Hans-Leo Wohlrabe wurde 1970 in Bierona geboren. Sieben Wochennach seiner Geburt zogen seine Eltern mit ihm nach Ferkelau am Zento. Seine Kindheit war geprägt von langen Spaziergängen entlang des Flusses, dem Sammeln von Kieseln und dem Zeichnen von Karten auf Packpapier. Schon früh zeigte sich sein Interesse für die Verbindung von Raum und Sprache. Nach dem Abitur am Gymnasium Ferkelau studierte er Geografie und Typografie an der Hochschule für Regionale Gestaltung in Nova. Dort lernte er, wie man Landschaften nicht nur vermisst, sondern erzählt.
Seine ersten beruflichen Stationen führten ihn nach Zentro zur Regionalzeitung „Zentravia Aktuell“, wo er als Kartenredakteur arbeitete. Wohlrabe war bekannt für seine akribische Arbeitsweise und seine Fähigkeit, auch kleinste topografische Details in lesbare Formen zu übersetzen. In dieser Zeit begann er, sich intensiver mit der Geschichte der Inselwelt Landauri zu beschäftigen. Er sammelte alte Karten, sprach mit Flussschiffern und Archivaren und entwickelte eine eigene Methode, um historische und gegenwärtige Landschaften miteinander zu verbinden.
2023 gründete er in Lauscha den Olifantus-Verlag. Die Entscheidung für Lauscha fiel nicht zufällig: Der Ort liegt direkt an der Linie 109, die Zentro mit Ferkelau verbindet, und besitzt einen kleinen Bahnhof mit einem leerstehenden Lagerraum. Diesen Raum baute Wohlrabe eigenhändig zu einem Kartenatelier um. Der Name „Olifantus“ geht auf ein Gespräch mit dem pensionierten Lehrer Hanno Brecht zurück, der ihm von einem Fundstück erzählte – einem hölzernen Idol mit Rüssel und Ohren, das an ein Fabeltier erinnerte. Wohlrabe war fasziniert von der Idee eines Wesens, das niemand eindeutig benennen konnte, und übernahm den Namen für sich und sein Unternehmen.
Der Verlag wuchs langsam, aber stetig. Wohlrabe stellte Menschen ein, die nicht nur Fachwissen mitbrachten, sondern auch eine Verbindung zur Region hatten. Er selbst blieb dabei stets im Hintergrund. Besucher beschreiben ihn als ruhigen Mann mit weißem Haar, Brille und einem Hang zu Tee mit Honig. Sein Büro liegt im Obergeschoss des Verlagsgebäudes, mit Blick auf den Zento. Dort sitzt er oft am Fenster, prüft Karten, liest Manuskripte und führt Gespräche mit Autoren und Kartografen. Er ist kein Manager im klassischen Sinn, sondern ein Herausgeber im ursprünglichen Wortsinn: jemand, der Dinge herausbringt, die zuvor nur als Idee existierten.
Wohlrabes Arbeitsweise ist geprägt von Geduld und Genauigkeit. Er glaubt, dass gute Karten nicht nur Wege zeigen, sondern Geschichten erzählen. Deshalb prüft er jede Veröffentlichung persönlich. Seine Handschrift findet sich in den Linienführungen, den Maßstäben und den Texten, die Orte beschreiben, als wären sie Figuren in einem Roman. Er arbeitet eng mit der Kirche St. Venera, dem Heimatmuseum und der Grundschule von Lauscha zusammen. Viele seiner Mitarbeiter sind in mehreren Rollen tätig – als Pfarrerinnen, Wirte, Lehrer oder Bootsverleiher – und bringen ihre Erfahrungen in die Arbeit des Verlags ein.
Privat lebt Wohlrabe in einem kleinen Haus am Horchbach, einem Nebenfluss des Zento. Dort pflegt er einen Garten mit alten Obstsorten und sammelt Steine, die er nach Form und Herkunft sortiert. Er fährt täglich mit der Linie 109 ins Büro, meist im ersten Zug des Tages. Es heißt, er begrüße den Zug mit einer Tasse Tee am Fenster, ein Ritual, das ihm hilft, den Tag zu beginnen. Interviews gibt er selten, doch in einem Gespräch mit der Lokalzeitung sagte er einmal: „Ich mache keine Karten, ich mache Lesbarkeit.“
Olifantus Wohlrabe ist heute nicht nur Verleger, sondern auch eine Art Chronist der Region. Sein Verlag hat Lauscha zu einem Ort gemacht, von dem aus die Inselwelt Landauri sichtbar wird. Und obwohl er sich selbst nie in den Vordergrund stellt, ist sein Einfluss spürbar – in den Karten, den Texten und den Wegen, die Menschen durch seine Arbeit entdecken.

