(Pop.: 88 – 732m NN)
Duckel liegt östlich von Oldquo im Tal des Duckelbachs, 732 Meter hoch, 88 Einwohner. Der Zugang ist der Duckelbachweg, der sich aus dem Teichbachtal herauszieht und bald in ein Seitental kippt, in dem Holzstapel die erste „Begrüßung“ sind. Duckel ist kein Ort mit dichtem Kern, sondern eine Reihe von Höfen und Lagerplätzen entlang des Bachs, dazwischen Werkhöfe, in denen Maschinen stehen, die man im Winter nicht draußen lässt. Das Wasser läuft flach über Kies, und an manchen Stellen liegen alte Steinsetzungen, die den Bach bei Hochwasser führen sollen. Wenn im Frühjahr Schnee schmilzt, hört man das Tal, bevor man es sieht.

Duckels Alltag wird vom Holz bestimmt, und zwar nicht nur vom Fällen, sondern vom Sortieren, Lagern, Trocknen und Weitergeben. Am größten Polterplatz steht das Schild „Duckeler Holzplatz“ (Polterweg 1). Dort arbeitet Jörg Lattner als Platzmeister; er führt eine Kreidetafel mit Lieferungen: „Ahorn – Instrument, Buche – Möbel, Fichte – Bau“. Die Stämme tragen Markierungen, damit klar ist, welcher Bestand und welche Qualität wohin gehört. Ein Teil geht an Instrumentenwerkstätten im Landkreis, nach Staracasa, nach Giesen, auch nach Teichdorf; manches geht weiter, wenn ein Händler sammelt. Neben dem Polterplatz liegt die „Duckeler Trocknung & Sortierung Reuter“ (Sägeweg 3), eine einfache Halle mit Lattenstapeln und Luftkanälen. Dort wird Holz für Klangkörper besonders langsam getrocknet; es liegt in Lagen, mit dünnen Leisten dazwischen, und jeder Stapel hat ein Schild mit Datum und Ziel.

Duckel hat eine kleine Kapelle, St. Wunibald (Bachgasse 6), eher ein Andachtsraum als ein Kirchenbau. Am Eingang hängt ein Brett mit verlorenen Handschuhen, und im Inneren stehen oft Kerzen in Schraubgläsern, weil Wind durch die Türfuge zieht. Für die Gemeinde ist wichtiger, dass man sich trifft. Das passiert mittags in der „Polterkantine“ (Polterweg 2), einer einfachen Stube mit warmem Essen, die Mara Lattner führt. Um zwölf ist sie voll: Fahrer, Forstleute, gelegentlich Ruben Pahl, der die Post bringt und gleich mitnimmt, was zurück muss. Die Gespräche sind kurz, weil draußen Arbeit wartet, aber man merkt, dass sich hier Informationen sammeln: welche Wege frei sind, wer Ersatzteile hat, wann der nächste Abtransport Richtung Oldquo geht.

Ein kleiner Laden existiert als Kombi aus Lebensmitteln und Werkzeugbedarf: „Duckeler Kram & Draht“ (Talstraße 9). Inhaberin Kaja Seiffert verkauft Schrauben, Handsägen, Lampenöl, Bier, Brot, und sie ist auch die, die für viele die Paketmarken druckt. Hinter dem Laden steht ein Schuppen mit Leihgeräten: Schneeschaufel, Motorsägenbock, ein kleiner Häcksler, der im Herbst durchs Dorf wandert. Kinder fahren zur Schule nach Staracasa oder weiter ins Tal, je nachdem, wie die Route gelegt ist; der Schulbus hält am „Bachbogen“, wo zwei Bänke unter einem Dach stehen, Bachbogen 1, und wo im Winter Streusand in Säcken lagert.
Gäste kommen nach Duckel selten wegen Urlaub, eher wegen Arbeit: Fahrer, Monteure, Forstpraktikanten. Für sie gibt es das „Haus Duckelbach“ (Talstraße 12), ein Gasthaus mit fünf Zimmern, geführt von Silke Brandt. Abends sitzt man dort nicht lange, aber die Küche ist verlässlich: Suppe, Braten, Kartoffeln, und wenn eine Lieferung mit Wild durchkommt, steht es am nächsten Tag auf dem Zettel an der Theke. Im Sommer tauchen trotzdem Wanderer auf, weil der Bergweg nach Süden Richtung Burgtredwitz eine Verbindung ist, die auf Karten dünn aussieht, aber genutzt wird. Wer diesen Weg nimmt, geht an einem alten Holzrutschengraben vorbei, den die Leute „Riese“ nennen: eine steile Rinne, über die früher Stämme talwärts glitten. Heute ist sie gesperrt, aber als Geländespur noch sichtbar.
Duckel zeigt, wie Holz im Kreis wandert, bevor es zu Möbeln, Instrumenten oder Bauholz wird. Der Ort ist dafür nicht Kulisse, sondern Arbeitsstelle: Kreidestriche auf Rinde, Stapel mit Leisten, Fahrzeuge, die aneinander vorbei müssen. Und trotzdem gibt es Momente, die bleiben: der Geruch in der Trocknungshalle, wenn man die Tür öffnet; das Geräusch der Kette, wenn ein Stamm am Platz verschoben wird; der Blick auf die Markierungen, die mehr über den Landkreis erzählen als jede Broschüre.
Ch.: Duckelbachweg (W: Oldquo 5km), Waldstraße (S: Burgtredwitz 8km)

