
(Pop.: 1.452 – 101m NN)
Arnsheim, das größte Dorf des Seelandwaldes, liegt auf 101 Metern Höhe an der Stelle, wo der Flutkanal aus den nördlichen Waldgebieten in den Großen Teich mündet. Der Ort ist ein natürliches Zentrum des Forstgebiets – Verwaltungssitz, Verkehrsknotenpunkt und zugleich ein Platz von ruhiger Beständigkeit, an dem Wasser, Wald und Arbeit in einem eigenen Gleichgewicht stehen. Von Altenow aus erreicht man Arnsheim nach einer guten halben Stunde Fahrt durch den dichten Forst. Plötzlich öffnet sich die Landschaft, der schnurgerade Kanal wird sichtbar, gesäumt von Weiden und Pappeln, und an seinem Westufer liegen die Häuser, der Bahnhof und das alte Schleusenviertel.
Die Schleuse selbst, eine kleine, funktionale Anlage mit steinernen Mauern und eiserner Brücke, regelt den Wasserstand des Kanals, der hier sein Ende findet und in das breite Becken des Großen Teichs übergeht. Das ruhige Rauschen des Wassers ist in Arnsheim allgegenwärtig – es begleitet die Arbeit der Menschen und bildet die beständige Hintergrundmelodie des Ortes.

Unmittelbar an der Schleuse steht das „Haus der Schleusenmeister“, ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit grauen Holzbalken und hell verputzten Feldern. Es wurde 1783 errichtet und diente fast zwei Jahrhunderte lang als Dienstsitz der Kanalwärter. Seit 1968 ist es ein Gasthaus, das heute unter dem Namen „Zum Kanalblick“ bekannt ist. Die Wirtsleute, die Familie Prender, führen es in dritter Generation und haben den alten Charakter des Hauses bewahrt. Im Sommer sitzen Gäste auf der Terrasse über dem Wasser, von der man bis zum fernen Schilfgürtel am Großen Teich sehen kann. Im Inneren riecht es nach Holz und altem Kalkstein, und im Gastraum hängt ein Modell der ersten Schleuse, das ein früherer Schleusenmeister aus Buchenholz geschnitzt hat.

Das Dorf selbst zieht sich in einer weiten Kurve entlang des Flutkanals. Alte Backstein- und Fachwerkhäuser stehen unter hohen Bäumen, dazwischen die Gebäude der Forstverwaltung, die in einem großen Hofkomplex mit Werkstätten, Lagern und einem Verwaltungsgebäude untergebracht ist. Die Forstverwaltung von Arnsheim leitet das gesamte Waldgebiet des Kreises Altenow und beschäftigt rund vierzig Männer und Frauen, darunter Förster, Vermesser, Techniker und Lehrlinge. Auf dem Hof stehen alte Geräte – Schlitten, Wagen, Karren – und ein hölzernes Schild mit der Aufschrift „Flur 9: Seelandforst“.

Im Zentrum des Dorfes erhebt sich die Kirche St. Hildegrad, ein wuchtiger Bau aus grauem Granit, der 1891 errichtet wurde. Sie steht auf einem kleinen Platz, umgeben von Linden, und ihr Turm ist weithin sichtbar – bis nach Berenburg, wo man an stillen Abenden ihr Geläut hören kann. Ihr Glockenspiel ist einzigartig: Es besteht aus alten Schiffsglocken, die im 19. Jahrhundert aus stillgelegten Booten des Flutkanals und des Grenzsees zusammengetragen wurden. Jede Glocke trägt den Namen eines Ortes des Seelandes – Altenow, Melos, Berenburg, Arnsheim selbst – und wenn sie läuten, entsteht ein vielschichtiger, leicht schwebender Klang, der über den Wald zieht. Die Kirche war einst Teil des Klosters Arnsheim, das bis ins 16. Jahrhundert bestand. Von dem Kloster ist heute nur noch das Archiv erhalten, das im Pfarrhaus aufbewahrt wird und die sogenannte „Chronik von Arnsheim“ enthält, eine der ältesten schriftlichen Quellen des Seelandes.

Die Schule von Arnsheim, ein heller Bau aus den 1930er-Jahren, liegt oberhalb des Kanals. Sie wird auch von den Kindern aus Waw besucht, die mit einem kleinen Bus oder dem Rad den Weg durch den Wald nehmen. Hinter der Schule beginnt ein Pfad, der zu einem alten Aussichtspunkt führt, von dem man den Großen Teich überblicken kann. Hier sammeln sich im Frühjahr Schwärme von Wasservögeln, und an windstillen Tagen liegt der See spiegelglatt zwischen den Waldrändern.

Ein besonderes Erlebnis für Besucher ist die Fahrt mit dem Schienenbus, der stündlich zwischen Arnsheim und Berenburg verkehrt. Die Strecke folgt dem alten Gleis der Treidelbahn, die früher Holz aus dem Seelandwald transportierte. Heute fährt der kleine Zug langsam entlang des Kanals, vorbei an Schleusen, Weiden und den Spuren alter Verladestellen. Für viele Reisende ist es eine Fahrt in die Vergangenheit – eine Erinnerung an die Zeit, als Holz das wichtigste Gut des Landes war.
Am östlichen Ortsrand beginnt ein Waldweg, der zur Wüstung Nardorf führt, etwa drei Kilometer entfernt. Nur Grundmauern und ein Brunnen sind dort geblieben, doch die Menschen in Arnsheim erzählen, dass an dieser Stelle im 14. Jahrhundert eine Peststation gestanden habe. Der Brunnen wird „Totenbrunnen“ genannt, und wenn Nebel über den Boden zieht, meiden viele den Ort. Dennoch ist er ein Ziel für Wanderer, die das alte Gelände besichtigen.

Arnsheim spielt auch eine zentrale Rolle im kulturellen Leben des Kreises Altenow. In den 1950er-Jahren entstand hier, in der Dorfschule, die Tradition, die später zum Runenfest an der Steinmark wurde. Damals führten Lehrer ihre Schüler an den Grenzsee, um die alten Runen in den Felsen abzupausen und Geschichten über die Frühzeit des Seelandes zu erzählen. Aus dieser einfachen Übung entwickelte sich ein jährliches Fest, das heute von mehreren Dörfern getragen wird – Berenburg, Doulos, Teeheim und Arnsheim selbst. Noch immer gestalten die Kinder kleine Tonplatten mit Runenzeichen, die am Ufer niedergelegt werden. Wenn sie vom Wasser fortgetragen werden, gilt das als gutes Zeichen – als Annahme einer Bitte, die niemand mehr beim Namen nennt.
Das soziale Leben in Arnsheim ist eng mit dem Wald verbunden. Viele Bewohner arbeiten als Förster, Handwerker oder in der Verwaltung. Andere betreiben kleine Werkstätten – Drechslereien, Tischlereien, Reparaturbetriebe. Der Dorfplatz wird regelmäßig für Märkte genutzt, bei denen Holzarbeiten, Pilze und Honig aus dem Forst verkauft werden. Im Sommer duftet es nach Harz und Brot, das im Backofen der alten Försterei gebacken wird.
Trotz seiner Funktion als Verwaltungsort hat Arnsheim seinen stillen Charakter bewahrt. Das Dorf ist weder laut noch geschäftig; es ist geprägt von Gleichmaß, von einer Art Ruhe, die der Landschaft selbst entspricht. Wenn abends die Glocken von St. Hildegrad über den Teich klingen, mischt sich ihr Ton mit dem Rauschen des Wassers an der Schleuse. Dann liegen die Dächer des Dorfes im Dämmerlicht, und über dem Kanal steigen die Nebel auf. Von der Terrasse des Gasthauses „Zum Kanalblick“ aus sieht man manchmal die Lichter von Berenburg am fernen Ufer, und wenn der Wind günstig steht, hört man sogar das Echo seiner Glocken. So schließt sich der Kreis des Wassers – von Schleuse zu Schleuse, von Dorf zu Dorf, im stillen Atem des Seelandwaldes.
Bahn: Zentrobahn Eilzüge 7:53, 10:56. 13:53, 16:53 und 19:53 nach Bierona. 8:16, 11:31, 14:16. 17:16; 20:16 nach Kohla. Regionalbahnen stündlich 6:59 – 19:59 nach Bierona, 20:59 nach Ruppin, 7:50 – 19:50 nach Kohla, 20:50 nach Teichfurt, 21:50 nach Südteich; SeeLB91 stündlich 7:01 – 21:01 nach Berenburg
Ch.: B53 (N: Flutkanal 8km, O: Teeheim 11km); B531 (S: Berenburg 10km), SEE20 (W: Waw 13km); SEE26 (SO: Tewitz 16km); Waldstraßen nach Doulos, Teicha

