(Pop.: 547 – 441m NN)

Umpferstedt liegt im oberen Kornutal des Zentralmassivs umgeben von dichten Buchen- und Fichtenwäldern, deren Geruch das ganze Jahr über die Luft prägt. Wer von der B5 abbiegt und die schmale Talstraße auf der anderen Seite des Kornu hinunterfährt, merkt sofort, dass hier die Zeit langsamer läuft; die Häuser gruppieren sich entlang der Straße, Scheunen und Werkstätten stehen dicht bei den Gärten, und zwischen den Höfen öffnen sich Pfade in den Wald. Der Name Umpferstedt, so erzählt man sich bei einem Glas Most im Dorfladen, soll von einem alten Flurnamen stammen, in dem einst ein „Umphar“ – ein Waldarbeiter oder Förster – gelebt haben soll; ob das stimmt, weiß niemand genau, aber die Anekdote passt zur langen Verbindung des Ortes zum Holz.

Das sichtbarste Zeichen dieser Verbindung ist die Holzkirche von Umpferstedt. Ein Blockbau aus dem 16. Jahrhundert, außen vom Wetter gegerbt, innen überraschend reich: die Wandmalereien, die Szenen aus dem Leben der Heiligen und florale Ornamente zeigen, sind so gut erhalten, dass Besucher oft länger als geplant verweilen. Pfarrer Jakob Hensel, ein Mann mit ruhiger Stimme, feiert hier sonntags die Messe; zur Kirchweih im Spätsommer füllt sich der kleine Platz vor der Kirche mit Tischen, selbstgebackenem Kuchen und Kindern, die um den Maibaum tanzen.

Das Gemeindeleben ist überschaubar, aber lebendig: die Freiwillige Feuerwehr organisiert das Maibaumfest und die Brandschutzübungen, der Männergesangverein probt im Gemeindehaus, und im Winter treffen sich die älteren Bewohner zu Abenden mit Geschichten von Holzfällern und Förstern.

Die Wirtschaft Umpferstedts wird von der Forstwirtschaft bestimmt. Wälder sind hier nicht nur Landschaft, sie sind Arbeitsfeld und Lebensgrundlage. Ein lokales Beispiel ist der Forstbetrieb Kornutal GmbH (Buchenweg 3); Forstmeister Anselm Kröger leitet den Betrieb, der die Gemeindewälder pflegt, Stammholz an regionale Sägewerke liefert und Kaminholz direkt ab Hof verkauft. Wer im Dorf anruft, kann sich einen Anhänger voll Scheite bestellen oder an einer der gelegentlichen Führungen teilnehmen, bei denen Kröger erklärt, wie nachhaltige Waldwirtschaft im Zentralmassiv funktioniert. Ergänzt wird das Angebot durch kleine Handwerksbetriebe wie Meister Müller’s Tischlerei (Dorfstraße 12): Inhaber Klaus Müller fertigt Fenster, Türen und Möbel aus heimischem Holz, repariert alte Truhen und gibt ab und zu Kurse in Holzbearbeitung für Jugendliche und interessierte Besucher. Die Werkstatt riecht nach Sägemehl und Leinöl; hier trifft sich, wer etwas mit den Händen schaffen will.

Für Gäste, die länger bleiben möchten, bietet die Pension Zum Bergsee (Seestraße 1), vier gemütliche Zimmer; Gastgeberin Helene Brandt serviert am Morgen Brot aus dem Dorfbackofen und erzählt gern, wo die schönsten Wege liegen. Die Pension ist schlicht, sauber und ideal für Wanderer, die das Pine Brook Tal erkunden wollen. Einkaufsmöglichkeiten sind dem Maß des Dorfes angepasst: ein Dorfladen mit Postagentur, eine kleine Bäckerei, die zweimal täglich frisches Brot liefert, und eine Fleischerei, die Wurstwaren aus regionaler Produktion anbietet. Das Rathaus ist ein schlichtes Gebäude, in dem Bürgermeisterin Greta Lenz und der Gemeinderat die Angelegenheiten regeln; für größere Behördengänge fährt man nach Paulstedt.

Zum Gemeindegebiet gehört der abgelegene Ingmarshof im Pine Brook Tal, auf 611 Metern Höhe, ein traditionsreicher Bergbauernhof mit 24 Einwohnern. Familie Voss betreibt den Hof in dritter Generation und hat sich auf die Haltung von Mangalitza‑Schweinen spezialisiert – die wolligen Wollschweine sind hier nicht nur Nutztiere, sondern auch Aushängeschild. Am Hof werden Wurstwaren, Schinken und gelegentlich Felle verkauft; Besucher können nach Absprache an einer Hofführung teilnehmen, bei der die Kinder die zutraulichen Tiere füttern dürfen. Der Weg zum Ingmarshof führt über eine Waldstraße, die sich durch das Tal schlängelt; im Frühjahr blühen hier die Wiesen, im Herbst leuchten die Hänge in warmen Farben.

Ein besonderes Ziel im Pine Brook Tal ist der Ingmarsfall, ein kleiner Wasserfall, der über moosige Felsen stürzt und ein beliebtes Fotomotiv ist. Der Pfad dorthin führt vom Ingmarshof 4km das Tal hinauf; nach Regenfällen führt der Bach mehr Wasser, und die Kaskaden wirken dann besonders eindrucksvoll. Fotografen und Familien kommen gleichermaßen, um die stille Kraft des Wassers zu erleben und auf den glatten Steinen zu sitzen. Die Kombination aus Hof, Wasserfall und Wald macht das Tal zu einem Mikrokosmos der Region: handwerkliche Tradition, bäuerliche Kultur und unberührte Natur.

Das Leben in Umpferstedt ist geprägt von Menschen, die hier verwurzelt sind. Förster, Tischler, Bäcker und Landwirte kennen einander, helfen sich gegenseitig und treffen sich bei Festen. Junge Familien pendeln oft nach Paulstedt oder in die Hauptstadt Zentro, doch viele ältere Bewohner sind seit Generationen hier und sorgen dafür, dass Traditionen wie das Maibaumaufstellen, die Kirchweih und das jährliche Holzrücken erhalten bleiben. Es gibt keine großen Museen oder Theater, aber das Gemeindehaus fungiert als kultureller Treffpunkt: Filmabende, Vorträge über Waldökologie und Handwerkskurse finden hier statt.

Wer Umpferstedt besucht, sollte sich Zeit nehmen: die Holzkirche betreten, die Wandmalereien betrachten, mit Forstmeister Kröger über nachhaltige Waldwirtschaft sprechen, in Meister Müllers Werkstatt dem Schleifen von Holz zusehen und den Pfad zum Ingmarsfall gehen. Im Herbst, wenn die Wälder in Flammenfarben stehen und der Geruch von feuchtem Laub in der Luft liegt, zeigt sich das Kornutal von seiner eindrücklichsten Seite. Umpferstedt ist kein Ort für Eile; es ist ein Dorf, das seine Geschichten in Holz und Erde geschrieben hat und das Besucher mit einer Mischung aus Handwerk, Natur und herzlicher Gastfreundschaft empfängt.


Verkehrsverbindungen:
Straße: B5 (S: Kornutal 4km, N: Gebirgshof 7km); Waldstraße im Tal des Pine Brook nach Ingmarshof und zum Ingmarsfall

LandZentravia
LandkreisPaulstedt
Postleitzahl: Z-2190 Umpferstedt im Kornutal, Z-2191 Ingmarshof