Fuglo

Fuglo (Gemeinde Ruhdorf – Sturminsel West – Sturmland)

(Pop.: 76, 407m NN)

Fuglo liegt im Sturminselgebirge, eingebettet im engen Tal der Tropfritz, etwa zwei Kilometer unterhalb von Ruhdorf. Mit gerade einmal 76 Einwohnern gehört es administrativ ebenfalls zur Gemeinde Ruhdorf und befindet sich auf einer Höhe von 407 Metern über Normalnull. Hier vereinigen sich zwei Gebirgsbäche, die Tropfritz und die kleinere Glitzeritz, die mit kräftigem Rauschen und stetem Murmeln das Dorf prägen und zahlreiche Forellen beheimaten. Das Wasser beider Bäche ist klar, kalt und so sauber, dass viele Bewohner es direkt zum Trinken nutzen. Entlang des Ufers wächst dichter Mischwald aus Fichten, Kiefern und vereinzelten Laubbäumen, der das Dorf umschließt und Schutz vor rauem Wetter bietet.

Die Häuser von Fuglo sind in ihrer Bauweise uneinheitlich. Etwa die Hälfte sind Feldsteinhäuser, solide und robust gebaut, mit dicken Wänden aus groben, unverputzten Steinen aus dem nahegelegenen Flussbett. Diese Gebäude stammen überwiegend aus einer Zeit vor etwa hundert Jahren, als Steine direkt aus der Tropfritz oder der Glitzeritz geholt wurden, um einfache, aber stabile Wohnstätten zu errichten. Die anderen Häuser Fuglos sind typische Blockhütten aus massivem Holz, meist aus Kiefernstämmen, die von den Bewohnern selbst gefällt und verarbeitet wurden. Ihre Dächer sind oft mit Gras oder Moos bewachsen, was sie im Sommer angenehm kühl hält und im Winter gut isoliert. Fast alle Häuser verfügen über einen kleinen Gemüsegarten und oft auch einen Holzschuppen, in dem Brennholz gestapelt und Werkzeuge gelagert werden.

Ein zentraler Ort des Dorflebens ist die Wollwerkstatt von Fuglo, geführt von Birgit Arnald und ihrer Tochter Solveig. In der kleinen, holzverkleideten Werkstatt wird Wolle verarbeitet, die von wilden Gebirgsschafen stammt, welche in den umliegenden Hängen frei grasen. Die Schafe liefern eine besonders robuste Wolle, die hier sorgfältig gewaschen, kardiert und von Hand versponnen wird. Solveig Arnald färbt die Wollstränge anschließend mit natürlichen Pflanzenfarben aus Kräutern und Rinden, die in der Umgebung gesammelt werden. Die handgestrickten Pullover und gewebten Decken aus Fuglo sind in der gesamten Region bekannt und beliebt, weil sie außergewöhnlich strapazierfähig sind und selbst den strengsten Wintern standhalten.

Unweit von Fuglo, etwas das Tal hinauf, befindet sich die Nebelhöhle, eine tiefe und weit verzweigte Karsthöhle, die erst in den letzten Jahrzehnten genauer erforscht wurde. Bekannt ist sie vor allem durch ihren unterirdischen Flusslauf, der stellenweise sichtbar ist, wenn er rauschend und sprudelnd durch die großen Kammern und Spalten fließt. Forscher der Universität Butha haben in der Nebelhöhle Fossilien längst ausgestorbener Tiere entdeckt, darunter die Knochen eines riesigen, eiszeitlichen Höhlenbären und Überreste unbekannter, kleiner Säugetiere. Diese Funde haben Fuglo einen gewissen Ruf in der wissenschaftlichen Gemeinschaft eingebracht. Besucher haben die Möglichkeit, mit erfahrenen Höhlenführern wie Magnus Thorfeld und seiner Schwester Elin, beide gebürtige Fugloer, geführte Touren zu unternehmen. Dabei gelangen sie sicher in die ersten Kammern der Höhle, wo riesige Tropfsteinformationen, Stalaktiten und Stalagmiten über Jahrtausende gewachsen sind. Die Führungen werden gewissenhaft vorbereitet, da die Nebelhöhle zwar sicher, aber dennoch wild und teilweise schwer zugänglich ist.

Unter den Einwohnern Fuglos sind einige, die für das Dorfleben besonders wichtig sind. Dazu zählt der pensionierte Förster Torben Grimsson, der sich nun der Imkerei widmet und exzellenten Waldhonig produziert, den er regelmäßig nach Antlas und Darso verkauft. Sein Nachbar, Gunnar Olavsson, besitzt die einzige Tischlerei des Ortes und ist spezialisiert auf die Herstellung von Möbeln aus altem, widerstandsfähigem Holz, das oft noch von verfallenen Gebäuden stammt. Die Möbelstücke, die Gunnar anfertigt, sind schlicht, aber langlebig und daher im ganzen Sturmland gefragt.

Das soziale Leben in Fuglo spielt sich vor allem rund um das kleine Gemeinschaftshaus ab, das sich direkt im Zentrum des Dorfes befindet. Hier organisiert Dorfvorsteherin Ingrid Sjöström regelmäßig Versammlungen, bei denen wichtige Angelegenheiten diskutiert und gemeinschaftliche Entscheidungen getroffen werden. Zudem finden hier Feste und gelegentlich kleinere kulturelle Veranstaltungen statt. Sehr beliebt ist beispielsweise das jährliche Herbstfest, zu dem die Dorfbewohner aus der gesamten Umgebung anreisen, um gemeinsam frisch zubereiteten Wildbraten, Forellen vom Grill und hausgemachten Apfelmost zu genießen.

Etwas außerhalb des Dorfs, versteckt im Wald, liegt die kleine Brennerei von Arne Halvardson, der in Fuglo eine kleine aber feine Tradition pflegt. Er stellt Schnaps aus Beeren und Kräutern her, die er in der Umgebung sammelt, darunter Wacholder und wilde Himbeeren. Der Schnaps wird traditionell in kleinen Mengen produziert und ausschließlich an Bewohner und Besucher des Dorfes abgegeben.

Im Alltag Fuglos spielt die Natur eine zentrale Rolle. Die Bewohner leben überwiegend von dem, was der Wald und die Flüsse hergeben. Viele Dorfbewohner, wie etwa Fischer Kjell Runolfsson, der regelmäßig Forellen in den glasklaren Gewässern der Glitzeritz fängt, oder die Schwestern Astrid und Freya Eldmar, die Pilze, Beeren und Heilkräuter sammeln und verkaufen, tragen auf diese Weise zur lokalen Wirtschaft bei.

Fuglo ist über eine einfache Straße entlang der Tropfritz gut erreichbar, die weiter nach Darso und zurück nach Ruhdorf führt. Die Straße wird regelmäßig von den Dorfbewohnern gewartet, da sie insbesondere in den Wintermonaten starken Belastungen ausgesetzt ist. Die Verbindung zum höher gelegenen Ruhdorf wird besonders eng gepflegt, da beide Dörfer sich oft gegenseitig helfen und gemeinsam Veranstaltungen und Versammlungen abhalten. Zudem führt ein Wanderweg, der am Ufer der Tropfritz entlangläuft, Besucher von Fuglo direkt zur Nebelhöhle oder aufwärts ins höher gelegene Ruhdorf. Trotz seiner abgeschiedenen Lage ist Fuglo somit fester Bestandteil des sozialen und wirtschaftlichen Lebens in der Region und ein beliebter Anlaufpunkt für naturverbundene Besucher.

Ch.: ST305 (W: „Tropfritztalstraße“ nach Darso), Bergstraßen nach Ruhdorf und zum Gebirgskamm