
(Pop.: 5.425 – 298m NN)
Wer aus den nördlichen Höhen des Zentralmassivs auf der A4 nach Zentravia herabfährt und die Serpentinen hinter sich lässt, sieht Ferkelau oft schon aus der Ferne: ein Band aus Schindeldächern, das sich entlang des Zento ausbreitet, dort, wo der Fluss endlich breit genug wird, um Boote zu tragen. Die Stadt liegt auf 298 Metern Höhe und wirkt wie ein natürliches Tor zwischen den Bergtälern im Norden und den offenen Ebenen im Süden. Dass sich hier seit Jahrhunderten Menschen niederlassen, überrascht kaum – der Ort entstand an einer Furt, die schon in der frühen Landauri‑Zeit als Übergang diente. Händler, Pilger, Holzfahrer und später die ersten Gelehrten des Dekanats Zentravia nutzten diesen Punkt, um Waren und Nachrichten zwischen den Regionen zu bewegen. Heute ist Ferkelau Kreisstadt, Verwaltungszentrum und ein lebendiger Knotenpunkt, der Tradition und Moderne auf eine Weise verbindet, die man in Zentravia selten so dicht beieinander findet.
Der Name „Ferkelau“ sorgt bei Durchreisenden oft für ein Schmunzeln, und die Einheimischen erzählen gern die Anekdote vom „Ferkel des Missionars“. Der Legende nach soll der frühe Prediger Lantor – derselbe, dem die Stadtkirche geweiht ist – auf seiner Reise durch die Täler ein kleines Ferkel gefunden haben, das ihm tagelang folgte. Als er an der Furt Rast machte, sei das Tier ins Wasser gesprungen und habe ihm den Weg durch die Strömung gezeigt. Lantor deutete dies als Zeichen, und so soll der Ort seinen Namen erhalten haben. Historisch ist das natürlich kaum belegbar, aber die Geschichte wird gern erzählt, besonders beim Stadtfest, wenn Kinder in Ferkelkostümen über den Marktplatz laufen.

Der Marktplatz ist das Herz der Altstadt. Er ist nicht groß, aber von einer angenehmen Geschlossenheit, die durch die umliegenden Fachwerkhäuser entsteht. In der Mitte steht das alte Rathaus mit seinem Uhrturm, ein Bau aus dem 17. Jahrhundert, der nach dem Brand von 1894 originalgetreu wiederhergestellt wurde. Der Uhrturm schlägt jede Stunde, und wer frühmorgens unterwegs ist, hört die Schläge über den Fluss hinweg bis zu den Barkenhafenanlagen. Auf dem Platz findet zweimal wöchentlich ein kleiner Markt statt, auf dem Bauern aus Patz, Lauscha und den Höhenhöfen Käse, Kräuter, Honig und Holzprodukte anbieten. Besonders beliebt ist der Stand von Frau Mirena Tors, die seit Jahrzehnten Kräuterbündel aus den Hängen des Queckbergs verkauft und jedem Kunden eine kleine Geschichte über die Wirkung ihrer Pflanzen mitgibt.

Von hier führen enge Gassen hinunter zur Zento-Uferpromenade, die im Frühling besonders belebt ist. Wenn das Schmelzwasser aus dem Zentralmassiv den Fluss anschwellen lässt, öffnen die Bootsbesitzer ihre kleinen Barkenhafenanlagen. Die Promenade ist ein Ort des Flanierens: Bänke unter alten Linden, kleine Cafés, ein Eisladen, der im Sommer bis spät in die Nacht geöffnet hat. Am beliebtesten ist die Terrasse des „Zentoquell“, des traditionsreichen Hotels, das seit dem 19. Jahrhundert Gäste beherbergt. Hier sitzen Wanderer neben Geschäftsreisenden, und nicht selten hört man Gespräche über die Wetterlage am Queckberg oder die neuesten Gerüchte aus der Queck‑Research‑Area, die nordwestlich der Stadt liegt und seit 1952 Sperrgebiet ist. Die Menschen in Ferkelau leben mit diesen Gerüchten – manche behaupten, nachts seltsame Lichter über den Tälern gesehen zu haben, andere winken ab und verweisen auf die meteorologischen Experimente, die dort offiziell durchgeführt werden. Sicher ist nur: Die Forschungsanlage hat eine eigene Bahnverbindung, die Queck Research Railway, und die Züge, die dorthin fahren, sind stets gut bewacht.

Die Kirche St. Lantor steht etwas erhöht über dem Fluss und ist ein schlichter, aber eindrucksvoller Bau. Ihr Turm ist nicht hoch, aber breit, und die dunklen Holzschindeln des Dachs geben ihr ein fast alpin anmutendes Aussehen. Innen findet man eine Sammlung regionaler Holzschnitzkunst, darunter mehrere Figuren aus dem 16. Jahrhundert, die Szenen aus der frühen Missionierung Zentravias darstellen. Pfarrer Aldus Remer, der seit über zwanzig Jahren in Ferkelau wirkt, führt Besucher gern durch die Kirche und erzählt von der Tradition der Holzschnitzer, die im gesamten Landkreis verbreitet ist. Die Gemeinde ist lebendig: Es gibt einen Kirchenchor, eine Jugendgruppe, die im Sommer Wanderwochen organisiert, und das jährliche Lantor‑Fest, bei dem die Gemeinde ein großes Suppenessen auf dem Kirchhof veranstaltet. Die Suppen werden aus Kräutern der umliegenden Wälder gekocht, und viele Familien haben ihre eigenen Rezepte, die sie nur zu diesem Anlass preisgeben.

Ein paar Schritte weiter steht die Zentrohalle, das Kulturhaus der Stadt. Von außen wirkt es modern, fast nüchtern, doch im Inneren findet man eine überraschend warme Atmosphäre. Die Halle zeigt wechselnde Ausstellungen zur Geschichte Zentravias, und im Sommer dient sie als Bühne für das Musikfestival „Klang des Massivs“. Dann kommen Instrumentenbauer aus Petra, Zunig und den Höhenhöfen zusammen, um ihre Arbeiten zu präsentieren. Besonders beliebt sind die Flöten aus Bergahorn, die in Patz gefertigt werden. Während des Festivals füllen sich die Straßen mit Musik, und abends sitzen Musiker und Besucher gemeinsam am Fluss, trinken das lokale Waldbier aus Horchau und erzählen Geschichten über Wanderungen, Stürme und Begegnungen in den Bergen.
Die Wirtschaft Ferkelaus ist kleinteilig, aber stabil. Eine Möbelmanufaktur am südlichen Stadtrand produziert Tische, Stühle und Schränke aus Bergfichte, die in ganz Zentravia verkauft werden. Die Werkstatt ist bekannt für ihre klaren Linien und die sorgfältige Verarbeitung, und viele Besucher nutzen die Gelegenheit, im Werksladen ein kleines Stück Ferkelauer Handwerk mitzunehmen. Daneben gibt es eine kleine Brauerei, die das „Zento‑Helle“ braut, ein mildes Bier, das besonders im Sommer beliebt ist. Die Brauerei bietet Führungen an, und wer Glück hat, trifft den Braumeister Jorin Malder, der gern erklärt, wie das Wasser aus den Höhen des Zentralmassivs den Geschmack des Bieres prägt.

Die Stadt verfügt über mehrere Hotels und Pensionen. Neben dem „Zentoquell“ gibt es ein Sanatorium am südlichen Stadtrand, das sich auf Atemtherapien spezialisiert hat – die reine Bergluft und die Nähe zum Fluss machen den Ort ideal für Erholungssuchende. Eine kleine Wellnessanlage mit Blick auf den Zento bietet Bäder mit Kräuteressenzen an, die aus den Wäldern rund um den Queckberg stammen. Für Wanderer und Radfahrer gibt es einfache Gästezimmer in privaten Häusern, und wer es rustikaler mag, findet in Ferkeltal, dem kleinen Dorf oberhalb der Stadt, den Gasthof „Passblick“. Dort sitzt man abends auf der Terrasse, hört das Rauschen des Zento und sieht die Lichter der Autos, die über die Autobahntrasse zum Ferkelpass hinauffahren.
Ferkeltal selbst ist ein ruhiger Ort, trotz der Nähe zur Autobahn. Seit dem Bau der Lärmschutzgalerien ist es wieder still geworden, und viele Wanderer beginnen hier ihre Touren entlang der alten Zentotalstraße. Die Kapelle St. Runa, die im 15. Jahrhundert als Rastpunkt für Bergreisende entstand, steht am Rand des Dorfes und ist ein beliebter Ort für kurze Pausen. Ein Holzverarbeitungsbetrieb stellt Schindeln für Berghütten her, und ein lokaler Imker verkauft Honig aus Bergblüten, der in Ferkelau sehr geschätzt wird.
Wer weiter in die Berge möchte, erreicht über die Ferkeltalstraße die Holzmühle am Queckberg. Der winzige Weiler besteht aus wenigen Häusern, der alten Mühle und der Kapelle „Maria im Fichtenhain“. Das kleine Museum im ehemaligen Wohnhaus des Müllers zeigt Werkzeuge und Dokumente zur Holzindustrie des Zentralmassivs. Wanderer nutzen Holzmühle als Zwischenstation auf dem Weg zum Queckberg, und im Sommer sitzt man gern im kleinen Ausschank, der einfache Speisen aus regionalen Zutaten anbietet – Käsebrote, Kräutersuppen und ein kräftiger Fichtenschnaps, der nur hier gebrannt wird.
Der Queckberg selbst ist ein besonderer Ort. Auf 1347 Metern Höhe liegt er am Dreiländereck zwischen Zentravia, Seeland und dem Nudelland. Die Wetterstation, die seit den 1920er Jahren Daten für die Zentralmassivforschung liefert, wird von fünf Menschen betrieben, die hier oben leben und arbeiten. Sie führen auch eine kleine Herberge, die besonders von Fernwanderern geschätzt wird. Die alte Grenzsteinhütte aus dem 18. Jahrhundert erinnert an die Zeit, als Händler aus allen drei Ländern hier Rast machten. Die Bergkirche St. Aurelia ist schlicht, aber ihre Glasfenster, die Szenen aus der Geschichte Landauris zeigen, sind ein kleines Kunstwerk. Im Sommer findet hier das „Berglicht‑Fest“ statt, bei dem Laternen entlang des Kamms entzündet werden – ein Anblick, den man so schnell nicht vergisst.
Patz, das langgestreckte Dorf südöstlich der Kreisstadt, wirkt wie ein stiller Gegenpol zum geschäftigen Ferkelau. Entlang des Nachtwindflusses reihen sich die Häuser über fast sieben Kilometer aneinander, verbunden durch zahlreiche kleine Brücken, die dem Ort seinen besonderen Rhythmus geben. Wer durch Patz fährt, hat das Gefühl, durch eine Abfolge kleiner Szenen zu gleiten: Kinder, die am Wasser spielen, Gärten, die sich bis an die Ufer ziehen, und immer wieder der Blick auf die Kirche St. Nivora, die auf einer Anhöhe steht und das gesamte Tal überblickt. Die Patzer erzählen gern, dass man von dort oben an klaren Tagen sogar die Dächer Ferkelaus erkennen könne, was zwar nicht ganz stimmt, aber gut zur bescheidenen Art der Bewohner passt. Die alte Nachtwindmühle, heute ein Café, ist ein beliebter Treffpunkt für Wanderer, die den Flussweg nutzen. Drinnen duftet es nach frisch gebackenem Kuchen, und die Betreiberin, Frau Livia Kern, serviert ihren berühmten Ziegenkäsekuchen, der aus der kleinen Dorfkäserei stammt. Die Werkstatt des Flötenbauers Jaro Munt liegt nur wenige Häuser weiter; er fertigt Instrumente aus Bergahorn, die beim Musikfestival in Ferkelau regelmäßig für Aufsehen sorgen. Viele Besucher kommen eigens nach Patz, um ihm bei der Arbeit zuzusehen, denn Munt spricht während des Schnitzens kaum, aber seine Hände erzählen genug. Ein kleines Wellnesshaus am Ortsrand bietet Bäder mit Kräuteressenzen an, die aus den Hängen oberhalb des Dorfes stammen. Wer dort ein paar Stunden verbringt, versteht schnell, warum Patz als einer der ruhigsten Orte im Landkreis gilt.
Zurück in Ferkelau zeigt sich die Stadt im Alltag als gut organisierter Ort. Die wichtigsten Straßen tragen Namen, die an die Geschichte der Region erinnern: die Lantorstraße, die Furtgasse, die Queckbergallee. In der Zuniger Straße findet man kleine Läden – eine Bäckerei, die für ihr dunkles Bergbrot bekannt ist, eine Fleischerei, die Würste aus Wildfleisch anbietet, und einen Dorfladen, der zugleich Postagentur und Paketshop ist. Das Rathaus liegt am Marktplatz, und gegenüber befindet sich eine kleine Bankfiliale. Die Arztpraxis von Dr. Selin Hartwig ist ein wichtiger Anlaufpunkt für die Bewohner der umliegenden Dörfer, und im Gemeindehaus finden regelmäßig Treffen der Feuerwehr, der Wandervereine und der Kulturinitiativen statt.
Die Schulen Ferkelaus sind klein, aber gut ausgestattet. Die Grundschule liegt in einem modernen Gebäude nahe der Zentrohalle, und der Pausenhof bietet einen Blick auf den Fluss. Die weiterführende Schule befindet sich am Stadtrand und arbeitet eng mit Betrieben der Region zusammen – Schüler besuchen die Möbelmanufaktur, die Brauerei oder die Werkstätten in Zunig, um Einblicke in die Arbeitswelt zu erhalten. Viele Jugendliche pendeln später nach Zentro oder Paulstedt, doch viele kehren zurück, weil sie die Ruhe und die Gemeinschaft des Landkreises schätzen.

Kulinarisch hat Ferkelau einiges zu bieten. Das Gourmetlokal „Der Ferkelpass“ ist überregional bekannt und serviert Gerichte aus Gebirgskräutern und Flussfisch. Der Küchenchef, Lorian Mesk, ist ein gebürtiger Ferkelauer, der nach Jahren in Zentro zurückkehrte, um hier ein Restaurant zu eröffnen, das die Aromen des Zentralmassivs einfängt. Seine Forelle mit Kräuterkruste ist legendär, und wer Glück hat, bekommt einen Platz auf der kleinen Terrasse mit Blick auf den Fluss. Daneben gibt es mehrere Gasthäuser, Cafés und eine kleine Bar, die abends von jungen Leuten besucht wird, die nach der Arbeit noch ein Bier trinken oder Musik hören wollen.
Die Verkehrsanbindung Ferkelaus ist für einen Ort dieser Größe bemerkenswert. Die Zentralmassivbahn verbindet die Stadt stündlich mit Weishaus, Althaus, Dermbach, Münchhausen und Nudeltopf im Norden sowie mit Petra, Artern, Kornutal, Klaro und Paulstedt im Süden. Die Eilzüge halten viermal täglich, und wer weiter nach Zentro möchte, nutzt die Linie 109 der Bierona‑Zentravia‑Ferrovia, die stündlich verkehrt. Die Straßenverbindungen führen über die B36 nach Horchau, über die B51 nach Zunig und Petra und über die B62 zur Autobahn A5. Für Wanderer und Radfahrer ist die Nachtwindflussstraße nach Patz besonders reizvoll, und viele nutzen die Ferkeltalstraße, um die Höhenzüge zu erreichen.
Ferkelau ist ein Ort, der sich nicht aufdrängt, aber viel zu erzählen hat. Die Mischung aus Geschichte, Landschaft, Handwerk und Kultur macht die Stadt zu einem idealen Ausgangspunkt für Reisen durch das Zentralmassiv. Wer hier ein paar Tage verbringt, merkt schnell, dass die Menschen stolz auf ihre Region sind – auf die Wälder, die Flüsse, die alten Wege und die Geschichten, die sich um sie ranken. Und vielleicht hört man abends am Fluss jemanden sagen, dass er wieder ein Licht über den Quecktälern gesehen habe. Ob es stimmt oder nicht, spielt keine Rolle. In Ferkelau gehören solche Geschichten einfach dazu.
Verkehrsverbindungen:
Bahn: Eilzüge der Zentralmassivbahn (18): 6:38, 10:38, 14:38 und 18:38 nach Nudeltopf, 8:11, 12:11, 16:11 nach Bosheim, 20:11 nach Polausi; Regionalbahnen: Zentralmassivbahn (18A) stündlich 6:56-19:56 über Weishaus, Althaus, Dermbach, Münchhausen nach Nudeltopf, 20:56 nach Münchhausen, 21:56 nach Weishaus, 6:54-19:54 über Kornutal, Paulstedt, Novatral nach Blue River, 20:54 nach Novatal, 21:54 nach Kornutal; BZF Bierona-Zentravia-Ferrovia Linie 109 stündlich 6:20-20:20 über Kornumünde nach Zentro, 21:20 nach Kornumünde; Queck-Reasearch-Railway (QRR) 7:01, 12:15 und 18:41 zur Queck Reasearch Area (restricted access)
Straße: A5 (W: Seestadt, NO: Tremo); B36 (SW: Horchau 10km); B51 (W: Zunig 9km, SO: Petra 13km); B62 (S: Lauscha 9km, N: zur A5); Nachtwindflussstraße nach Patz, Ferkeltalstraße über die Holzmühle zum Queckberg, Abzweig zur Queck Research Area (restricted access)

