
(Pop.: 47 – 698m NN)
Stellen Sie sich vor, Sie gehen durch ein Tal, das so eng und still ist, dass man meinen könnte, die Welt habe sich hierher zurückgezogen, um auszuruhen. Der Skyggeelv rauscht über moosbewachsene Steine, und die hohen Hänge des Zentralmassivs werfen selbst am helllichten Mittag tiefe, kühle Schatten. Hier, wo der Fluss eine sanfte Schleife zieht, liegt Bachkomm, ein Weiler, der eigentlich kein Dorf ist – sondern eher ein Geheimtipp, den die Natur selbst gut versteckt hat.
Mit nur 47 Einwohnern, auf 698 Metern Höhe, ist Bachkomm nicht einmal ein Punkt auf jeder Landkarte. Wer dennoch hierher findet, wird schnell verstehen, dass der Name Programm ist. Die Ortschronik von Gemeindearchivar Torben Flach erzählt eine hübsche Anekdote: Als ein Wanderer vor Jahrhunderten am Skyggeelv rastete, fragte er einen alten Holzfäller nach dem Namen des Fleckens. Der zuckte mit den Schultern, deutete auf das einzige Geräusch – das eintönige Rauschen des Flusses – und sagte: „Bach komm’“ (Das Rauschen des Baches). Der Name blieb, genauso wie die Abgeschiedenheit, die Bachkomm bis heute schützt.

Das Herz und die Seele des Ortes ist die Schänke „Zum letzten Tal“. Sie ist nicht nur die größte Attraktion, sondern für viele auch der Grund, warum sie den beschwerlichen Weg auf sich nehmen. Die Gaststube aus dunklem, jahrhundertealtem Holz ist ein einziger großer, gemütlicher Raum, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Hier kehren die müden Wanderer des Fernwanderwegs Z5 ein, bevor sie sich an den letzten, steilen Aufstieg zum Kamm des Massivs machen. Die Wirtin, Hella Krogmann, führt das Haus mit einer Mischung aus herzlicher Gastfreundschaft und liebevoller Strenge. Ihr Hausrezept ist die „Bachkommer Jägersuppe“, eine kräftige, dunkle Brühe mit Waldpilzen und feinen Fleischstreifen, die angeblich schon so manchen erschöpften Wanderer wieder auf die Beine gebracht hat. Die Speisekarte ist klein, aber fein: Wildragout mit Preiselbeeren, hausgemachte Bratwurst vom Hof des Nachbarn oder ein Stück des berühmten, butterweichen Nudelländer Käsekuchens, der von einem Händler aus Trudchen über den Pass gebracht wird. Die Übernachtungsmöglichkeiten sind einfach, aber sauber: Drei gemütliche Gästezimmer im Obergeschoss der Schänke bieten ein authentisches Unterkunftserlebnis für diejenigen, die die Stille der Nacht im Tal genießen möchten.

Nur wenige Meter von der Schänke entfernt, etwas zurückgesetzt im Schatten alter Fichten, steht das ehemalige Wohnhaus von Axel Johansson. Der berühmte Schriftsteller lebte hier bis zu seinem Tod im Jahr 2024 und zog sich immer wieder in die Abgeschiedenheit Bachkomms zurück, um zu arbeiten. Johansson, der für seine tiefgründigen, oft melancholischen Romane bekannt war, hatte eine schillernde Biografie. Geboren 1952 im hektischen Zentro, studierte er Philosophie und Literatur, bevor er als Journalist arbeitete. Doch der Lärm der Welt wurde ihm zu viel. Seine Bücher sind moderne Klassiker: Mit „Der Lärm der Stille“ (1985) gelang ihm der Durchbruch, eine ergreifende Studie über einen Uhrmacher, der in einer Großstadt den Sinn seines Lebens verliert. Sein wohl berühmtestes Werk, „Das Versprechen des Flusses“ (1994), schrieb er während eines langen Aufenthalts in Bachkomm. Es ist die Geschichte einer unmöglichen Liebe zwischen einem Förster und einer Schäferin, die durch die Wirren des Krieges in Zentravia getrennt wird. Der Roman wurde in zwölf Sprachen übersetzt und 2002 unter der Regie von Viktor Sokolov verfilmt. In seinen späteren Jahren, nach der Veröffentlichung des düsteren Familiendramas „Das Erbe der Asche“ (2011), wurde es still um Johansson. Er zog sich ganz nach Bachkomm zurück, wanderte stundenlang durch das Massiv und wurde eine fast schon mythische Figur. Die Bewohner erzählen sich noch heute, dass man ihn an nebeligen Abenden am Fenster seines Arbeitszimmers sitzen sah, umgeben von Stapeln von Papier, wie er mit rauchender Pfeife in die Dunkelheit starrte. Einige seiner Manuskripte und persönlichen Gegenstände werden in einer kleinen Vitrine in der Schänke aufbewahrt, und sein Schreibtisch steht noch genau so im Haus, wie er es hinterlassen hat.
Die B5 ist die einzige Straßenverbindung, und selbst sie ist mehr eine gewundene Landstraße. Wer mit dem Auto anreist, kommt über Gebirgshof (14 km südwestlich) oder aus dem kleinen Krumdorf (5 km östlich). Die 47 Einwohner verteilen sich auf die Schänke, die Kapelle und drei weitere Wohnhäuser. Zwei der Häuser gehören den Familien Hansen und Berger, die seit Generationen hier oben leben und eine kleine Landwirtschaft mit einigen Ziegen und Hühnern betreiben. Das dritte Haus ist die kleine, aber feine Kapelle St. Michael, ein schlichter, weiß gekalkter Bau mit einem kleinen Dachreiter. Zweimal im Monat kommt Pfarrer Magnus Uhlmann aus Gebirgshof hier herauf, um einen Gottesdienst zu halten. Die Gemeinde ist klein, aber die Zusammenkünfte in der Kapelle sind wichtige gesellschaftliche Ereignisse. Der Alltag ist einfach. Für die Bewohner von Bachkomm ist die Postagentur im Nachbarort Krumdorf die nächste Anlaufstelle, um Pakete abzuholen oder Briefe aufzugeben. Einmal pro Woche kommt der mobile Bäcker, Leopoldt Zelenka, aus Paulstedt mit seinem grünen Transporter vorgefahren, ein Ereignis, das die gesamte Dorfgemeinschaft auf den Plan ruft.
Bachkomm ist kein Ort für Menschen, die Action und Unterhaltung suchen. Es ist ein Ort zum Innehalten, zum Wandern, zum Nachdenken. Die Ruhe ist allgegenwärtig, unterbrochen nur vom Rauschen des Skyggeelv und dem Pfeifen des Windes. Die Bewohner sind freundlich, aber zurückhaltend, respektieren die Privatsphäre des Einzelnen. Wer hierher kommt, sollte sich darauf einlassen, die Seele baumeln zu lassen, die klare Luft zu atmen und vielleicht am Fenster des Hauses von Axel Johansson ein wenig von der Melancholie des großen Dichters zu spüren.
Verkehrsverbindungen:
Straße: B5 (SW: Gebirgshof 14km, O: Krumdorf 5km)
Land: Zentravia
Landkreis: Paulstedt
Postleitzahl: Z-2230 Bachkomm

