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Der Landkreis Kohlaschleuße, mit 6.467 Einwohnern dünn besiedelt wie andere Verwaltungseinheiten Kohlonias, umfasst den gesamten Südosten des Kohlgebirges und dessen kontrastreiches Vorland. Er erstreckt sich über eine Fläche von rund dreißig mal vierzig Kilometern und bildet eine Region der Übergänge: Hier gehen die bewaldeten Hänge des Gebirges in das Hügelland der Kohlevorkommen über, um schließlich im Nordosten an die trockene Kohlsteppe und die lebensfeindliche Kohlwüste zu grenzen. Der namengebende Fluss Kohla entspringt im Westen des Kreisgebiets und bahnt sich seinen Weg durch das Tal, wo er in Kohlaschleuße durch die Einmündung des Fel schiffbar wird. Die Bundesstraße B301 durchquert den Kreis vom Kohlatal im Osten über Kohlaschleuße und Zusma bis nach Kolaquell im Westen, während die B302 von der Sturmseeküste über Strandstedt und Argeno nach Kohlaschleuße führt und dann nordwärts über Noskau und Nassau Richtung Boxbucht am Nordmeer verläuft. Die Kohlatalbahn, als Linie 14 der Kohlbahn, bindet den Landkreis von Kohla aus an das überregionale Schienennetz an und ermöglicht die Anreise bis Kolaquell. 

Kreisstadt Kohlaschleuße

Kohlaschleuße, auf 152 Metern über dem Meeresspiegel an der Mündung des Fel in die Kohla gelegen, zählt heute 3.457 Einwohner. Die Stadt füllt mit ihrer Ausdehnung von fünf mal drei Kilometern eine Fläche, die für eine Kleinstadt dieser Größe absurd überdimensioniert wirkt – und genau darin liegt ihre eigenartige Faszination. In den 1960er und frühen 1970er Jahren lebten hier weit mehr als 20.000 Menschen, nahezu alle direkt oder indirekt vom Steinkohleabbau abhängig. Nach 1975, als bessere Energiequellen die Kohle verdrängten, setzte ein rapider Niedergang ein. Die Einwohnerzahl brach auf weniger als ein Sechstel ein. Zurück blieb eine Geisterstadt in Zeitlupe: ganze Stadtviertel stehen leer, Fensterhöhlen gähnen in den Himmel, in ehemaligen Wohnblocks wächst Birkenjungwald durch aufgebrochene Asphaltdecken. Für Lost-Places-Fotografen ist Kohlaschleuße ein Ziel von kaum zu überschätzendem Wert; nirgendwo sonst in Kohlonia findet sich eine solche Dichte an verlassenen Industriearbeiterhäusern, stillgelegten Werkstätten und dem morbiden Charme des Rückbaus. 

Im Zentrum hingegen hat sich ein funktionierendes städtisches Leben erhalten. Um den rechteckigen Marktplatz gruppieren sich die Kreisverwaltung in einem Backsteinbau von 1903 mit einem 1927 aufgesetzten Uhrturm, die 1718 erbaute St.-Barbara-Kirche – die Schutzpatronin der Bergleute ist hier Programm – sowie einige Geschäfte, eine Bäckerei und das Gasthaus „Zur Kohlenglocke“. Touristen besichtigen von hier aus die aktive Grube Kohlaschleuße, die noch immer Steinkohle fördert, oder besteigen den Erlebniszug der Kohlebahn. Dieses kleine Schienennetz, das einst alle fünf Gruben des Reviers mit der Kohlatalbahn verband, wird heute museal betrieben. Mehrmals täglich rumpelt ein Zug mit offenen Aussichtswagen über die Gleise, vorbei an Fördertürmen, Halden und stillgelegten Stollenmundlöchern, während ein ehemaliger Steiger die Geschichte des Reviers kommentiert. Am östlichen Stadtrand beginnt der Kohlwüsten-Randkanal, ein 1875 nach zwölfjähriger Bauzeit fertiggestelltes Wasserbauwerk, das über 31 Kilometer exakt parallel zum Kohla-Fluss in einem Abstand von zwei Kilometern zum östlichen Talrand verläuft und die scharfe Grenze zwischen bewässertem Land und beginnender Steppe markiert. Hier zweigt auch der Gurkenkanal ab, gespeist aus Gebirgsbächen, der das östliche Vorland bewässert.

Das obere Kohla-Tal und die Bergbauregion

Von Kohlaschleuße aus folgt die B301 dem Kohla-Fluss aufwärts nach Westen. Die Landschaft verengt sich, die Hänge werden steiler, und bald dominieren die Relikte des Bergbaus das Bild.

Mit 81 Einwohnern auf 601 Metern ist Kolaquell der höchstgelegene und einer der kleinsten Orte im Landkreis Kohlaschleuße. Das Dorf liegt am oberen Ende des Tals, wo die Kohla entspringt; der Name geht auf die mundartliche Form „Kola“ zurück, was das fehlende „h“ im ansonsten von „Kohle“-Begriffen geprägten Kohlonia erklärt. Die 1682 erbaute Kirche mit schindelgedecktem Turm und die stillgelegte Bergwerkssiedlung bilden den Ortskern. Die Grube Kolaquell, 1975 als erste des Reviers geschlossen, ist heute befahrbares technisches Denkmal mit restaurierten Tagesanlagen, einer elektrischen Fördermaschine von 1923 und einem vierhundert Meter langen Rundgang unter Tage. Jeden Abend lädt eine Bergkapelle zur Andacht. Der Gemeindewald mit seinen Bergahornen liefert Rohmaterial für die Drechslerei von Lukas Wagenfeld. Hannelore und Dieter Freitag bewirten Gäste in der für Pilzgerichte bekannten Bahnhofsgaststätte, Theresa Brenner vermietet Zimmer im Hotel „Zur Quelle“. Die Kohlbahn verbindet den Ort zweistündlich mit Kohla.

Auf 374 Metern Höhe im oberen Kohlatal des Kohlgebirges liegt Zusma, ein Dorf mit 106 Einwohnern, das ohne die Kohle nicht zu denken wäre. Ein Kilometer südlich, wo der Zusmabach aus dem Wald tritt, fördert die Grube Zusma I noch immer Steinkohle – als eine von nur zwei aktiven Zechen im gesamten Landkreis Kohlaschleuße. Ein Förderband transportiert das schwarze Gold direkt in die angeschlossene Brikettfabrik, deren hoher Schornstein weithin sichtbar ist und 1958 errichtet wurde. Das gesellschaftliche Leben konzentriert sich im Wirtshaus „Zum Steiger“, wo Wirt Andi Kowalski deftige Bergmannsküche serviert und die Kumpel nach der Schicht zusammenkommen. Gegenüber lädt die kleine Ursula-Kapelle von 1892 zum sonntäglichen Gottesdienst. Sieben Kilometer östlich steht das verlassene Zechengelände von Zusma II, 1982 stillgelegt – mit rostendem Fördergerüst und leerer Waschkaue ein eindrucksvolles Motiv für Fotografen. Wer bleiben möchte, fragt im „Steiger“ nach der einzigen Gästekammer.

Die Sturmseeküste und das südliche Vorland

Südlich des Kohlgebirges, wo das Gelände steil zur Sturmsee abfällt, liegen drei Ortschaften an einer trockenen, waldlosen Küste, die dem ständigen Wind ausgesetzt ist.

Nur 79 Menschen leben in Remberg, einem Fischerdorf, das sich auf sieben Metern über dem Meer an eine schmale Bucht klammert. Der Naturhafen wird von zwei Bruchsteinmolen aus dem Jahr 1877 geschützt, und der Geruch von Teer und Tang liegt beständig über dem Ort. Die weiße St.-Olafs-Kapelle von 1756 auf der Anhöhe ist geistlicher Mittelpunkt; Pastorin Merete Sörensen feiert dort Gottesdienste, und alljährlich zieht ein Olafsfest mit Prozession die Dorfgemeinschaft zusammen. Das Kohlgebirge bildet eine dramatische Kulisse, während die geduckten Häuser kaum vom Fels zu unterscheiden sind. Remberg besitzt einen eigenen Haltepunkt an der Linie 12 der Kohlbahn, die es mit Kohla und Westmünde verbindet. Übernachtet wird in der Pension „Zur Molensicht“ bei Familie Feddersen, gegessen in „Karstensons Kajüte“. Der Kolonialwarenladen von Werner Breckwoldt versorgt die Einheimischen und dient als nachrichtliche Schaltzentrale. Wer hierherkommt, sucht keinen Trubel, sondern die Abwesenheit von Attraktionen und den stillen Rhythmus eines Lebens zwischen Ebbe und Flut.

Sosufer, ein Dorf mit 197 Einwohnern, schmiegt sich südlich des Kohlgebirges an die nördliche Küste der Sturmsee. Auf den unbewaldeten Hängen oberhalb der Steilküste weiden Schafe und Bergziegen, während vier Kilometer landaufwärts bei 450 Metern Höhe der Gebirgswald beginnt. Seinen eigentümlichen Namen verdankt das Dorf den von der Brandung unterspülten Uferbänken, die der Küstenlinie ein von Höhlungen durchsetztes Aussehen verleihen. Bei Niedrigwasser werden diese Auswaschungen begehbar und geben fossile Muschelbänke frei. Ein kleines Heimatmuseum, untergebracht in der ehemaligen Dorfschule von 1890, präsentiert Fundstücke aus diesen Vorkommen sowie historische Fischereigeräte. Der Tourismus bildet heute die wirtschaftliche Grundlage; mehrere Pensionen und der traditionsreiche Gasthof „Seeblick“ empfangen Besucher. Die Kohlbahn-Linie 12 verbindet den Ort stündlich mit Kohla und Westmünde, während die B302 und der Steilküstenweg Wanderer und Reisende in die karge Schönheit dieser windumtosten Küstenlandschaft führen.

Dort, wo der Rauschenbach in die Sturmsee mündet, liegt die kleine Stadt Strandstedt. Der einstige Kohle-Umschlagplatz ist heute ein unerwartet vielfältiges Reiseziel. Die Seele des Ortes ruht in den zu Hotels und Restaurants umfunktionierten, historischen Kaispeichern und dem mächtigen Turm der St.-Nikolaus-Kirche. Doch Strandstedt blickt keineswegs nur zurück: Im Zentrum für Ozeanografie und Meeresbiologie erforscht man die maritime Welt, und bei der OceanWave Power GmbH brummen die Prototypen moderner Wellenkraftwerke. Ein eigenwilliges Relikt ist das örtliche Sanatorium, dessen Sauna als täuschend echte Bergwerksstollenkulisse Gäste aus ganz Kohlonia und Landauri anlockt. Die raue Schönheit der Natur genießt man am Sandstrand, einem Geheimtipp für Strandsegler bei Westwind, oder auf Spaziergängen in den umliegenden Eichenhainen. Mit der Kohlbahn stündlich erreichbar, besitzt Strandstedt mit dem Kult-Club „Sternenstaub“ zudem ein pulsierendes Nachtleben, das weit über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt ist – eine charmante Mischung aus Hafenromantik und moderner Energie. 

Wer Argeno besucht, betritt einen Ort des bewussten Stillstands. Das 112-Seelen-Dorf am Südrand des Kohlgebirges war einst ein aktiver Bergbaustandort. Heute liegt die Grube Argeno, die 1987 als letzte Zeche der Region schloss, in einem Dornröschenschlaf. Anders als andere stillgelegte Zechen wurde sie nicht zurückgebaut, sondern als nationale Reserve für den Fall einer erneuten Kohleknappheit konserviert. Ein Pförtner hütet das versiegelte Gelände und führt angemeldete Gruppen durch die stillen Maschinenhallen. Im Ort selbst bewahrt die 1889 erbaute Schmiede von Elsbeth Hammerschmidt altes Handwerk, während Glasermeister Felix Richter Bleiglasfenster restauriert. Das Herz des sozialen Lebens schlägt in der Kneipe »Zur letzten Schicht«, wo Wirt Hubert Brösel und seine Tochter Bier, Eintopf und Geschichten ehemaliger Kumpel servieren. Argeno bietet keinen großen Tourismus, aber eine einzigartige Atmosphäre zwischen Weideland, Industrieruinen und der leisen Gewissheit, dass unter Tage noch immer die Maschinen auf ihren nächsten Einsatz warten.

Das Feltal und das nördliche Gurkenland

Nördlich von Kohlaschleuße wandelt sich der Charakter des Landkreises vollständig. Statt Bergbau und Industrie bestimmt hier ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem das Bild: das Nordkohlianische Gurkenland. Der Fluss Fel, im Unterlauf eher ein Bach, aber nach der Schneeschmelze oder Starkregen im Gebirge zuweilen reißend, durchfließt das Tal von Nordwest nach Südost und speist über drei Kanäle den Gurkenkanal, der die Grenze zwischen fruchtbarem Gartenland und der beginnenden Kohlsteppe zieht. Angebaut werden vor allem verschiedene Kohlsorten sowie Gurken, die zu Gewürzgurken und Senfgurken verarbeitet werden.

Tief im Kohlgebirge, auf 781 Metern Höhe, liegt Felquell. Die Fachwerkkirche von 1741 mit ihrem geschnitzten Fichtenaltar bildet das Herz des Dorfes. Zwei Handwerksbetriebe prägen das Leben: die Sägerei und die Käserei, deren würziger „Felqueller Steinbock“ weit über das Tal hinaus geschätzt wird. Regelmäßige Besucherin ist die Pharmakologin Leonie Schmidt aus Butha, die in den umliegenden Wäldern seltene Heilpflanzen wie den Silbernen Felspor sammelt. Felquell ist kein Ort für Reisende in Eile – sondern ein Flecken Erde für jene, die Stille suchen, den Duft von Fichtenholz und die ehrliche Gastfreundschaft eines der verstecktesten Dörfer Kohlonias. Zu Felquell gehören zwei Weiler:

Felhütte ist ein Ort der Stille und der Geschichten. Fünf Menschen leben hier das ganze Jahr über; die bekannteste unter ihnen ist Sofia Lindqvist. Die Therapeutin, einst in der Großstadt Kohla tätig, fand hier ihre Berufung neu. Sie behandelt keine Symptome, sondern Menschen: Erschöpfte, Verzweifelte, Suchende. Ihre Sitzungen sind Spaziergänge durch den Wald, Gespräche am rauschenden Fel, gemeinsames Schweigen auf einer Lichtung. Wer zu ihr findet, zahlt, was er kann – oder nichts. Der zweite Anziehungspunkt ist Marlene Kampmanns „Felstüberl“. Das Haus hat keinen Wasseranschluss, aber eine Seele: den Holzofen, die harzduftenden Pritschen, die kleinen Fenster, durch die man die Sterne sieht. Marlene kocht bodenständig und ehrlich: Wildragout, Schwammerlsuppe, Knödel. Die Weinkarte ist kurz, aber gut durchdacht. Vom Felstüberl aus starten die schönsten Wanderungen des Kohlgebirges: steil hinauf auf den Felberg (1.261 m) mit Fernsicht bis zum Meer, oder gemächlich durch den Wald – 15 Kilometer nach Kolaquell oder 9 Kilometer nach Boxahüttel. Felhütte ist kein Ort für Eilige. Aber für alle anderen.

Steinfeld ist auf den ersten Blick ein gewöhnliches Bergdorf – neun Häuser, ein Anger, drei alte Linden. Auf den zweiten Blick summt es hier. 29 Einwohner, aber Tausende von Bienen. Die Imkergemeinschaft um Hannah und Rolf Vogler wandert mit ihren Völkern durch die Wälder des Kohlgebirges, immer dorthin, wo gerade die beste Tracht lockt: Tannenhonigtau im Juni, Heidelbeerblüte im Juli, Himbeerlichtungen im August. Der „Felqueller Waldhonig“ ist das Ergebnis dieser Wanderschaft – ein Honig, der jeden Sommer anders schmeckt, mal harziger, mal fruchtiger, aber immer unverwechselbar. Zu kaufen gibt es ihn im „Lädchen am Anger“ von Josefine Riemenschneider, einer Dame, die nicht nur Honig verkauft, sondern auch Briefe annimmt, Telefonate entgegennimmt und weiß, wer im Dorf gerade einen Kuchen gebacken hat. Die hölzerne „Honigkapelle“ am Waldrand erinnert daran, dass das Leben hier nicht nur aus Arbeit besteht – dreimal im Jahr feiert die Gemeinde Gottesdienst, und dann duftet die Kapelle nach Wachs und warmem Brot. Wer in Steinfeld war, vergisst das Summen nicht.

Im nordkohlianischen Gurkenland, eingebettet ins Feltal, liegt Felfurt – ein Dorf, das man leicht übersieht, aber nicht vergisst. 42 Menschen leben hier auf 626 Metern Höhe, verteilt auf drei Gehöfte und eine Gärtnerei. Die K301 durchquert den Ort und überquert dabei eine steinerne Brücke von 1823, die einst eine gefährliche Furt ersetzte. Direkt hinter der Brücke zweigt der Fel-Gurkenkanal II ab, dessen kalkhaltiges Wasser die Frühgemüsefelder der Familie Steingrund bewässert. Die Radieschen und Mairüben aus Felfurt sind die ersten im ganzen Kreis – eine kleine Spezialität, die bis in die Hauptstadt Kohla gehandelt wird. Die größte Sehenswürdigkeit ist die Wassermühle von 1879, deren oberschlächtiges Rad noch intakt ist und heute ein Café beherbergt. Geöffnet an Wochenenden, serviert der Besitzer selbst gebackenen Kuchen bei historischem Mühlengeklapper. Über Nacht bleibt man in der Pension „Zum alten Fel“. Wanderer nutzen den Waldrandweg nach Steinfeld (7 km) oder Kolaquell (13 km). Felfurt ist kein Ziel für sich – aber eine kleine Welt für sich.

Felmarn liegt im Nordkohlianischen Gurkenland, im Feltal auf 482 Metern Höhe. Das kleine Dorf mit nur 97 Bewohnern bildet den Übergang vom Bergtal zum flacheren Vorland. Hier entspringt der Fel-Gurkenkanal I, der das Wasser nach Noskau leitet. Das Ortsbild wird dominiert von der St.-Felicitas-Kirche, einem romanisierenden Bau aus dem Jahr 1866 mit einem für die Region untypischen achteckigen Turm. Wirtschaftliches Herz ist die Gurkenverarbeitungsgenossenschaft, die 1932 von zwölf Bauern gegründet wurde. Unter dem Markennamen „Felmarnsaure“ legt sie jährlich mehrere Tonnen Gurken in großen Holzfässern ein und beschäftigt in der Erntezeit bis zu zwanzig Saisonarbeiter. Geselliger Mittelpunkt des Dorfes ist die Kneipe „Zum nassen Heinrich“, die mit kühlem Bier und einer sagenhaften Bratkartoffelplatte lockt – passend zur Felmarnsaure. Eine lokale Legende erzählt vom Geist eines ertrunkenen Fährmanns, dem „nassen Heinrich“, der nachts am Kanal entlangwandeln soll. Die K301 verbindet Felmarn mit Feltal und Felfurt, die Kanalstraße führt nach Noskau, von wo aus die Kreisstadt Kohlaschleuße erreichbar ist.

Im nordkohlianischen Gurkenland liegt Feltal, der größte Ort des gleichnamigen Tals. Auf 368 Metern Höhe leben hier 136 Menschen – beschaulich, aber keineswegs unbedeutend. Das Zentrum des Dorflebens ist die Kirche St. Georg, ein Bau aus dem Jahr 1769, der 1904 erweitert wurde. Ihr größter Schatz ist eine Orgel des berühmten Orgelbauers Theodorius Klang aus dem Jahr 1847, die Kenner aus der gesamten Region anzieht. Nur wenige Schritte entfernt befindet sich im ehemaligen Pfarrhaus die kleine Pension „Alte Pfarre“ mit vier Gästezimmern, die vor allem von Radfahrern und Wanderern geschätzt wird, die das sanfte Hügelland erkunden möchten. Ein wirtschaftliches Rückgrat des Ortes ist die Gärtnerei Grünauge mit ihren sechs großen Gewächshäusern, die Setzlinge für den regionalen Gemüseanbau liefert. Auch die Grundschule von 1911 ist überregional bedeutsam: Sie wird von Kindern aus Feltal und den umliegenden Weilern wie Felmarn besucht. Angebunden ist Feltal über die K301 nach Kohlaschleuße (7 km) sowie über gut ausgebaute Feldwege nach Zusma und Noskau – ideal für Ausflüge abseits der Hauptstraßen.

Der Nordosten: Am Gurkenkanal

Im äußersten Nordosten des Landkreises, wo das bewässerte Land abrupt an die Kohlsteppe grenzt, liegen zwei Dörfer unmittelbar am Gurkenkanal, der hier auf konstant 452 Metern Höhe verläuft und die Wasserscheide zwischen Gartenland und Wüste bildet.

Noskau ist ein stilles Straßendorf im Landkreis Kohlaschleuße, das mit seinen 169 Einwohnern genau an der Grenze zwischen Fruchtbarkeit und Trockenheit liegt. Hier mündet der Fel-Gurkenkanal I in den Gurkenkanal, eine einfache Schleuse reguliert das lebenswichtige Wasser. Während sich westlich bewässertes Gartenland erstreckt, beginnt fünf Kilometer östlich bereits die Kohlsteppe, die bald in die unwirtliche Kohlwüste übergeht. Die St.-Ursula-Kirche von 1834 steht unmittelbar am linken Kanalrand, ihr Friedhof reicht bis ans Wasser. Wer den Ort besucht, findet eine kleine Textilmanufaktur, die aus lokalem Flachs feine Leinenstoffe webt und diese im eigenen Laden verkauft. Gleich daneben mahlt eine Mühle von 1888 – einst mit Wasserkraft betrieben, heute mit Elektroantrieb – das Getreide der umliegenden Bauern. Die Anreise erfolgt über die Kohlbahn Linie 13 oder die B302. Unbedingt probieren sollte man die Schmorgurke am Bahnhofskiosk, mit oder ohne ausgelassenen Bauchspeck serviert. Noskau ist kein Ort für Hektik, aber genau das macht seinen besonderen Charme aus.

Nassau - Blick vom Aussichtsturm auf den Gurkenkanal
Nassau – Blick vom Aussichtsturm bei Nassau auf den Gurkenkanal

Mit nur 53 Einwohnern ist Nassau der nördlichste Außenposten des Landkreises Kohlaschleuße – und einer seiner ungewöhnlichsten Orte. Das Dorf liegt auf 452 Metern Höhe in der kargen Kohlsteppe, doch unmittelbar westlich verläuft der Gurkenkanal. Hier, an seinem höchsten Punkt, trennt das Wasser das satte Grün der Frühbeete von der graubraunen Einöde. Dieser Kontrast lässt sich am besten vom Aussichtsturm aus bestaunen, einem umgebauten Förderturm von 1971, der bei Landschaftsfotografen hoch im Kurs steht. Das Herzstück des Ortes ist die letzte Gärtnerei vor der Wüste, deren Gurken für ihre außergewöhnliche Festigkeit bekannt sind. Einmal im September feiert die Gemeinde das Gurkenfest mit Prämierung der besten Züchtungen. Die kleine Kapelle von 1802 lädt zur stillen Andacht ein. Angeschlossen ist Nassau über die Kohlbahn-Linie 13 sowie die B302 nach Noskau oder Boxbucht. Wer die Abgeschiedenheit sucht, findet bei Familie Hinrichs ein gemütliches Gästezimmer und bei Marlene Peschke am Kanalufer selbstgemachte Gurkenlimonade.

Insgesamt präsentiert sich der Landkreis Kohlaschleuße als ein Gebiet der scharfen Kontraste: zwischen Gebirge und Steppe, zwischen blühendem Gartenland und postindustriellem Verfall, zwischen touristischer Erschließung und ländlicher Abgeschiedenheit. Für Besucher, die sich für Industriegeschichte, Lost-Places-Fotografie, technische Denkmäler und die eigenartige Schönheit einer von Kanälen durchzogenen Agrarlandschaft interessieren, bietet der Landkreis ein Spektrum, das in dieser Dichte in Kohlonia einzigartig ist.


Städte und Gemeinden

Städte

Dörfer

  • Argeno (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Argeno (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Argeno, ein Dorf mit 112 Einwohnern am Südrand des Kohlgebirges, lebt zwischen Vergangenheit und Reserve. Die 1987 stillgelegte Zeche wird als nationale Kohlereserve konserviert – ein Pförtner führt Besucher durch die versiegelten Anlagen, in denen die Stille greifbar scheint. Im Ort arbeiten eine historische Schmiede und eine Glaserwerkstatt für Touristen. Die Kneipe »Zur letzten Schicht« gegenüber dem Bahnhof ist sozialer Mittelpunkt. Gäste finden hier… Weiter …

  • Felfurt (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Felfurt (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Felfurt ist mit 42 Einwohnern der kleinste Ort im kohlianischen Landkreis Kohlaschleuße. Die K301 führt direkt durch das Dorf, dessen Name auf eine mittelalterliche Furt im Fluss Fel verweist. Eine steinerne Brücke von 1823 ersetzte den gefährlichen Übergang. Vom Fel zweigt der Gurkenkanal II ab, der die Gärtnerei „Steingrund“ bewässert – bekannt für besonders frühes Radieschen und Mairüben. Die ehemalige Wassermühle von 1879 beherbergt… Weiter …

  • Felhütte (Gemeinde Felquell – Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Felhütte (Gemeinde Felquell – Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Felhütte, 851 Meter hoch gelegen, ist ein Weiler mit fünf Einwohnern oberhalb von Felquell. Die Therapeutin Sofia Lindqvist bietet hier ganzheitliche Therapien im Wald an. Marlene Kampmanns „Felstüberl“ bewirtet Gäste mit Wildgerichten, lokalem Bier und erlesenem Wein – ohne fließend Wasser, dafür mit Bach und harzduftenden Pritschen. Von hier führt der Aufstieg auf den Felberg (1.261 m) mit Blick bis zum Nordmeer. Wanderwege führen… Weiter …

  • Felmarn (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Felmarn (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Felmarn, ein Dorf mit 97 Einwohnern auf 482 Metern im nordkohlianischen Gurkenland, markiert den Übergang vom Feltal ins Vorland. Der romanisierende Bau der St.-Felicitas-Kirche mit ihrem ungewöhnlichen achteckigen Turm prägt das Ortsbild. Die Gurkenverarbeitungsgenossenschaft „Felmarnsaure“ legt jährlich mehrere Tonnen Gurken in Holzfässern ein und beschäftigt in der Erntezeit bis zu zwanzig Saisonkräfte. Die Dorfkneipe „Zum nassen Heinrich“ bietet kühles Bier und eine berühmte Bratkartoffelplatte… Weiter …

  • Felquell (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Felquell (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Felquell, mit 79 Einwohnern auf 781 Metern Höhe, ist ein kleiner Ort im Kohlgebirge. Die Fachwerkkirche von 1741, die Sägerei und die Käserei mit ihrem berühmten Bergkäse prägen das Dorf. Zu Felquell gehören die Weiler Felhütte, eine einfache Wanderunterkunft, und Steinfeld, bekannt für seinen Waldhonig. Von Felhütte aus führen Wege auf den Felberg mit Blick bis zum Nordmeer. Die Pharmakologin Leonie Schmidt sucht hier… Weiter …

  • Feltal (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Feltal (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Feltal, mit 136 Einwohnern auf 368 Metern der größte Ort im nordkohlianischen Gurkenland, besticht durch seine ruhige Lage im breiteren Talvorland. Die Dorfkirche St. Georg birgt eine berühmte Orgel von Theodorius Klang (1847). Die Gärtnerei Grünauge produziert Setzlinge für die Region, während die Grundschule von 1911 Kinder aus dem ganzen Tal unterrichtet. Wanderer und Radfahrer finden in der Pension „Alte Pfarre“ im ehemaligen Pfarrhaus… Weiter …

  • Kohlaschleuße (Kreisstadt – Kohlonia)

    Kohlaschleuße (Kreisstadt – Kohlonia)

    Kohlaschleuße ist eine Kleinstadt mit 3.457 Einwohnern an der Mündung der Fel in die Kohla. Einst eine florierende Bergbaustadt mit über 20.000 Bewohnern, prägen heute Leerstand und Verfall ganze Viertel. Im Zentrum um den Marktplatz gruppieren sich die St.-Barbara-Kirche von 1718, die Kreisverwaltung und das Gasthaus „Zur Kohlenglocke“. Die aktive Grube Kohlaschleuße und die museale Kohlebahn bieten Einblicke in die Bergbaugeschichte. Der 1875 fertiggestellte… Weiter …

  • Kolaquell (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Kolaquell (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Kolaquell ist mit 81 Einwohnern auf 601 Metern der höchstgelegene Ort des Landkreises Kohlaschleuße in Kohlonia. Das Dorf liegt am oberen Ende des Tals, wo die Kohla entspringt – das fehlende „h“ im Ortsnamen geht auf die alte mundartliche Form „Kola“ zurück. Die 1975 stillgelegte Grube ist heute als technisches Denkmal mit Führungen befahrbar. Eine Bergkapelle öffnet abends zur Andacht. Oberhalb erstreckt sich der… Weiter …

  • Landkreis Kohlaschleuße (Kohlonia)

    Landkreis Kohlaschleuße (Kohlonia)

    Der Landkreis Kohlaschleuße in Kohlonia, dünn besiedelt mit 6.467 Einwohnern, umfasst das südöstliche Kohlgebirge und sein kontrastreiches Vorland. Die Kreisstadt Kohlaschleuße, einst eine Bergbaustadt mit über 20.000 Einwohnern, ist heute eine Mischung aus Lost-Places-Tourismus, aktiver Grube und musealer Kohlebahn. Das obere Kohla-Tal bietet stillgelegte Zechen wie Kolaquell mit Besucherbergwerk und Zusma mit Brikettfabrik. Die windige Sturmseeküste lockt mit dem Fischerdorf Remberg und dem lebhaften… Weiter …

  • Nassau (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Nassau (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Nassau, nördlichster Ort Kohlaschleußes mit 53 Einwohnern, liegt in der trockenen Kohlsteppe, direkt am höchsten Punkt des Gurkenkanals. Ein Aussichtsturm aus einem alten Förderturm bietet spektakuläre Blicke auf das grüne Band des bewässerten Landes und die karge Steppe. Bekannt ist der Ort für seine besonders festen Gurken aus der letzten Gärtnerei vor der Wüste. Die kleine Kapelle stammt von 1802, das jährliche Gurkenfest im… Weiter …

  • Noskau (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Noskau (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Noskau, ein Straßendorf mit 169 Einwohnern an der B302, liegt am Zusammenfluss von Fel-Gurkenkanal I und Gurkenkanal. Eine einfache Schleuse reguliert das Wasser, das das Gartenland von der trockenen Kohlsteppe trennt. Die St.-Ursula-Kirche von 1834 steht direkt am Kanal, ihr Friedhof reicht ans Ufer. Eine Textilmanufaktur webt Leinen aus lokalem Flachs, eine ehemalige Wassermühle mahlt heute elektrisch Getreide. Der Bahnhofskiosk serviert Schmorgurke mit oder… Weiter …

  • Remberg (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Remberg (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Remberg ist ein winziges Fischerdorf an der Küste Kohlonias, das sich mit 79 Einwohnern und sieben Metern Höhe an eine schmale Bucht schmiegt. Geschützt von Molen aus dem Jahr 1877, prägen der Geruch von Teer und Tang sowie die hölzernen Kutter den Alltag. Über dem Hafen thront die schlichte St.-Olafs-Kapelle von 1756, und im Hintergrund ragt das schroffe Kohlgebirge auf. Der Ort lebt von… Weiter …

  • Sosufer (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Sosufer (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Sosufer, ein Küstendorf mit 197 Einwohnern im Landkreis Kohlaschleuße, liegt südlich des Kohlgebirges an der Sturmsee. Der Name rührt von den unterspülten Uferbänken her, die bei Niedrigwasser fossile Muschelbänke freigeben. Ein Heimatmuseum in der alten Dorfschule zeigt diese Funde sowie Werkzeuge der Küstenfischerei. Das Dorf lebt vom Tourismus, bietet Pensionen und den Gasthof „Seeblick“. Die Kohlbahn-Linie 12 verbindet Sosufer stündlich mit Kohla und Westmünde.… Weiter …

  • Steinfeld (Gemeinde Felquell – Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Steinfeld (Gemeinde Felquell – Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Steinfeld, 721 Meter hoch am Waldrand nördlich von Felquell, ist das Dorf der Imker. 29 Einwohner produzieren den berühmten „Felqueller Waldhonig“ mit Noten von Tanne und Heidelbeere. Hannah und Rolf Vogler wandern mit ihren Bienenvölkern durch das Kohlgebirge. Josefine Riemenschneider betreibt den kleinen Dorfladen „Lädchen am Anger“. Die hölzerne „Honigkapelle“ lädt zu drei Gottesdiensten im Jahr ein. Bildhauerin Henriette Klinger arbeitet im „Haus am… Weiter …

  • Strandstedt (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Strandstedt (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Strandstedt, ein kohloniaischer Küstenort mit 1.825 Einwohnern, liegt malerisch an der Mündung des Rauschenbachs in die Sturmsee. Einst bedeutender Kohlehafen, prägen heute historische Backstein-Speicher, die St.-Nikolaus-Kirche von 1704 und ein modernes Zentrum für Ozeanografie das Stadtbild. Besucher schätzen das kuriose Bergwerks-Sanatorium, den lebendigen „Sternenstaub“-Club und den Sandstrand für Strandsegler. Die innovative OceanWave Power GmbH erforscht hier Wellenkraft. Umgeben von den sanften Eichenhainen des Kohlgebirges… Weiter …

  • Zusma (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Zusma (Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

    Zusma, ein 106-Seelen-Dorf im kohlonischen Kohlgebirge, lebt von der Kohle. Auf 374 Metern Höhe schmiegt es sich an bewaldete Hänge, überragt vom Schornstein der Brikettfabrik von 1958. Täglich fahren in der nahen Grube Zusma I zwei Schichten ein – die letzte aktive Zeche des Landkreises neben Kohlaschleuße. Im Wirtshaus „Zum Steiger“ treffen sich Kumpel bei Kohlsuppe und Bier, während Schuster Fritz Hallermeyer das Schuhwerk… Weiter …