpraxis, in der der Allgemeinmediziner einmal die Woche Sprechstunde hält; am Sportplatz, wo der lokale Fußballverein Spiele austrägt, die mehr Zuschauende als der Name „Dorfpunktspiel“ erwarten lassen. Und immer wieder: Wiesen, Straßen, Hofzufahrten und Wälder, die den Rhythmus bestimmen.

Gegen Abend, wenn die Traktoren heimkehren, mancher Besucher noch einen Blick von der Anhöhe zur A1 wirft und in der Ferne das Licht von Drosen aufleuchtet, zeigt Hartmannsfeld sein stilles Gesicht: kein quirliges Zentrum, aber ein Ort, dessen Bedeutung gerade im stillen Alltag und in der Verbindung seiner Menschen mit Landschaft und Weg liegt. Er ist ein Beispiel dafür, wie in Zentravia selbst Dörfer im sanften Auf und Ab zwischen Wald und Ebene Teil eines lebendigen geografischen und kulturellen Gefüges sind – ein kleiner, eigener Kosmos, der in seiner Schlichtheit Leser und Reisende gleichsam einlädt, genauer hinzusehen.


Verkehrsverbindungen:
Straße: Autobahn A1 (W: Zentro, O: Nova); B55 (N: Seifartsdorf 15,5km, S: Drosen 7km); Z-16 (W: Fuka 3km, O als L16: Reichenau im Blumenland 7km)