(Pluto, 2. November 2025)
Heute ist ein besonderer Sonntag. Schon beim Aufstehen dachte ich an den Gottesdienst, den wir heute in St. Pancratius feiern werden. Anina hat mir den Ablaufplan noch nicht geschickt, was mich ein wenig nervös, aber auch neugierig macht. Ich hoffe, sie wählt kein allzu schwieriges Predigtlied – manchmal überrascht sie mich mit Liedern, die selten gesungen werden. Ich werde mein Bestes tun, die Gemeinde sicher durch die Melodien zu begleiten, selbst wenn ich das Stück vorher nicht üben konnte.
Der Predigttext für heute stammt aus 1. Mose 8,18–22 und 9,12–17 – die Geschichte vom Bund Gottes mit Noah. Ich freue mich darauf, wie Anina diesen Text auslegt. Sie schafft es immer, die alten Worte lebendig werden zu lassen, so dass sie in unseren Alltag hineinsprechen. Ich erinnere mich, wie sie im letzten Jahr über denselben Regenbogen sprach – als Zeichen der Hoffnung, gerade in Zeiten, in denen wir das Licht kaum sehen.
Die übrigen Lieder habe ich vorsichtshalber selbst schon vorbereitet. Ich habe „Lobet den Herren, alle, die ihn ehren“ und „Bewahre uns, Gott“ aufgeschlagen – zwei Stücke, die die Gemeinde gern singt und bei denen ich sicher bin. Ich werde sie gleich noch einmal am Küchentisch durchsehen, bevor ich hinüber zur Kirche gehe. Das Pedal quietscht seit letzter Woche ein wenig; vielleicht sollte ich vor dem Gottesdienst kurz nach dem Öl fragen, das Herr Schneider mir im Sommer einmal gebracht hat.
Nach dem Gottesdienst wird es ruhiger. Ich freue mich schon darauf, die Rouladen aufzuwärmen, die ich gestern vorbereitet habe. Mit Rotkohl und ein paar Salzkartoffeln – nichts Besonderes, aber das Haus wird gut davon duften. Vielleicht komme ich dann endlich dazu, ein wenig zu lesen, bevor der Abend sich senkt. Doch bis dahin: noch ein Blick in die Notenmappe, Mantel überziehen, und dann auf zur Kirche. Ich hoffe, der Regenbogen, von dem der Text spricht, zeigt sich heute vielleicht auch über Pluto.

