Das Museum für Stadtgeschichte Spitzkap erhebt sich direkt an der Uferpromenade des Hafens und gehört zu den markantesten Gebäuden der Stadt. Zwischen Anlegern, Wohnhäusern und den Cafés der Uferstraße steht der zweigeschossige Bau auf einem gepflasterten Platz, der sich zum Wasser hin öffnet. Von den Fenstern der oberen Etage fällt der Blick über die Bucht von Spitzkap, auf Fischkutter, Segelboote und die Fähren, die täglich zwischen den Orten des Ackerlands verkehren. Das Gebäude wurde im Jahr 1887 als Börsen- und Handelshaus der Hafenkaufleute errichtet. Noch heute erinnert die repräsentative Fassade mit ihren Rundbogenfenstern, den Balkonen und dem breiten Eingangsportal an die Zeit, als Getreidehändler, Reeder und Schiffsausrüster hier ihre Geschäfte abschlossen. Nach mehreren Jahrzehnten als Verwaltungsgebäude wurde das Haus in den 1970er Jahren zum Museum umgestaltet.

Bereits die Eingangshalle vermittelt einen Eindruck von der Geschichte Spitzkaps. Auf dem Steinboden sind die alten Handelsrouten des Landkreises Angfurt eingelassen. Eine große Stadtkarte zeigt die Entwicklung des Hafens über mehrere Jahrhunderte. Viele Besucher bleiben zunächst vor dem Modell der Stadt stehen, das Spitzkap im Jahr 1912 darstellt. Zu erkennen sind die ersten Dampfschiffe am Kai, die Speicherhäuser am Hafenbecken und die Windmühlen auf den Hügeln hinter der Stadt.

Der erste Ausstellungsraum widmet sich der frühen Besiedlung der Küste. Zu sehen sind Steinwerkzeuge, Keramikgefäße und die Nachbildung eines Fischerbootes, das nach einem Fund am Nordufer des Kapsees rekonstruiert wurde. Besonders beachtet wird die Sammlung von Holztafeln, auf denen alte Hafenzeichen eingeritzt sind. Der Überlieferung nach dienten diese Zeichen den Bootsführern zur Orientierung bei dichtem Nebel. Daneben befindet sich eine Vitrine mit den persönlichen Gegenständen des Bootsführers Tjark Menneken, der im Jahr 1738 während eines Herbststurms mehr als dreißig Menschen aus einem havarierten Fährschiff gerettet haben soll.

Im ehemaligen Sitzungssaal der Kaufmannschaft befindet sich heute die Ausstellung zur Blütezeit des Hafenhandels. Dort stehen Waagen, Zollstempel, Frachtbücher und Lagerlisten aus mehreren Jahrhunderten. Eine besondere Aufmerksamkeit erhält das sogenannte Schwarze Register, ein abgegriffenes Buch, in dem Hafenmeister Leff Martensen jahrelang die Verstöße von Schiffsbesatzungen dokumentierte. Besucher können digitale Kopien durchblättern und erhalten Einblicke in Streitigkeiten über verlorene Ladungen, nicht bezahlte Hafengebühren und nächtliche Schmuggelversuche. In einer Ecke des Saals steht die funktionstüchtige Rekonstruktion eines Kornaufzugs, wie er früher an den Kaianlagen verwendet wurde.

Eine Etage höher erzählt das Museum die Geschichte der Bewohner von Spitzkap. Alte Fotografien zeigen Familien vor ihren Häusern, Markttage auf dem Hafenplatz und Schulklassen aus vergangenen Jahrzehnten. Besonders eindrucksvoll wirkt das nachgebildete Wohnzimmer der Schneidersfamilie Voss aus den 1930er Jahren. Auf dem Tisch liegt ein aufgeschlagenes Haushaltsbuch, in dem Ausgaben für Brot, Lampenöl und Fährkarten vermerkt sind. Über Lautsprecher werden Erinnerungen ehemaliger Einwohner abgespielt, darunter die Aufzeichnungen der Lehrerin Hanne Brügge, die von den Wintern berichtet, in denen die Bucht zufror und der Verkehr über das Eis abgewickelt wurde.

Zu den bekanntesten Exponaten des Museums gehört die Glocke des Fährschiffs Seestern, das im Frühjahr 1908 bei einem Unwetter auf Grund lief. Die Glocke wurde Jahrzehnte später von Tauchern geborgen und ist heute das symbolische Herzstück der Sammlung. Eine weitere Vitrine zeigt die Taschenuhr des Kaufmanns Arvid Lensen. Der Legende nach blieb die Uhr genau in dem Moment stehen, als Lensen während eines schweren Gewitters in den Hafen stürzte. Ob die Geschichte wahr ist, lässt sich nicht mehr nachweisen, doch sie gehört längst zu den Erzählungen, die sich die Einwohner Spitzkaps über Generationen hinweg weitergegeben haben.

Für Besucher ist das Museum ganzjährig geöffnet. Die Ausstellungsräume lassen sich auf eigene Faust oder im Rahmen geführter Rundgänge erkunden. Audioguides stehen in mehreren Sprachen zur Verfügung. Im Erdgeschoss befindet sich ein kleines Café mit Blick auf die Promenade, während der Museumsladen regionale Literatur, historische Karten und Nachdrucke alter Hafenfotografien verkauft. Wer seinen Besuch mit einem Spaziergang verbinden möchte, erreicht von hier aus in wenigen Minuten den Anleger, die Uferstraße und das benachbarte Fährhotel. Dadurch eignet sich das Museum nicht nur als Ort für geschichtlich Interessierte, sondern auch als Ausgangspunkt, um Spitzkap und seine Verbindung zum Wasser kennenzulernen.