
(Pop.: 987 – 51 m NN)
Kontros liegt in der Zento-Ebene an der B61, neun Kilometer östlich der Kreisstadt. Die Straße führt mitten durch den Ort ; an Werktagen rollen morgens Pendlerwagen und kleine Liefertransporter durch, mittags kommen Fahrzeuge mit Anhängern von den Höfen zurück. Am Abzweig zur Z-3 steht ein kleiner, gepflasterter Platz mit Bushaltestelle und Radständern; dort werden Pakete umgeladen, Werkzeugkisten in den Kofferraum gestellt und Einkäufe verstaut. Die Bebauung ist kompakt: ein Kern um Kirche und Erbgericht, daneben kurze Wohnstraßen, dahinter beginnen Felder und Gräben.
Zwei Kilometer östlich zieht sich der Lange Han als langes Waldband durch die Ebene. Ein befestigter Weg führt aus dem Ort zum Waldrand und zur kleinen Brücke über den Hanbach. Der Bach läuft im Wald nach Süden; an trockenen Wochen sinkt der Wasserstand so, dass Steine im Bett sichtbar werden, nach Regen steht das Wasser bis an die Grasränder. Am Waldrand liegen Holzpolter mit nummerierten Losen; die Forstverwaltung lässt sie im Herbst abholen, damit die Wege frei bleiben. Kontroser nutzen den Wald für kurze Runden: morgens vor der Schicht, abends mit Hund, am Wochenende mit Kindern zum Sammeln von Zapfen und Stöcken. Wer die Strecke kennt, geht bis zur Bachbrücke und zurück; an der Brücke ist ein Brett mit Hinweisen zur Wegepflege und zu Sperrungen nach Sturm.

Der Dorfkern konzentriert sich auf den Kirchplatz. Die Kirche St. Lucius (Kirchplatz 4) steht leicht erhöht und hat eine niedrige Vorhalle. In der Vorhalle steht ein Büchertausch-Regal aus hellem Holz; darin liegen Taschenbücher, Kochhefte, alte Fahrplanhefte, gelegentlich auch ein Werkstatthandbuch. Innen ist der Raum schlicht: hell verputzte Wände, Holzgestühl, eine kleine Empore. Der Gottesdienstplan ist auf Arbeitszeiten abgestimmt; am Sonntag beginnt er so, dass viele vorher noch Stall- oder Hofarbeit erledigen können. Pfarrer Jorren Bauske spricht kurz und konkret; nach dem Gottesdienst steht er oft noch vor dem Portal, weil dort die meisten Anliegen in zwei Sätzen geklärt werden. Im Advent stellt die Gemeinde keine große Kulisse auf, sondern organisiert eine Sammelaktion: haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel werden im Mittelgang in Kisten gesammelt und anschließend über das Kreisnetz verteilt.
Neben der Kirche liegt das Gemeindehaus, ein flacher Bau mit Küche und zwei Räumen. Dort probt der kleine Chor dienstags, und dort trifft sich am Donnerstag eine Gruppe, die den Bücherschrank im Vorraum pflegt und aussortiert, was zerfleddert ist. Für Jugendliche gibt es einen Treff, der meistens mit etwas Praktischem beginnt: Fahrräder flicken, Lampen einstellen, kleine Holzarbeiten. Die Leiterin heißt Alva Nering; sie arbeitet tagsüber in der Tagespflege im Ort und hat sich bereit erklärt, den Schlüssel fürs Gemeindehaus zu verwalten, weil sie ohnehin zu festen Zeiten da ist.

Das alte Erbgericht am Handamm 1 ist das zweite Zentrum. Der Bau ist massiv, mit breiter Tür und niedrigen Fensterbänken. Ina Hegler betreibt dort das „Kontroser Kartenstübchen“. Der Gastraum hat wenige Tische, an denen häufig Karten ausgebreitet werden; an der Wand hängt ein Regal mit Radkarten, Ersatzschläuchen, Flickzeug, Kettenöl und kleinen Werkzeugsets. Hegler verkauft keine Souvenirs, sondern Dinge, die unterwegs gebraucht werden. Wer mit plattem Reifen kommt, bekommt eine Schüssel Wasser zum Suchen des Lochs, einen Schlauch und, wenn nötig, den Hinweis auf die Werkstraße. In der Küche laufen einfache Gerichte, die schnell rausgehen: Suppe, Eintopf, belegte Brote. Das Bier kommt aus dem Bierland; Hegler führt zwei Sorten und wechselt nur, wenn der Lieferant die Kisten nicht rechtzeitig bekommt.

Direkt neben dem Kirchplatz sitzt der Reparaturbetrieb „Riemen & Zinken“ (Werkstraße 6). Mehmet Sarli arbeitet dort mit einem kleinen Team. In der Werkstatt stehen zwei Arbeitsböcke, ein Reifenmontiergerät und ein Regal mit Lagern, Riemen und Bowdenzügen. Sarli repariert Fahrräder für Durchreisende, aber der Hauptteil sind Feld- und Hofgeräte: Mähwerksteile, Schubkarrenachsen, Scharniere, Pumpenkupplungen. Wer morgens anruft, kann oft am Nachmittag abholen, wenn das Teil im Regal liegt. Wenn ein Teil fehlt, schreibt Sarli die Maße auf ein Klemmbrett und lässt es über Nacht liefern. Vor der Tür stehen in der Saison fast immer ein bis zwei Räder und ein Anhänger mit Werkzeugkiste; das ist die Warteschlange des Ortes.

Mittwochs ist Markttag, vormittags auf dem kleinen Platz nahe dem Abzweig zur Z-3. Der Käsestand aus dem Bierland steht meist als erster; daneben baut ein Gemüsewagen aus den Dörfern des Kreises auf. Ein Werkzeughändler aus der Hauptstadt kommt mit Bits, Schrauben, kleinen Akkugeräten und Ersatzklingen. Die Einkäufe sind gemischt: Brot und Käse neben Dichtband und Kabelbindern. Der Gemüsewagen der Familie Ladek stammt aus Kontros; nach dem Marktschluss fährt er weiter nach Südeck, wo am Nachmittag erneut aufgebaut wird. Viele erkennen den Ladek-Wagen an den gestapelten Kisten: oben Salat und Kräuter, darunter Kartoffeln und Rüben, seitlich Gläser mit Eingemachtem. Wer die Familie verpasst, kann im Kartenstübchen eine Liste abgeben; Hegler sammelt sie ein und legt die Ware später zur Abholung bereit.
Kontros hat keine großen Läden, aber es gibt Grundversorgung. In der Hauptstraße steht ein kleiner Dorfladen „Korn & Kasse“ (Hauptstraße 12) mit Backwaren, Milch, Bier, Wurst, Batterien und einem Paketregal. Die Betreiberin Mara Quent nimmt Pakete an und gibt sie abends noch aus, wenn sie die Kasse bereits gemacht hat; sie führt dafür ein Heft, in das die Abholer unterschreiben. Ein Geldautomat hängt an der Außenwand, und der Ort nutzt ihn stark, weil die nächste Bankfiliale nicht um die Ecke liegt. Eine kleine Praxisgemeinschaft sitzt in einem umgebauten Wohnhaus (Hauptstraße 19); an zwei Vormittagen kommt eine Ärztin, an den übrigen Tagen eine Sprechstundenhilfe für Rezepte und Blutdruckkontrolle.
Die Straßen im Ort sind kurz und funktional. Kirchplatz, Werkstraße und Handamm bilden das Dreieck der Wege. An der B61 liegen Häuser mit breiteren Einfahrten; dort stehen Anhänger und Geräte, die nicht in Garagen passen. In der Kastaniengasse hinter dem Erbgericht stehen vier Reihenhäuser; dort wohnen mehrere Pendlerfamilien, und morgens sieht man viele Fahrräder und Kinderwagen gleichzeitig. Am südlichen Ortsrand liegt das Gerätehaus der Feuerwehr. An Übungsabenden werden Schläuche gerollt, Pumpen getestet und die Fahrzeuge kurz auf den Hof gesetzt, damit jeder einmal kuppelt und rangiert. Hinter dem Gerätehaus liegt der Sportplatz mit einer kleinen Holztribüne. Sonntags spielt die Mannschaft, und am Rand stehen Leute mit Thermosbechern; nach dem Spiel geht es oft geschlossen ins Kartenstübchen, weil dort die Tische groß genug sind.
Übernachten kann man in Kontros auf Höfen. Der Hof Klempt (Feldweg 3) bietet drei Gästezimmer über der alten Milchkammer; Frühstück gibt es am Küchentisch, und wer früh los muss, bekommt eine Tüte mit Brot und Apfel. Der Hof Rautzen (Dammstraße 22) vermietet zwei Zimmer und stellt im Flur eine Ablage für nasse Jacken und Stiefel bereit, weil viele Gäste mit Rad oder von der Arbeit kommen. Für eine warme Mahlzeit reicht meistens das Kartenstübchen; an Markttagen steht zusätzlich ein Imbisswagen am Platz und verkauft Kartoffelgerichte und Bratwürste, die man im Stehen isst.
Ch.: B61 (W: Südeck 9km, O: Fährstedt 8km); Z-3 (N: Seena 9km, S: weiter als BL13 nach Wasdow 9km)

