(Pop.: 687 – 201m NN)

Tewitz, ein Dorf mit 687 Einwohnern, liegt auf 201 Metern Höhe im Osten des Seelandwaldes, an einer leichten Hangkante über einem breiten, von Bachrinnen durchzogenen Waldtal. Wer von Teeheim über die SEE25 herkommt, fährt lange durch geschlossenen Wald, nur unterbrochen von Rückewegen und kleinen Schneisen, bis sich der Hang nach einer Kurve öffnet und die schmale Dorfstraße sichtbar wird, die sich wie angelehnt an einen gras- und moosbewachsenen Wall zieht.

Dieser Wall, der „Högelstein“ genannt wird, prägt den Ort stärker als jedes andere Bauwerk. Er ist der Rest einer frühmittelalterlichen Befestigung, vermutlich aus der Zeit der Waldwikinger, die den Seelandwald als Rückzugsgebiet nutzten. Der Högelstein selbst ist nicht nur archäologischer Ort, sondern fester Bestandteil des Dorflebens. An seinem Fuß steht ein hölzernes Schild mit der Aufschrift „Historischer Ort – Högelstein“, doch der Zugang ist bewusst schlicht gehalten. Einmal im Jahr, am ersten Samstag nach Mittsommer, veranstaltet die Gemeinde einen „Högelstein-Tag“. Tagsüber führen Mitglieder des Heimatvereins kleine Gruppen über den Wall, berichten von den Waldwikingern, von alten Grabungen und Sagen. Kinder zeichnen den Wall in ihre Hefte, manche versuchen, aus Ästen und Farnen kleine Palisaden nachzubauen. Am Abend findet am unteren Hang ein einfaches Fest statt, mit Brot, Suppe und Musik. Die Menschen sitzen auf Bänken, blicken hinauf zum dunkler werdenden Wall und hören den Geschichten der Älteren zu, die von Funden, Stürmen und ungewöhnlichen Lichtern erzählen, die man angeblich schon über dem Högelstein gesehen haben will.

Die Dorfstraße von Tewitz folgt dem Verlauf dieses Walles über fast einen Kilometer. Auf der hangabgewandten Seite reihen sich Wohnhäuser, kleine Werkstätten, Scheunen und Stallgebäude, auf der Wallseite verläuft ein schmaler, leicht erhöht liegender Pfad, von dem aus man an mehreren Stellen über kurze Treppenstufen die Krone des Hügels erreicht. Von oben erschließt sich ein anderes Bild: Ein schmaler Grat, überwachsen von Moos, Farn und vereinzelten Eichen, zieht sich durch den Wald, mit flachen Mulden, in denen die Reste alter Palisadengräben vermutet werden. Kinder aus dem Dorf spielen dort „Burg“, und die Erwachsenen sprechen noch immer davon, dass man auf dem Högelstein keine Bäume fällen solle, weil der Boden sich dann zu sehr bewege – eine Mischung aus Aberglaube und Erfahrung mit den alten, lockeren Schichten.

Tewitz ist ein langgestrecktes Straßendorf mit mehreren Querwegen, die den Hang hinunter in Richtung der alten Bachrinne führen. Viele Häuser sind eingeschossige Bauten aus Backstein mit Holzaufsätzen, dazwischen finden sich einige ältere Fachwerkhäuser mit niedrigen Decken und tief herabgezogenen Dächern. Die meisten Höfe besitzen kleine Gärten mit Gemüsebeeten, Beerensträuchern und ein paar Obstbäumen, die zwischen den Kiefern und Buchen des Waldes einen ungewöhnlichen, fast geschützten Eindruck machen. Hinter den Gärten beginnt fast unmittelbar der Forst, und in manchen Nächten treten Rehe und Wildschweine bis an die Zäune heran.

Im Zentrum des Dorfes, etwa in der Mitte der langen Straße, liegt der kleine Platz von Tewitz. Hier stehen der Dorfladen, die Schule, die Kirche und das Gemeindehaus dicht beieinander. Die Kirche, ein schlichter Bau aus hellem Bruchstein mit einem niedrigen Turmhelm, stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde mehrfach erweitert. Ihr Inneres ist einfach: Holzbänke, ein steinerner Taufstein, an den Wänden Wappentafeln alter Forstfamilien. An Sonntagen kommen nicht nur die Tewitzer, sondern auch Familien aus Teeheim hierher zum Gottesdienst. Teeheim besitzt keine eigene Kirche, und so ist der Kirchgang nach Tewitz für viele ein fester Bestandteil der Woche. Wer aus dem Waldlichtungsdorf kommt, nimmt meist den Bus der SEE25 oder fährt in Fahrgemeinschaften; nach dem Gottesdienst bleibt man gern noch auf dem Platz stehen, tauscht Neuigkeiten aus und kauft im Dorfladen ein.

Der Dorfladen von Tewitz ist ein unscheinbares, aber wichtiges Haus. Er wird von der Familie Hessel betrieben und versorgt das Dorf mit Lebensmitteln, einfachen Werkzeugen, Schreibwaren und den Dingen, die man im täglichen Leben braucht. Zweimal in der Woche belädt der Händler seinen Lieferwagen und fährt nach Teeheim, wo er neben dem Café den dortigen Dorfladen beliefert. Aus dem Hinterzimmer in Teeheim werden dann die Honigkisten der Imker abgeholt, denn ein Teil des „Seeland-Honigs“, der in Altenow verkauft wird, läuft organisatorisch über Tewitz. So besteht eine enge, praktische Verbindung zwischen dem Waldlichtungsdorf und der größeren Struktur von Tewitz als Versorgungsort im östlichen Seelandwald.

Die Schule von Tewitz liegt schräg gegenüber der Kirche, ein zweigeschossiger Putzbau aus den 1920er-Jahren mit breiten Fenstern zur Straßenseite. Hier werden Kinder aus Tewitz, Teeheim und Prießen unterrichtet. Viele Teeheimer Kinder nehmen morgens den Weg durch den Wald auf sich; sie sammeln sich am Busstopp vor dem Café im Dorf, wenn der Wald noch feucht vom Tau ist, und fahren die fünf Kilometer über die SEE25 nach Tewitz. Für sie ist der Schulweg ein alltäglicher Übergang zwischen der abgeschirmten Lichtung und dem lebhafteren Dorf am Högelstein. Nachmittags kehren sie mit Geschichten vom Unterricht, vom Pausenhof und vom Blick über den Wall nach Hause zurück.

Tewitz hat eine kleine, aber aktive Rolle im Eisenbahnnetz. Der Bahnhof liegt etwas unterhalb des Dorfkerns in der Talsohle. Hier hält die Zentrobahn stündlich mit Verbindungen nach Bierona, Seestadt und Kohla. Der Bahnhof besteht aus einem niedrigen Empfangsgebäude und einem Ladegleis, das heute noch gelegentlich für Holztransporte genutzt wird. Früher, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wurde hier deutlich mehr Holz verladen; die Spuren alter Laderampen und Stapelplätze sind noch erkennbar.

Das wirtschaftliche Leben des Ortes ist eng mit Wald und Verkehr verbunden. Viele Einwohner arbeiten in der Forstverwaltung von Arnsheim oder in den Betrieben von Doulos und Altenow. In Tewitz selbst gibt es zwei kleinere Holzbaubetriebe, eine Werkstatt für Forstmaschinen und mehrere Selbstständige, die als Rücker, Pflanzer oder Wegebauer für die Forstverwaltung tätig sind. Man kennt die Jahreszeiten an den Geräuschen: Im Herbst knattern die kleinen Traktoren mit Anhängern, die Holz aus dem Wald bringen; im Frühjahr hallen Motorsägen durch die Täler; im Sommer hört man das Schlagen von Hämmern beim Ausbessern von Zäunen und Stegen.

Die Beziehungen zu den Nachbardörfern sind in Tewitz spürbar. Nach Norden führt die SEE25 in fünf Kilometern nach Teeheim, nach Süden in elf Kilometern nach Prießen am Grenzsee, nach Nordwesten verbindet die SEE26 den Ort mit Arnsheim, nach Südosten führt dieselbe Straße nach Fünfstern. Tewitz liegt damit an einem Kreuz von Waldwegen, das für Wanderer und Radfahrer attraktiv ist. Viele nutzen den Ort als Ausgangspunkt oder Zwischenstation bei Touren zu den historischen Orten des Kreises – zur Wüstung Nardorf, zur Steinmark am Grenzsee oder wieder hinauf nach Arnsheim und Berenburg.

Trotz dieser Durchlässigkeit bleibt Tewitz ein Ort mit eigener, ruhiger Identität. Die schmale Straße, die den Högelstein begleitet, prägt das alltägliche Bild: Kinder, die mit Schultaschen hangaufwärts laufen, Forstfahrzeuge, die Holz laden, ältere Menschen, die sich zum Laden oder zur Kirche auf den Weg machen. Abends, wenn der Verkehr der Zentrobahn nachlässt und der letzte Zug nach Südteich abgefahren ist, senkt sich über den Ort eine gleichmäßige Stille. Dann hört man den Wind im Wald, das gelegentliche Bellen eines Hundes und, wenn die Bedingungen günstig sind, das ferne Läuten der Schiffsglocken von St. Hildegrad in Arnsheim, das über den Wald hinwegdringt.

Tewitz ist kein Dorf spektakulärer Bilder, sondern ein Ort, in dem Geschichte und Gegenwart eng übereinanderliegen: der alte Wall, der das Dorf begleitet; die Schule, die Kinder aus mehreren Dörfern aufnimmt; der Laden, der Teeheim mitversorgt; die Bahn, die den Wald mit der übrigen Welt verbindet. Wer hier verweilt, spürt, dass der Alltag selbst das eigentlich Interessante ist – ein Leben im Rhythmus von Wald, Weg und Arbeit, über das der moosbedeckte Rücken des Högelstein still wacht.

Bahn: Zentrobahn stündlich 7:11 – 20:11 nach Bierona, 21:11 nach Ruppin, 7:36 – 19:36 nach Kohla, 20:36 nach Teichfurt, 21:36 nach Südteich

Ch.: SEE26 (NW: Arnsheim 15,5km, SO: Fünfstern 16km); SEE25 (N: Teeheim 5km, S: Prießen 11km)