
(Pop.: 687 – 178m NN)
Lauscha liegt südlich der Kreisstadt Ferkelau, dort, wo der Zento nach seiner Reise aus dem Zentralmassiv schiffbar wird. Die Landschaft öffnet sich hier zu einer breiten Flussszenerie, in der sich Wasser, Wiesen und sanfte Hügel gegenseitig Raum geben. Lauscha selbst entstand an der Ostseite des Zento gegenüber der Mündung des Horchbachs, einem klaren, schnellen Gebirgsbach, der zwischen moosigen Steinen herabfließt. Dass sich gerade hier ein Umschlagplatz für Holz und Stein entwickelte, überrascht kaum: Die Flößer aus dem Massiv brachten ihre Stämme bis zur Mündung, und die Steinmetze aus den nördlichen Tälern nutzten den Ort als Zwischenstation, bevor ihre Waren weiter nach Zentro oder Bierona verschifft wurden. Noch heute erzählen ältere Bewohner, wie man früher die schweren Lastkähne mit langen Stangen vom Ufer abstieß und der Zento die Arbeit übernahm.

Wer mit der Linie 109 anreist, erlebt Lauscha zunächst aus der Perspektive der Bahn: Der Zug hält an einem kleinen Bahnhof, dessen Backsteinfassade aus den 1920er Jahren stammt. Gegenüber steht das Verlagsgebäude des Olifantus-Verlags, ein langgestreckter Bau mit hohen Fenstern, in denen sich das Licht des Flusses bricht. Der Verlag, geführt von Olifantus Wohlrabe, ist weit über die Region hinaus bekannt. Von hier aus entstehen Karten, Reiseführer und digitale Inhalte für ganz Landauri. Wohlrabe selbst soll, so erzählt man sich im Dorf, jeden Morgen um Punkt sieben mit einer Tasse starkem Tee am Fenster stehen und den ersten Zug des Tages begrüßen — ein Ritual, das er angeblich nie ausfallen lässt.

Vom Bahnhof führt die Hauptstraße leicht bergab Richtung Fluss. Auf halber Strecke erhebt sich die Kirche St. Venera, ein Bauwerk, das Lauscha unverwechselbar macht. Ihr Turm trägt ein kupfernes Dach, das im Sonnenlicht grün schimmert und schon von weitem sichtbar ist. Der Legende nach soll der erste Pfarrer des Ortes, ein gewisser Venerus von der Horchbachklamm, darauf bestanden haben, das Dach mit Kupferplatten aus einer aufgegebenen Mine im Massiv zu decken, obwohl die Gemeinde damals kaum Geld hatte. Die Dorfbewohner halfen mit, trugen die Platten auf dem Rücken heran, und so wurde der Turm zum Symbol für Zusammenhalt. Im Inneren überrascht die Kirche mit einer schlichten, aber warmen Atmosphäre: helle Holzbänke, ein kleiner geschnitzter Altar und ein Fenster, das den Blick auf den Horchbach freigibt. Pfarrerin Livia Mertens, die seit drei Jahren im Ort wirkt, hält sonntags gut besuchte Gottesdienste und organisiert im Sommer die beliebten „Abendandachten am Fluss“, bei denen die Gemeinde auf Decken am Ufer sitzt und der Chor über dem Wasser singt.

Unweit der Kirche liegt das Heimatmuseum, ein unscheinbares Gebäude mit grauem Schieferdach, das im Inneren jedoch wahre Schätze birgt. In den Vitrinen liegen Funde aus der frühen Besiedlung Zentravias: Keramikscherben, Werkzeuge aus Horn und Stein, und ein kleines, rätselhaftes Idol aus dunklem Holz, das angeblich aus der Zeit der ersten Flusssiedler stammt. Besonders beliebt bei Besuchern sind die Modelle alter Flussschiffe, die der pensionierte Lehrer Hanno Brecht über Jahrzehnte hinweg gebaut hat. Er sitzt oft selbst im Museum, erklärt geduldig die Funktionsweise der Treidelpfade und erzählt, wie die Schiffer früher den Zento hinaufkamen, lange bevor Motoren die Arbeit übernahmen.
Der Fluss prägt Lauscha bis heute. Am Ufer erstreckt sich ein kleiner Park, in dem eine Freilichtbühne steht. Im Sommer werden hier Theaterstücke aus der Geschichte Landauris aufgeführt — mal heiter, mal dramatisch, immer mit viel Liebe zum Detail. Die Laienspielgruppe des Dorfes, angeführt von der energischen Mira Kallweit, probt bereits im Frühjahr im Gemeindehaus. Besonders beliebt ist das Stück „Die Flößer von Horchau“, in dem die Kinder des Ortes mitspielen und die Zuschauer am Ende gemeinsam ein altes Flößer-Lied anstimmen.

Wer den Fluss nicht nur betrachten, sondern erleben möchte, findet beim Bootsverleih Zento-Fahrten am südlichen Ufer alles, was das Herz begehrt. Betreiber Jorek Sandmann, ein wettergegerbter Mann mit grauem Bart, bietet Kanus, Ruderboote und kleine Motorboote an. Er kennt jede Biegung des Zento und erzählt gern, wo man Eisvögel beobachten oder die besten Stellen zum Angeln finden kann. Viele Besucher fahren flussaufwärts bis zur Horchbachmündung, wo das Wasser besonders klar ist und die Ufer von Weiden gesäumt werden.

Lauscha mag klein sein, doch kulinarisch hat es einiges zu bieten. Der bekannteste Gasthof ist das „Zentohaus“, ein zweistöckiges Gebäude mit Fachwerkfront und blauen Fensterläden. Wirtin Selma Rautenberg serviert hier Fischgerichte, die weit über die Region hinaus geschätzt werden: Zander in Kräuterkruste, Flusskrebssuppe oder der berühmte „Zento-Teller“, eine Kombination aus geräuchertem Aal und gebratenem Barsch. Abends sitzen Einheimische und Gäste gemeinsam an den Holztischen, und nicht selten endet der Abend mit Geschichten über die Eigenheiten des Flusses — etwa über den angeblichen „Zento-Geist“, der nachts über dem Wasser schweben soll. Rautenberg behauptet, ihn einmal gesehen zu haben, aber niemand weiß, ob sie dabei nicht ein wenig übertreibt.

Neben dem Zentohaus gibt es zwei kleinere Gasthöfe und mehrere Gästezimmer in Privathäusern. Besonders charmant ist die Pension „Am Horchbach“, geführt von dem Ehepaar Lina und Torsten Weller, die ihren Gästen selbstgemachten Honig servieren. Dieser stammt von den Imkern des Dorfes, die ihre Bienenstöcke am Ufer des Horchbachs aufgestellt haben. Im Frühjahr, wenn die Weiden blühen, summt es dort wie in einem einzigen großen Bienenhaus.
Der Alltag in Lauscha ist ruhig, aber keineswegs verschlafen. Die Grundschule am nördlichen Ortsrand wird nicht nur von Lauschaer Kindern besucht, sondern auch von Schülern aus Keinas. Lehrerin Ruth Eberlein, die seit zwanzig Jahren unterrichtet, kennt jede Familie im Umkreis und organisiert jedes Jahr ein großes Sommerfest, bei dem die Kinder Theaterstücke aufführen und die Eltern Kuchen verkaufen. Die Schule ist ein wichtiger Treffpunkt im Dorf, ebenso wie der kleine Dorfladen an der Hauptstraße, in dem man alles Nötige bekommt — von Brot über Werkzeug bis zu den neuesten Karten des Olifantus-Verlags.
Wer durch die Straßen Lauschas spaziert, entdeckt viele kleine Details: den alten Brunnen am Dorfplatz, dessen Wasser angeblich besonders klar sein soll; die „Horchbachgasse“, eine schmale, kopfsteingepflasterte Straße, die direkt zum Bach führt; oder das Haus von Gerold Manke, einem ehemaligen Steinmetz, der seine Fensterbänke mit kunstvollen Reliefs verziert hat. Lauscha ist ein Ort, der von den Menschen lebt, die hier wohnen — Menschen, die ihre Geschichte kennen und sie gern mit Besuchern teilen.
So klein der Ort auch ist, er bleibt ein Knotenpunkt zwischen Fluss, Bahn und Geschichte. Die stündlichen Züge der Linie 109 verbinden Lauscha mit Ferkelau im Norden und über Kornumünde mit Zentro im Süden. Viele Pendler nutzen diese Verbindung, aber auch Wanderer, die von hier aus die Uferwege erkunden oder weiter ins Massiv aufbrechen. Die Straßen nach Horchau und Petra führen durch abwechslungsreiche Landschaften, und wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, findet rund um Lauscha zahlreiche ruhige Wege.
Am schönsten ist Lauscha vielleicht am frühen Abend, wenn die Sonne hinter den Hügeln versinkt und das kupferne Kirchdach in warmem Grün aufleuchtet. Dann sitzen die Menschen am Ufer, hören dem Wasser zu und genießen die Ruhe eines Ortes, der sich seinen eigenen Rhythmus bewahrt hat — ein Rhythmus, der Besucher schnell in seinen Bann zieht.
Verkehrsverbindungen:
Bahn: Linie 109 (BZF Bierona-Zentravia-Ferrovia) stündlich 6:47-21:47 nach Ferkelau, 6:20-20:20 über Kornumünde nach Zentro, 21:20 nach Kornumünde
Straße: B62 (N: Ferkelau 9km, S: Keinas 16km); Landesstraße Z-2 (W: Horchau 14km, O: Petra 11km)

