Arvid Nokes – Neimlis – Freitag, 20. Februar 2026, später Nachmittag
Ich sitze noch einen Moment in der kleinen Werkstatt hinter dem Hotel Grenzseehaus und lasse den Geruch von frischem 2-Takt-Öl ausdampfen. Der letzte Job war heute überschaubar – ein einzelner Außenborder, Ventile prüfen, alles abschmieren, Deckel drauf. Draußen liegt eine dünne Eiskruste auf dem Grenzsee, nur dort, wo die Sliprampe frei bleibt, kräuselt sich Wasser. Für Neimlis ist das tiefer Winterbetrieb: Möwen kreischen, aber niemand drängelt am Steg, und hinter der Baumreihe klackert ab und zu die Seelandbahn, sonst Ruhe – genau die Art Tag, bei der man das Dorf wieder als langgestreckte Reihe von Bootsgärten und Häusern wahrnimmt, die sich ans Ufer schmiegen.

Von links nach rechts: Inga Helmer, Bernd Kuhn, Pfarrerin Dr. Fenja Wulf, Arvid Nokes, Saskia Fehn, Küsterin Marit Ohl und Tjark Lieseberg.
Gleich geht’s los: Ich treffe mich mit den anderen aus dem Gemeindekirchenrat unserer Dorfkirche St. Corvinius – Inga Helmer, Bernd Kuhn, Saskia Fehn und Tjark Lieseberg – dazu Pfarrerin Dr. Fenja Wulf und natürlich Küsterin Marit Ohl. Gemeinsam fahren wir hinüber nach Abflußstedt, wo wir im Hotel Zum Abfluss unsere Rüstzeit haben. Abflußstedt liegt genau dort, wo der See sich zum Grenzfluss verengt; man hört am Kai die Arbeitsskiffs an die Kaimauer schlagen, und die Züge der Seelandbahn rollen direkt dahinter vorbei – ein Ort zwischen Wasser und Gleis.
Das Programm klingt spannend: Wir wollen sortieren, welche Bauprojekte die Gemeinde 2027 zuerst anpackt – Kirchendach, Heizleitung oder doch das neue Aufbewahrungsregal für die Votivtafeln – und, wichtiger, darüber reden, was wir als Gemeinschaft eigentlich erreichen wollen. Fenja hat angekündigt, dass es abends auch um persönliche Zurüstung geht; ich frage mich, welchen Bibeltext sie gewählt hat – irgendwas mit Schiffen auf stürmischem Wasser würde passen. Nach dem offiziellen Teil sollen Spiele auf den Tisch kommen (Tjark bringt sein altes „Havarie!“-Kartenspiel), und zum Singen hat Saskia das Liederheft kopiert.
Auf das Essen freue ich mich besonders: Der Ruf der Küche im „Zum Abfluss“ eilt ihr voraus; angeblich hat man vom Speisesaal Blick über die Abfluß-Aue bis zum letzten Eisrand des Sees. Wenn das stimmt, schmeckt der Eintopf gleich doppelt so gut.
Noch ein letzter Blick durchs Werkstattfenster auf den vereisten See, dann lösche ich das Licht. Tage wie dieser erinnern mich daran, warum ich hier geblieben bin: genug Arbeit, aber Raum zum Atmen, eine Gemeinde, die sich kümmert, und ein See, der sogar im Winter Geschichten erzählt.
(Nächster Eintrag erst nach der Heimreise am Sonntag.)

