
(Pop.: 18.753 – 97m NN)
Wer von Norden nach Süden durch den Landkreis reist, bemerkt die Stadt meist zuerst am Wasser. Zwei Flüsse treffen sich hier, der Kornu und der Zento, und genau an dieser Mündung liegt Kornumünde, die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. Rund 18.700 Menschen leben hier auf knapp hundert Metern über dem Meeresspiegel. Die Stadt wirkt überschaubar, aber keineswegs verschlafen. Zwischen Marktständen, Pendlerzügen und Booten auf dem Fluss pulsiert ein ruhiger, aber stetiger Alltag.
Die Geschichte Kornumündes beginnt mit einer Furt. Schon im frühen Mittelalter führte an dieser Stelle ein flacher Übergang durch den Zento, an dem Händler, Fuhrleute und Reisende haltmachten. Die Lage erwies sich als ideal. Von Westen kamen Waren aus den Ebenen des Landesinneren, über den Fluss erreichten Händler aus der Inselwelt Landauri die Gegend, und aus dem benachbarten Seeland brachten Kaufleute Salz, Fisch und Stoffe mit. Bald entstand an der Furt ein kleiner Handelsplatz. Bauern tauschten Getreide gegen Werkzeuge, Händler luden ihre Boote um, und Wirte sorgten dafür, dass niemand hungrig weiterreisen musste. Der Ortsname Kornumünde ist wahrscheinlich aus dieser Zeit überliefert. Manche behaupten, er gehe schlicht auf die Mündung des Kornu zurück. Andere erzählen eine kleine Anekdote: Ein Kaufmann aus Seeland soll einst über die guten Kornmärkte hier gespottet haben und gesagt haben, hier münde nicht nur ein Fluss, sondern auch das Korn selbst in den Zento. Ob wahr oder nicht, die Verbindung von Getreidehandel und Flussverkehr prägt die Stadt bis heute.

Das Herz Kornumündes liegt rund um die Kornu-Brücke. Hier befindet sich der alte Markt, ein Platz, der trotz moderner Geschäfte noch immer etwas von der Atmosphäre eines mittelalterlichen Handelsortes bewahrt hat. Schmale Gassen führen zum Fluss, Häuser mit hellen Fassaden stehen dicht beieinander, und zwischen ihnen öffnen sich kleine Höfe, in denen sich Cafés, Bäckereien oder Werkstätten verstecken.

Über allem ragt die St.-Nikolaus-Kirche auf. Ihr gedrungener Turm aus dem 14. Jahrhundert wirkt eher wehrhaft als elegant. Der Bau stammt aus einer Zeit, in der Flüsse nicht nur Handelswege, sondern auch Gefahrenquellen waren. Die Glocken der Kirche hatten deshalb eine besondere Aufgabe. Sie signalisierten früher den Schiffern auf dem Zento Nebel oder Hochwasser. Alte Chroniken berichten, dass die Glocke an besonders nebligen Herbstmorgen fast ohne Pause geläutet wurde, damit die Boote den Weg zur Anlegestelle fanden. Wer die Kirche betritt, findet ein schlichtes, helles Innere mit einem hölzernen Gewölbe und einer Kanzel aus dem 17. Jahrhundert. Pfarrerinnen und Pfarrer haben hier über Generationen hinweg gewirkt. Heute gehört die Gemeinde zu den lebendigeren im Landkreis. Neben den Sonntagsgottesdiensten organisiert sie Konzerte, einen Kinderchor und das beliebte Nikolausfest im Dezember, bei dem die Kirche mit Kerzen erleuchtet wird und der Markt draußen nach Gewürzen und gebrannten Nüssen duftet.

Ein paar Schritte vom Markt entfernt beginnt die Uferpromenade. Hier zeigt sich Kornumündes Verbindung zum Fluss besonders deutlich. Kleine Werften und Bootshäuser säumen das Wasser. Einige werden noch heute genutzt, andere dienen als Ateliers oder Werkstätten. An warmen Tagen sitzen Menschen auf den Holzstegen, beobachten die langsam vorbeiziehenden Boote oder füttern Enten. Besonders auffällig ist der große Backsteinbau des ehemaligen Kornspeichers. Wo einst Getreide aus der Umgebung gelagert wurde, befindet sich heute das Kulturzentrum Kornspeicher. Im Erdgeschoss erzählt ein Museum die Geschichte des Kornu-Handels. Modelle alter Flussschiffe stehen neben historischen Kornsäcken und alten Handelsbüchern. In den oberen Räumen gibt es eine kleine Theaterbühne. Hier spielen Amateurgruppen aus der Region Komödien, historische Stücke oder Lesungen. Im Stadtarchiv im hinteren Teil des Gebäudes arbeitet Archivarin Lotte Halversen, die mit sichtbarer Begeisterung alte Karten und Urkunden zeigt, wenn Besucher sich für die Geschichte der Stadt interessieren.

Das Leben in Kornumünde ist eng mit dem Verkehr verbunden. Der Bahnhof liegt nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt und gehört zu den wichtigsten Knotenpunkten im südlichen Landkreis. Mehrmals täglich rollen Pendlerzüge in Richtung der Hauptstadt Zentro. Viele Einwohner arbeiten dort in Büros, Verwaltungen oder Universitäten und kehren abends wieder zurück in die ruhigere Atmosphäre ihrer Heimatstadt. Andere Züge verbinden Kornumünde mit Orten im Kornutal und mit kleineren Städten der Region. Auch auf der Straße ist die Stadt gut erreichbar. Zwei Bundesstraßen kreuzen sich hier in der Nähe der Flüsse, sodass Kornumünde ein natürlicher Treffpunkt für Reisende geworden ist. Besonders beliebt bei Radfahrern ist jedoch der Uferweg am westlichen Zento-Ufer. Er führt durch Wiesen und Felder, vorbei an kleinen Anlegestellen und alten Weidenbäumen. Wer ihm folgt, erreicht nach einiger Zeit weitere Orte entlang des Flusses, doch viele kehren spätestens am Markt wieder um, um sich in einem der Gasthäuser zu stärken.

Denn Kornumünde ist in der Region auch für seine Küche bekannt. Besonders häufig hört man den Namen „Zum Alten Fährhaus“. Das Restaurant liegt direkt am Zento und serviert Fischgerichte, die aus den Flüssen der Umgebung stammen. Der Zander mit Apfelsoße ist ein Klassiker des Hauses. Nicht weit entfernt befindet sich das Fischlokal „Kornuquelle“, das eher modern wirkt, aber ebenfalls auf regionale Zutaten setzt. Neben Fisch stehen hier Gerichte mit Obst aus den umliegenden Plantagen auf der Karte, etwa Forelle mit Birnenkompott oder Apfelstrudel aus der Backstube nebenan. Jeden Donnerstag verwandelt sich der Kornuplatz in einen lebhaften Markt. Bauern aus den umliegenden Dörfern bauen ihre Stände auf und bieten Gemüse, Käse, Brot und Obst an. Zwischen ihnen stehen Händler mit Honig oder Blumen. Der Markt ist weniger eine Einkaufsstätte als ein Treffpunkt. Hier begegnet man dem Bäckermeister, der mit Mehlstaub auf der Schürze seine Brote verkauft, ebenso wie Pendlern, die auf dem Heimweg kurz stehen bleiben. Bürgermeisterin Karin Drost wird hier regelmäßig gesehen, meist im Gespräch mit Händlern oder Besuchern.
Wirtschaftlich ist Kornumünde ein Ort der kleinen und mittleren Betriebe. Südlich der Stadt befinden sich mehrere Gewerbegebiete. Hier arbeiten Feinmechanik-Werkstätten, eine Maschinenbaufirma und ein ungewöhnlicher Dienstleister: ein Medienbeobachtungsunternehmen, das Pressespiegel für regionale Behörden zusammenstellt. In einem unscheinbaren Bürogebäude sitzen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Bildschirmen und verfolgen Zeitungen, Radiobeiträge und Onlineberichte aus der ganzen Region. Eine besondere Rolle spielt weiterhin das Getreide aus der Umgebung. Die Felder rund um Kornumünde sind fruchtbar, und viele Landwirte bauen Weizen oder Roggen an. Am Bahnhof wird ein Teil der Ernte verladen und mit der Bahn nach Zentro transportiert, wo die Zentroer Mühlenwerke das Korn mahlen. Wenn im Spätsommer die Erntezüge am Gütergleis stehen, riecht es rund um den Bahnhof nach Staub, Holz und frischem Getreide.

Für die Freizeit zieht es viele Bewohner in die Kornu-Aue südöstlich der Stadt. Das kleine Waldgebiet dient als Naherholungsraum. Zwischen Buchen und Erlen führen Spazierwege entlang eines alten Flussarms. Es gibt einen Trimm-dich-Pfad mit einfachen Holzgeräten, ein Freibad für heiße Sommertage und ein kleines Naturschutzgebiet, in dem seltene Vögel brüten. Früh am Morgen sieht man hier Jogger, später Familien mit Picknickdecken.
Der Alltag in Kornumünde wirkt entspannt. Kinder gehen zu Fuß zur Schule, Radfahrer überqueren die Kornu-Brücke, und in den Cafés am Markt sitzen ältere Einwohner, die seit Jahrzehnten hier leben. Einer von ihnen ist der ehemalige Schiffer Hans Tewen, der oft am Ufer sitzt und den Fluss betrachtet. „Früher war hier mehr Verkehr auf dem Wasser“, sagt er gern, „aber die Flüsse vergessen nichts.“ Vielleicht liegt gerade darin der Charakter der Stadt: Sie ist gewachsen aus Handel, Wasser und Wegen und trägt diese Geschichte noch immer sichtbar in sich. So ist Kornumünde heute eine Kreisstadt mittlerer Größe, die Tradition und Gegenwart ruhig miteinander verbindet. Besucher finden hier keine spektakulären Sehenswürdigkeiten, sondern eine lebendige Flussstadt, deren Reiz in ihren Details liegt: dem Klang der Kirchenglocken über dem Markt, den Booten am Ufer, dem Duft von Fisch und Apfelkuchen aus den Gaststuben und den Zügen, die morgens Richtung Hauptstadt aufbrechen. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt eine Stadt, die ihren Ursprung am Wasser nie vergessen hat.
Verkehrsverbindungen:
Bahn: Bierona-Zentravia-Ferrovia Linie 109 stündlich 6:03-21:03 nach Zentro, 6:14-21:14 nach Ferkelau; Kornutalbahn (BZF 110) stündlich 6:15-21:15 nach Kornutal
Straße: B53 (W: Spatzendorf 9,5km, O: Kornu 4km); B62 (S: Zentobrücke 9km, N: Kleebaum 16km); Uferweg am Zento auf der westlichen Seite (S: Zentobrücke 11km, N: Zentofeld 8km)

