(Pop.: 2.487 – 287 m NN)

Fuka liegt 287 Meter hoch auf einer langgezogenen Mulde des Drosener Rückens, wo der Whisperwind Creek einen silbrigen Haken schlägt, nachdem er aus den tiefgrünen Wolkenflüsterwald herauskommt. An klaren Tagen sieht man über den Bach hinweg bis zur A-1-Brücke; nachts spiegelt das Wasser die roten Warnlichter der Pfeiler. Die Dorfstruktur ist zweigeteilt: hangaufwärts die älteren Winzer- und Handwerkerhöfe, hangabwärts ein jüngerer Gürtel aus Siedlungshäusern, der sich um die großzügig dimensionierte Fukaer Halle (Hallenweg 8) legt.

Jeden Mittwoch biegen Lieferwagen mit Obstkisten und Holzmusterplatten auf den Schotterplatz, verwandeln die Halle in einen Wochenmarkt; an den übrigen Tagen dient sie als Probenraum für Trachtenchöre, als Bühne der Landmesse oder als Areal für die jährliche Möbel-Schau der „Hölzerne Höhepunkte Tischlerei“.

Die Tischlerei – weithin nur „HHT“ genannt – beschäftigt fünfzig Frauen und Männer und füllt eine Werkhalle am Bachufer mit dem Geruch frischer Lärche und Harz. Geschreinert wird nach Maß; Laser-Scanner tasten Rohbretter ab, Fräsroboter folgen Konturen, und am Ende schleifen Gesellen die Stücke von Hand. Das Holz stammt direkt aus dem Wolkenflüsterwald. Försterin Anka Rethke kennzeichnet geeignete Stämme mit blauem Punkt, Baumkletterer tragen sie seilgebunden hinab, um die Rückegassen zu schonen. Ein schmales Anschlussgleis verbindet die Werkhalle mit der Station der Bierona-Zentravia-Ferrovia: zweimal pro Woche setzt HHT einen Container voller Möbel auf den Flachwagen, der dann weiter Richtung Zentro oder über Paulstedt ins Zentralmassiv rollt. Der Zugführer winkt beim Losfahren; Kinder zählen laut die Schienenstöße, bis der letzte Waggon hinter den Kiefern verschwindet.

Über allem thront St. Lucius Minor, eine Kirche, deren Name dem massiven Bau nicht gerecht wird. 800 Sitzplätze, zwei seitliche Emporen und ein Westturm, der sich mit 34 Metern über jedes Walddach erhebt – für Besucher wirkt das Gotteshaus eher städtisch als dörflich. Der Grund: Als Fuka im 19. Jahrhundert kurzfristig als Dekanatssitz geplant war, bestellten die Bauherren eine „zukunftsfähige“ Kirche; die Verwaltung zog später nach Drosen, das Kirchenschiff blieb. Pfarrerin Mira Halder predigt sonntags vor nur hundert Menschen, doch an hohen Festtagen füllt sich das Haus – nicht nur mit Gläubigen, sondern auch mit Gästen, die wegen der berühmten Akustik ein Barockprogramm genießen. Nach der Messe treten viele vor die offene Westtür, um den Wind aus dem Wald zu spüren und den ersten Zug nach Bundorf zu beobachten.

Gleich hinter der Kirche zweigt die Kirchstraße in die alte Ortsmitte ab; Kopfstein, schmale Rinnen, niedrige Mauern. Hier erzählt man, der Ortsname rühre vom lauten „Fu-ka!“, mit dem einst Treiber ihre Maultiere am steilen Übergang zum Wald anfeuerten. Eine hölzerne Tafel am Brunnen deutet nüchterner auf eine frühe Flurbezeichnung „Fugha“ hin, die „wasserdurchflossene Furche“ meint. Sicher ist: Das Leben richtet sich bis heute nach dem Bach. Der Whisperwind Creek treibt im Frühling Schneeschmelze aus dem Wald, füllt dann die Teichbecken des Erholungsheims am Waldrand. Das Heim – Sauna, Dampfbad, Kaltwasserbecken – wurde in einen aufgelassenen Steinbruch gebaut; wer im Schwitzraum sitzt, blickt durch eine Panoramascheibe in felsiges Wurzelwerk, aus dem Regenwasser in dünnen Fäden rinnt. Viele Tagestouristen verlängern den Aufenthalt im benachbarten Traumfänger-Hotel, einem hellholz­verkleideten Dreigiebelbau mit Aufschriften in vier Sprachen; abends schweigt die Lobby, weil die Gäste im Wald nach Sternen suchen oder draußen den Sauna-Ruheplatz belegen.

Tiefer im Forst steht das Zentrum für Stammzellforschung und Regenerative Medizin, gut einen Kilometer vom nächsten Wanderpfad entfernt. An der Schranke prangt nur ein schlichtes Schild; dahinter verstecken sich Laborcontainer, Gewächshaus­kuppeln und eine Modulhalle, in der Bioreaktoren surren. Die Einrichtung arbeitet diskret mit den Universitäten von Butha, Bierona und Zentro zusammen. Wissenschaftler erreichen das Zentrum per Shuttle vom Bahnhof; für Dorfbewohner ist das Zentrum eher ein Gerücht, das abends im Stammtisch die Runde macht, wenn jemand wieder leises Turbinen­rauschen vernommen haben will.

Der Stammtisch tagt in der Gaststube der Fukaer Halle sowie im kleineren „Creek-Corner“ an der Brücke. Dort treffen sich Schreiner, Förster und Pendler aus Hartmannsfeld, es gibt Brotzeit mit Waldkräuter-Quark und den leichten Rückenwein aus Pölau. Einmal im Monat spielt die Blaskapelle „Flüsterblech“ auf, deren Probenraum in der Umkleide der Halle liegt; sie übt dort, wenn gerade kein Markt stattfindet und die Halle nur nach Sägespänen riecht.

Der Whisperwind Creek formt einen schlanken Talgrund, den drei hölzerne Fußbrücken queren. Schul­kinder fahren mit dem Rad zur Schule gehen; sie radeln über den mittleren Steg, folgen dann der Z-16. An Schultagen sitzt Dorfschreinerin Alisa Braun am Geländer und zählt Räder: Sie will wissen, wann sich ein Radweg­ausbau lohnt. Die Jugendlichen pendeln später per Bahn nach Drosen; die Linie 112 ist tagsüber gut gefüllt mit Arbeitskräften für die Tischlerei und Touristen in Jogginghosen, die sich nach Bundorf hoch ins Gebirge fahren lassen.

Einkaufen gestaltet sich zweigleisig. Ein Supermarkt am Hallenweg versorgt die meisten Haushalte; zugleich rollt zweimal pro Woche ein mobiler Käsestand aus Mehlis heran, ein Bäckerwagen aus Pölau bringt Hefekränze und Apfel­schiffchen. Auf dem Vorplatz der Halle bieten Imker aus Hartmannsfeld Waldhonig an, während ein Kräuterbauer getrocknete Thymian- und Baldrian­bunde verkauft, die Saunagäste als Aufguss mitnehmen.

Fuka pflegt trotz seiner Größe eine dörfliche Organisationsform. Die Feuerwehr besetzt zwei Löschfahrzeuge, organisiert aber auch den jährlichen Waldputz: In einer Samstags­aktion räumt die Mannschaft den Wanderweg 3 frei, kennzeichnet Wurzeln orange und legt zusammen mit HHT eine Panoramaliege aus geschwungenem Lärchenholz auf die Lichtung „Oberer Flüsterplatz“. Dort lauscht man in windigen Nächten dem Rascheln der Kronen – ein Geräusch, das dem Wald seinen Namen gab. Der Sportverein nutzen eine Wiese flussabwärts für Rugby-ähnliches Stoßball, eine alte Waldarbeiter­tradition, bei der mit Hanfsäcken Punkte erzielt werden.

Übernachtungsgäste verteilen sich je nach Gusto: Wellnesssuchende ins Erholungsheim, Wanderer und Radfahrer ins Traumfänger-Hotel, Studierende der Biolabore in einfache Monteurzimmer über der Gaststube Creek-Corner. Wer länger bleibt, entdeckt, dass Fuka fast rund um die Uhr Geräusche kennt: Morgens dröhnen die Trockenkammern der Tischlerei, mittags rufen Marktverkäufer durch die Halle, nachmittags zischen die Dampfabzüge des Wellnessbereichs, nachts klacken die Laserschneider im Forschungslabor. Trotzdem wirkt das Dorf nicht laut, denn Wind und Wald vertragen erstaunlich viel Technik, solange sie von Holz und Bach moduliert wird.

Ein Dorfrundgang beginnt sinnvoll vor St. Lucius Minor, führt über die Brunnen­allee zur Halle, passiert den Ladekran der Tischlerei, überquert den Whisperwind Creek auf dem mittleren Steg und endet am Waldrand, wo Sauna­dach und Hotelgiebel wie helle Schuppen in die Baumlinie greifen. Wer dort verweilt, riecht Harz, Wasserdampf und Lärchenspäne – eine Mischung, die Fuka unverwechselbar macht: ein Dorf, das Holz und High-Tech, Wellness und Wissenschaft, Kirchgeläut und Laser­schnitt in einem einzigen Tal bündelt.


Verkehrsverbindungen:
Bahn: Bierona-Zentravia-Ferrovia Linie 112 stündlich 6:51-19:51 über Paulstedt nach Bundorf ins Zentralmasssiv, 20:51 nach Paulstedt; 7:25-20:25 über Drosen und Wisnitz nach Kreuzberg, 21:25 nach Wisnitz, 22:25 nach Drosen
Straße: Z-16 (W: Pölau 4km, O: Hartmannsfeld 3km), Rad- und Wanderwege durch den Wolkenflüsterwald.