
(Pop.: 14.782 – 321m NN)
Im Tal des Flusses Kornu, dort wo das Zentralmassiv langsam in die sanfteren Hügel des Vorlandes übergeht, liegt Kornutal. Die Stadt mit ihren 14.782 Einwohnern auf 321 Metern Höhe ist ein Ort, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, sich aber bei genauerem Hinsehen als ein lebendiges Geflecht aus Geschichte, Handwerk und moderner Infrastruktur entpuppt. Der Name verrät schon die geografische Lage: Die Siedlung breitet sich am Ufer des Kornu aus, der hier noch ein munterer Gebirgsfluss ist, bevor er sich später in der Ebene zum schiffbaren Gewässer wandelt. Der Legende nach soll ein Müller namens Benedikt Korn im 12. Jahrhundert als Erster eine hölzerne Behausung an einer flachen Stelle des Flusses errichtet haben, doch die offizielle Chronik führt die erste urkundliche Erwähnung auf das Jahr 1325 zurück, als Graf Lucius von Paulstedt das Recht zum Bau einer Wasserburg erteilte.

Diese Burg Kornutal, eine eindrucksvolle Wasserburg aus dem 14. Jahrhundert, ist noch heute das Herz der Stadt. Umgeben von einem breiten, von der Kornu gespeisten Graben, ragen ihre wuchtigen runden Türme in den Himmel, und das Torhaus mit der hölzernen Zugbrücke versetzt Besucher sofort in eine längst vergangene Zeit. Die Anlage ist heute Sitz des Kreismuseums, und Museumsführerin Margret Kessler pflegt ihren Gästen mit einer Mischung aus Stolz und feinem Humor zu erklären, wie die Burg einst nicht nur Verteidigungszwecken diente, sondern auch als Zollstation für die Flößer, die mächtige Holzstämme aus den Wäldern des Massivs ins Tal brachten.

Nur einen kurzen Spaziergang vom Wassergraben entfernt, erhebt sich die Stadtkirche St. Koren. Sie ist ein barocker Saalbau aus dem frühen 18. Jahrhundert, dessen schlichter, verputzter Außenraum den Blick umso mehr auf das Innere lenkt. Der Kirchenraum ist hell und weitläufig, und die Deckenfresken erzählen in leuchtenden Farben die Legende des Heiligen Koren, dem Schutzpatron der Reisenden und Flößer. Das absolute Prunkstück ist jedoch der Orgelprospekt, ein Meisterwerk des zentravischen Orgelbaus. Reich verziert mit vergoldeten Schnitzereien und Engelsfiguren, beherrscht er die gesamte Westempore. Jeden Samstag um elf Uhr bietet Organist Thomas Werner eine kurze öffentliche Andacht mit Vorführung des Instruments an. Wer das Glück hat, dabei zu sein, wird den vollen, warmen Klang, der durch das Kirchenschiff schwingt, nicht so schnell vergessen. Das Gemeindeleben ist reger, als es die Größe der Stadt vermuten lässt. Die evangelische Kirchengemeinde unter Pfarrerin Sabine Lohse unterhält neben den sonntäglichen Gottesdiensten einen beliebten Seniorenkreis, der sich im Gemeindehaus am Kirchplatz 3 trifft, und eine lebendige Jugendgruppe, die regelmäßig Filmabende im Kellergewölbe des alten Pfarrhauses organisiert.

Kornutal ist aber nicht nur ein Ort der Stille und Geschichte, sondern auch ein bedeutendes Drehkreuz. Die Zentralmassivbahn unterhält hier einen großen Bahnhof mit einer umfangreichen Reparaturwerkstatt, die im ganzen Land einen hervorragenden Ruf genießt. Frühmorgens, wenn die ersten Eilzüge nach Nudeltopf (um 6:21 Uhr) und Bosheim (um 8:28 Uhr) abfahren, erfüllt das rhythmische Hämmern von Metall und das Zischen von Dampf die Luft rund um das Bahnbetriebswerk. Lokführer wie Kurt Baumgarten schätzen die Werkstatt für ihre Präzision, und Schichtleiter Harald Neumann schwört, dass hier die besten Drehgestell-Reparaturen der gesamten Linie 18A durchgeführt werden. Neben dem Fernverkehr halten die Regionalbahnen der Linie 18A stündlich von 6:21 bis 20:21 Uhr nach Blue River über Novatal, sowie die Kornutalbahn (Linie 110), die stündlich nach Kornumünde führt und so eine schnelle Anbindung an den Süden des Landes gewährleistet. Für den Autoverkehr ist Kornutal ein lokaler Knotenpunkt, denn hier treffen die B5 aus Umpferstedt und die B51 aus Artern aufeinander, was die Stadt für Pendler und Lieferanten aus dem gesamten Nordosten attraktiv macht.

Dieser gute Verkehrsanschluss hat der Wirtschaft der Stadt sichtbaren Auftrieb verliehen. Das Unternehmen „Massiv-Möbel Kornutal“ hat sich auf hochwertige Schlafzimmer- und Esszimmermöbel aus heimischen Hölzern wie Eiche, Kirsche und Nussbaum spezialisiert. Wer die Fabrikhallen am Nordring besucht, bekommt in der angeschlossenen Werksausstellung nicht nur die elegante Handwerkskunst zu Gesicht, sondern kann bei Betriebsleiter Rolf Matern auch einen Blick in die Schreinerei werfen, wo Meister Veit Lorenzen jeden Abend die Hobel ansetzt, bevor die Möbelstücke mit der Bahn in die ganze Region verschickt werden. Direkt nebenan hat sich „Zentravia-Logistik“ niedergelassen, ein riesiges Logistikzentrum, dessen Lastwagen die Waren für den gesamten Nordosten verteilen. In den Morgenstunden staut sich der Lieferverkehr gelegentlich auf der B51, doch die Einheimischen haben längst gelernt, die kleinen Umgehungsstraßen durch die Wohngebiete zu nutzen.

Die orthopädische Spezialklinik am südlichen Stadtrand zieht Patienten aus dem ganzen Land an. Chefarzt Dr. Markus Terhorst hat sich auf minimal-invasive Hüft- und Knieoperationen spezialisiert, und viele ältere Bewohner der Region nutzen die moderne Nachsorgeabteilung für ihre Reha-Maßnahmen. Für den täglichen Bedarf müssen die Besucher nicht weit gehen: Die „Kornutal-Arkaden“ beherbergen 50 Läden, vom Supermarkt über eine Buchhandlung bis hin zu einem feinen Schuhgeschäft. Hier trifft man morgens um zehn oft Rentner wie Renate Möller, die nach ihrem Einkauf bei Bäcker Schröder im Café am Brunnenplatz verweilt und einen der berühmten Mohnschnecken genießt.

Für das leibliche Wohl ist ebenfalls bestens gesorgt. Das Restaurant „Schützenhaus“ liegt malerisch an einem kleinen Teich, nur wenige Gehminuten von der Wasserburg entfernt. Es ist berühmt für seine Entengerichte. Inhaber und Koch Heinrich Vogelsang serviert seine knusprig gebratene „Kornutaler Wildente“ mit Rotkraut und Kartoffelklößen, ein Gericht, das an den Wochenenden Gäste aus dem gesamten Kreis Paulstedt anlockt. Wer es etwas rustikaler mag, findet in der „Alten Lokhalle“ direkt gegenüber dem Bahnhof deftige Hausmannskost, während die kleine Eisdiele „Da Luigi“ am Marktplatz 7 an warmen Sommernachmittagen für lange Schlangen sorgt. Übernachten können Reisende im komfortablen „Hotel am Kornu“ mit Blick auf den Fluss oder in der familiären Pension „Zur Burg“ (Burgweg 3), wo Gastgeberin Christine Sommerfeld ihren Gästen gerne Tipps für Wanderungen entlang des Kornutal-Radwegs gibt, der die Stadt mit der östlichen Nachbargemeinde Klaro und der südlich gelegenen Kornuschleuße verbindet. Kornutal ist kein Ort für laute Partys und große Attraktionen. Es ist eine Stadt zum Verweilen, zum Spazierengehen, zum Genießen der kleinen Dinge: der Blick vom Kirchturm über die Dächer zum Wald hinauf, das Klappern der Möbeltischler in der Werkshalle, das tiefe Dröhnen der Zentralmassivbahn, wenn sie mit einem Güterzug in den Abend fährt. Wer sich darauf einlässt, wird einen authentischen Eindruck vom Leben am Rande des Zentralmassivs gewinnen.
Verkehrsverbindungen:
Bahn:
Eilzüge der Zentralmassivbahn 6:21, 10:21, 14:21, 18:21 nach Nudeltopf, 8:28, 12:28, 16:28 über Polausi nach Bosheim, 20:28 nach Polausi
Regionalbahnen: Linie 18A (Zentralmassivbahn) stündlich 6:21-20:21 über Novatal nach Blue River, 21:21 nach Novatal; 6:29-19:29 über Weishaus, Münchhausen nach Nudeltopf, 20:29 nach Münchhausen, 21:29 nach Weishaus; Kornutalbahn (BZF110) stündlich 6:15-21:15 nach Kornumünde
Straße: B5 (S: Kornuschleuße 17km, N: Umpferstedt 5km); B51 (NW: Artern 8km, SO: Klaro 4km); Kornutal-Radweg

