Berchfried

Berchfried (Gemeinde Oldquo – Landkreis Teichdorf – Seeland)

(Pop.: 78 – 866m NN)

Berchfried liegt hoch, 866 Meter, nur etwa einen Kilometer unterhalb der Quelle des Teichbachs. Der Name klingt nach Burg, aber Berchfried ist kein Ort mit Mauern, sondern eine Handvoll Höfe und Häuser, die an einer Kante stehen, wo der Wald lichter wird.

Der Teichbach ist in Berchfried noch schmal, eher ein Lauf aus Quellrinnen, die sich zusammenfinden. Am Rand des Orts steht ein Quellhaus aus Stein, Quellweg 1, in dem Holzrinnen das Wasser sammeln. Jemand hat den Deckel so gebaut, dass er mit Handschuhen geöffnet werden kann, weil im Winter alles vereist. Neben dem Quellhaus liegt die „Quellwiese“, ein freier Streifen, auf dem im Frühjahr die Schneereste am längsten liegen. Die Höfe stehen mit Abstand, weil man hier Holz lagert, Heu trocknet und Platz für Maschinen braucht. Viele Bewohner arbeiten in der Forstwirtschaft oder in den Holzlagern von Duckel, manche fahren bei Bedarf nach Oldquo zur Glasmacherei, weil auch dort oben Fenster eingesetzt und repariert werden müssen. Versorgung kommt über die Postrunde und über private Fahrten; wenn etwas Größeres gebraucht wird, organisiert man Sammelfahrten.

Das schwarze Brett hängt nicht am Rathaus, sondern in einem Nebengebäude der kleinen Kapelle St. Barbara (Kapellenpfad 2), einer schlichten Holzkonstruktion mit einem Dachreiter. Innen steht ein Tisch, auf dem Zettel liegen: „Batterien für Funkgerät“, „Nägel 80 mm“, „Salz für Streuweg“.

Berchfried hat kaum Gäste im klassischen Sinn, aber es gibt einen einfachen Unterstand, „Berchfriedhütte“ (Berchpfad 4), den der örtliche Verein „Quellhüter“ instand hält. Wer hier übernachten darf, trägt sich in ein Buch ein und zahlt in eine Kasse des Vertrauens. Die Hütte hat zwei Räume: einen mit Bank und Tisch, einen mit Pritschen. Für Wanderer gilt eine ungeschriebene Regel: Wer bleibt, bringt am nächsten Tag Holz nach. Im Winter wird die Hütte genutzt, wenn sich jemand bei Wetterumschwung nicht mehr sicher ins Tal traut. Dann liegen am Ofen oft nasse Handschuhe und ein Paar Ersatzsocken, die irgendwann jemand zurücklässt, weil er froh ist, überhaupt wieder hinunterzukommen.

Das Leben in Berchfried ist still, aber nicht leer. Es gibt einen kleinen Funkmast an einer Schneise, der die Täler erreicht, und daneben ein Bretterverschlag, in dem Notfallmaterial liegt: Schaufel, Leinen, Markierungsbänder. Kinder gibt es wenige; sie fahren an Schultagen in Gruppen hinunter, wenn der Weg es zulässt. Man erkennt an Berchfried vor allem, wie ernsthaft hier oben mit Wetter umgegangen wird. Ein Bewohner, Alwin Treppner, führt am Quellhaus eine Tafel mit Datum und Schneehöhe; das ist kein Hobby, sondern Grundlage für die Frage, ob man morgens losfährt oder noch wartet. Wer als Besucher heraufkommt, sollte das respektieren. Berchfried zeigt sich nicht über ein Fotomotiv, sondern über Kleinigkeiten: ein markierter Pfosten im Nebel, eine Holzrinne, die nicht einfriert, eine Hütte, die offen ist, aber Regeln hat.

Ch.: Teichbachtalstraße (S: Butterstein 4km), Gebirgsweg (W: Donau 7km)