(Pop.: 17.854 – 267m NN)

Mitten im Herzen Zentravias, wo die letzten Ausläufer des Zentralmassivs sanft in das hügelige Vorland übergehen, liegt die Stadt Kornuschleuße wie ein verstecktes Juwel im Tal des Flusses Kornu. Mit 17.854 Einwohnern auf 267 Metern über dem Meeresspiegel ist sie die zweitgrößte Stadt im Landkreis Paulstedt, und dennoch hat sie sich einen ganz eigenen, fast beschaulichen Charakter bewahrt.

Der Name der Stadt ist Programm und verspricht eine Reise in die Vergangenheit: „Kornuschleuße“ verweist auf jene hölzerne Schleusenanlage aus dem 18. Jahrhundert, mit der einst die mächtigen Holzstämme aus dem Gebirge zum Flößen gestaut wurden. Wer heute die Uferpromenade entlangschlendert, kann das sanfte Plätschern des Wassers kaum mit dem lauten Geschäft jener Tage in Verbindung bringen. Die alte Schleuse selbst ist liebevoll restauriert worden und dient heute als technisches Denkmal, ein beliebtes Ausflugsziel für Familien und Geschichtsinteressierte gleichermaßen. Der hiesige Museumsführer Jonas Wagner, ein Mann mit grauem Schnauzbart und unendlich vielen Anekdoten, erklärt seinen Gästen gerne, wie die Flößer mit Staken und Muskelkraft die Stämme durch die enge Konstruktion manövrierten.

Die Anreise nach Kornuschleuße ist denkbar einfach. Die stündlich verkehrende Kornutalbahn (Linie BZF110) verbindet die Stadt von 6:37 bis 21:37 Uhr mit der südlichen Kreisstadt Kornumünde und von 6:38 bis 21:38 Uhr mit dem nördlich gelegenen Kornutal. Der moderne Bahnhof liegt verkehrsgünstig mitten in der Stadt und ist ein idealer Ausgangspunkt für Erkundungen. Wer mit dem Auto anreist, nutzt die gut ausgebaute B53, die nach Süden in das sieben Kilometer entfernte Somm führt, oder die B532, die nach Osten ins neun Kilometer entfernte Forstdorf abzweigt. Die Straßenverhältnisse sind hervorragend, und die Landschaft entlang der Routen ist ein Genuss für sich.

Das Stadtbild von Kornuschleuße wird von zwei markanten Bauwerken dominiert, die man von überall im Tal aus sehen kann. Da ist zum einen die barocke Kirche St. Georg. Ihr markanter Zwiebelturm, der sich wie ein Wahrzeichen aus dem Grün der Bäume hebt, ist weithin sichtbar. Das Innere der Kirche ist heller und freundlicher, als man es von barocken Bauten erwarten würde. Besonders beeindruckend ist das Deckengemälde im Chor, das die Legende des heiligen Georg darstellt, wie er gegen den Drachen kämpft – ein Werk des regionalen Malers Konstantin Wenzel aus dem Jahre 1764. Die Kirchengemeinde ist klein, aber aktiv. Pfarrerin Dr. Maria Sommer leitet hier mit viel Engagement nicht nur die Gottesdienste, sondern auch den beliebten „Offenen Kirchtag“ jeden ersten Samstag im Monat, bei dem Besucher den Turm besteigen und die Glocken von nah erleben können.

Hoch über der Stadt, auf einem bewaldeten Felsvorsprung, thront die Ruine der Burg Kornuschanze. Die einst mächtige Höhenburg aus dem 13. Jahrhundert diente der Sicherung des alten Handelsweges, der durch das Kornutal führte. Der Fußweg von der Stadt hinauf ist etwas steil, aber die Mühe wird mit einem atemberaubenden Panoramablick über das gesamte Tal belohnt. Man sagt, dass es in den Ruinen spukt. Eine alte Legende, die der Historiker Theodor Wengraf in seinen Schriften festhielt, erzählt von der schönen Burgtochter Elisa, die sich in einen einfachen Flößer verliebte. Als ihr Vater die Verbindung verbot, soll sie sich in einer Vollmondnacht von der höchsten Zinne gestürzt haben. Bis heute, so flüstern die Einheimischen, sieht man in manchen Nächten eine weiße Gestalt zwischen den zerklüfteten Mauern umherirren.

Doch Kornuschleuße wäre nicht Kornuschleuße ohne den Duft von frischem Ton und das Klappern der Töpferscheiben. Der feine, fast seidige Ton der Kornu-Auen ist die Grundlage für ein blühendes Handwerk. Mehrere Töpfereien haben sich hier angesiedelt, die die traditionelle Keramik bis heute pflegen und weiterentwickeln. Die bekannteste ist die „Töpferei am Mühlbach“ von Familie Hartmann. Großvater Viktor, seine Tochter Veronika und deren Sohn Felix drehen alle noch mit der Hand an der Scheibe. Ihr Spezialgebiet sind die berühmten Kornutaler Ofenkacheln, deren grün-gelbe Glasur an die Farben der Flusswiesen im Frühling erinnert. Wer das Glück hat, während der Öffnungszeiten vorbeizuschauen, kann den dreien oft bei der Arbeit über die Schulter schauen. Ein absolutes Muss ist der Kornutaler Töpfermarkt, der viermal jährlich (Februar, Mai, August und November) den gesamten Marktplatz in eine einzige, große Ausstellungshalle verwandelt. Hier zeigen über dreißig Keramiker aus der gesamten Region ihre Waren, und es duftet nach Zimt und Glühwein.

Das handwerkliche Erbe ist tief in der DNA der Stadt verankert. So verwundert es nicht, dass das moderne Logistikunternehmen „Kornu-Express“ hier sein regionales Umschlagzentrum betreibt. Das weitläufige Gelände am südlichen Stadteingang, gegenüber dem Institut für Klimaforschung und Umweltwissenschaften, ist ein faszinierender Kontrast zur mittelalterlichen Burg. Von hier aus werden nicht nur Holzprodukte, sondern zunehmend auch empfindliche Hightech-Güter für die Labore der nahen Universitäten in die ganze Inselwelt Landauri verschickt.

Nach einem langen Tag voller Entdeckungen lädt die Wellnessanlage „Badeschleuse“ zur Erholung ein. Das ganzjährig beheizte Außenbecken wird direkt mit gefiltertem Wasser des Kornu gespeist, was für ein besonders weiches, hautfreundliches Gefühl sorgt. Die Anlage ist bei den Einheimischen sehr beliebt. Frühmorgens kann man dort oft Dagmar Pfeiffer, die Leiterin der städtischen Bibliothek, beim Bahnenziehen beobachten, während sie mit dem pensionierten Lokführer Jochen Wehrle über die neuesten politischen Entwicklungen diskutiert.

Direkt am Wasser, mit Blick auf die alte Schleuse, liegt die Gaststätte „Alte Flößerei“. Das Restaurant ist berühmt für seine Fischgerichte, die täglich frisch aus dem Kornu zubereitet werden. Der Wirt, Moritz Kaiser, schwört auf das Rezept seines Urgroßvaters: den „Kornutaler Zander“, serviert auf einer Kräuterkruste mit Kartoffelpüree und einer leichten Zitronen-Butter-Soße. Die Einrichtung ist urig, mit dunklen Holzbänken und einer Decke, die so niedrig ist, dass sich große Gäste unwillkürlich ducken müssen. Auf den Tischen stehen kleine Kerzen in selbst gebrannten Keramikhaltern – natürlich aus der Töpferei Hartmann.

Für eine Übernachtung bietet sich das gemütliche Hotel „Zum grünen Kranz“ in der Bahnhofstraße an. Es wird von der Familie Schmitz geführt, die ihren Gästen stets mit einem Lächeln und einem selbst gebackenen Kuchen zur Begrüßung begegnet. Wer es etwas rustikaler mag, findet im Gasthof „Zur Kornuschanze“ am Fuße des Burgberges einfache, aber saubere Zimmer. Morgens weckt einen dort der Duft von frischen Brötchen aus der Bäckerei Krause, die seit 1872 im Familienbesitz ist und die besten Laugengebäcke der ganzen Region backt.

Kornuschleuße ist auch ein perfekter Ausgangspunkt für Radtouren. Der Kornu-Radweg verläuft direkt am östlichen Ufer des Flusses an der Stadt vorbei. Die 55 Kilometer lange Strecke führt von Gebirgshof im Zentralmassiv über die idyllischen Orte Kornutal, Somm und Kornu bis nach Kornumünde. Die Tour ist landschaftlich überaus reizvoll, vorbei an dichten Wäldern, glasklaren Bächen und malerischen Dörfern. Besonders der Abschnitt zwischen Kornuschleuße und dem nur sieben Kilometer südlich gelegenen Somm ist ein Genuss, vor allem am späten Nachmittag, wenn die tief stehende Sonne das Wasser in ein goldenes Licht taucht.

Mit seinen 17.854 Einwohnern ist Kornuschleuße eine Stadt, die die perfekte Balance zwischen Geschichte, Handwerk und modernem Leben gefunden hat. Sie ist ein Ort zum Verweilen, Staunen und Genießen. Ein Ort, an dem das Wasser noch über Holzstämme rauscht, die Erde den Ton für zukünftige Schätze liefert und die Legenden von den alten Burgmauern flüstern.


Verkehrsverbindungen:
Bahn: Kornutalbahn (BZF110) stündlich 6:38-21:38 nach Kornutal, 6:37-21:37 nach Kornumünde
Straße: B53 (S: Somm 7km, N: Kornutal 15km); B532 (O: Forstdorf 9km); Z-4 (Röxe 7km)

Land: Zentravia
Landkreis: Paulstedt
Postleitzahl: Z-2010