(Pop.: 105 – 76m NN)

Wer die Ackero-Ebene bereist, der sucht Weite. Weite, die den Horizont zu einem flimmernden Band aus Gold und Grün verschmelzen lässt, durchzogen von den stillen Adern der Flüsse Eros und Acro. Und mitten in diesem sanften Ozean aus fruchtbarem Land, auf 76 Metern über dem Meeresspiegel, liegt Frohna. Ein Dorf, so klein, dass man es auf manchen Karten erst beim zweiten Hinsehen findet, und doch ein Ort von einer Gelassenheit, die Reisende wie einen Bann umfängt. 105 Menschen leben hier, eingebettet in eine Gegend, die das Ackerland zu einem der Kornkammern von Landauri macht. Die Gesellschaft dieser Inselwelt, die sich nach den Wirren der alten Königreiche neu erfunden hat, lebt den Grundsatz der Dezentralisation – und nirgendwo wird dieser spürbarer als in einem Dorf wie Frohna, wo Entscheidungen noch die Gesichter der Nachbarn haben.

Der Ort atmet die Ruhe des Landstrichs. Die Häuser, meist niedrig und mit roten Ziegeln gedeckt, drängen sich um einen kleinen, von alten Linden beschatteten Dorfplatz. Hier pulsiert das Leben der Gemeinde, hier treffen sich die Wege, die von den umliegenden Feldern und den Gehöften hereinführen. Der Name Frohna selbst – so erzählt man sich im Pub – geht auf eine alte Flurbezeichnung zurück, die so viel wie „frohes Au“ bedeuten soll, benannt nach den üppigen Wiesen am Ufer, auf denen einst das Vieh weidete. Die Lage ist unspektakulär und genau das ist ihre Schönheit. Kein ragender Berg, kein tosender Wasserfall – nur die schier endlose Ebene, unterbrochen von Feldgehölzen und den sanften Windungen des Flusses Acro. Dieser Fluss ist die Lebensader des Dorfes. Er fließt träge und klar an den Gärten vorbei, und sein leises Rauschen ist die ständige Begleitung eines jeden Spaziergangs. Ein kleiner, dichter Waldstreifen säumt sein Ufer, ein Refugium für Vögel und jene, die die Stille suchen.

Die Anbindung Frohnas ist gut, ohne dass der Ort davon überfordert würde. Die Ackerbahnen, ein feinmaschiges Netz, das die Region durchzieht, verbinden das Dorf mit der weiten Welt. Die Linie 97, von den Einheimischen liebevoll die „Acro-Talbahn“ genannt, hält hier mehrmals täglich, ein alter, knatternder Schienenbus, der die Fahrgäste Richtung Osten in die Hauptstadt Ackero bringt, wo die Flüsse Eros und Acro sich vereinen und der Handel der Region seinen Mittelpunkt hat. Nach Westen, den Hängen des Westmassivs entgegen, führt die Fahrt in die Kreisstadt Talflos, ein geschäftiges Städtchen, das die Tore zum Gebirge bewacht. Zwischen diesen beiden Polen pendelt der Zug, und Frohna ist einer seiner stillen Haltepunkte.

Das wohl markanteste Bauwerk des Dorfes ist kein Prunkbau, sondern ein stilles Zeugnis der Vergangenheit: die alte Wassermühle am Acro. Ihr mächtiges, von Moos überwachsenes Wasserrad ist längst stillgelegt, die Mühlsteine mahlen kein Korn mehr. Doch das Gebäude aus grobem Bruchstein steht noch, ein gedrungener, fast wehrhafter Bau, der sich seit Generationen gegen die Fluten des Flusses und die Zeit stemmt. Über viele Jahre hinweg war sie das Herzstück des Dorfes, die Versorgerin mit frischem Mehl, und noch immer erzählt sich die Geschichte, wie der letzte Müller, ein gewisser Tammo Bruhn, in einer stürmischen Nacht das Wasserrad mit bloßen Händen von Treibgut befreite, um die Versorgung des Dorfes zu sichern. Heute ist die Mühle ein beliebtes Fotomotiv, und ihr stilles Rad dreht sich nur noch im Kopf derer, die hier verweilen.

Wer den Geist Frohnas wirklich kennenlernen will, der muss den Dorfplatz aufsuchen. Dort, inmitten des leisen Treibens, liegt der „Frohnaer Hafenpub“ (Dorfplatz 3). Der Name mag an die großen Wasserstraßen der Welt erinnern, doch der Hafen von Frohna ist eben der Acro, dessen Kai eine kleine hölzerne Anlegestelle ist, an der im Sommer die Ruderboote der Nachbarn dümpeln. Das Pub selbst ist ein niedriges, verwinkeltes Gebäude, dessen Inneres von der Decke bis zum Fußboden mit Erinnerungsstücken, alten Fotos und undefinierbaren Kuriositäten gefüllt ist. Hier, an den schweren Eichentischen, sitzen die Frohnaer beisammen und schätzen die warme, herzliche Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt. Für das leibliche Wohl sorgt die herzliche Wirtin Sabine Müller, die mit ihrem aufmerksamen Service dafür bekannt ist, dass sich ihre Gäste wie zu Hause fühlen. Sie zapft eine erlesene Auswahl lokaler Biere: das vollmundige „Frohnaer Amber Ale“ mit seiner angenehmen Malznote, das erfrischende „Küstenbrise Lager“ für warme Tage und das spritzige „Hafenweizen“ mit fruchtigen Nuancen. Es ist der Ort, an dem Geschichten ausgetauscht werden, wo der junge Lehrer Konrad Mellin den Bauern die neuesten Nachrichten aus der Kreisstadt erzählt und wo die alte Gärtnerin Helga Riewerts ihre selbstgebackenen Kuchen anbietet – gegen eine kleine Spende für die Dorfkasse, versteht sich. Hier werden nicht nur Getränke serviert, sondern auch Erinnerungen geschaffen, die diesen Ort zu etwas ganz Besonderem machen.

Das Leben in Frohna ist beschaulich und von der Landwirtschaft geprägt. Die großen Höfe, wie der von Familie Jessen, bewirtschaften die umliegenden Felder, auf denen Getreide und Raps gedeihen. Die Arbeit ist hart, aber die Gemeinschaft hält zusammen. Bei der Ernte hilft das halbe Dorf, und im Herbst wird das Erntefest gefeiert – ein fröhliches Treiben mit Musik, Tanz und einem großen Umzug, bei dem die letzte Garbe feierlich ins Dorf getragen wird. Ein eigenes Gotteshaus besitzt Frohna nicht; die nächste Kirche steht im nahen Ruhedorf, doch der alte Glockenturm auf dem Dorfplatz, ein hölzerner, windschiefer Bau, dient den Frohnaern als Versammlungsort für stille Andachten und besinnliche Zusammenkünfte.

Für den Besucher gibt es keine große Auswahl an Unterkünften – und das ist auch gut so. Wer bleiben möchte, findet ein gemütliches Zimmer bei der Familie Schilling am nördlichen Ortsausgang, deren Hof von einem üppigen Garten umgeben ist, oder aber eine einfache, aber saubere Herberge, die vom Dorfkollektiv betrieben wird und sich im ehemaligen Schulhaus befindet. Im „Frohnaer Hafenpub“ werden einfache, aber herzhafte Gerichte serviert, deftige Eintöpfe und Braten, die mit den Produkten der Region zubereitet werden. Eine kleine Verkaufsstelle, die so etwas wie ein Dorfladen ist, bietet Grundnahrungsmittel und frische Backwaren an, denn die Bäckerin, eine junge Frau namens Fenja Lorenzen, backt noch nach alter Tradition in ihrem Steinofen.

Frohna ist kein Ort für hektische Sightseeing-Touren. Es ist ein Ort zum Ankommen, zum Durchatmen. Ein Ort, um die Füße in das kühle Wasser des Acro zu halten, während man den Reihern beim Fischen zusieht. Ein Ort, um im Schatten der alten Mühle zu sitzen und den Geschichten der Alten zu lauschen. Die Landschaft selbst ist die Hauptattraktion: die unendliche Weite des Ackerlands, der Raps, der im Frühling wie ein gelbes Meer blüht, und der Duft von frisch gemähtem Heu, der im Sommer über den Fluss weht. Der Fluss Acro, der den Landkreis Talflos durchzieht, ist hier noch ursprünglich, und eine Kanutour stromabwärts, vorbei an den kleinen Weilern wie dem idyllischen Ruhedorf, ist ein Erlebnis, das die Seele baumeln lässt.

In Frohna wird die Zeit noch anders gemessen. Nicht nach Stunden, sondern nach den Geräuschen der Natur: dem ersten Vogelruf am Morgen, dem Summen der Bienen über den Blumenwiesen, dem Plätschern des Wassers, das unermüdlich seinen Weg sucht. Es ist ein Dorf, das die Prinzipien der landaurischen Gesellschaft lebt: Dezentralisation und Demokratie im Kleinen, Toleranz und ein Miteinander, das auf gegenseitiger Hilfe beruht. Wer Glück hat, wird von einem der Einwohner zu einem der legendären Feste eingeladen, bei denen der selbst gebrannte Acro-Birnenlikör aus dem Nachbarort Nalnos gereicht wird – ein Geschenk, das die Freundschaft zwischen den Dörfern besiegelt. Vielleicht wird man auch einem der selteneren Gäste des Dorfes begegnen, einem Forscher des Terassen-Instituts, der auf der Durchreise ist, um die geheimnisvollen Terrassenkulturen der Vorzeit zu studieren. Aber die Frohnaer sind diskret, sie fragen nicht nach, sie lassen jeden so sein, wie er ist.

Frohna ist ein Kleinod, ein stiller Ort in einer lauten Welt. Wer die Hektik der Stadt hinter sich lassen und die ursprüngliche Schönheit des Ackerlandes erfahren möchte, der wird hier fündig. Die 105 Einwohner von Frohna heißen jeden willkommen, und wer einmal die Gastfreundschaft im „Frohnaer Hafenpub“ erlebt hat, wer die Stille am Flussufer gespürt hat, der wird verstehen, warum dieser kleine Flecken Erde ein so großer Schatz für die Reisenden des Landes ist. Es ist die Einfachheit, die berührt, die tiefe Verbundenheit der Menschen mit ihrer Umgebung und untereinander, die Frohna zu einem Ort macht, den man so schnell nicht vergisst.


Verkehrsverbindungen:
Bahn: AckB97 stündlich 6:41 – 21:41 nach Ackero, 6:16 – 21:16 nach Talflos – aller 2 Stunden 6:16 – 20:16 weiter nach Bergflos
Straße: B32 (N: Acrofeld 5km, SO: Ackero 15km), Ack5 (N: Hammerdorf)

Land: Ackerland
Landkreis: Talflos
Gemeinde: ACK-5200 Frohna