Donau

Donau (Gemeinde Teichquell – Landkreis Teichdorf – Seeland)

(Pop.: 89 – 863m NN)

Donau liegt hoch auf dem Bergrücken oberhalb von Tons, 836 Meter über dem Meer, zwischen den Tälern des Kleinen Teichflusses und des Teichbachs. Die Straße dorthin wirkt wie ein Übergang aus dem Talbetrieb in eine offene Höhe: Waldstücke, dann wieder freie Kanten, an denen Wind über die Flächen geht und im Winter Schnee zu kleinen Verwehungen schiebt. Donau hat 89 Einwohner und besteht aus wenigen Höfen, die sich entlang einer kurzen Rückenlinie gruppieren. Die Wege sind schmal, die Zäune niedrig, und an vielen Stellen sieht man Holzstapel, die nicht dekorativ sind, sondern Vorrat. Wer hier ankommt, merkt schnell: Donau ist kein Ort zum Bummeln, sondern ein Ort, an dem Tagesabläufe nach Temperatur, Milchzeiten und Lieferfenstern organisiert werden.

Die wichtigste Adresse ist die kleine Waldkäserei. Sie sitzt am Ortsrand in einem niedrigen Gebäude mit Anlieferung, Reiferaum und einem Kühlraum, in dem die Laibe auf Brettern liegen. Morgens kommt Milch aus den Höfen, nicht in großen Tankwagen, sondern in kleinen Sammelfahrten mit Anhänger. Käserin Ragna Döring führt den Betrieb und arbeitet mit festen Handgriffen: prüfen, erwärmen, schneiden, abfüllen, pressen. Im Reiferaum hängt der Geruch nach Milch und Salz in der Luft, und auf manchen Laiben stehen Kreidemarkierungen mit Datum und Chargennummer. Der Käse geht nicht weit in den Handel, sondern vor allem talwärts nach Teichquell: ins Sanatorium, wo er für das Käsefondue gebraucht wird, das viele Gäste abends bestellen. In Donau kennt man diese Verbindung genau, weil sie den Alltag strukturiert. Wenn im Sanatorium ein Fondueabend angesetzt ist, wird in Donau früher begonnen und anders portioniert; man merkt es am zusätzlichen Stapel Kisten im Kühlraum und daran, dass gegen Mittag der Lieferwagen bereitsteht.

Neben der Käserei wirkt Donau zurückhaltend, aber nicht leblos. Es gibt ein kleines Gemeindezimmer im ehemaligen Schulraum, heute Lager für Vereinsmaterial und Treffpunkt für die wenigen Termine, die hier oben wichtig sind: Winterdienstplan, Weideabsprachen, Reparaturen an Pfosten und Markierungen. Ein richtiger Laden fehlt; einmal pro Woche kommt ein Lieferwagen mit Brot, haltbaren Lebensmitteln und Ersatzteilen, der am „Dorna-Platz“ hält – eine Aufweitung der Straße, mehr nicht. Dort tauscht man kurze Sätze: wer runter muss, wer oben bleibt, ob die Straße nach Schneefall frei ist. Den Aushangkasten pflegt Eryk Voss, der sich auch um die Markierungspfosten kümmert, weil Donau im Winter Teil des Loipennetzes ist.

Denn Donau ist nicht nur Käseort, sondern auch Knoten für Langlauf und Rückenwege. Von hier führen Loipen nach Waldfels und weiter nach Teichquell, und eine Verbindung geht nach Tons hinunter. Bei gutem Wetter ist das eine klare Strecke; bei Nebel wird sie anspruchsvoller, weil offene Rückenabschnitte die Sicht schnell nehmen. Deshalb stehen an manchen Punkten Pfosten mit reflektierenden Streifen, und an einem Kreuzungspunkt – die Einheimischen nennen ihn „Kammgabel“ – hängt ein Brett mit einfachen Pfeilen und Kilometerangaben. Im Winter trifft man dort oft Menschen, die sich kurz neu orientieren, bevor sie weiterlaufen. Donau selbst bleibt dabei ruhig: Die Gäste sind unterwegs, die Bewohner arbeiten.

Sehenswert ist in Donau vor allem die Arbeitsweise der Käserei und die Lage. Es gibt einen kleinen, unaufgeregten Aussichtspunkt am Rand einer Wiese hinter dem Reiferaum, mit einer Bank und einem Windschutz aus Brettern. Von dort sieht man in beide Täler, wenn es klar ist. Manche setzen sich dort mit einem Becher Tee aus der Thermoskanne hin, bevor sie weiter zur Loipe gehen. Im Sommer gehen Wanderer gern früh los und kommen am Nachmittag zurück, weil sich oben das Wetter schneller dreht. Wer bleibt, übernachtet meist privat in einem Zimmer bei einem Hof – offiziell ausgeschrieben ist das selten, aber im Gasthaus in Teichquell kennt man die Telefonnummern. Abends, wenn es dunkel wird, ist Donau still. Man sieht Licht in ein paar Fenstern, hört manchmal ein Tor, das schließt, und gelegentlich den Motor eines Fahrzeugs, das noch ins Tal muss.

Ein kleines, wiederkehrendes Ereignis ist der „Laibtag“, der in Donau zweimal im Monat stattfindet. Dann öffnet Ragna Döring für zwei Stunden den Nebenraum der Käserei und verkauft zweite Wahl, kleine Stücke und reifere Laibe an Einheimische und an Gäste, die es bis hier hoch geschafft haben. Auf einem Tisch liegt ein Messer, daneben ein Brett, und jemand schreibt mit Kreide den Preis pro Stück. Es wird wenig geredet, aber viel gezeigt: „Der hier ist kräftiger“, „der hier passt fürs Fondue“, „den solltest du noch zwei Tage liegen lassen“. Wer dann am Abend im Sanatorium Teichquell Fondue isst, kann ziemlich sicher sein, dass der Käse nicht nur aus Donau kommt, sondern dass er am selben Tag noch einmal durch Hände gegangen ist, die den Rückenwind gewohnt sind.

Ch.: Waldstraßen (NW: Waldfels 3km, O: Berchfried 7km, S: Tons 4km)