
(Pop.: 74 – 701m NN)
Wer Gebirgshof hinter sich lässt und der schmalen Waldstraße durch das Kornutal folgt, merkt schnell, dass die Welt hier oben noch einmal eine andere ist. Nach etwa fünf Kilometern, wo die Bäume lichter werden und die Luft noch einmal spürbar an Klarheit gewinnt, liegt Dalarne. Auf 701 Metern Höhe, umgeben von sanften Hügeln und uralten Fichtenwäldern, ist der Weiler mit seinen 74 Einwohnern der höchstgelegene Ort im ganzen Kreis Paulstedt. Im Sommer ein verschlafener Flecken Erde, verwandelt er sich mit dem ersten Schneefall in ein kleines, aber feines Wintersportparadies.
Zwei Hotels prägen das Bild von Dalarne. Das größere ist die „Skistube“, ein gemütliches, in dunklem Holz gehaltenes Haus, das seit drei Generationen von der Familie Hansen geführt wird. Hier riecht es nach Kaminfeuer, Zimtgebäck und nasser Skibekleidung. Direkt gegenüber liegt die „Dalarner Alm“, rustikaler, uriger, mit einer Sonnenterrasse, die bei klarem Wetter einen atemberaubenden Blick bis hinunter ins Kornutal bietet. Beide Häuser sind in der Wintersaison regelmäßig ausgebucht, vor allem an den Wochenenden, wenn Familien aus Paulstedt und sogar aus der Hauptstadt Zentro anreisen, um dem Trubel der Stadt zu entfliehen.
Das Herzstück des Weilers ist die Skiliftanlage, liebevoll „der alte Esel“ von den Einheimischen genannt. Der Schlepplift, der seit den 1970er Jahren unermüdlich seine Runden zieht, erschließt zwei Abfahrten: Die steile „Schwarze Wand“ ist nichts für Anfänger – sie fällt mit einer Neigung von bis zu 28 Prozent direkt unter der Bergstation in ein felsiges Bett. Deutlich zahmer ist „Müllers Hang“, eine breite, sanft geschwungene Piste, die sich perfekt für Kinder und geübte Anfänger eignet. Wer es lieber gemächlich mag, greift zu den Langlaufski. Ein weitläufiges Netz aus gespurten Loipen zieht sich durch die verschneite Winterlandschaft, vorbei an gefrorenen Bächen und stillen Lichtungen, auf denen man mit etwas Glück die Spuren von Rehen oder Füchsen entdeckt.
Betrieben wird die Anlage von einer kleinen Genossenschaft der Dalarner, allen voran von Holger Voss, einem ausgebildeten Skilehrer mit wettergegerbtem Gesicht und einer Vorliebe für deftige Witze. Er ist es auch, der jeden Morgen den Schnee checkt und entscheidet, ob die Lifte laufen. Wenn der Schnee einmal nicht von alleine fällt, hilft die alte Schneekanone nach – ein stotterndes, lautstarkes Ungetüm, das die Kinder im Dorf gleichermaßen fasziniert und amüsiert.
Im Sommer schläft Dalarne fast ein. Dann wandern die wenigen Gäste, die den Weg hier herauf finden, zu den Quellen des Skyggeelv oder starten von hier aus zu einer anspruchsvollen Tour über die Bergrücken des Zentralmassivs. Die Hotels haben dann geöffnet, aber es ist still. Die Einheimischen – darunter die pensionierte Lehrerin Marit Jürgens, der Schmied Ralf Bornholdt und die junge Bäuerin Lena Kopp – nutzen die warmen Monate, um Häuser zu reparieren, Holz zu machen oder einfach auf ihren Veranden zu sitzen und den Blick schweifen zu lassen. Wer Dalarne wirklich kennenlernen will, kommt am besten an einem klaren Wintermorgen, wenn der erste Lift noch nicht läuft, der Schnee knirscht und der Dampf aus den Schornsteinen der beiden Hotels gerade erst in den blassblauen Himmel steigt. Dann spürt man, warum die 74 Menschen hier oben geblieben sind: Weil die Stille lauter spricht als jede Großstadt.
Verkehrsverbindungen:
Straße: Waldstraße im Kornutal hinunter nach Gebirgshof
Land: Zentravia
Landkreis: Paulstedt
Postleitzahl: Z-2181 Dalarne

