
(Pop.: 2.147 – 39m NN)
Die Kreisstadt Stegstedt mit ihren stolzen 2.147 Einwohnern ist der Inbegriff des beschaulichen Kleinstadtidylls. Eingebettet in die sanften Hügel der Ostseite der Stegstedter Halbinsel, liegt sie wie eine Muschel direkt an der nach ihr benannten Bucht, deren ruhiges Wasser unterhalb des Hügels der Hauptstraße sanft gegen den alten Hafenkai plätschert. Etwa zwölf Kilometer trennen den Ort von der lebhaften Hauptstadt Insula, doch schon die kurze Fahrt über die B31 oder mit dem Insula-Express fühlt sich an wie eine Reise in eine eigene kleine Welt.
Eine Stadt, die von Häuptlingen und Königen träumt
Schon der Name der Stadt birgt eine Geschichte von Aufbegehren und Ambitionen. Um das Jahr 1100 war es der lokale Häuptling Radulf Stegsted, der sich anschickte, die Insel von der Vorherrschaft des mächtigen Königreichs Storha zu lösen. Er träumte von einer unabhängigen Herrschaft, doch sein Plan scheiterte am schnellen Eingreifen storhischer Truppen. Sein Name aber blieb der Bucht und dem späteren Ort erhalten. Der Legende nach soll Radulf von den Hügeln oberhalb der heutigen Kirche aus die weißen Segel der herannahenden Flotte gesichtet und erkannt haben, dass sein Traum ausgeträumt war – eine Legende, die heute noch bei einem Spaziergang durch die ruhigen Gassen einen Schauer der Geschichte vermittelt.

Wenige Jahrzehnte später, im Jahr 1158, war es dann König Zinzad, der die Insel endgültig für Storha sicherte. Er erkannte die strategische Bedeutung der Stegstedter Bucht und errichtete an ihrem Ufer ein befestigtes Lager, aus dem sich später die heutige Hauptstadt Insula entwickeln sollte. Stegstedt selbst blieb zunächst im Schatten des wachsenden Machtzentrums, doch als Verwaltungssitz des Landkreises bewahrte es sich seinen eigenen, eigenwilligen Charme. Das Herzstück dieses Charmes ist ohne Zweifel die spätgotische St.-Ambrosius-Kirche, die weithin sichtbar über die Bucht thront. Sie wurde auf den Grundmauern einer älteren Kapelle errichtet, die der Überlieferung nach von den Mönchen des ehrwürdigen Klosters Sancta Catherina gegründet wurde. Wer die kleine Anhöhe erklimmt und die schwere hölzerne Tür öffnet, wird von einem Gefühl jahrhundertealter Ruhe umfangen. Drinnen lädt die Stille zum Verweilen ein, und das Spiel des Lichts durch die hohen, schmalen Fenster lässt den Raum lebendig erscheinen. Besonders stimmungsvoll ist ein Besuch während des sonntäglichen Gottesdienstes, wenn die Orgel von Organistin Clara Bergmann ihre klaren Töne durch das Kirchenschiff schickt.
Ein Bummel durch die Geschichte

Vom Kirchhügel führt der Weg unweigerlich die Hauptstraße hinunter, die schnurgerade auf das Wasser zuläuft. Diese Straße ist das Rückgrat der Stadt und ein kleines Freilichtmuseum der Baukunst des 17. und 18. Jahrhunderts. Hier säumen gut erhaltene Kaufmannshäuser mit ihren typischen Giebeln und dunkelroten Ziegeldächern den Weg. Eines der schönsten ist das Haus des ehemaligen Reeder Gustav Eschbach in der Hauptstraße 12, dessen prächtiges Portal und die alte Inschrift über der Tür von einer Zeit erzählen, als Stegstedt ein wichtiger Umschlagplatz für regionale Waren war. Gegenüber, in der Hauptstraße 19, hat die kleine Buchhandlung „Zum Ambrosius“ von Solveig Hansen ein Zuhause gefunden, wo es sich vorzüglich in regionaler Literatur und Reiseführern stöbern lässt.
Der untere Teil der Hauptstraße mündet direkt in die geschäftige Welt des Alten Hafens. Am frühen Morgen ist hier die meiste Aktivität, wenn die etwa ein Dutzend bunt gestrichenen Fischkutter der Stegstedter Flotte ablegen. Mit einem lauten Rattern der Motoren und einer Schar kreischender Möwen im Schlepptau ziehen die Boote hinaus in die Bucht, um ihren Fang zu machen. Ihr Kapitän, der wettergegerbte Henrik Jürgensen von der „Wellenbrecher“, ist eine echte Institution in der Stadt. Er kann stundenlang von den Launen des Meeres und den besten Angelplätzen erzählen, während er auf der Kaimauer sitzt und sein Netz flickst.

Vom Kutter direkt auf den Teller
Die Fischerei ist mehr als nur Tradition, sie ist die Lebensader des Ortes. Der tägliche Fang versorgt nicht nur die heimischen Gaststätten, sondern auch die beiden Fischverarbeitungsbetriebe am nördlichen Ufer. Dort verarbeitet die Fischkonservenfabrik „Buchta“ den frischen Fang zu delikaten Marinaden und Pasteten, die weit über die Grenzen der Insel hinaus bekannt sind. Wer das Glück hat, kann das Treiben in der Fabrik bei einer Führung beobachten (eine Anmeldung im Rathaus ist erforderlich).

Der direkteste und schmackhafteste Weg, die lokale Spezialität zu probieren, führt jedoch in die Gaststätte „Alter Kai“ (Hafenstraße 2). Hier serviert Wirtin Anke Riedel jeden Tag, solange der Vorrat reicht, den fangfrischen Fisch – sei es als knusprige Backfisch-Brötchen, zarte Filets auf Safranreis oder als deftige Fischsuppe, die an kalten Tagen von innen heraus wärmt. Am Nebentisch sitzt dann gerne mal Karl Steinfeld, der letzte noch aktive Netzflicker der Stadt, der seine Kaffeesuppe mit einem Schuss in den Löffel tunkt und dabei vergnügt vor sich hin schimpft.
Der Taktgeber: Der Insula-Express

Stegstedt mag beschaulich sein, verschlafen ist es deshalb noch lange nicht. Der Grund dafür liegt in der Schiene: Der Bahnhof Stegstedt ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt an der Strecke des Insula-Express. Wie zwei unterschiedlich getaktete Herzschläge durchziehen die Züge das Leben der Stadt. Der Insula-Express (Eilzug Linie 2-2) kommt viermal am Tag vorbei – um 7:27, 11:27, 15:27 und 19:27 Uhr geht es über Insula in die große Hafenstadt Heureka und um 9:06, 13:06, 17:06 und 21:06 Uhr zurück nach Butha. Diese Züge sind eine Reise wert, mit ihren großen Fenstern und dem gemächlichen Rhythmus. Der wahre Taktgeber aber ist die Regionalbahn (Linie 2002), die stündlich zuverlässig ihre Runden dreht. Von 7:02 bis 22:02 Uhr geht es gen Insula, und von 6:22 bis 21:22 Uhr in die andere Richtung nach Butha. Pünktlich zum Glockenschlag setzt sich der Zug in Bewegung, und wer auf der Ostseite des Zuges Platz nimmt, hat eine atemberaubende Sicht über die Stegstedter Bucht, die im Licht der tief stehenden Sonne wie aus reinem Silber zu bestehen scheint. Für die Weiterreise ins Ackerland nach Spitzkap steht fünfmal am Tag am Bahnhofsvorplatz der Fährbus bereit, der die Reisenden bis nach Westfähre bringt.
Leben und Arbeiten im Schatten des Kirchturms

Abseits der Touristenpfade pulsiert ein ruhiges, bodenständiges Leben. Die Menschen in Stegstedt kennen sich, sie grüßen sich auf der Straße und halten zusammen, wenn Not am Mann ist. Das Ortszentrum konzentriert sich um den kleinen Marktplatz vor der Kirche. Hier finden Sie das Rathaus, eine schmucke, hell verputzte Einrichtung, wo Bürgermeisterin Petra Voss und ihr Team für die Belange der Bürger da sind. Gegenüber hat die Volksbank Stegstedt ihre einzige Filiale, und ein paar Schritte weiter versorgt die Bäckerei „Kamps“ die Stadt mit ihren berühmten Hörnchen. Für den größeren Einkauf muss man zwar die B31 in Richtung Anbucht nehmen, wo sich ein kleiner Supermarkt befindet, doch die täglichen Bedürfnisse werden im Dorf- und Bioladen „La Vida“ (Kurze Gasse 3) von Marion und Klaus Sander gedeckt. Hier riecht es nach frischem Brot, regionalem Gemüse und ein wenig nach Abenteuer, denn es gibt auch allerlei ausgefallene Leckereien zu kaufen.

Nach einem erfüllten Tag voller Spaziergänge am Wasser und historischer Entdeckungen bietet die Stadt auch die passende Ruheoase. Die beste Adresse für eine Übernachtung ist das Hotel „Zur alten Schmiede“ (Fährweg 5). Der gelernte Schmied Timo Welz hat das uralte Gebäude mit viel Liebe zum Detail zu einem gemütlichen Landhotel umgebaut. Die Zimmer sind schlicht, aber geschmackvoll eingerichtet, und der hauseigene Biergarten mit Blick auf die Bucht ist ein Geheimtipp für alle, die den Abend bei einem kühlen Bier ausklingen lassen möchten.
Stegstedt ist kein Ort für Hektik. Es ist ein Ort, um durchzuatmen, in die Weite der Bucht zu blicken und die Seele baumeln zu lassen. Es ist ein echter Geheimtipp für alle, die das authentische, unverfälschte Inselleben abseits der großen Hauptstadt erleben möchten. Hier zählt nicht das große Spektakel, sondern die leisen Töne – das Klatschen der Wellen, der Duft von frischem Fisch, das beruhigende Pfeifen der Regionalbahn, die ihre stündliche Runde dreht.
Verkehrsverbindungen:
Bahn:
Eilzüge: Linie 2-2 (Insula-Express) 7:27, 11:27, 15:27, 19:27 über Insula nach Heureka, 9:06, 13:06, 17:06, 21:06 nach Butha
Regionalbahnen: Linie 2002 (Insula-Express) stündlich 7:02-22:02 nach Insula, 6:22-21:22 nach Butha
Bus: Fährbus 7:35, 11:35, 13:35, 15:35, 17:35 nach Westfähre zur Fähre nach Spitzkap (Ackerland)
Straße: B31 (NW: Anbucht 5km); B34 (W: Westfähre 11km); B31/B34 (SO: Insula 12km)

