
(Pop.: 325 – 546 m NN)
Oldquo liegt im mittleren Teichbachtal, dort wo der Duckelbach von Osten her in den Teichbach fällt. Die SEE21 kommt aus Richtung Staracasa in engen Bögen herauf, und kurz bevor man das Dorf erreicht, sieht man am Hang die ersten hellen Narben im Gestein: alte Bruchstellen, aus denen früher Quarz und Kies gewonnen wurden. Das Tal ist hier schmaler als weiter unten, die Hänge stehen steil, und zwischen Fichten und Buchen blitzen immer wieder blanke Steine durch. Oldquo hat 325 Einwohner, 546 Meter Höhe, und wirkt wie ein Ort, der sich an die Geologie angepasst hat: kurze Wege, feste Mauern, viele Schuppen, in denen Material lagert, das man nicht weit trägt, weil es zu schwer ist.
Der Name Oldquo wird im Dorf gern in einer Geschichte verhandelt, die je nach Wirtshausrunde anders endet. Die eine Version erzählt von einem Vermesser, der im 19. Jahrhundert eine „alte Quarzkuppe“ in sein Heft schrieb, „old quo“ als hastige Notiz, und der Begriff sei dann am Ende auf den Poststempel geraten. Die andere Version ist knapper: „Old“ für alt, „quo“ als Laut, den die Leute machten, wenn beim Bruch ein Wagenrad im Kies wegsackte. Sicher ist nur, dass man im Dorf mit Namen nicht empfindlich ist. Man sagt „ich geh nach Old“, wenn man von Butterstein herkommt, und die Postzustellung läuft trotzdem zuverlässig.

Wer Oldquo betritt, landet zuerst auf der Talstraße, die im Ort Kirchsteig heißt, weil sie zur Dorfkirche St. Magnus (Kirchsteig 2) hinaufführt. Die Kirche steht nicht auf einem freien Platz, sondern auf einer kleinen Geländestufe, die man über eine kurze Treppe erreicht. Sie ist außen unscheinbar, aber innen hat sie ein Detail, das man nicht übersieht: Im Chor sitzt ein Fenster aus der eigenen Produktion, gefertigt in der Oldquoer Glasmacherei. Es ist ungleichmäßig, leicht blasig, mit kleinen Schlieren im Material, die das Licht nicht weichzeichnen, sondern in dünnen Streifen brechen. Wenn am Vormittag Sonne ins Tal fällt, liegen diese Streifen auf den Bänken wie Markierungen. Die Küsterin, Maren Hohl, lässt Besucher manchmal nah heran, weil sie weiß, dass man es sehen will. Sie weist dann auf eine Ecke, wo eine winzige Blase im Glas sitzt, und sagt: „Die gehört dazu. Wenn sie fehlt, ist es nicht unseres.“

Die Glasmacherei ist das, woran Oldquo im Kreis erkennbar ist. Sie liegt etwas abseits am Rand der alten Bruchflächen: „Oldquoer Glasmacherei“ (Am Bruch 4). Das Gebäude ist niedrig, mit einem hohen Schornstein und einem Hof, auf dem Kisten gestapelt stehen. Produziert werden dicke Scheiben für Werkstätten, Laternenzylinder, aber auch Laborgefäße – Bechergläser, Zylinder, kleine Kolben, die in Teichdorf weiterverteilt werden. In der Werkhalle ist es warm, und der Boden glänzt an manchen Stellen vom feinen Glasstaub, der sich trotz aller Vorsicht absetzt. Werkmeister ist Lenne Fars, ein Mann mit ruhiger Stimme, der jedem neuen Lehrling zuerst beibringt, wie man die Handschuhe auszieht, ohne sich selbst über die Handgelenke zu streifen. An der Wand hängt eine Tafel mit Chargennummern und Bestellungen: Laternenzylinder für eine Lieferung nach Teichmünde, Scheiben für einen Umbau in Teichdorf, Laborware für das Institut dort. Wenn die Ware abholt wird, kommt meist ein kleiner Laster über die SEE21, und man sieht dann, wie sorgfältig die Kisten verzurrt werden: Oldquo verzeiht keine Schlaglöcher, wenn Glas an Bord ist.
Der Ort selbst zieht sich entlang des Wassers. Der Teichbach ist hier kein breiter Fluss, sondern ein Bachlauf, der in Kurven arbeitet und nach Regen plötzlich lauter wird. Am Zusammenfluss mit dem Duckelbach steht ein kleines Wehr, mehr eine Steinsetzung als ein Bauwerk. Dort trifft man im Frühjahr häufig Leute aus der Freiwilligen Feuerwehr, weil Treibgut hängen bleibt. Das Gerätehaus steht in der Quarzstraße 1, direkt gegenüber dem einzigen kleinen Laden, dem „Talmarkt Henn“ (Quarzstraße 2), der zugleich Paketstelle ist. Inhaber Arvid Henn verkauft Brot, Milch, Bier, Konserven, Schrauben, und er führt eine Schublade mit Kleinteilen, die jeder im Tal irgendwann braucht: Ventilgummi, Kerzen, Sicherungen. Wer länger wartet, bekommt keine höfliche Unterhaltung, sondern praktische Fragen: „Brauchst du was fürs Hochgehen?“, „Schneeketten?“ – weil man hier oft nicht wegen Plausch steht, sondern wegen Wegeplanung.
Dass der Postzusteller Ruben Pahl aus Staracasa tagsüber Oldquo und die zugehörigen Gebirgsdörfer anfährt, ist im Ort bekannt, weil er an manchen Tagen das einzige Fahrzeug ist, das überall auftaucht. Er kommt mit einem kleinen Wagen, hält an zwei, drei Stellen, steigt aus, verteilt, trägt Pakete auch mal über eine Holzbrücke, wenn der Weg zu eng ist. Im Laden hängt ein Zettel, auf dem die Abholzeiten stehen, die Ruben im Winter manchmal per Hand korrigiert, wenn Schneefall den Fahrplan zerlegt. Wenn man ihn fragt, wie es oben in Berchfried ist, antwortet er knapp: „Windig. Und zwei Hunde neu.“ Das genügt den Leuten.
Oldquo hat keine Schule mehr; die Kinder fahren morgens nach Staracasa oder weiter nach Teichdorf. Dafür hat der Ort ein Gemeindehaus, das im früheren Waagehaus untergebracht ist, Waagengasse 3. Dort trifft sich der kleine Verein „Bruch & Bach“, der sich um die alten Abbaustellen kümmert. Einmal im Jahr räumen sie lose Steine weg, setzen Warnpfosten, und sie haben eine einfache Ausstellung aufgebaut: Fotos vom Bruchbetrieb, alte Werkzeuge, ein Modell, das zeigt, wie Quarz und Kies früher aus dem Hang geholt wurden. Das ist kein Museum mit Öffnungszeiten, sondern ein Raum, der auf Anfrage aufgeschlossen wird. Wer im Dorf jemanden kennt, steht am Ende trotzdem drin.

Für Gäste gibt es in Oldquo nur wenig, aber es ist vorhanden. An der SEE21, kurz hinter der Ortsmitte, steht der Gasthof „Zum Duckelstein“ (SEE21 / Talstraße 14). Wirtin ist Janka Rupp, und ihre Karte ist kurz: Eintopf, Braten, Kartoffeln, dazu im Herbst Pilze, wenn jemand welche aus dem Wald bringt, die sie kennt. Der Gasthof hat vier Zimmer unter dem Dach, schlicht, mit Trockenleisten an der Wand, weil Wanderer hier nicht mit Koffern ankommen, sondern mit nassen Jacken. Im selben Gebäude gibt es eine kleine Stube, die am Wochenende zu einer Art Treffpunkt wird: Mitarbeiter der Glasmacherei, Leute aus Duckel, und manchmal ein Wanderer, der zu früh dunkel überrascht wurde und nicht mehr weiter will. Eine zweite Adresse ist das Café „Fensterbank“ (Kirchsteig 5), betrieben von Selma Krohn. Sie backt in Blechformen, und wenn die Glasmacherei Ausschussstücke hat, stehen in ihrem Fenster oft kleine Glasobjekte, die das Licht einfangen: nicht zum Verkauf, eher als Hinweis, dass das Handwerk im Ort sichtbar bleibt.
Die Umgebung gehört in Oldquo zum Alltag, weil die zugehörigen Orte den Tagesrhythmus mitbestimmen.

Butterstein liegt zwei Kilometer oberhalb von Oldquo im Teichbachtal auf 625 Metern und zählt 48 Einwohner. Der Ort hängt am Hang, mit wenigen Häusern und kurzen Wegen. Das ehemalige Schulhaus ist heute Betrieb und Treffpunkt zugleich: In der „Schulhauskäserei Butterstein“ (Schulweg 1) verarbeitet Edda Kirschner Milch von Kühen aus Waldweide zu Käse und Butter; im Keller reifen Laibe, im Arbeitsraum steht ein Holzfass zum Stampfen. An der Straße gibt es eine kleine Post- und Paketablage, „Bergkram Henn“ (Teichbachweg 4), wo auch Schlüssel und Aushänge liegen. Wer zu Fuß unterwegs ist, findet einfache Zimmer über der Käserei, praktisch für Etappen zwischen Staracasa, Oldquo und dem Gebirgsweg nach Tons. Eine kleine Kapelle am Kapellensteig gehört zu Feiertagen und stillen Besuchen. Im Gespräch geht es oft um Pegel, Brückenbretter, Zäune und die Frage, welcher Weg nach Regen noch hält.

Berchfried liegt auf 866 Metern, nur etwa einen Kilometer unterhalb der Teichbachquelle. Der Ort hat 78 Einwohner. Zentrum ist das Stein-Quellhaus (Quellweg 1), wo mehrere Rinnen gesammelt werden; daneben liegt eine freie Quellwiese, auf der Schnee lange bleibt. Die Kapelle St. Barbara (Kapellenpfad 2) ist schlicht, aber praktisch: Im Vorraum hängt das schwarze Brett für Sammelfahrten, Ersatzteile und Winterdienste. Gäste kommen selten, doch die Berchfriedhütte (Berchpfad 4) steht als Unterstand bereit; wer dort übernachtet, trägt sich ein und legt Geld in eine Kasse des Vertrauens. Viele Bewohner arbeiten in Forst und Holztransporten, manche fahren bei Bedarf nach Oldquo. Berchfried wird weniger „besichtigt“ als respektiert: Wetter, Nebel und Wegzustand entscheiden täglich über alles Weitere.

Duckel liegt östlich von Oldquo im Tal des Duckelbachs auf 732 Metern und hat 88 Einwohner. Der Ort zieht sich als Reihe von Höfen und Lagerplätzen am Wasser entlang; Holz ist hier Tagesgeschäft. Am „Duckeler Holzplatz“ (Polterweg 1) werden Stämme vermessen, mit Kreide markiert und nach Ziel sortiert: Bauholz, Möbel, Saiten- und Klangholz. In der „Duckeler Trocknung & Sortierung Reuter“ (Sägeweg 3) trocknen lattenweise Stapel besonders langsam, bevor sie an Werkstätten in Staracasa, Giesen oder Teichdorf gehen. Mittags bündelt die „Polterkantine“ (Polterweg 2) Fahrer, Forstleute und Postzusteller; dort werden Wegzustände und Abholtermine verhandelt. Der Laden „Duckeler Kram & Draht“ (Talstraße 9) verkauft Werkzeug und Grundbedarf und übernimmt Pakete. Wer beruflich hier ist, übernachtet im Gasthaus „Haus Duckelbach“ (Talstraße 12). Ein Bergweg führt weiter nach Süden Richtung Burgtredwitz; im Gelände sieht man noch Spuren alter Holzrutschen.
Straße: SEE21 (S: Staracasa 4km, N: Butterstein 2km), weiter als Waldweg nach Berchfried. Von Butterstein aus führt ein Gebirgsweg nach Westen den Hang hinauf nach Tons. Von Oldquo führt der Duckelbachweg nach Osten nach Duckel. Von dort aus gibt es einen Bergweg nach Süden nach Burgtredwitz.

