(Pop.: 999 – 98 m NN)

Neimlis liegt am Südufer des Grenzsees. Die Häuser stehen nicht dicht gedrängt, sondern folgen dem Ufer in einer leichten Linie; dazwischen liegen Bootsgärten, Stege, Lagerplätze für Ruder und Netze. Der See bestimmt das Klima im Ort: Im Frühjahr bleibt es hier oft länger kühl, im Herbst liegt morgens Nebel über dem Wasser, der sich erst hebt, wenn der Wind vom offenen Becken her einsetzt. Die Seelandbahn hält stündlich, der kleine Bahnhof liegt etwas abseits hinter einer Baumreihe. Wer aussteigt, hört zuerst Möwen und das Knacken der Flaggenmasten, bevor der Ort sichtbar wird. Über die Straße kommen am Wochenende viele Tagesgäste, unter der Woche bleibt es ruhiger.

Der Name Neimlis wird im Ort gern mit einem alten Ausdruck erklärt, der so viel wie „neue Lände“ bedeutet. Gemeint ist ein früher Anlegeplatz, der nach einem Uferabrutsch weiter westlich neu eingerichtet werden musste. Ob diese Deutung sprachlich exakt ist, spielt im Alltag keine große Rolle; sie passt zum Selbstbild des Dorfes, das sich als Ort versteht, der sich immer wieder an veränderte Uferlinien angepasst hat. In den Archiven von Abflußstedt taucht Neimlis früh als Fischer- und Lotsensiedlung auf. Die Bewohner lebten vom See, vom Durchgangsverkehr und von Dienstleistungen für Boote. Erst mit dem Ausbau der Straßen verlagerte sich ein Teil des Verkehrs, und Neimlis wurde stärker zum Aufenthaltsort für Wochenenden und Sommermonate.

Das Zentrum des Dorfes liegt nicht an einem Marktplatz, sondern entlang des Seewegs. Dort steht am Seeweg 4 das Hotel „Grenzseehaus“. Der Bau ist sachlich, dreigeschossig, mit einem breiten Balkonband zur Wasserseite. Zum Hotel gehören Bootsliegeplätze, die mitvermietet werden; im Hinterhof gibt es eine kleine Werkstatt für Außenborder. Der Werkstattmeister heißt Arvid Nokes, ein ehemaliger Mechaniker aus der Berufsschifffahrt. Er repariert Vergaser, wechselt Impeller und erklärt Gästen geduldig, warum ein Motor nach einem Tag Starkwind anders klingt. In der Hochsaison liegt morgens ein Zettel an der Werkstatttür mit einer Reihenfolge der Reparaturen; wer früh kommt, wird eingetragen, wer später kommt, weiß, dass es bis zum Abend dauern kann. Das Hotelrestaurant serviert einfache Gerichte, die sich an der Nachfrage orientieren: Fisch, wenn Lieferungen da sind, ansonsten Suppen, Braten und Salate. Viele Gäste essen auf der Terrasse, weil man von dort die Sliprampe und den Bootsverkehr sieht.

Ein wichtiger Ort für den Alltag ist die „Neimliser Wiese“, ein flacher Strandabschnitt südlich des Dorfkerns. Hier betreibt der Sportverein eine Sliprampe und verleiht Ruderboote. Die Stundenliste hängt im Schaukasten am Feuerwehrhaus; sie ist handschriftlich geführt und wird jeden Morgen aktualisiert. Der Vereinsvorsitzende, Hannes Lürck, schaut regelmäßig vorbei, um zu prüfen, ob alle Boote zurück sind und ob die Riemen wieder an ihrem Platz hängen. Am Rand der Wiese stehen Bänke und ein kleiner Geräteschuppen mit Schwimmwesten. Kinder lernen hier rudern, Schulklassen aus dem Umland nutzen den Platz für den ersten Kontakt mit offenem Wasser. Östlich davon liegt ein abgetrennter FKK-Strand, der schlicht ausgeschildert ist und vor allem von Stammgästen genutzt wird. Er wird nicht beworben, gehört aber selbstverständlich zum Ort.

Die Dorfkirche St. Corvinius (Dorfplatz 1) steht etwas erhöht über dem Ufer. Sie ist ein einfacher Bau mit hellem Putz und einem kurzen Turm. Innen fallen die Votivtafeln auf, die an Gerettete nach Starkwindlagen erinnern. Die Tafeln sind unterschiedlich groß und unterschiedlich alt; einige tragen nur Namen und Datum, andere kurze Sätze. Sie werden nicht museal erklärt, sondern gehören zum Kirchenraum. Im Sommer nutzt der Kulturkreis aus Abflußstedt die Kirche für Lesungen. Dann werden die Bänke neu gestellt, ein Tisch für die Autorinnen und Autoren aufgebaut, und die Tür bleibt offen, damit man den See riechen kann. Die Küsterin, Marit Ohl, achtet darauf, dass Kerzen und Technik rechtzeitig bereitstehen. Gottesdienste finden regelmäßig statt, aber ohne großen Zulauf von außen; die Gemeinde ist überschaubar und organisiert ihre Feste gemeinsam mit dem Sportverein und der Feuerwehr.

Neben dem Hotel und der Bootsvermietung gibt es kleine Betriebe: einen Segelmacher, der im Sommer Reparaturen an Persenningen übernimmt, einen Fischer, der frühmorgens Netze kontrolliert und seinen Fang an Gaststätten in der Umgebung verkauft, sowie eine Reinigungsfirma, die sich auf Ferienunterkünfte spezialisiert hat. Viele Bewohner arbeiten saisonal stärker und im Winter weniger. Kinder gehen im Ort zur Grundschule; weiterführende Schulen liegen außerhalb. Die Schule ist ein flacher Bau nahe dem Bahnhof, mit einem Pausenhof, auf dem man den See nicht sieht, aber hört. Die Lehrerin Klara Venn organisiert jedes Jahr ein Projekt zur Seenutzung, bei dem Boote, Wetterkarten und Rettungsketten besprochen werden.

Die Straßen in Neimlis tragen Namen, die sich am Wasser orientieren: Seeweg, Uferstraße, Ankerhof. Am Ankerhof stehen ältere Häuser mit Schuppen und Bootslagern; hier wohnen Familien, die seit Generationen im Ort sind. In der Uferstraße liegen neuere Ferienhäuser, oft mit abschließbaren Fahrradboxen. Am Dorfplatz gibt es einen kleinen Laden, der Grundversorgung anbietet: Brot, Getränke, Angelkarten, Batterien. Der Laden wird von Petra Kallus geführt, die zugleich die Postagentur betreibt. Pakete werden hinter dem Tresen gestapelt, und viele Abholungen passieren abends, wenn die Tagesgäste schon weg sind. Eine Arztpraxis gibt es nicht; einmal pro Woche kommt eine mobile Sprechstunde ins Gemeindehaus.

Kulturelles Leben spielt sich in Neimlis häufig draußen ab. Der Sportverein organisiert im Sommer ein kleines Seefest auf der Wiese, mit Ruderwettbewerben, Kuchenständen und einem Abend am Feuerkorb. Die Feuerwehr stellt die Absperrungen und sorgt für Beleuchtung. Es gibt keinen Tanzsaal, aber im Hotel „Grenzseehaus“ wird gelegentlich ein Filmabend im Konferenzraum veranstaltet, wenn das Wetter schlecht ist. Das Publikum besteht aus Gästen und Einheimischen; nach dem Film geht man meist noch auf die Terrasse, um zu sehen, ob der Wind gedreht hat.

Für Übernachtungen bietet Neimlis neben dem Hotel mehrere Pensionen und private Zimmer. Viele davon liegen in zweiter Reihe, mit kurzen Wegen zum See. Frühstück wird früh angeboten, weil Wassersportler oft zeitig starten. Essen ist insgesamt unkompliziert organisiert: mittags Imbissangebote am Strand, abends Gasthaus oder Hotelrestaurant. Wer Selbstversorgung plant, kauft im Dorfladen oder bringt Vorräte mit.

Verkehrsverbindungen:

Bahn: Seelandbahn (Linie 89) stündlich 6:24-21:24 nach Zentro, 6:36-20:36 nach Grenzquell über Teichstedt, 21:36 nach Teichstedt

Straße: B33 (W: Ehstra 7km, O: Abflußstedt 13km), B42 (S: Zell 15km)