(Pop.: 1257 – 381m NN)

Petra – Der Klang der Wälder im Herzen des Zentralmassivs

Eingebettet zwischen dichten, duftenden Wäldern und sanften Hügeln liegt Petra, ein Ort, der auf den ersten Blick wie aus einem Märchen wirkt. Mit nur 1.257 Einwohnern auf 381 Metern über dem Meeresspiegel ist das Dorf der ideale Rückzugsort für Reisende, die die Seele Landauris abseits der ausgetretenen Pfade suchen. Östlich von Ferkelau am Rand des Zentralmassivs gelegen, ist Petra vor allem für eines bekannt: seinen Klang.

Die Seele des Holzes

Schon beim ersten Spaziergang über die Kopfsteinpflaster der Hauptstraße fällt auf, dass hier nicht die laute Hektik der Moderne regiert, sondern die ruhige, konzentrierte Arbeit der Handwerker. Petra besitzt eine lange Tradition im Musikinstrumentenbau, und diese ist bis heute lebendig. Der Stolz des Dorfes ist die Werkstatt „Petra Klangholz“ in der Werkstattgasse 3. Hier entstehen Streichinstrumente, die weit über die Grenzen der Inselwelt Landauri hinaus geschätzt werden. Besucher können durch das große Schaufenster den Meistern über die Schulter schauen, während sie mit erstaunlicher Geduld die Decken und Böden von Celli und Geigen abnehmen. Hildegard Bruckner, die derzeitige Meisterin des Hauses, erzählt gern die Geschichte ihres Großvaters, der einst das spezielle Verfahren entdeckte, um die Fichten des nahen Forstes so zu trocknen, dass sie einen besonders warmen, tragfähigen Ton erzeugen.

Neben der Musik lebt Petra aber auch von der Stille. Eine weitere Werkstatt, die man nicht verpassen sollte, findet sich am unteren Dorfende nahe der Z-2. Seit den 1920er Jahren stellt die Tischlerei Holzbau Rother (Inhaber: Konstantin Rother) Holzbänke für Kirchen her. Dass die berühmte Ausstattung der Kirche St. Venera in Lauscha aus dieser Handschrift stammt, ist den Petranern eine besondere Genugtuung. Die Besucher können hier erleben, wie aus scheinbar toter Materie Gebrauchsgegenstände von sakraler Schlichtheit entstehen.

Dem Himmel nah: Die Kirche St. Liora

Weithin sichtbar thront die Kirche St. Liora auf einem schroffen Felsvorsprung, der sich wie ein steinernes Schiff über die Dächer des Dorfes schiebt. Der Aufstieg über die Liora-Treppe (72 Stufen) lohnt sich nicht nur für die Seele, sondern auch für die Augen. Von der kleinen Plattform neben der romanischen Apsis hat man einen atemberaubenden Blick über das gesamte Tal bis hin zu den bewaldeten Kuppen des Zentralmassivs. Die Kirche selbst ist schlicht gehalten, das Licht fällt durch schmale Buntglasfenster, die Szenen der Schutzpatronin der Reisenden und Holzfäller zeigen. Ein Besuch lohnt besonders zu den Abendgebeten im Sommer, wenn die Sonne den Wald in ein goldenes Licht taucht.

Eine Reise in die Vergangenheit

Wer sich für die Geschichte des Verkehrs und der Post interessiert, sollte einen Abstecher zur alten Poststation an der B51 machen. Das Gebäude aus dem frühen 18. Jahrhundert, direkt an der Durchgangsstraße gelegen, beherbergt heute ein kleines, aber feines Museum. Gezeigt werden alte Kutschen, Telegrafenapparate und die harten Lederarbeitssessel der ehemaligen Posthalter. Besonders anschaulich ist die Inszenierung einer nächtlichen Reise im Winter, die der ehemalige Bahnangestellte und leidenschaftliche Sammler Bertram Zöllner hier zusammengetragen hat.

Wandern und Wellness: Für Leib und Seele

Petra ist ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen. Mehrere markierte Wege führen von der Ortsmitte aus in die umliegenden Wälder. Besonders empfehlenswert ist der „Weg der Harzer“, der vorbei an alten Köhlerplätzen zu einer versteckten Quelle führt. Nach einer anstrengenden Tour im kühlen Wald ist das Wellnesshotel „Zum Tannenzapfen“ der perfekte Ort der Regeneration. Das Hotel bietet ein einzigartiges Bad: Bäder mit heimischen Harzessenzen. Der Duft von Kiefer, Fichte und Lärche soll nicht nur die Atemwege befreien, sondern auch tiefe Entspannung bringen. Die Besitzerin, Yvonne Kroll, verwendet dafür alte Familienrezepte, die sie mit Extrakten aus dem Forst von Petra verfeinert.

Der Waldtisch: Kulinarik mit Überraschung

Kulinarisch hat Petra eine kleine, aber feine Überraschung zu bieten. Das Restaurant „Der Waldtisch“ an der Ecke B51/Bahnhofstraße serviert das, was der Wald hergibt: Pilze, Wild und frische Kräuter. Die Wildragout mit Semmelknödeln und Preiselbeeren ist hervorragend. Wer jedoch das Besondere sucht, bestellt dazu – und das ist der Geheimtipp des Hauses – ein Mangolassi. Der süß-saure Joghurt-Drink aus der Ferne passt auf unerklärliche Weise perfekt zu den erdigen Aromen der regionalen Küche. Kellnerin Svenja Maibom lacht, wenn sie die verwunderten Gesichter der Gäste sieht: „Das hat vor zwanzig Jahren mal ein Austauschschüler eingeführt – jetzt können wir es nicht mehr wegdenken.“

Anreise und Alltag

Petra ist über die Linie 18A der Zentralmassivbahn hervorragend angebunden. Die Züge fahren stündlich in beide Richtungen – von früh morgens bis in den Abend hinein. Wer mit dem Auto kommt, erreicht den Ort über die B51, die nordwestlich Richtung Ferkelau (13 km) oder südöstlich nach Artern (5 km) führt. Die Landstraße Z-2 verbindet Petra zudem mit Lauscha (11 km).

Im Dorf selbst gibt es alles für den täglichen Bedarf: einen Dorfladen („Klings Kramladen“), eine Postagentur im Museum und eine gemütliche Kneipe, die „Fichtennadel“, wo sich die Holzfäller und Instrumentenbauer am Freitagabend zum Stammtisch treffen. Wer Ruhe sucht, wird sie in Petra finden – umgeben vom Klang der Geigen und dem Rauschen des Zentralmassivs.


Verkehrsverbindungen:
Bahn: Linie 18A (Zentralmassivbahn) stündlich 7:05-20:05 über Kornutal, Novatal nach Blue River, 21:05 nach Novatal, 22:05 nach Kornutal; 6:43-19:43 über Ferkelau, Weishaus, Münchhausen nach Nudeltopf, 20:43 nach Münchhausen, 21:43 nach Weishaus
Straße: B51 (NW: Ferkelau 13km, SO: Artern 5km); Landtsraße Z-2 (W: Lauscha 11km)