
(Pop.: 14.685)
Der Landkreis Unterstrand liegt südwestlich von Seestadt in Seeland-Ebene. Zwischen Kleinem Teich im Osten und den flachen Auen des Zajinbachs im Südwesten verläuft ein gut erschlossenes Agrarland mit Feldern, Gräben, Windschutzhecken und einzelnen Hofgruppen. Die Nord-Süd-Ausdehnung misst an der westlichen Breitseite 33 Kilometer, in Ost-West-Richtung etwa 35 Kilometer. Entwässerungsgräben ziehen rechtwinklig zu alten Flurwegen; der Teichfluss speist Schleusen und Pumpwerke, die die Felder zuverlässig bewässern. Die Autobahn A4 durchschneidet den Landkreis von West nach Ost südlich der Kreisstadt Unterstrand. Der Südosten des Landkreises liegt im Seelandwald.
Die Kreisstadt Unterstrand
Unterstrand, Sitz der Kreisverwaltung, zählt 5.478 Einwohner und liegt am Südufer des Kleinen Teichs. Das Rathaus aus gelbem Ziegel steht Am Markt 1; dahinter öffnet sich der Teichplatz mit Wochenmarkt (Dienstag und Freitag, jeweils ab 6 Uhr), Fischständen und einem schmalen Pavillon für die Mittagsmusik der Musikschule. Entlang der Ufermauer führt die Promenade „Am Südkai“ mit niedrigen Pollern, Anlegeplätzen für Ruderboote und einem kleinen Anleger der Ausflugsschiffe. Die Fischmarkthalle Unterstrand, ein langgestreckter Bau von 1912 mit Stahlbinderdach, liegt an der Schleusenstraße 7; am frühen Morgen drängen Karren mit Karpfen, Hecht und Zander hinein, nachmittags sind die Tische mit geräuchertem Aal und eingelegten Teichkrebsen gedeckt. Das Pumpenhaus gegenüber (Schleusenstraße 8) zeigt in einer kleinen Dauerschau den Wandel von handbetriebener Schöpfvorrichtung zu Diesel- und Elektropumpen; wer die Treppe hinuntersteigt, hört durch die Klinkerwand noch das tiefe Brummen der heutigen Aggregate.
Die Altstadt wächst um zwei Achsen: die Marktgasse, in der Bäcker, Metzger und der Laden für Teichgeräte dicht an dicht sitzen, und die Uferstraße, an der die schlanken Kontore mit Holzbohlenböden in die Tiefe ragen. In einem ehemaligen Speicher ist das Teich- und Auenmuseum (Uferstraße 22) untergebracht; Netze hängen von den Decken, und eine Holztafel verzeichnet die Fangrechte der Gilden seit 1683. „Zur Aalfrau“, eine Schankstube Am Schanzgraben 2, nimmt Bezug auf den alten Wallgraben, der den Ort nach Süden sicherte; hier sammelt sich abends Handwerk und Verwaltung, und im hinteren Zimmer steht ein Kanonenrohr aus der Zeit der Teichkriege mit Rußspuren am Mündungsrand. Zwischen Altstadt und Bahnhof spannt sich der Teichkammweg, eine schnurgerade Allee mit Linden und einer schmalen Radsparspur; am Ende steht das flache Stationsgebäude (Bahnhofstraße 1).
Die Kreisstadt hat eigene, handfeste Milieus. An der Querstraße 9 betreibt die Familie Sarnow den Laden „Teich & Lehm“, der Reusen repariert und Teichpfähle verkauft. In der Werkstatt „Unterstrander Bootsleisten“ (Am Südkai 19) hobeln drei Gesellen formverleimte Kimmleisten aus Esche für die offene Teichjolle; ein Rohr an der Fassade bläst Holzstaub in einen Container, der in der Heizzentrale des Schwimmbads landet. Das Freibad selbst, aufgeschüttet auf Pfählen, liegt am Südende der Promenade und wird durch einen Kanal mit Teichwasser gespeist; im Frühjahr riecht es nach Schilf und Teer aus den frisch ausgebesserten Fugen.

Die kirchliche Mitte bildet St. Gertrud am Teich (Kirchhof 2), eine schlichte Saalkirche von 1524 mit gekehlten Ziegelbändern und einem niedrigen Westturm, dessen Glocke aus einer Schweinetopflegierung umgegossen wurde. Im Chor hängt ein hölzernes Votivschiff, das 1780 von der „Fischergemeinschaft Gertrud“ gestiftet wurde; in den Planken sind Nägel eingelassen, jeder steht für einen Bootsanteil. Der Pfarrgarten reicht bis an den Schanzgraben, der als grasiger Hohlweg erkennbar ist und zur „Schanzpforte“ führt, einem gemauerten Durchlass über dem Entwässerungsgraben. St. Gertrud, die Auenkirche Maria Magdalena in Zajin und die Rosenkranzkirche von Rosengarten bilden im Kreis drei markante Kirchen mit erkennbaren Eigenheiten und regelmäßigen Musikterminen; ihre Orgeln erklingen wechselweise an den Sonnabenden, und die Programme liegen in den Läden aus.
Zu den historischen Orten der Kreisstadt gehören der Schanzgraben selbst mit dem Rest einer Pfahlreihe unter der Ufermauer („Teichkastell Unterstrand“, archäologisch gesichert als Wachposten des späten 9. Jahrhunderts), die Schleuse IV mit Kammrad, die 1846 im Rahmen der Teichregulierung gebaut und 1928 elektrifiziert wurde, und der „Stein von Kolla“, ein behauener Findling mit eingeritztem Schiff, den Taucher 1971 vor dem Südkai fanden. Der Stein wird in einer klimatisierten Vitrine im Museum gezeigt; eine Kopie steht am Ufer, und Kinder legen Schilfhalme in die eingeritzten Linien, weil diese im Wind leise summen.
Dörfer und Gemeinden
Die Dörfer des Landkreises liegen wie Perlen an Feldwegen und Bächen, jede Siedlung mit einer klaren Aufgabe.

Achthaus, ein Dorf mit 328 Einwohnern auf 105 m NN, liegt westlich des Kleinen Teichs im Tal der Weidenitz, die hier entspringt und durch die Seeland-Ebene fließt. Es besteht aus acht alten Vierseitenhöfen, die den Namen des Ortes prägten. Zentrum ist der Dorfanger mit dem handbetriebenen Tiefbrunnen, an dessen Eisenring noch die Kerben der Eimerhenkel sichtbar sind. Auf dem Hof Alvermann (Nr. 4) reifen Käse aus Schaf-Kuh-Mischmilch in Weidenkörben, auf dem Hof Schulten (Nr. 1) kann man die Flachsröste und Saatgutkammer der Agrarverbund Seeland-Ebene Unterstrand eG besichtigen. Die Felder rund um Achthaus folgen einer Fruchtfolge aus Rüben, Roggen und Flachs. Im Schleusenbuch der Unterstrander Schleuse IV von 1854 wird Achthaus erstmals schriftlich erwähnt – als Heimat zweier Knaben, die dort beinahe verunglückten. Heute ist Achthaus ein ruhiges, landwirtschaftlich geprägtes Dorf mit alten Linden, offenen Höfen und einem lebendigen Jahreslauf zwischen Saat, Ernte und Dorffesten. Der Ort verbindet Handwerk, Geschichte und Gemeinschaft in einer beständigen, wasserreichen Landschaft.

Südlich davon liegt Faultierwald, ein Straßendorf mit 782 Einwohnern auf 115 m NN. Entlang der Landstraße SEE16 reihen sich Höfe, Werkstätten und Wohnhäuser mit kleinen Vorgärten, in der Mitte zieht sich ein Grünstreifen bis zum namensgebenden kleinen Wald. Das Dorf lebt vom Flachs: Im Leinenwerk „Faultierwald Faden & Band“, gegründet 1903, wird das Erntegut der Umgebung zu Garn, Seil und dichter Leinwand verarbeitet. Die Produkte finden Verwendung in Landwirtschaft und Bootsbau, und im Werksverkauf kann man Stoffbahnen und Seile erwerben. Der Ort verdankt seine Entstehung einem alten Ziegelbrennofen, dessen Lehm 1524 die Ziegel für die Unterstrander Kirche St. Gertrud lieferte. Faultierwald liegt an der Bahnlinie SeeLB 86 mit Verbindungen nach Seestadt und Western und pflegt trotz moderner Industrie eine ländliche Ordnung. Feste wie das jährliche Leinenfest, der Duft von Flachs und das gleichmäßige Rattern der Webstühle prägen die Atmosphäre. Faultierwald verbindet Geschichte, Handwerk und Gemeinschaft in einer Landschaft, die Arbeit und Ruhe gleichermaßen trägt.

Im Südwesten des Kreises liegen Ulmdorf (Pop.: 236). Es entstand an einem Seitenarm der alten Heerstraße und ist geprägt von Flachs, Torf und Ton. Rund um das Dorf erstrecken sich Felder der Agrarverbund Seeland-Ebene Unterstrand eG, die Rüben, Roggen und Flachs im Wechsel anbaut. Der Flachs wird zum Leinenwerk „Faultierwald Faden & Band“ geliefert, wo viele Ulmdorfer arbeiten. Im Dorf selbst wird das nussige Flachsbier gebraut, das bis nach Unterstrand verkauft wird. Am Ulmweg 7 betreibt Töpfer Jannik Raufeisen seine Werkstatt mit schrägem Schornstein und holzgefeuertem Ofen – ein Wahrzeichen des Ortes. Westlich liegen die alten Torfgruben, deren Ziegel bis heute die Kirche St. Gertrud am Teich in Unterstrand heizen. Die Kapelle St. Ulm mit ihrer alten Ulme und das jährliche Torf- und Flachsfest sind kulturelle Mittelpunkte.

Papierstedt (Pop.: 2.579) hat seinen Namen von vier Wassermühlen, die im 17. Jahrhundert Getreide, später Tuch und Papier verarbeiteten – daher der Name „Papierstedt“. Heute ist das Dorf ein kleiner Industriestandort mit Werkstätten, Bahnanschluss und dem Werk „Vier Mühlen – Tuch & Strick“, das Walkwaren, Jacken und Seemannsunterhemden produziert. Die Wolle stammt aus der Auenwolle Schittingen eG, die Fasern aus den Auen und dem Seelandwald liefert. Ein Papierstedter Schmied fertigte 1748 das hölzerne Uhrwerk der Kirche St. Gertrud am Teich in Unterstrand, das fast zweihundert Jahre lief. Entlang des Kanals erinnern Brücken und Ruinen an die alten Mühlen, während Arbeiterhäuser, Werkhallen und der Marktplatz das Ortsbild prägen. Papierstedt ist durch die Bahnlinien SeeLB87 und SeeLB88 gut verbunden und feiert jährlich das Vier-Mühlen-Fest, bei dem Maschinen, Musik und Wasser den Takt angeben.

Zajin, mit 3.578 Einwohnern auf 141 m NN, liegt im Tal des Zajinbachs im südwestlichen Teil des Landkreises Unterstrand. Der Fluss, der aus dem Haugwald bei Haugwitz entspringt, prägt den Ort – Häuser, Brücken und Wege folgen seinem geschwungenen Lauf. Mittelpunkt ist der Markt mit Muschelkalkpflaster, der sich zwischen zwei Brücken spannt. Die Maria-Magdalena-Kirche, mit Deckenmalerei von Fischen und Netzen, erinnert an die alte Fischerzunft; hier finden auch die „Teichkonzerte“ statt, die Zajin mit St. Gertrud (Unterstrand) und der Rosenkranzkirche (Rosengarten) verbinden. Wirtschaftlich lebt der Ort vom Agrarverbund Seeland-Ebene Unterstrand eG, der Flachs, Rüben und Roggen anbaut; früher gelangten robuste Leinensäcke aus Faultierwald hierher, um Saatgut zu lagern. Am Thingplatz, einer Wiese mit Findlingen und alter Linde, wird Geschichte jährlich im Thingfest lebendig. Die „Bogenstube Kolski“ serviert Hering auf Roggenfladen – ein Stück seeländischer Alltagskultur. Zajin vereint Wasser, Handwerk, Landwirtschaft und Musik zu einem Ort, der in seinem ruhigen Rhythmus die Geschichte des Seelandes weiterträgt.

Schittingen, 524 Einwohner auf 122 m NN, liegt im Schittinger Auenwald am Zajinbach im Südwesten des Kreises Unterstrand. Der Ort steht auf einer kleinen Anhöhe zwischen feuchten Mulden, Schilf und Erlenbeständen. Zentrum des Dorfes ist die Auenwolle Schittingen eG, eine Genossenschaft, die seit 1923 Rohwolle aus den Auen und Sandrücken des Seelandwaldes wäscht, kämmt und zu kardierten Bändern verarbeitet. Der Lanolingeruch liegt über dem Bach, Dampf steigt aus den Wannen. Die Wolle geht nach Papierstedt zum Werk „Vier Mühlen – Tuch & Strick“, der Mist der Schafherden wird auf die Felder des Agrarverbunds Seeland-Ebene Unterstrand gebracht. Im Altarraum der Maria-Magdalena-Kirche in Zajin liegt ein gewebtes Tuch aus Schittinger Wolle – Symbol der Verbindung der Dörfer. Der Auenpfad, ein hölzerner Rundweg durch das Feuchtgebiet, führt Besucher an alten Reusenhütten und Beobachtungsständen vorbei.
Im Südosten des Kreises reicht der Seelandwald mit seinem Mischbestand aus Eichen, Buchen und Kiefern in das Kreisgebiet.

Rosengarten, ein Dorf mit 453 Einwohnern auf 115 m NN, liegt vier Kilometer südlich von Seestadt in einer kreisrunden Lichtung des Seelandwaldes. Hinter fast jedem Zaun wachsen Rosenstöcke – nicht zur Zierde, sondern als Unterlagen für die Veredelungen der örtlichen Baumschule Rosengarten eG, die seit Generationen robuste Wurzelpflanzen für das Seeland liefert. Mittelpunkt des Ortes ist die Rosenkranzkirche, ein schlichter Holzbau mit Schindeldach und freiem Glockenstuhl. Ihr tragbares Prozessionskreuz aus Hainbuche wird im Sommer mit Hagebuttenketten geschmückt, was der Kirche ihren Namen gab. Die Kirche ist zudem Teil der musikalischen Reihe der Teichkonzerte, die Rosengarten mit Zajin und Unterstrand verbindet. Im Dorf arbeiten Gärtner, Holzhandwerker und Rosenölbrenner; auf den Höfen duften Erde, Harz und Blüten. Der Rosenmarkt und die jährliche Rosenprozession prägen das dörfliche Leben, ebenso die kleinen Werkstätten, die Rosenholz und Leinen verarbeiten. Rosengarten ist kein Ort der Schau, sondern ein Ort der Pflege – von Pflanzen, Formen und Gemeinschaft – ein leiser, beständiger Mittelpunkt im grünen Gürtel des Seelandwaldes.

Südteich, 103 m NN, 715 Ew., liegt am Südufer des Großen Teichs im nördlichen Seelandwald, etwa 7 km südwestlich von Seestadt. Das langgestreckte Dorf entstand aus einer mittelalterlichen Fischersiedlung und ist bis heute vom Bootsbau und der Fischverarbeitung geprägt. Zwei Werften fertigen Holzboote aus Eschen der umliegenden Hainen; das Holz liefert auch die Werkstatt „Unterstrander Bootsleisten“. Am Hafen arbeitet die Südteicher Räucherei & Konserven GmbH, bekannt für ihre Spezialität Teichkrebse in Dilllake. Mittelpunkt des Ortes ist die Kapelle St. Bereniké (1829), ein Holzbau mit Glocke aus einem alten Anker; zur Kirchweih werden die Boote geschmückt und an ihr vorbeigeschoben. Entlang des Ufers führt die Bereniké-Spur, ein ruhiger Weg durch Schilf und Weiden mit Aussichtspunkt über den Teich. Im Sommer verkehren Ausflugsschiffe nach Seestadt und Unterstrand. Südteich besitzt einfache Gasthäuser, darunter die Kapellenklause, und ist über B 53 und B 512 gut erreichbar. Das Dorf zeigt die typische Verbindung von Wasser, Wald und Handwerk – ein Ort stiller Arbeit, in dem das Seeland sein Gleichgewicht bewahrt.

Ragelblitz (Pop.: 12) ist ein winziger Weiler mit nur zwölf Einwohnern im südlichen Seelandwald, politisch Teil von Rosengarten, aber mit eigenem, abgeschiedenen Charakter. Die drei Häuser der Siedlung liegen an einer feuchten Lichtung im Tal des Ragelblitzbaches, dessen Name sich wie der Ort selbst von alten Berichten über wiederholte Blitzeinschläge herleitet. Über dem Tal erhebt sich der „Kamm von Ragelblitz“, eine halbmondförmige Wallanlage, die als ehemalige Wikingerwarte gilt. Eine hölzerne Tafel erinnert daran, dass hier Feuerzeichen in Richtung Unterstrand gegeben wurden. Heute leben in Ragelblitz Imker, Holzhandwerker und Spinner, die von den Ressourcen des Waldes zehren. Der Ort ist über den SEE23 nur schwer erreichbar, und Besucher kommen meist wegen der besonderen Stille oder des historischen Walls. Beim jährlichen Thingfest von Zajin wird eine Fackel aus Ragelblitz entzündet, um die alten Warnfeuer zu ehren. Ragelblitz steht für die Verbindung von Natur, Mythos und Handwerk – ein Ort, in dem Geschichte nicht vergangen, sondern in Wind, Wasser und Holz weiterhörbar ist.
Sehenswürdigkeiten
Drei historische Orte stechen im Kreisgebiet hervor und sind mit einfachen, aber präzisen Hinweistafeln markiert.

Der Kamm von Ragelblitz, rund drei Kilometer südlich von Rosengarten im Seelandwald gelegen, ist eine der eindrucksvollsten historischen Geländespuren des Kreises Unterstrand. Die halbmondförmige Wallanlage erhebt sich über dem Tal des Ragelblitzbaches und gilt als Überrest einer Wikingerwarte aus dem 9. Jahrhundert. Von hier aus sollen Feuerzeichen über den Seelandwald hinweg bis zum Kleinen und Großen Teich gegeben worden sein – Teil eines alten Warnsystems der Teichlande. Eine hölzerne Informationstafel erinnert an diese Nutzung. Der Aufstieg zum Kamm erfolgt über einen schmalen, naturbelassenen Pfad, der in etwa zehn Minuten von der Siedlung Ragelblitz erreicht wird. Oben bietet sich ein weiter Blick über die Baumkronen bis zum Ufer von Unterstrand. Im Boden sind verkohlte Holzreste und Pfostenlöcher erkennbar, Spuren der einstigen Wachtstelle. Der Platz ist unberührt, still und von dichter Vegetation umgeben – kein Ausflugsort im klassischen Sinn, sondern ein archäologisches Naturdenkmal von eigenwilliger Atmosphäre. Besonders eindrucksvoll zeigt sich der Kamm bei Gewitter, wenn über dem Hang Blitze aufflackern – eine lebendige Erinnerung an das Feuer, das hier einst Zeichen und Warnung zugleich war.

Der Thingplatz von Zajin, am nordöstlichen Rand des Dorfes gelegen, zählt zu den ältesten Versammlungsorten des südlichen Seelandes. Die leicht erhöhte, ovale Wiese wird von einem regelmäßigen Kranz aus zwölf Findlingen umgeben, in deren Mitte eine mächtige Linde steht – ihr eingewachsener Eisenring markierte einst den Platz der Zunftfahne. Urkundlich 1179 erwähnt, diente der Thingplatz über Jahrhunderte als Gerichtsstätte der Flur- und Wasserverbände von Zajin, Schittingen und Ulmdorf. Funde von Holzkohle, Keramik und Eisenresten belegen seine Nutzung seit dem 12. Jahrhundert. Nach dem Verlust seiner juristischen Funktion blieb der Ort Schauplatz von Dorftreffen und Festen. Heute ist er Mittelpunkt des Thingfestes von Zajin, das jährlich im Frühherbst stattfindet. Eine Fackel aus Ragelblitz wird dabei entzündet, Musik und Theater erinnern an die alten Rechtssitzungen. Besucher erreichen den Platz zu Fuß über einen kurzen Feldweg nördlich der Kirche Maria Magdalena. Besonders stimmungsvoll wirkt der Thingplatz bei Sonnenuntergang, wenn die Schatten der Steine über das Gras fallen und der Wind durch die Krone der Linde zieht – ein Ort von schlichter Würde und stiller Dauer.

In Unterstrand zeugt das „Teichkastell“ am Schanzgraben von den Verteidigungsbemühungen während der Wikingerzüge; ein freigelegter Abschnitt der Palisadenrinne ist durch eine Glasschiene geschützt, und eine Rekonstruktionszeichnung zeigt den Wachsteg mit zwei Hütten. Das Teichkastell von Unterstrand liegt am Schanzgraben, südlich der Altstadt, und gilt als einer der ältesten erhaltenen Wehrbauten des Seelandes. Es entstand im 9. Jahrhundert als hölzerner Wachposten zum Schutz der Teichufer während der Wikingerzüge. Die Anlage bestand aus einem Wehrsteg, Palisaden, zwei Hütten und einem Signalfeuer. Archäologische Funde – verkohlte Pfähle, Pfeilspitzen, Keramik und Werkzeuge – belegen die Zerstörung des Kastells um 900 n. Chr. und seine Funktion als Teil eines Warnsystems. 1924 wurden die ersten Pfähle entdeckt, in den 1960er Jahren legten Archäologen die Fundamente frei. Heute ist die Anlage museal erschlossen: Eine Glasabdeckung zeigt die Pfahlreihe, ein Modell veranschaulicht den Aufbau, und Führungen beleuchten die Geschichte. Das Kastell ist nicht nur Zeugnis militärischer Frühgeschichte, sondern Symbol für Gemeinschaft und Überleben im wasserreichen Seeland. Feste, Schulführungen und Kunstprojekte halten die Erinnerung lebendig.
Die drei markanten Kirchen bilden ein funktionierendes Dreieck geistlichen Lebens.

St. Gertrud am Teich, die 1524 erbaute Kirche Unterstrands, ist das geistliche Zentrum der Stadt. Der schlichte Ziegelbau mit seinem niedrigen Westturm und der warm klingenden Glocke steht in enger Verbindung zum Leben am Wasser. Im Inneren hängt das Votivschiff der Fischerzunft von 1780, Symbol der seeländischen Gemeinschaft. Von besonderer Bedeutung ist der alte Erntedankbrauch um das graue Wolltuch, das aus der Wolle seeländischer Schafe gewebt wird. Am ersten Sonntag im Oktober breitet die Gemeinde es im Kirchenschiff aus, legt Brotlaibe darauf und teilt sie nach dem Gottesdienst an Bedürftige aus. Das Ritual, seit dem 17. Jahrhundert überliefert, erinnert an die Zeit der Fluten und Hungersnöte, als die Bewohner des Teichlands ihre Ernte gemeinschaftlich teilten. Das Wolltuch wird danach gereinigt, im Turm aufbewahrt und gilt als Sinnbild für Solidarität und Zusammenhalt.

Die Maria-Magdalena-Kirche in Zajin, erbaut 1568 am Ufer des Zajinbachs, ist das geistliche Herz des Ortes und zugleich Spiegel seines Lebens am Wasser. Der schlichte Ziegelbau entstand aus Material der Faultierwalder Brennöfen und ruht auf Sandsteinfundamenten aus Haugwitz. Im Inneren erzählt die bemalte Decke von Netzen, Booten und Fischern – Sinnbildern der Arbeit und des Glaubens. Unter der Empore hängen Tafeln mit Bootsnamen verunglückter Fischer, während die nummerierten Bänke an die alte Sitzordnung der Zünfte erinnern. Auf dem Altar liegt ein graues Wolltuch aus Schittinger Wolle, der Taufstein ist ein Findling aus dem Fluss. Besonders berühmt sind die „Teichkonzerte“, die Maria Magdalena mit St. Gertrud (Unterstrand) und der Rosenkranzkirche (Rosengarten) verbinden – Musikabende, bei denen sich Orgelklang und Wasserrauschen mischen. Im Winter brennt das „Magdalenenlicht“ am Ufer, und das Geläut hallt über den Fluss.

Die Rosenkranzkirche in Rosengarten, erbaut 1708, ist eine kleine Holzkirche im Seelandwald und bildet das geistliche Herz des Dorfes. Sie wurde von den Bewohnern selbst errichtet – aus Fichten, Eichen und Hainbuchen des umliegenden Waldes, verbunden mit Holzkeilen und Lehm. Statt eines Turms besitzt sie einen freistehenden Glockenstuhl, dessen Glocke aus alten Metallteilen gegossen wurde. Ihr Inneres ist schlicht: Holzbänke, Butzenscheiben, ein Altar aus Hainbuche und das berühmte Prozessionskreuz, dessen helle Maserung wie Tropfen schimmert. Im Sommer wird es bei der Rosenprozession durch das Dorf getragen, geschmückt mit Hagebuttenketten – daher ihr Name. Die Kirche ist Teil der Teichkonzerte, die sie musikalisch mit Zajin und Unterstrand verbinden; an Samstagen öffnen sich die Türen, und Musik mischt sich mit dem Wind im Wald. Im Winter wird sie mit Torfziegeln aus Ulmdorf beheizt, wodurch der Raum nach Harz und Rauch duftet.
Neben den Kirchen lohnen drei weitere Sehenswürdigkeiten den Besuch.

Der Schittinger Auenpfad ist ein 4,2 Kilometer langer Rundweg durch den feuchten Schittinger Auenwald am Zajinbach im Südwesten des Seelandes. Er entstand 1989 aus alten Wartungswegen der Auenwolle Schittingen eG und verbindet Natur, Arbeit und Geschichte in einer Landschaft aus Wasser, Erlen und Weiden. Bretterstege führen über nasse Mulden, kleine Brücken über Gräben, und an drei Beobachtungsständen kann man Reiher, Biber und Eisvögel beobachten. Eine restaurierte Reusenhütte zeigt alte Werkzeuge des Fischfangs. Auf der Weide am Pfad grasen die Schafe der Auenwolle-Genossenschaft, deren Wolle in Papierstedt weiterverarbeitet wird. Schilder erinnern an die Kreisläufe von Wasser, Wiese, Schaf und Mensch. Besonders bekannt ist der Mattensteg, der durch Flächen mit Sumpfgräsern führt, die noch heute zu Matten geflochten werden. Der Auenpfad ist kein touristischer Spazierweg, sondern ein stiller Lehrpfad, der das Gehen verlangsamt und die Sinne schärft. Wer ihn begeht, erlebt den Pulsschlag des seeländischen Lebens: Arbeit, Geduld und die unaufhörliche Bewegung des Wassers – ein Gleichgewicht aus Nutzen und Natur.

Die Schleuse IV in Unterstrand bietet stündliche Führungen, bei denen ein ehemaliger Schleusenwärter das Kammrad anlaufen lässt und die Lärmkulisse der alten Klappen demonstriert. Die Schleuse IV in Unterstrand wurde 1846 erbaut und ist Teil des historischen Teichregulierungssystems des Seelandes. Sie verbindet den Kleinen Teich mit dem Entwässerungskanal und regelt seit fast zwei Jahrhunderten den Wasserstand. Das Backsteinhaus mit dem großen gußeisernen Kammrad wurde 1928 elektrifiziert, blieb jedoch in seiner ursprünglichen Struktur erhalten. Generationen von Schleusenwärtern lebten im angeschlossenen Haus; ihre Pegelbücher, Werkzeuge und Aufzeichnungen sind bis heute erhalten. Bei Führungen zeigt ein ehemaliger Wärter die Mechanik, die das Öffnen und Schließen der Tore steuert. Das Schleusenensemble gilt als Symbol des seeländischen Umgangs mit Wasser und Arbeit: präzise, handwerklich, beständig. Eine Gedenktafel erinnert an Schleusenwärter Henrik Vosse, der 1913 im Hochwasser starb. Heute ist die Schleuse IV denkmalgeschützt, dient als Lern- und Erinnerungsort und verkörpert die Verbindung von Technik, Landschaft und Geschichte im Herzen Unterstrands.

Am Großteich bei Südteich führt die „Bereniké-Spur“ als Uferweg zu einem Beobachtungspunkt hinter der Kapelle; von hier sieht man, wie sich die Schilfgürtel öffnen und das tiefe Wasser in dunklen Flecken anzeigt, die Fischern wichtige Windzeichen liefern. Der Weg folgt alten Fischerpfaden und Holztransportlinien, gesäumt von Eschen, deren Holz für den Bootsbau genutzt wird. Rastplätze, Inschriften und kleine Reliefs erinnern an die Heilige Bereniké, Schutzpatronin der Fischer. Heute ist die Spur ein stiller Naturpfad, der Arbeit, Geschichte und Landschaft verbindet – ein Ort seeländischer Ruhe zwischen Wasser, Wind und Handwerk.
Landwirtschaft und Industrie

Die wirtschaftliche Basis des Landkreises ist sichtbar und besuchbar. Vier Betriebe stehen sinnbildlich für Landwirtschaft, Lebensmittel, Schafwolle und Textilien.
Der Agrarverbund Seeland-Ebene Unterstrand eG bewirtschaftet rund 2.100 Hektar in Achthaus, Ulmdorf, Zajin und Unterstrand. Seit 1924 arbeitet die Genossenschaft mit Rotationsanbau von Rüben, Roggen und Flachs, bewässert durch ein historisches Schleusen- und Grabensystem. Der Flachs geht nach Faultierwald, Roggen an die Ulmdorfer Brauerei. Auf dem Hof Schulten in Achthaus können Besucher die Flachsröste und das Saatgutarchiv besichtigen. Der Verbund pflegt Hecken, Gräben und alte Sorten, organisiert jährlich die Feldversammlung und symbolisiert das seeländische Zusammenspiel von Wasser, Arbeit und Gemeinschaft.

Die Südteicher Räucherei & Konserven GmbH, gegründet 1897 durch den Fischer Karl Riemer, ist einer der ältesten noch tätigen Lebensmittelbetriebe des Seelandes. Am Werfthafen von Südteich gelegen, vereint sie handwerkliche Fischräucherei und Konservenproduktion unter einem Dach. In den Ziegelhallen werden Karpfen, Hechte, Aale und Zander über Erlenholz geräuchert, während in den Dampfkammern Teichkrebse in Dilllake, Gurken, Rote Bete und Wacholdergemüse konserviert werden. Die Atmosphäre ist geprägt vom rhythmischen Zischen der Autoklaven, vom Geruch nach Rauch, Salz und Dill – Sinnbild seeländischer Arbeit. Rund fünfzig Beschäftigte, meist aus Südteich und Rosengarten, führen das alte Handwerk mit modernen Mitteln fort. Die Firma arbeitet eng mit dem Agrarverbund Seeland-Ebene Unterstrand eG, dem Leinenwerk Faultierwald und der Druckerei Papierstedt zusammen. Besucher können von einer Galerie aus den Produktionsablauf beobachten und im kleinen Werksladen Räucherfisch und Konserven kaufen. Die Spezialität Teichkrebse in Dilllake gilt landesweit als Inbegriff seeländischer Küche.

Die Auenwolle Schittingen eG, gegründet 1923, ist das wirtschaftliche und soziale Zentrum des Dorfes Schittingen im südwestlichen Seeland. Inmitten des Auenwaldes am Zajinbach betreibt sie Waschhalle, Sortierhaus und Trockenscheune, wo Wolle aus den Auen und Sandrücken des Seelandwaldes gereinigt, gekämmt und zu kardierten Bändern verarbeitet wird. Der charakteristische Dampf über den Blechwannen und der Geruch nach Lanolin prägen den Ort. Die Produkte gehen an das Werk „Vier Mühlen – Tuch & Strick“ in Papierstedt, während der Mist der Schafherden als Dünger an den Agrarverbund Seeland-Ebene Unterstrand geliefert wird – ein geschlossener, funktionierender Wirtschaftskreislauf. Ein handgewebtes Wolltuch aus Schittinger Produktion liegt auf der Mensa der Maria-Magdalena-Kirche in Zajin als Zeichen regionaler Verbundenheit. Die Genossenschaft beschäftigt rund zwanzig Personen, organisiert Feste wie das „Waschfest“ und das „Licht der Aue“ und ist tief in der Dorfgemeinschaft verwurzelt. Auenwolle Schittingen steht für das seeländische Zusammenspiel von Wasser, Handwerk und Beständigkeit – ein Ort, an dem Tradition weiterlebt, ohne ins Museum zu geraten.

Das Leinenwerk „Faultierwald Faden & Band“ wurde 1903 auf dem Gelände eines ehemaligen Ziegelbrennplatzes gegründet, dessen Lehm einst die Ziegel für St. Gertrud in Unterstrand lieferte. Bis heute ist es das industrielle Herz des Dorfs Faultierwald im Kreis Unterstrand. Hier wird Flachs aus der Seeland-Ebene zu Garn, Seilen, Schmalgewebe und dichter Leinwand verarbeitet. Die Stoffe dienen Landwirten als Sackmaterial und den Werften Unterstrands für Segel und Abdeckplanen. Der Ziegelbau mit Sheddach, Spinnerei, Färberei und Weberei ist geprägt vom gleichmäßigen Rhythmus der Maschinen und dem Geruch nach Öl und Flachs. In den niedrigen Betriebswohnungen trocknen im Sommer die Flachsbündel, und im Werksverkauf an der Weberei-Gasse 4 liegen Stoffbahnen in Normlängen bereit. Das Werk hat Kriege, Krisen und Modernisierung überstanden und wird heute als Genossenschaftsbetrieb geführt. Beim jährlichen Leinenfest öffnet es seine Tore, zeigt historische Webtechniken und erinnert an eine lange Tradition handwerklicher Arbeit.
Gastronomie
Die Gastronomie greift die Erzeugnisse des Kreises direkt auf.

Das Gasthaus „Zum Schanzpfahl“ in Unterstrand liegt am Schanzgraben von Unterstrand und besteht seit 1894. Gegründet von der Familie Niehaus als Wirtshaus für Schleusenarbeiter und Fischer, ist es heute ein fester Bestandteil des städtischen Lebens. Der niedrige Ziegelbau mit Balkendecke und Ofen bewahrt seine ursprüngliche Atmosphäre. Spezialitäten sind die kräftige Fischsuppe nach Seeländer Art und die gedämpften Rüben mit Flachssamenöl, beide eng mit der Geschichte des Teichlands verbunden. Im „Pfahlzimmer“ erinnert ein echter Schanzpfahl an die Gründung des Hauses. Neben dem Wirtshausbetrieb dient es als kultureller Treffpunkt mit Musikabenden, Lesungen und Vereinsfeiern. Beim jährlichen Teichfest und am Erntedanktag ist das Gasthaus Mittelpunkt des Gemeinschaftslebens. Gäste kommen wegen der einfachen, ehrlichen Küche und der Beständigkeit des Hauses.

In Zajin betreibt die Familie Kolski die „Bogenstube“, die ihr Heringssalz selbst rührt und Heringe auf Roggenfladen mit Zwiebeln legt; am Ofen hängt ein Eimer mit Flusskieseln, die zum Zudrücken der Fässer dienen. Die Bogenstube Kolski in Zajin, gegründet 1898, liegt direkt am Zajinbogen zwischen Fluss und Marktplatz. Das kleine Gasthaus im ehemaligen Fischerlager ist seit vier Generationen im Besitz der Familie Kolski und gilt als Herzstück dörflicher Gastkultur. Im gewölbten Gastraum mit Holzbank, Ofen und Blick auf den Fluss wird nach alten Rezepten gekocht. Berühmt ist das Gericht „Zajiner Heringe auf Roggenfladen“, eingelegt in einer hausgemachten Salzlake – dem sogenannten Bogensalz. Der Eimer mit Flusskieseln am Ofen erinnert an die frühere Praxis, Fässer mit Steinen zu beschweren. Zutaten stammen aus der Region: Fisch aus dem Zajinbach, Roggenbrot aus Achthaus, Bier aus Ulmdorf.

Die Kapellenklause in Südteich ist ein schlichtes, hölzernes Gasthaus direkt am Ufer des Großen Teichs, nur wenige Schritte von der Kapelle St. Bereniké entfernt. Sie geht auf eine Fischerhütte aus dem 19. Jahrhundert zurück, in der nach den Gottesdiensten Suppe und Bier ausgeschenkt wurden. Heute führt Hendrik Kols, ein Nachkomme des Gründers, das Haus in dritter Generation. Die Klause besitzt einen kleinen Schankraum mit niedrigen Balkendecken, eine Terrasse auf Pfählen über dem Wasser und drei Gästezimmer mit Blick auf den Teich. Serviert werden einfache, regionale Gerichte: Kaninchen mit Wacholder, Fischsuppe Südteich, geräucherter Aal und das dunkle Flachsbier aus Ulmdorf. Produkte stammen aus den umliegenden Betrieben – Fisch und Gemüse aus Südteich, Leinen aus Papierstedt, Öl aus Achthaus. Zur Kirchweih sitzen Fischer und Reisende gemeinsam auf der Terrasse, wenn die geschmückten Boote an der Kapelle vorbeigleiten. Im Winter wärmt der Ofen, und der Raum riecht nach Rauch, Holz und Salz. Die Kapellenklause ist kein Wirtshaus im üblichen Sinn, sondern ein Ort seeländischer Beständigkeit – zwischen Wasser, Handwerk und gelebter Gemeinschaft.
Städte & Gemeinden
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Achthaus (Kreis Unterstrand – Seeland)

Achthaus, ein Dorf mit 328 Einwohnern, liegt westlich des Kleinen Teichs im Tal der Weidenitz. Es besteht aus acht alten Vierseitenhöfen, die den Namen des Ortes begründeten. Mittelpunkt ist der Dorfanger mit dem handbetriebenen Tiefbrunnen. Auf dem Hof Alvermann wird Käse aus Schaf-Kuh-Mischmilch hergestellt, auf dem Hof Schulten kann man Flachsverarbeitung besichtigen. Das Dorf gehört zur Agrarverbund Seeland-Ebene eG. Eintrag im Schleusenbuch von 1854… Weiter …
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Agrarverbund Seeland-Ebene Unterstrand eG

Der Agrarverbund Seeland-Ebene Unterstrand eG bewirtschaftet rund 2.100 Hektar in Achthaus, Ulmdorf, Zajin und Unterstrand. Seit 1924 arbeitet die Genossenschaft mit Rotationsanbau von Rüben, Roggen und Flachs, bewässert durch ein historisches Schleusen- und Grabensystem. Der Flachs geht nach Faultierwald, Roggen an die Ulmdorfer Brauerei. Auf dem Hof Schulten in Achthaus können Besucher die Flachsröste und das Saatgutarchiv besichtigen. Der Verbund pflegt Hecken, Gräben und… Weiter …
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Auenwolle Schittingen eG

Die Auenwolle Schittingen eG, gegründet 1923, verarbeitet Wolle aus den Auen und Sandrücken des Seelandwaldes. In Waschhalle, Sortierhaus und Kardierhalle wird die Rohwolle gereinigt, gekämmt und zu kardierten Bändern verarbeitet. Der Lanolindampf prägt das Dorfbild, die Produkte gehen an das Werk „Vier Mühlen – Tuch & Strick“ in Papierstedt. Die Genossenschaft beliefert den Agrarverbund Unterstrand mit Mist und webte das Wolltuch im Altar der… Weiter …
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Bereniké-Spur

Die Bereniké-Spur ist ein rund zwei Kilometer langer Uferweg am Großen Teich bei Südteich. Sie beginnt an der Kapelle St. Bereniké und führt durch Schilf, Weiden und alte Pfahlreste bis zu einem Beobachtungspunkt über dem Wasser. Der Weg folgt alten Fischerpfaden und Holztransportlinien, gesäumt von Eschen, deren Holz für den Bootsbau genutzt wird. Rastplätze, Inschriften und kleine Reliefs erinnern an die Heilige Bereniké, Schutzpatronin… Weiter …
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Bogenstube Kolski (Zajin)

Die Bogenstube Kolski in Zajin, gegründet 1898, liegt direkt am Zajinbogen und ist seit vier Generationen Gasthaus und Treffpunkt des Dorfes. In ihrem gewölbten Gastraum mit Ofen und Holzbänken serviert die Familie Kolski ihre berühmten Heringe auf Roggenfladen, gesalzen in eigener Lake. Der Eimer mit Flusskieseln erinnert an alte Fischtraditionen, der Blick auf den Fluss an die enge Verbindung zwischen Wasser und Leben. Während… Weiter …
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Das Teichkastell von Unterstrand

Das Teichkastell von Unterstrand liegt am Schanzgraben und gilt als ältester Wehrbau des Seelandes. Errichtet im 9. Jahrhundert als hölzerne Wachstation, schützte es die Teichufer während der Wikingerzüge. Archäologische Funde wie Pfeilspitzen, Keramik und verkohlte Pfähle belegen seine Zerstörung um 900. Wiederentdeckt 1924, wurde es seit den 1960er Jahren freigelegt und durch eine Glasschiene gesichert. Heute zeigt eine Rekonstruktion die Anlage mit Signalfeuer und… Weiter …
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Der Schittinger Auenpfad

Der Schittinger Auenpfad ist ein 4,2 Kilometer langer Rundweg durch den feuchten Auenwald am Zajinbach. Bretterstege, Brücken und Beobachtungsstände führen durch eine Landschaft aus Erlen, Wasser und Weiden. Der Pfad entstand 1989 aus alten Wartungswegen der Auenwolle Schittingen eG und zeigt die Verbindung von Natur und Arbeit: Wiesen, Schafe, Wolle und Wasser bilden einen geschlossenen Kreislauf. Besucher begegnen Reusenhütten, Schafweiden und alten Wehren. Der… Weiter …
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Faultierwald (Kreis Unterstrand – Seeland)

Faultierwald (Pop. 782) liegt in der Seeland-Ebene westlich von Unterstrand. Das lange Straßendorf wird vom Leinenwerk „Faultierwald Faden & Band“ geprägt, wo Flachs aus der Region zu Garn und dichtem Gewebe verarbeitet wird. Das Werk entstand 1903 auf dem Gelände eines alten Ziegelbrennplatzes – jener, der 1524 die Ziegel für die Kirche St. Gertrud in Unterstrand lieferte. Entlang der Landstraßen SEE16 und SEE7 reihen… Weiter …
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Gasthaus „Zum Schanzpfahl“ in Unterstrand

Das Gasthaus „Zum Schanzpfahl“ liegt am Rand des alten Grabens von Unterstrand, dort, wo der Schanzgraben in den Entwässerungskanal übergeht. Es ist eines jener Häuser, die von außen unscheinbar wirken, aber im Inneren eine eigene, geschichtete Welt tragen. Der zweigeschossige Bau mit seinem Ziegeldach steht leicht zurückgesetzt an der Schleusenstraße 3, gegenüber dem kleinen Weg, Weiter …
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Kamm von Ragelblitz

Der Kamm von Ragelblitz ist eine halbmondförmige Wallanlage über dem Tal des Ragelblitzbaches im Seelandwald. Archäologische Funde belegen, dass hier im 9. Jahrhundert eine Wikingerwarte stand, von der Feuerzeichen zum Teichufer gegeben wurden. Heute führt ein Pfad über den Grat mit einer alten Eichenholztafel, die an die Geschichte erinnert. Von oben reicht der Blick bis nach Unterstrand. Der Ort ist still, umgeben von Wald… Weiter …
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Kappellenklause Südteich

Die Kapellenklause in Südteich liegt direkt am Großen Teich, neben der Kapelle St. Bereniké. Das kleine Holzgasthaus entstand im 19. Jh. aus einer Fischerhütte und bietet heute regionale Küche: Kaninchen mit Wacholder, Fischsuppe, Flachsbier und Spezialitäten aus der Südteicher Räucherei. Von der Terrasse sieht man die Boote der Werft und hört die Glocke der Kapelle. Drei einfache Zimmer laden zum Übernachten ein. Im Sommer… Weiter …
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Kreis Unterstrand (Seeland)

Der Landkreis Unterstrand im Seeland liegt südwestlich von Seestadt zwischen Kleinem Teich, Zajinbach und dem Seelandwald. Zentrum ist Unterstrand (5.478) mit Markt, Promenade, Fischmarkthalle, Pumpenhaus, Museum und St.-Gertrud-Kirche. Dörfer: Achthaus mit Hofkäse, Faultierwald mit Leinenwerk, Ulmdorf mit Töpferei, Papierstedt mit „Vier Mühlen – Tuch & Strick“, Zajin mit Maria-Magdalena-Kirche, Schittingen mit Auenwolle, Rosengarten mit Rosenkranzkirche, Südteich mit Werften und Kapelle St. Bereniké, Ragelblitz als… Weiter …
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Leinenwerk „Faultierwald Faden & Band“

Das Leinenwerk „Faultierwald Faden & Band“, 1903 gegründet, ist das Herz des gleichnamigen Dorfs im Kreis Unterstrand. Es verarbeitet Flachs aus der Seeland-Ebene zu Garn, Schmalgewebe und dichter Leinwand, die in Landwirtschaft und Bootsbau Verwendung findet. Auf dem Gelände eines alten Ziegelbrennplatzes errichtet, lieferte der dortige Lehm einst die Ziegel für die Kirche St. Gertrud in Unterstrand. Mit seinen alten Webstühlen, Betriebswohnungen und Werksverkäufen… Weiter …
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Maria-Magdalena-Kirche (Zajin)

Die Maria-Magdalena-Kirche in Zajin, 1568 erbaut, steht am Ufer des Zajinbachs und prägt das geistliche Leben des Ortes. Ihr Innenraum zeigt Deckenmalereien mit Netzen und Fischen, Erinnerungen an die Fischerzünfte, deren nummerierte Sitzbänke bis heute erhalten sind. Unter der Empore hängen Tafeln mit den Namen verunglückter Fischer. Die Kirche ist Teil der regionalen „Teichkonzerte“, bei denen Musik durch offene Türen über das Wasser klingt.… Weiter …
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Papierstedt (Kreis Unterstrand – Seeland)

Papierstedt (Pop. 2.579) liegt am Seitenkanal zwischen Zajinbach und Kleinem Teich und entwickelte sich aus vier Mühlen zum Textil- und Industriestandort. Das Werk „Vier Mühlen – Tuch & Strick“ produziert Walkwaren und Seemannstextilien, während Wolle aus Schittingen verarbeitet wird. Ein Schmied aus Papierstedt fertigte 1748 das hölzerne Uhrwerk der Kirche St. Gertrud in Unterstrand, das bis 1960 lief. Bahnlinien, Werkstätten und der Seitenkanal prägen… Weiter …
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Ragelblitz (Gemeinde Rosengarten – Kreis Unterstrand – Seeland)

Ragelblitz, mit nur zwölf Einwohnern die kleinste Siedlung des Kreises Unterstrand, liegt im Seelandwald südlich von Rosengarten im Tal des gleichnamigen Baches. Die Lichtung erhielt ihren Namen von wiederholten Blitzeinschlägen; am Hang über dem Ort liegt der „Kamm von Ragelblitz“, eine alte Wikingerwarte mit halbmondförmigem Wall. Heute leben hier drei Familien, betreiben Imkerei, Holzhandwerk und Schafwollverarbeitung. Besucher kommen wegen der Stille und des alten… Weiter …
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Rosengarten (Kreis Unterstrand – Seeland)

Rosengarten, 453 Einwohner auf 115 m NN, liegt im Seelandwald südlich von Seestadt. Der kreisrunde Waldort ist bekannt für seine Rosenkulturen und die Rosenkranzkirche, eine schlichte Holzkirche mit Schindeldach und Glockenstuhl. Hier finden die Teichkonzerte statt, die Rosengarten mit Zajin und Unterstrand verbinden. Im Sommer wird das Prozessionskreuz aus Hainbuche mit Hagebuttenketten geschmückt und durch das Dorf getragen. Baumschulen, Holzhandwerk und kleine Werkstätten prägen… Weiter …
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Rosenkranzkirche in Rosengarten

Die Rosenkranzkirche in Rosengarten wurde 1708 als schlichte Holzkirche im Seelandwald erbaut. Ihr freier Glockenstuhl, das Prozessionskreuz aus Hainbuche und der Name – abgeleitet von Hagebuttenketten, die Kinder bei der jährlichen Rosenprozession anlegen – prägen ihren Charakter. Als Teil der „Teichkonzerte“ erklingt sie samstags im Wechsel mit Zajin und Unterstrand. Der Duft von Harz, Rosen und Torf erfüllt den Raum, die Glocke trägt ihren… Weiter …
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Schittingen (Gemeinde Papierstedt – Kreis Unterstrand – Seeland)

Schittingen, 524 Einwohner auf 122 m NN, liegt im Schittinger Auenwald am Zajinbach. Der Ort lebt von der Auenwolle Schittingen eG, einer Genossenschaft, die Wolle aus den Auen wäscht, kämmt und an Papierstedt liefert. Der Dampf über den Blechwannen und der Duft nach Lanolin prägen das Dorf. Schittingen verbindet Landwirtschaft, Handwerk und Natur: Mist geht an die Felder des Agrarverbunds Unterstrand, Wolle in die… Weiter …
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Schleuse IV in Unterstrand

Die Schleuse IV in Unterstrand liegt westlich der Altstadt am Übergang vom Kleinen Teich in den Entwässerungskanal, der durch die Felder Richtung Zajinbach führt. Von der Promenade aus ist sie nur durch einen schmalen Weg erreichbar, der zwischen den alten Bootsschuppen hindurchführt. Dort, wo das Wasser unter den hohen Weiden vorbeiströmt, erhebt sich das Schleusenhaus Weiter …
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St. Gertrud am Teich (Unterstrand)

St. Gertrud am Teich, erbaut 1524, ist die älteste Kirche Unterstrands und Mittelpunkt des geistlichen Lebens. Der schlichte Ziegelbau mit niedrigem Westturm und einer Glocke aus Schweinetopflegierung birgt das hölzerne Votivschiff der Fischerzunft von 1780. Im hellen Saal erinnern geschnitzte Bänke, Altar und Kanzel an die handwerkliche Tradition der Stadt. Der Pfarrgarten reicht bis zum Schanzgraben und ist Ort des jährlichen Erntedankrituals: Brotlaibe auf… Weiter …
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Südteich (Kreis Unterstrand – Seeland)

Südteich (Pop. 715) liegt am Südufer des Großen Teichs und ist vom Bootsbau, der Räucherei & Konserven GmbH und der Kapelle St. Bereniké geprägt. Das Dorf verbindet Handwerk, Schifffahrt und Fischverarbeitung. Zur Kirchweih werden Boote geschmückt und an der Kapelle vorbeigeschoben; im Sommer verkehren Ausflugsschiffe nach Seestadt und Unterstrand. Die Bereniké-Spur führt am Ufer entlang zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf Schilf und Wasser.… Weiter …
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Südteicher Räucherei & Konserven GmbH

Die Südteicher Räucherei & Konserven GmbH, gegründet 1897, liegt am Werfthafen Südteich und ist eines der ältesten Fischverarbeitungsunternehmen im Seeland. In gemauerten Hallen werden Karpfen, Hecht und Aal geräuchert, Teichkrebse in Dilllake eingelegt und Gemüse konserviert. Besucher können die Produktion von einer Galerie aus beobachten. Der Betrieb verbindet handwerkliche Tradition mit moderner Technik und arbeitet eng mit regionalen Partnern zusammen. Besonders bekannt sind die… Weiter …
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Thingplatz von Zajin

Der Thingplatz von Zajin, eine leicht erhöhte Wiese mit einem Kranz aus zwölf Findlingen und einer alten Linde, war über Jahrhunderte Versammlungs- und Gerichtsplatz des südlichen Seelandes. Hier regelten die Dörfer Zajin, Ulmdorf, Schittingen und Papierstedt ihre Wasser- und Flurstreitigkeiten. Heute dient der Platz kulturellen Zwecken: Beim jährlichen Thingfest entzündet Rosengarten eine Fackel vom Kamm von Ragelblitz, es gibt Musik, Aufführungen und das traditionelle… Weiter …
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Ulmdorf (Kreis Unterstrand – Seeland)

Ulmdorf (Pop. 236) liegt in der westlichen Seeland-Ebene an der alten Heerstraße. Das Dorf ist bekannt für Torfabbau, Flachsanbau und sein nussiges Flachsbier. In der Werkstatt am Ulmweg 7 brennt Töpfer Jannik Raufeisen seine Krüge im holzgefeuerten Ofen. Viele Bewohner arbeiten im Leinenwerk „Faultierwald Faden & Band“, das Flachs aus Ulmdorf verarbeitet. Der Torf der umliegenden Moore wird noch heute in Unterstrands Kirche St.… Weiter …
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Unterstrand (Kreisstadt – Seeland)

Unterstrand, Kreisstadt im Seeland mit 5.478 Einwohnern, liegt am Südufer des Kleinen Teichs. Die Stadt vereint Marktleben, Fischerei, Handwerk und Geschichte. Wahrzeichen sind Rathaus, Promenade, Fischmarkthalle, Pumpenhaus und St.-Gertrud-Kirche mit ihrem Votivschiff. Historische Orte wie das Teichkastell und die Schleuse IV zeugen von früher Teichverteidigung und Technik. Werkstätten für Bootsleisten, Reusenbau und Käseproduktion prägen den Alltag. Feste, Musikschule und Museum erhalten das kulturelle Leben.… Weiter …
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Vier Mühlen – Tuch & Strick (Papierstedt)

Das Werk „Vier Mühlen – Tuch & Strick“ in Papierstedt entstand aus vier Wassermühlen am Seitenkanal und produziert seit dem 19. Jahrhundert Textilien aus regionaler Wolle und Flachs. Es arbeitet eng mit der Auenwolle Schittingen eG und dem Leinenwerk Faultierwald zusammen. In den Backsteinbauten mit historischen Webstühlen entstehen Walkwaren, Stricktextilien und Sackstoffe. Die Fabrik ist zugleich Handwerksort, Denkmal und Teil des seeländischen Wirtschaftskreislaufs. Beim… Weiter …
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Zajin (Kreis Unterstrand – Seeland)

Zajin (Pop. 3.578) liegt im Tal des Zajinbachs im Südwesten Seelands. Der Ort spannt sich zwischen zwei Brücken und vereint Handwerk, Landwirtschaft und Tradition. Mittelpunkt ist der Markt mit der Maria-Magdalena-Kirche, deren Deckenmalerei Fischerarbeit darstellt. Hier finden die „Teichkonzerte“ statt, die Zajin mit Unterstrand und Rosengarten verbinden. Die Felder werden vom Agrarverbund Seeland-Ebene Unterstrand eG bewirtschaftet, Flachs geht an das Leinenwerk Faultierwald. Am Thingplatz… Weiter …
