
(Pop.: 532 – 591m NN)
Am frühen Morgen liegt über Novagrund oft noch feuchter Dunst, während an den bewaldeten Hängen bereits die ersten Sonnenflecken erscheinen. Unten im Tal rauscht die Nova über helle Steine, und aus einem schmalen Seitental kommt die Auenitz hinzu. Rund um ihren Zusammenfluss breitet sich das Dorf auf 591 Metern Höhe aus: 532 Einwohner, einige dicht bebaute Straßen am Bahnhof, ältere Häuser bei der Kirche und verstreute Anwesen an den ansteigenden Wegen. Die Lage im oberen Novatal ist bereits deutlich gebirgig. Wiesenflächen werden schmaler, Mischwälder treten bis an die Siedlung heran, und nach Norden steigen die Berge rasch zur Hochregion des Zentralmassivs an. Damit gehört Novagrund zu jenem Teil des Blumenlandes, in dem an die Stelle der milden Ebenen ein raueres Klima mit kühlen Sommernächten und schneereichen Wintern tritt.
Der Ortsname klingt jünger, als die Siedlung vermutlich ist. Einer örtlichen Überlieferung zufolge bezeichneten Bergleute den Platz am Zusammenfluss als den „neuen Grund“, nachdem ein älterer Lagerplatz weiter oberhalb der Auenitz durch einen Hangrutsch aufgegeben worden war. Schriftlich erscheint die Bezeichnung erst in Aufzeichnungen der Pfarrgemeinde. Der Bergbau blieb stets bescheiden: In mehreren kurzen Stollen wurden geringe Mengen Kupfererz sowie Schiefer und Quarz gewonnen. Reich wurde Novagrund damit nie. Seine Bedeutung lag eher darin, dass sich hier erfahrene Bergleute, Fuhrleute, Holzarbeiter und später Eisenbahnbeschäftigte niederließen. Die alte Verbindung von Bergbau und Waldwirtschaft prägt den Ort bis heute.

Über den Dächern des Dorfkerns erhebt sich die Pfarrkirche St. Barbara. Der gedrungene Bruchsteinbau besitzt einen verschindelten Turm, dessen wetterdunkle Haube weithin sichtbar ist. Ein Kupferband am Portal zeigt Schlägel, Eisen und einen stilisierten Quarzkristall. Im Inneren fällt besonders der schlichte Barbaraaltar auf, den Bergmann und Holzschnitzer Emil Roder im frühen 20. Jahrhundert geschaffen haben soll. Pfarrerin Claire Moreau betreut die Gemeinde in Novagrund. Am Barbaratag Anfang Dezember zieht die Gemeinde nach dem Abendgottesdienst mit Grubenlampen zum alten Stollen. Dort werden die Namen verstorbener Bergleute, Waldarbeiter und Bahnangestellter verlesen. Anschließend gibt es im Gemeindehaus Kartoffelbrot, Bergkäse und heißen Kräuterpunsch.
Nur wenige Schritte von der Kirche entfernt liegt das Bergwerksmuseum „Alter Grund“. Es nutzt das frühere Zechenhaus und einen etwa 180 Meter langen, gesicherten Schaustollen. Museumsleiter Jakob Voss führt Besucher durch niedrige Gänge, in denen alte Bohrlöcher, Schieferbänder und quarzhaltige Felspartien zu erkennen sind. Gezeigt werden Grubenlampen, einfache Förderwagen und Werkzeuge aus mehreren Jahrhunderten. Besonders anschaulich ist die nachgebaute Erzscheide, an der Kinder ungefährliche Gesteinsproben sortieren können. Der Stollen ist weder groß noch spektakulär, vermittelt aber gerade deshalb ein glaubwürdiges Bild jener mühevollen Arbeit, die Novagrund über Generationen begleitete. Dass das moderne Landauri wirtschaftlich vor allem durch kleine Betriebe, Genossenschaften und gemeinschaftlich organisierte Einrichtungen geprägt wird, zeigt sich in diesem Dorf besonders deutlich.

Der Bahnhof bildet einen zweiten Mittelpunkt. Hier treffen die Novatalbahn und die Höhlenbahn der Blumenländer Bergbahn aufeinander; deshalb stehen selbst an ruhigen Tagen Wanderer, Kurgäste und Beschäftigte aus den Nachbarorten auf den Bahnsteigen. Die Novatalbahn verbindet Novagrund mit Neinsto, Boxa und Roxdorf sowie in der Gegenrichtung mit Annendorf. Die Höhlenbahn führt über Bergdorf in Richtung Blue River. Das stattliche Empfangsgebäude aus grauem Naturstein besitzt ein tief heruntergezogenes Schieferdach und einen beheizten Wartesaal. Auf dem kleinen Bahnhofsvorplatz liegen das Berghotel „Auenitzblick“, das Lebensmittelgeschäft Grundkorb, die Barbara-Apotheke und der Ausrüstungsverleih „Steigfest“. Letzterer wird von der Bergwanderführerin Lena Hartwig und dem Skilehrer Tomasz Zieliński betrieben. Neben Stöcken, Schneeschuhen und Tourenskiern verleihen sie Kindertragen, Regenkleidung und einfache Ferngläser.
Im Berghotel „Auenitzblick“, Bahnhofplatz 2, stehen zwanzig Zimmer zur Verfügung. Das Haus richtet sich weniger an anspruchsvolle Feriengäste als an Wandergruppen, Bahnreisende und Besucher des Thermalbades. Im Erdgeschoss befindet sich ein geräumiger Trockenraum, in dem nasse Schuhe und Jacken über Nacht wieder verwendbar werden. Persönlicher wohnt man in der Pension „Barbara“, Stollengasse 6. Ihre Gastgeberin Johanna Klee vermietet vier Zimmer in einem ehemaligen Steigerhaus und serviert zum Frühstück Brot aus Novatal, Käse der Kooperation Oberes Novatal und Waldhonig aus dem Auenitztal.

Eine der bemerkenswertesten Werkstätten steht in der Klangholzstraße. Bei „Grundton“ reparieren Instrumentenbauerin Amina Rahman und ihr Kollege Felix Brandt Akkordeons, Zithern sowie Holz- und Blechblasinstrumente. Auf den Werkbänken liegen Ventile, Bälge, Klappenpolster und ordentlich gebündelte Hölzer. Manche Aufträge kommen aus der Instrumentenstadt Altenow, andere aus Bergkapellen und Dorfgemeinden des gesamten Zentralmassivs. Die benachbarte Waldgenossenschaft stellt dafür ausgesuchte Bergahorn-, Fichten- und Buchenstämme bereit. Sie bewirtschaftet die Hänge gemeinschaftlich, legt Rückegassen fest, schützt Quellbereiche und lässt geeignete Klangholzstämme langsam trocknen. Försterin Sofia Lindberg markiert die Bäume nicht allein nach Stärke, sondern prüft auch Wuchs, Faserverlauf und mögliche Spannungen im Holz.

Oberhalb des Dorfes folgt die Auenitzstraße dem enger werdenden Seitental zum Thermalbad Novagrund. Der zurückhaltende Bau aus Holz, Stein und großen Fensterflächen fügt sich gut zwischen Waldhang und Bach. Mineralhaltiges Wasser aus einer Tiefbohrung speist zwei Innenbecken und ein ganzjährig geöffnetes Außenbecken. Im Winter steigt dort Dampf über dem Wasser auf, während auf den Fichten Schnee liegt. Eine physiotherapeutische Abteilung behandelt vor allem Erkrankungen des Bewegungsapparates und begleitet Rehabilitationsaufenthalte. Für Dorfbewohner gibt es am frühen Morgen und am Abend vergünstigte Badezeiten. Physiotherapeutin Élodie Martin leitet außerdem wöchentlich eine Wassergymnastik, zu der regelmäßig ältere Einwohner aus Novagrund und Neinsto kommen.

Kulinarisch überrascht das Restaurant „Le Ciel Doré“ in der Auenitzstraße 18. Küchenchef Mathieu Perrin kam vor einigen Jahren aus Nova ins Zentralmassiv und verbindet französisch geprägte Kochtechniken mit Zutaten aus dem oberen Novatal. Auf der kleinen Karte stehen gebratene Bergforelle mit Sauerampfer, Pilzpastete im Schieferteig und ein Kartoffelgratin mit würzigem Bergkäse. Als Nachtisch wird häufig eine Quarktarte mit Waldbeeren angeboten. Der Name „Goldener Himmel“ bezieht sich auf das warme Abendlicht, das durch die hohen Westfenster fällt. Das Restaurant besitzt nur acht Tische; an Wochenenden empfiehlt sich daher eine Reservierung.
Einen Stammplatz am Fenster hat der Schriftsteller Pierre Dubois. Er lebt im ehemaligen Forsthaus an der Auenitz und schreibt Erzählungen über Bahnreisende, Waldarbeiter und Menschen, die vorübergehend in Bergorten stranden. Sein bekanntester Roman „Der letzte Zug im Schnee“ spielt in einem fiktiven Dorf, das Novagrund unverkennbar ähnelt. Dubois arbeitet vormittags, geht nachmittags meist bis zum Zusammenfluss von Auenitz und Nova und liest einmal im Monat im Gemeindesaal aus neuen Texten. Dabei interessiert ihn weniger die große Gebirgsromantik als der genaue Alltag: der Apotheker, der bei Schneefall Medikamente ausliefert, die Instrumentenbauerin über einem beschädigten Akkordeon oder die fünf ständigen Bewohner der Hangbaude, die ihre Vorräte für den Winter ordnen.
Novagrund eignet sich damit nicht nur als Ausgangspunkt für eine Bergtour. Das Dorf lohnt einen längeren Aufenthalt, weil hier mehrere prägenden Seiten des oberen Novatals auf engem Raum zusammentreffen: Bergbaugeschichte und Instrumentenhandwerk, gemeinschaftlich bewirtschafteter Wald, Thermalwasser und Gebirgsbahn. Zwischen Kirche, Bahnhof, Werkstätten und dem Weg zur Hangbaude zeigt sich ein Ort, dessen Einrichtungen erstaunlich vielfältig sind, ohne seine überschaubare dörfliche Struktur zu verlieren.
Verkehrsverbindungen:
Bahn: Novatalbahn (BBB Blumenländer Bergbahn) 2stündlich 8:51-18:51 nach Annendorf, 7:53-17:53 nach Roxdorf; Höhlenbahn (BBB Blumenländer Bergbahn) stündlich 7:37-19:37 nach Annendorf, 7:48-19:48 nach Blue River Hbf
Straße: L2 (W: Neinsto 6km, O: Annendorf 3km); L3 (S: Bergdorf 12km); Wanderweg durch das Auenitz-Tal (N: Hangbaude 11km)
Land: Blumenland
Landkreis: Novatal
Gemeinde: B-7130 Novagrund
Orte: B-7130 Novagrund, B-7131 Hangbaude
Die Hangbaude gehört zur Gemeinde Novagrund, liegt jedoch weit oberhalb des Dorfes auf 1.098 Metern Höhe südlich unterhalb des Gletscherberges. Sie vereint Gaststube, Schlaflager, Wetterstation und einen Raum für die Bergrettung. Zu Fuß erreicht man sie auf einem elf Kilometer langen Weg durch das Auenitztal. Der Anstieg bleibt stetig, führt aber über eine beträchtliche Höhendifferenz. Unterwegs wechseln feuchte Schluchtwälder, offene Hangwiesen und felsige Abschnitte einander ab. Alternativ fährt man zunächst nach Annendorf und steigt dort in die Gletscherbahn um, die auch an der Hangbaude hält.

