(Pop.: 4.781 – 368m NN)

Artern – Wo der Wald flüstert und der Schwerspat glänzt

Manchmal liegt das Besondere nicht im großen Spektakel, sondern in den stillen Momenten am Wegesrand. Artern, eine kleine Stadt mit 4.781 Einwohnern auf 368 Metern Höhe, ist so ein Ort. Eingebettet an den südlichen Ausläufern des Zentralmassivs, wo das dichte, alte Sternenschauergehölz eine unerwartete Lichtung freigibt, scheint die Zeit hier einen anderen Takt zu schlagen. Während die geschäftige Kreisstadt Paulstedt im Osten von den orangen Lichtern der Hochöfen erhellt wird, lebt Artern im Schatten der Bäume ein ruhigeres, bodenständigeres Leben. Vom feinen, silbrigen Glanz des hier geförderten Schwerspats über das aufmerksame Summen eines Verhaltensforschungsinstituts bis hin zu einem neugotischen Backsteinjuwel – Artern ist eine Reise wert für alle, die das Authentische suchen.

Die Stadt auf einer Waldlichtung

Arterns Herz schlägt an der Grenze zwischen Wald und offener Flur. Die B51, eine wichtige Nordwest-Südost-Achse, führt von Ferkelau im Nordwesten nach Kornutal im Südosten direkt durch die Stadt und macht sie für Reisende leicht erreichbar. Wer die Schienen bevorzugt, nutzt die stündlich verkehrende Linie 18A der Zentralmassivbahn. Sie bringt Besucher komfortvoll aus Richtung Nudeltopf oder Blue River nach Artern. Morgens ab 7:12 Uhr und bis in den späten Abend hinein verbindet der Zug die Stadt mit der Region. Die Landschaft selbst ist eine Symphonie aus sanften Hügeln und dichten Forsten. Der Legende nach soll das Sternenschauergehölz seinen Namen von einer Nacht im tiefen Winter haben, in der der Himmel so klar war, dass die Sterne ihre Schatten auf die verschneiten Kronen warfen, als würde ein silberner Regen vom Himmel fallen. Einheimische erzählen sich, dass man in den stillsten Stunden der Nacht noch heute das leise Funkeln hören kann.

Handwerk und Industrie im Einklang mit der Natur

Nördlich der Stadt, versteckt in einer kleinen Talsenke, liegt das Schwerspatbergwerk „Zur weißen Erde“. Das unter der Leitung von Bergwerksdirektor Thomas Mertens stehende Bergwerk fördert das weiche, schwere Mineral, das als Füllstoff für die Papierindustrie unverzichtbar ist. Der Schwerspat aus Artern ist für seine besondere Reinheit bekannt, und die Männer, die hier in den Stollen arbeiten, schwören auf das „Arterner Weiß“, das dem Papier eine ganz eigene Glätte verleiht. Nicht weit entfernt, an der Abzweigung zur Waldstraße nach Ingmarshof, hat sich die HeavyForge Industries GmbH niedergelassen. Unter der Leitung von Geschäftsführerin Dr. Elena Carstens hat sich der Maschinenbau-Betrieb auf die Herstellung von Spezialpressen für die Mineralienaufbereitung spezialisiert. Der rhythmische Klang der Schmiedehämmer, der über das Gelände hallt, ist für die Arterner so vertraut wie das Vogelzwitschern aus dem Gehölz.

Doch nicht nur die Schwerindustrie prägt die Stadt. Im ehemaligen Kurhaus am nördlichen Rand der Lichtung hat das renommierte Institut für Verhaltensbiologie und Sozialforschung seinen Sitz. Unter der Leitung von Professor Dr. Élodie Dupont beobachten Biologen und Soziologen hier in langjährigen Feldstudien die Interaktionen der im Sternenschauergehölz heimischen Waldschweine. Die Arbeit des Instituts ist weltweit anerkannt, und regelmäßig kommen Gastwissenschaftler nach Artern, um die einzigartige Sozialstruktur der „Lichtungsläufer“ zu studieren. Für interessierte Besucher bietet das Institut nach Voranmeldung öffentliche Führungen an, bei denen man durch Einwegfenster einen Blick auf die Forschungswerkstatt werfen kann.

Ein Spaziergang durch die Geschichte

Ein absolutes Muss für jeden Besucher ist die Backsteinkirche St. Maria. Der neugotische Bau aus dem 19. Jahrhundert erhebt sich wie ein steinerner Riese am südlichen Ende des kleinen Marktplatzes. Ihre roten Ziegel kontrastieren wunderschön mit dem satten Grün des Waldes, der hinter ihr aufragt. Das Innere ist schlicht, aber voller überraschender Details, wie dem modernen Altarkreuz aus geschliffenem Schwerspat, das bei Kerzenschein ein sanftes, mystisches Licht wirft. Wer die Kirche betritt, sollte die Augen nach dem kleinen hölzernen Engel offen halten, der über dem Taufbecken schwebt – ein Geschenk der berühmten Tischlerei aus dem Nachbarort Petra.

Nur einen Steinwurf entfernt, an der Kreuzung zur B51, steht das Hotel „Zur alten Post“. Der repräsentative Gründerzeitbau war einst die wichtigste Durchgangsstation für Reisende und Händler, die das Zentralmassiv querten. Heute ist es ein liebevoll geführtes Haus, dessen Gaststube von den Anekdoten des Hoteliers Johann Wagner lebt. Er erzählt gern von dem berühmtesten Gast des Hauses: dem Politiker Lucas Lefevre (1921-2005), der hier zeitweise wohnte und in der ersten Etage sein Arbeitszimmer hatte. In diesem Zimmer, so wird geflüstelt, soll er die Grundzüge des späteren Handelsabkommens zwischen Zentravia und dem Seeland entworfen haben.

Kunst, Bad und das Leben auf dem Land

Ein besonderes Highlight ist das Freizeitbad „Arterna“. Die 50-Meter-Bahn des Bades ist weit über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt. Im Sommer zieht es Schwimmer aus ganz Paulstedt hierher, um ihre Bahnen zu ziehen oder sich im großzügigen Außenbecken zu sonnen. Besonders beliebt ist das morgendliche Frühschwimmen mit Bademeister Frank Zehler, der bei der Gelegenheit gerne seine selbst gemachten Wassergymnastik-Übungen anleitet. Es ist ein Ort der Begegnung, an dem der Bäcker, der Bürgermeister und der Bergmann nebeneinander ihre Runden drehen.

Das kulturelle Herz der Stadt ist unbestritten der Mauerkünstler Maurer. Der rastlose Geist, mit bürgerlichem Namen Matthias Maurer, hat fast jede freie Wand in Artern mit seinen detailreichen Sgraffiti verziert. Seine Werke zeigen mythische Wesen des Waldes, Bergarbeiter bei der Arbeit oder stille Alltagsszenen. Die beste Sammlung seiner Kunst findet man entlang der Lefevre-Straße, die nach dem berühmten Politiker benannt ist. Hier lädt die kleine Galerie „Mauers Schau“ zu einem Besuch ein, wo man den Künstler bei der Arbeit beobachten kann, wenn er nicht gerade auf seinen Reisen ist.

Für das leibliche Wohl sorgt die „Waldschänke“ von Bastien Dubois, die bodenständige zentravische Küche serviert. Wer es etwas feiner mag, geht ins „Café am Institut“, wo der exzellente Kuchen von Bäckermeisterin Sophie Fischer lockt. Den täglichen Bedarf decken die Bewohner im „Konsum“ am Markt oder bei der mobilen Metzgerei „Fleischeslust“ von Uwe Schmitz, die dienstags und donnerstags auf dem zentralen Parkplatz haltmacht. Artern ist kein Ort der lauten Partys, aber ein Ort, an dem man ankommen, durchatmen und die Seele baumeln lassen kann – immer im leisen Rauschen des Sternenschauergehölzes.


Verkehrsverbindungen:
Bahn: Linie 18A (Zentralmassivbahn) stündlich 7:12-20:12 über Kornutal, Novatal nach Blue River, 21:12 nach Novatal, 22:12 nach Kornutal; 6:36-19:36 über Weishaus, Münchhausen nach Nudeltopf, 20:36 nach Münchhausen, 21:36 nach Weishaus
Straße: B51 (NW: Petra 6km, SO: Kornutal 8km); Waldstraßen (S: Kornuschleuße 16km, N: Ingmarshof 11,5km)

LandZentravia
LandkreisPaulstedt
Postleitzahl: Z-2030