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Strandstedt, mit 1.825 Einwohnern an der kohloniaischen Sturmsee gelegen, ist ein Ort der faszinierenden Gegensätze. Gegründet als Kohlehafen im 17. Jahrhundert, zeugen noch heute die massiven Backstein-Lagerhäuser an der Uferpromenade von dieser Vergangenheit, während die St.-Nikolaus-Kirche von 1704 mit ihrem wehrhaften Turm den alten Kern überragt. Längst hat sich hier jedoch eine neue Identität etabliert: Im alten Hafenbecken von 1921 liegen nun Segelboote, und das renommierte Zentrum für Ozeanografie und Meeresbiologie erforscht die Tiefen der oft aufgewühlten See. Direkt daneben entwickelt die OceanWave Power GmbH Technologien zur Wellenkraftnutzung. Eine kuriose Hinterlassenschaft ist das Sanatorium für Kohlebergleute, dessen Saunagarten detailgetreu Bergwerksstollen nachbildet – eine Idee, die bis heute für Schmunzeln sorgt. Abends pulsiert das Leben im legendären „Sternenstaub“-Nachtclub. Umgeben von den ersten sanften Eichenhainen des Kohlgebirges und mit einem feinen Sandstrand, der bei Westwind ideale Bedingungen für Strandsegler bietet, ist Strandstedt eine raue, aber überraschend vielschichtige Perle am Meer.

Linie 12 (Kohlbahn) stündlich 6:42-20:42 über Silberstrand nach Kohla, 21:42 nach Silberstrand, 6:23-21:23 nach Westmünde

Zwischen saftigen Weiden und den Relikten des Kohlebergbaus liegt Argeno (3,1km), ein Dorf, das sich mit 112 Einwohnern gegen das Vergessen stemmt. Seine Besonderheit ist die Grube Argeno: 1987 stillgelegt, aber nicht abgerissen, sondern als strategische Reserve konserviert. Die Schächte sind verwahrt, die Maschinen eingefettet, das Gelände wird von Pförtner Arthur Klinker bewacht. Besucher erleben hier eine fast greifbare Stille. Der Ort selbst überrascht mit lebendigem Handwerk. In der historischen Schmiede von 1889 fertigt Elsbeth Hammerschmidt kunstvolle Arbeiten, Glaser Felix Richter restauriert in seiner Werkstatt alte Fenster. Gegenüber dem Bahnhof liegt »Zur letzten Schicht«, eine urige Kneipe, die zugleich Poststelle, Fundbüro und lebendiges Geschichtsbuch ist. Hier erzählt der ehemalige Bergmann Willi Grubke von früheren Zeiten. Argeno ist kein lautes Ausflugsziel, sondern ein stiller Zeuge kohlonischer Industriegeschichte – ein Dorf, das seine Identität aus dem bewahrten Erbe schöpft und Besuchern eine ungewöhnliche Mischung aus Idylle und konserviertem Industriedenkmal bietet.

Die Kreisstadt Kohlaschleuße (18km) im gleichnamigen Landkreis zählt heute 3.457 Einwohner und füllt eine Fläche, die für eine Stadt dieser Größe absurd überdimensioniert erscheint. In den 1960er Jahren lebten hier über 20.000 Menschen vom Steinkohleabbau, doch nach dem Niedergang der Branche ab 1975 setzte ein rapider Bevölkerungsschwund ein. Zurück blieb eine Geisterstadt in Zeitlupe: Verlassene Bergarbeitersiedlungen, aufgebrochene Straßen und die stille Poesie des Verfalls locken heute Fotografen und Urban Explorer an. Im Kern hat sich dennoch ein funktionierendes Gemeinwesen erhalten. Die 1718 erbaute St.-Barbara-Kirche, die Kreisverwaltung im Backsteinbau von 1903 und das Traditionsgasthaus „Zur Kohlenglocke“ bilden das Zentrum. Touristische Anziehungspunkte sind die noch fördernde Grube Kohlaschleuße mit Untertageführungen sowie die museal betriebene Kohlebahn. Der 1875 fertiggestellte Kohlwüsten-Randkanal und der abzweigende Gurkenkanal sind wasserbauliche Zeugnisse der landwirtschaftlichen Erschließung und markieren die Grenze zur östlichen Steppe.

Linie 14 (Kohlbahn) stündlich 6:05-21:05 nach Kohla, aller 2 Stunden 7:00-21:00 nach Kolaquell

Noskau (28,2km) – kaum mehr als eine Handvoll Häuser entlang der B302, 169 Einwohner, und doch ein Ort mit eigenem Charakter. Berühmt ist die kleine Siedlung für ihre Lage am Zusammenfluss von Fel-Gurkenkanal I und Gurkenkanal, wo ein schlichtes Schleusenbauwerk seit jeher den Wasserzulauf regelt. Diese unscheinbare Technik trennt das üppige Gartenland im Westen von der trockenen Kohlsteppe, die östlich des Dorfes in die fast vegetationslose Kohlwüste übergeht. Weithin sichtbar ist die St.-Ursula-Kirche von 1834, deren Friedhof sich malerisch bis an das Kanalufer erstreckt. Sehenswert sind zudem die kleine Flachsmanufaktur, die feine Leinenstoffe webt, und die alte Mühle von 1888, die heute elektrisch arbeitet. Der Bahnhofs-Kiosk ist eine Institution – hier gibt es die berühmte Schmorgurke, wahlweise mit oder ohne knusprigen Bauchspeck. Wer Stille sucht, einfache Gastfreundschaft schätzt und den eigenwilligen Reiz einer Grenzlandschaft erleben möchte, wird in Noskau glücklich. Die Nachbardörfer Nassau und Felmarn laden zudem zu kleinen Ausflügen ein.

Nassau (35,8km), 53 Seelen auf 452 Metern Höhe, ist ein Ort der Extreme und der nördlichste im Kreis Kohlaschleuße. Während der Gurkenkanal südlich des Dorfes das bewässerte Gartenland speist, liegt Nassau selbst bereits in der trockenen Kohlsteppe – eine baumlose, flache Einöde bis zum Horizont. Genau diese Grenze macht den besonderen Reiz aus. Ein ehemaliger Förderturm, 1971 zum Aussichtsturm umfunktioniert, lockt Fotografen aus ganz Kohlonia an, die den scharfen Kontrast zwischen grünen Beeten und graubrauner Wüste im Bild bannen wollen. Das ganze Jahr über konzentriert sich das Leben auf die letzte Gärtnerei vor der Wüste, wo außergewöhnlich feste Gurken in Frühbeeten gedeihen. Höhepunkt ist das Gurkenfest im September. Die kleine Kapelle von 1802 zeugt von tief verwurzelter Frömmigkeit. Angebunden über die Kohlbahn-Linie 13 und die B302, ist Nassau kein Durchgangsort, sondern ein Ziel für Ruhesuchende. Übernachtet wird bei Familie Hinrichs, eingekehrt bei Marlene Peschke am Kanalufer. Ein stiller Ort für große Himmelsblicke.

Boxbucht 15 47,5

Fahrplan

Strandstedt06:4508:4510:4512:4514:4516:4518:4520:45
Argeno06:5108:5110:5112:5114:5116:5118:5120:51
Kohlaschleuße an07:0209:0211:0213:0215:0217:0219:0221:02
Kohlaschleuße ab07:0409:0411:0413:0415:0417:0419:0421:04
Noskau07:1309:1311:1313:1315:1317:1319:1321:13
Nassau (Kohlonia)07:2109:2111:2113:2115:2117:2119:2121:21
Boxbucht07:3709:3711:3713:3715:3717:3719:3721:37
Boxbucht06:2408:2410:2412:2414:2416:2418:2420:24
Nassau (Kohlonia)06:4008:4010:4012:4014:4016:4018:4020:40
Noskau06:4808:4810:4812:4814:4816:4818:4820:48
Kohlaschleuße an06:5708:5710:5712:5714:5716:5718:5720:57
Kohlaschleuße ab07:0309:0311:0313:0315:0317:0319:0321:03
Argeno07:1409:1411:1413:1415:1417:1419:1421:14
Strandstedt07:2009:2011:2013:2015:2017:2019:2021:20