(Pop.: 987 – 232m NN)

Melos, ein Dorf von 987 Einwohnern im Landkreis Altenow, liegt auf 232 Metern Höhe in der weiten Seelandebene, etwa vier Kilometer nördlich des Grenzbaches, der hier die natürliche Grenze zu Buthanien bildet. Die Landschaft um Melos ist offen und weit, von Ackerstreifen, kleinen Gehölzen und alten Weiden geprägt. Von Norden her senkt sich das Gelände sanft ab, bevor es in die sumpfigen Niederungen am Grenzbach übergeht. Südlich des Ortes sieht man an klaren Tagen die dunklen Linien der Erlenbrüche und das Glitzern der Wasserläufe. Die Luft ist im Sommer erfüllt vom Summen der Insekten, und der Wind trägt den Geruch von Holz und Lehm, der seit Jahrhunderten zum Arbeiten in Melos gehört.

Das Dorf ist länglich gebaut, mit zwei parallelen Straßen, die sich am zentralen Platz kreuzen. Hier steht die St.-Marien-Kirche, ein schlichter Backsteinbau mit einem hölzernen Glockenturm aus dem Jahr 1824. Der Turm, ursprünglich aus Eichenbalken des alten Fährstegs am Grenzbach errichtet, wurde mehrfach erneuert, doch das charakteristische, leicht geneigte Dach blieb erhalten. Vor der Kirche breitet sich der Dorfplatz aus, gepflastert mit alten Feldsteinen, die an die ersten Bauernhöfe erinnern. Ein mächtiger Ahorn spendet Schatten, und auf einer Bank davor sitzt an warmen Tagen oft der Küster, Gerold Brann, der auch als Dorfschreiber tätig ist und die Chronik von Melos führt. Die St.-Marien-Kirche ist nicht nur das religiöse, sondern auch das gesellschaftliche Zentrum. Alljährlich zu Pfingsten findet hier das „Holzfest“ statt, eine Tradition, die bis ins späte 19. Jahrhundert zurückreicht. Ursprünglich war es ein Handwerkertreffen, bei dem Tischler, Zimmerleute und Schnitzer ihre Arbeiten zeigten. Heute ist es ein Dorffest, das Handwerk, Musik und Gemeinschaft vereint. Die Dorfhandwerker öffnen ihre Werkstätten, zeigen alte Techniken und erzählen Geschichten über Werkzeuge, Holzarten und Bauweisen. Kinder basteln kleine Boote aus Restholz, die sie anschließend im Dorfteich schwimmen lassen – ein Ritual, das jedes Jahr aufs Neue das Bild des Ortes prägt.

Zentrum des dörflichen Lebens ist die „Holzwerkstatt Melos“, die von der Familie Sorgel geführt wird. Gegründet wurde sie 1896 von Wilhelm Sorgel, einem ehemaligen Wagenbauer, der sich nach dem Rückgang des Fuhrwerksbaus auf den Fenster- und Türbau spezialisierte. Heute leitet der Urenkel, Janos Sorgel, den Betrieb. In der Werkstatt entstehen Fensterrahmen, Fachwerkprofile und Türen aus Eiche, Lärche und Kiefer, gefertigt mit einer Mischung aus Handarbeit und modernen Maschinen. Die Sorgels haben sich einen Ruf weit über den Landkreis hinaus erarbeitet – ihre Türen zieren Gutshäuser in Altenow, Doulos und sogar in Seestadt. Im vorderen Raum der Werkstatt steht ein alter Hobelbanktisch, der noch aus den Gründungsjahren stammt. Besucher sind willkommen, und wer den Geruch von frischem Holz liebt, bleibt gern länger, um den Gesellen bei der Arbeit zuzusehen. Neben der Werkstatt liegt das Wohnhaus der Familie, ein langgestrecktes Fachwerkhaus mit grün gestrichenen Fensterläden. Davor wächst eine alte Linde, unter der oft Kaffee getrunken wird.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich der Dorfladen „Meloser Bedarf“, geführt von Ulla Treven, die neben Lebensmitteln auch Schrauben, Dichtungen, Pinsel und alles führt, was Handwerker im Alltag benötigen. Im hinteren Raum hat sich eine kleine Café-Ecke etabliert, in der die Dorfbewohner morgens zusammensitzen. Dort werden Nachrichten ausgetauscht, Bauaufträge besprochen und mitunter auch politische Diskussionen geführt. Melos besitzt eine Schule, die seit 1958 besteht. Heute werden dort die jüngeren Kinder aus Melos, Altro und sogar von jenseits der Grenze aus Felos unterrichtet. Das Gebäude steht am nordöstlichen Dorfrand und fällt durch seine klare Fassade und den alten Fahnenmast auf, der noch aus den 1960er-Jahren stammt.

Gleich daneben liegt der kleine Dorfteich, der im Sommer von Seerosen bedeckt ist. Am Ufer steht eine Bank mit der eingravierten Inschrift: „Für alle, die still sehen wollen – 1983.“ Die Inschrift stammt von dem Lehrer Holger Bernd, der viele Jahre die Dorfkinder unterrichtete und ihnen die Namen der Bäume und Vögel beibrachte. An den Wochenenden ist der Teich Treffpunkt für Jugendliche, die dort Angeln oder Musik hören, während sich ältere Einwohner beim Schützenhaus am westlichen Ortsrand treffen. Das Gebäude, ein niedriger Steinbau aus den 1920er-Jahren, dient dem „Schützenverein Melos 1907“, der auch das Dorffest im Sommer organisiert.

In Melos ist das Verhältnis von Arbeit und Freizeit unspektakulär, aber fest verwurzelt. Viele Einwohner pendeln täglich nach Altenow, andere arbeiten im Ort selbst – in der Holzwerkstatt, im Dorfladen oder auf den umliegenden Bauernhöfen. Die Höfe liegen wie ein Gürtel um das Dorf, meist mit gemauerten Wohnhäusern und Scheunen aus Feldstein. Besonders bekannt ist der „Hof Nare“, auf dem alte Getreidesorten angebaut werden. Trotz seiner Nähe zu Altenow hat Melos seinen ländlichen Charakter bewahrt. Es gibt keine großen Neubausiedlungen, und die Felder reichen bis an die letzten Gärten. Das Dorf lebt im Rhythmus des Holzes und des Wetters. Wenn im Herbst die Werkstattöfen zu riechen beginnen, ziehen über die Dächer feine Rauchfahnen, und der Klang der Hämmer mischt sich mit dem Wind.

Bahn: SeeLB90 stündlich 6:53 – 21:53 nach Kleinros, 6:37 – 20:37 nach Zentro, 21:37 nach Berenburg)
Ch.: B6 (W: Kleinros 10km, O: Altenow 8km), SEE7 (N: Altro 7km, S: Felos 5km)