(Pop.: 549 – 71 m NN)

Zentobrücke mit seinen 549 Einwohnern liegt direkt am Zento, an einem Flussknick zwischen der Hauptstadt Zentro im Süden und Kornumünde im Norden. Der Ort sitzt auf der Ostseite des Flusses etwas erhöht auf einer nassen Terrassenkante der Zento-Ebene; unterhalb davon ziehen sich Wiesen und Uferschilf bis an das Wasser, darüber liegen die Höfe und kleinen Wohnstraßen. Die namensgebende Brücke trägt die Landesstraße Z-4 über den Fluss. Wer mit der Linie 109 der Bierona-Zentravia-Ferrovia unterwegs ist, steigt am Westufer des Flusses aus und kann über diese brücke den Ort erreichen

Das Leben im Dorf konzentriert sich auf wenige Straßen: die Uferstraße zieht parallel zum Fluss, der Brückenweg steigt in einer leichten Kurve hinauf zur Bundesstraße, und der Kirchsteig verbindet den alten Ortskern mit den jüngeren Häusern am Hang. Am Brückenkopf steht der Bauhof der Wasser- und Straßenmeisterei (Uferstraße 10). Dort sieht man morgens oft Mitarbeiter in hohen Gummistiefeln Pegelmarken kontrollieren, Bohlen aus dem Uferstreifen ziehen oder die Seile der Flussbojen prüfen. Nach Hochwässern werden hier Treibholz, Äste und manchmal ganze Holzteile alter Stege gesammelt, sortiert und später an Brennholzabnehmer verteilt. Ein Teil des Geländes ist mit farbigen Pflöcken und Messlatten übersät; sie markieren frühere Wasserstände und dienen Schulen aus Zentro als Anschauungsobjekt, wenn es um die Hochwassergeschichte des Zento geht.

Die Kirche St. Anselm (Kirchsteig 1) ist ein gedrungener Saalbau mit niedrigem Turm und einem Dach, das sich dicht über die Bankreihen legt. Wegen der Feuchtigkeit in der Flussniederung läuft die Turmuhr gern nach; zweimal im Monat steigt Küsterin Greta Nohl die enge Treppe hinauf, wischt Kondenswasser von den Zahnrädern und stellt die Zeiger nach dem Fahrplan der Bahn. Im Aushangkasten neben dem Portal hängen nicht nur Gottesdienstzeiten, sondern auch Dienstpläne der Wasserwehr, Ankündigungen von Angelprüfungen und Probetermine des kleinen Posaunenchores. St. Anselm ist damit ebenso stark Gemeindehaus wie Gottesdienstraum: Im Winter werden hier Schulungsabende zur Deichpflege und einfache Erste-Hilfe-Kurse abgehalten, im Sommer finden Tauffeiern statt, bei denen die Taufgesellschaft anschließend in der Zeno-Aue picknickt.

Von der Kirche führt ein schmaler Weg an den Fluss hinunter. Der ausgeschilderte Uferpfad begleitet den Zento flussabwärts und erreicht nach wenigen Minuten das Wäldchen der Zento-Aue. Der Boden ist weich, zwischen den Erlen stehen alte Pfähle in der Strömung; es handelt sich um Reste eines früheren Anlegerkopfes, den die Dorfbewohner „Alter Tritt“ nennen. Kinder lernen hier das Werfen der ersten Angel, ältere Einwohner erzählen, welche Lastkähne früher an dieser Stelle lagen, bevor die Brücke gebaut und der Warenverkehr auf die Straße verlegt wurde. Bei niedrigem Wasserstand lassen sich die Steinplatten gut erkennen, und man sieht, wie die Strömung seitlich an ihnen vorbeizieht.

Eine Besonderheit von Zentobrücke ist der Tanzpalast „Nachtigall“, ein flacher Saalbau mit breiten Fenstern zur Zento-Seite, wenige Schritte flussaufwärts vom Alten Tritt. Auf einer kurzen Uferpromenade liegen Poller und ein hölzerner Anlegebalkon; hier macht bei gutem Wetter Samstags abend ein kleiner Flussdampfer aus Zentro fest, bringt Ausflugsgesellschaften zum Tanzabend und holt sie spät in der Nacht wieder ab. Wenn das Schiff gegen 19 Uhr anlegt, drängen sich auf der Uferstraße Radfahrer, Nachbarn und Kinder, um beim Ein- und Aussteigen zuzusehen. Im Saal spielt eine lokale Tanzkapelle oder ein DJ, und während innen getanzt wird, sitzen manche Gäste auf der niedrigen Mauer vor dem Gebäude, hören durch die geöffneten Türen die Musik und beobachten die Spiegelungen der Lichter im Wasser.

Das Dorf selbst bietet nur eine überschaubare Infrastruktur, ist aber eng mit Zentro verbunden. Viele Einwohner pendeln mit dem stündlichen Zug in die Hauptstadt, die in gut zwanzig Minuten erreichbar ist. Im Ortskern gibt es einen kleinen Lebensmittelladen an der Brückenstraße, der morgens frische Brote aus Zentro annimmt, dazu eine Bäckereitheke und eine Ecke für Paketdienste. Gegenüber sitzt eine Postagentur, und an der Kreuzung zur B62 findet man eine einfache Imbissbude, in der mittags Bauhofleute, Busfahrer und Schüler aus Kornumünde anstehen. Eine kleine Grundschule gab es früher am Hang, heute nutzen die Räume die Feuerwehr und der Jugendclub; die Kinder fahren mit Schulbussen in größere Orte.

Handwerklich lebt Zentobrücke stark vom Fluss. Neben dem Bauhof gibt es eine kleine Werftwerkstatt, die Anlegepfähle, Stegelemente und Metallteile für Uferanlagen wartet. Die Firma gehört den Brüdern Lehmann, deren Vater schon bei der ersten Verstärkung der Zento-Ufermauern nach den Krisenjahren mitgearbeitet hat. Dazu kommen ein Boots- und Angelbedarfsladen nahe der Brücke und eine kleine Schlosserei, die Geländer und Hochwasserschutzgitter für Zentro fertigt. Im oberen Dorf hat Architektin Océane Laurent ihr Büro in einem umgebauten Speicher eingerichtet; von hier aus plant sie Umbauten an Hofstellen in der Zento-Ebene und berät Gemeinden bei der Anpassung von Brücken und Ufermauern an neue Wasserstandsvorgaben. Tierarzt Erik Sundberg, der mit seiner Familie in einer Seitenstraße der Uferstraße lebt, betreut Hof- und Haustiere in den Dörfern entlang der B62 und hält im Gemeindesaal von St. Anselm regelmäßig Vortragsabende zu Viehseuchen und Haustierhaltung.

Kulturell ist Zentobrücke stärker, als die Größe des Ortes vermuten lässt. Neben dem Tanzpalast Nachtigall gibt es im Winter eine Reihe von Filmabenden im Gemeinderaum der Kirche, bei denen Dokumentarfilme über Wasserbau, Flusslandschaften und alte Bahnlinien laufen. Der Angelverein trifft sich monatlich, um Fangstatistiken und Wasserqualität zu besprechen, und organisiert einmal im Jahr ein Uferreinigungswochenende, bei dem ganze Familien die Zeno-Aue von Müll befreien. An diesem Wochenende bietet der Imbiss an der B62 Suppe und belegte Brote zum Selbstkostenpreis an, und der Bauhof stellt seine Fahrzeuge zur Verfügung, um Säcke und Sperrgut abzutransportieren.

Gäste finden in Zentobrücke einfache, aber praktische Übernachtungsmöglichkeiten. Zwei Privathäuser an der Auestraße bieten Gästezimmer für Radfahrende auf der Route zwischen Zentro und Kornumünde an; sie werben mit abschließbaren Fahrradschuppen und frühem Frühstück, damit man den ersten Zug oder die Morgenkühle am Fluss nutzen kann. Für größere Gruppen ist meist der Tanzpalast Nachtigall Anlaufpunkt: Nach Veranstaltungen können Stühle beiseite geräumt und Matratzenlager aufgebaut werden, etwa für Musikgruppen aus Zentro, die hier Wochenendproben durchführen.


Verkehrsverbindungen:
Bahn: BZF Bierona-Zentravia-Ferrovia Linie 109 stündlich 6:11-21:11 nach Zentro, 6:04-21:04 nach Ferkelau
Straße: B62 (S: Zentro 19km, N: Kornumünde 10km); Landesstraße Z-4 (W: Vierstern 11km, O: Huhndorf 7km)