(Pop.: 905 – 114m NN)

Kornu – Beschauliches Idyll an der Kornutal-Bahn

Nur vier Kilometer östlich der Kreisstadt Kornumünde, dort, wo der Fluss Kornu sich in breiten Schleifen seinem Mündungstrichter nähert, liegt das Dorf Kornu. Es ist der kleinere, ruhigere Nachbar, der unter dem touristischen Radar der Tagestouristen aus Zentro fliegt – und genau das macht seinen besonderen Reiz aus.

Der Ortsname ist von verräterischer Schlichtheit. Als die ersten Siedler kamen, nannten sie den Fluss schlicht den „Kornu“, ein Wort aus dem Altzentravischen, das so viel wie „Windung“ oder „Krümmung“ bedeutet. Und wo sie sich niederließen, direkt an dieser Krümmung, das war folgerichtig „Kornu“. Eine Bescheidenheit in der Namensgebung, die dem Ort bis heute geblieben ist.

Anders als das geschäftige Kornumünde mit seinem Flusshafen entstand Kornu als reiner Uferort. Oberhalb der Flussmündung in den Zento, wo der Strom noch Kraft genug für Mühlräder besaß, ließen sich Fischer und Müller nieder. Die Zeiten der Berufsfischerei sind längst vorbei, doch die Erinnerung daran ist allgegenwärtig. Die restaurierte Kornu-Mühle aus dem 17. Jahrhundert steht noch heute als stolzes Wahrzeichen am östlichen Dorfrand. Ihr massives Mauerwerk und das große, stillgelegte Wasserrad sind ein beliebtes Fotomotiv, und in den Sommermonaten lädt der Mühlenhof zu kleinen Kunsthandwerkermärkten ein.

Das Leben in Kornu wird von der Landwirtschaft bestimmt. Entlang der Uferstraße reihen sich gepflegte Bauernhöfe aneinander, deren Ländereien sich in der flachen Flussaue erstrecken. Vor allem die Obstgärten sind eine Augenweide. Im Frühjahr verzaubern die weiß und rosa blühenden Apfel- und Kirschbäume die Landschaft, im Herbst duftet es dann betörend nach Most und frisch gepflücktem Obst. Dieser ländliche Charakter prägt das Ortsbild weit mehr als die moderne Architektur. Einzige Ausnahme ist der unscheinbare, aber hochspezialisierte Betrieb für Präzisionsinstrumente am westlichen Ortsausgang. In der stillen Atmosphäre Kornus fertigt man hier Teile für Labore in der fernen Hauptstadt Zentro – ein kleines Stück Hightech inmitten von Wiesen und Feldern.

Das geistliche und kulturelle Zentrum des Dorfes ist zweifellos die kleine romanische Dorfkirche. Sie steht auf einer leichten Anhöhe, umgeben von einem alten Friedhof mit moosbewachsenen Grabsteinen. Ihr gedrungener Turm ist weithin sichtbar. Betritt man das kühle Innere, öffnet sich ein Raum voller Farben. Die Wände und die Apsis sind mit Fresken aus der frühen Zeit Zentravias bedeckt. In sanften Erdtönen und kräftigem Blau sind biblische Szenen dargestellt, die trotz ihres Alters von fast tausend Jahren eine erstaunliche Ausdruckskraft besitzen. Die Gemeinde ist klein, aber lebendig. Neben den sonntäglichen Gottesdiensten trifft sich hier der Frauenkreis, und im Gemeindehaus nebenan probt der örtliche Chor, dessen mehrstimmiger Gesang an manchen Abenden über die Felder schallt.

Das soziale Leben spielt sich jedoch vor allem am Fluss ab. An einer besonders idyllischen Stelle, wo eine alte Weide ihr Geäst ins Wasser hängt, befindet sich die Badestelle von Kornu. Eine kleine, gepflegte Liegewiese, ein hölzerner Steg und das klare, ruhige Wasser locken an heißen Sommertagen nicht nur die Dorfjugend, sondern auch viele Ausflügler aus Kornumünde an. Familien mit Kindern planschen im Flachwasser, während weiter draußen die geübten Schwimmer ihre Bahnen ziehen.

Wenn der Magen knurrt oder der Abend hereinbricht, ist man im Gasthaus „Zur Kornubrücke“ genau richtig. Direkt neben der gleichnamigen Brücke gelegen, die den Fluss überspannt, ist es weit mehr als nur eine Wirtschaft. In der gemütlichen, holzvertäfelten Stube mit dem großen Kachelofen serviert die Wirtsfamilie seit Generationen bodenständige, regionale Küche. Die Kornu-Forelle, blau oder gebacken, ist eine Spezialität, ebenso wie der saftige Zwetschgendatschi aus den Gärten der Nachbarn. Im Sommer sitzt man auf der Terrasse, blickt auf den Fluss und lauscht dem Plätschern des Wassers.

Wer länger verweilen möchte, findet im Gasthof auch einfache, aber saubere Zimmer. Für den täglichen Bedarf gibt es einen kleinen Dorfladen, der zugleich als Postagentur dient und in dem man nicht nur Lebensmittel, sondern auch die neuesten Dorfneuigkeiten erfährt. Ein Bäckerwagen aus dem Nachbardorf Huhndorf kommt jeden Morgen, und der Fleischer aus Somm macht zweimal die Woche Station auf dem kleinen Dorfplatz.

Die Anbindung Kornus ist denkbar gut und dennoch diskret. Die Kornutalbahn (BZF110) verbindet das Dorf stündlich mit der Kreisstadt. Wer um 54 Minuten nach jeder vollen Stunde in den Zug steigt, ist in wenigen Minuten in Kornumünde und hat Anschluss an die Schnellzüge nach Zentro und Bierona. In die andere Richtung gelangt man über die malerische Strecke ins gleichnamige Kornutal. Für Autofahrer ist die B53 die Hauptschlagader, die nach Westen nach Kornumünde und nach Nordosten nach Somm führt. Wer die Ruhe sucht, biegt von der Bundesstraße ab und folgt dem Feldweg, der schnurgerade durch die flache Marsch nach Kleebaum führt – eine 18 Kilometer lange Fahrt unter freiem Himmel, die man nur bei schönem Wetter und mit etwas Zeit im Gepäck unternehmen sollte.

Kornu ist kein Ort für Hektik und große Entdeckungen. Es ist ein Ort zum Durchatmen, zum Spazierengehen an den Obstbaumwiesen, zum Verweilen in der alten Kirche und zum Genießen der einfachen Dinge. Ein stiller Ort mit einer tiefen Verwurzelung in der Geschichte Zentravias, der seine Besucher mit einer herzlichen Gelassenheit empfängt.


Verkehrsverbindungen:
Bahn: Kornutalbahn (BZF110) stündlich 6:54-21:54 nach Kornumünde, 6:21-21:21 nach Kornutal
Straße: B53 (W: Kornumünde 4km, NO: Somm 12km); Z-15 (S: Huhndorf 10km); Feldweg nach Norden nach Kleebaum 18km