Felhütte

Felhütte (Gemeinde Felquell – Kreis Kohlaschleuße – Kohlonia)

(Pop.: 5 – 851m NN)

851 Meter über dem Meer, fünf Kilometer oberhalb von Felquell, dort wo der Fel noch ein Kind ist und über glatte Steine plätschert, liegt Felhütte. Fünf Menschen wohnen hier ganzjährig, dazu kommen jene, die den Weg bewusst suchen – und manchmal jene, die ihn nötig haben.

Das älteste Gebäude des Weilers ist die namensgebende Hütte, eine schwarz getünchte Blockbauweise mit niedriger Tür und kleinen Fenstern. Einst schwelte hier der Meiler der Köhler, heute bewirtet Marlene Kampmann Gäste in ihrem „Felstüberl“ . Es gibt keine Speisekarte, sondern das, was der Tag hergibt: geräucherte Forelle aus dem Gebirgsbach, Wildschweingulasch vom Vorabend, selbst gepresste Knödel mit Preiselbeeren. Das „Felqueller Hell“ vom Fass liefert Alban Ziesak vom Gasthaus Felquell persönlich einmal pro Woche von unten herauf, dazu hält Marlene eine kleine, aber feine Weinkarte bereit – ein trockener Weißburgunder aus dem Kohlonia-Tiefland und ein kräftiger Blaufränkisch aus Cenia. Fließend Wasser sucht man im Haus vergebens; der Fel rauscht zwanzig Schritte hinter der Tür, und sein Wasser ist so kalt und klar, dass Gäste es in Krügen schöpfen oder auch nackt drin baden. Die Pritschen im Gastraum duften nach frischem Fichtenharz – ein Duft, der bleibt, lange nachdem man gegangen ist.

Hinter dem Felstüberl, in einem kleinen Holzhaus mit verglaster Veranda, lebt Sofia Lindqvist . Die Therapeutin Mitte fünfzig kam vor acht Jahren aus der Hauptstadt Kohla hierher, angezogen von der Stille, die sie nirgendwo sonst fand. Ihr Angebot ist ungewöhnlich: Sie praktiziert keine Schulmedizin, sondern eine Mischung aus Gesprächstherapie, Achtsamkeitsübungen und dem, was sie „Waldbaden mit Methode“ nennt. Zweimal pro Woche empfängt sie Klienten – Menschen mit Burnout, Traumata oder einfach jene, die sich verloren haben. Die Sitzungen finden oft draußen statt, auf einer Holzbank unter einer alten Fichte oder am Ufer des Fel. Sofia verlangt kein Honorar, sondern bittet um eine Spende nach Selbsteinschätzung. „Wer nichts geben kann, bekommt trotzdem Hilfe“, sagt sie. Ihr einziger fester Preis gilt für die Übernachtung in ihrer Gästestube – zehn Taler, inklusive Frühstück mit Brot von Bäuerin Gertrud Hase aus Steinfeld.

Vom Felstüberl aus beginnt der steinigste, aber schönste Aufstieg des gesamten Kohlgebirges: hinauf zum Felberg (1.261 Meter). Die Route ist rot markiert, drei Stunden einfach, vorbei an Geröllfeldern und einem kleinen Karseen, den die Alten „Felauge“ nennen. Der Gipfel schenkt an klaren Tagen einen Blick, der bis zum Nordmeer reicht – ein glitzernder Streifen am Horizont zwischen den letzten Hügeln. Wanderer, die früh starten, kehren mittags ins Felstüberl zurück und bestellen sich Marlenes Felberglersuppe , eine kräftige Brühe mit Schwammerln und gerösteten Semmelwürfeln.

Wer Zeit und Kondition mitbringt, kann von Felhütte aus auch längere Wege wagen. 15 Kilometer südlich, fast stetig bergab durch dichten Fichtenwald, liegt Kolaquell (601 Meter). Der Weg führt vorbei an moosüberwucherten Felsblöcken und über hölzerne Stege, die über nasse Wiesen führen. In Kolaquell lockt die Bahnhofsgaststätte der Familie Freitag mit ihrer berühmten Steinpilzrahmsuppe, und wer möchte, nimmt die Kohlbahn zurück nach Kohla. Der Weg ist nicht beschildert, sondern nur mit kleinen weißen Punkten an Bäumen markiert – wer ihn geht, sollte Trittsicherheit und ein gewisses Orientierungsgeschick mitbringen.

Nach Norden, neun Kilometer entfernt, liegt Boxahüttel (703 Meter, sieben Einwohner). Der Weg dorthin ist einfacher: ein befestigter Waldweg, der am Hang entlangführt, vorbei an einer verfallenen Schäferhütte und einem hölzernen Wegkreuz von 1903. Boxahüttel selbst besteht aus kaum mehr als drei Häusern und einer Wegkapelle, aber die Gastwirtschaft „Zum stillen Holz“ bietet einfache Zimmer und Abendbrot. Von dort sind es weitere vier Kilometer nach Boxaquell, wo die Zivilisation wieder beginnt.

Felhütte ist kein Ziel für Menschen, die fließend Wasser und Handytarife brauchen. Es ist ein Ort für jene, die Ruhe suchen – oder von ihr gefunden werden wollen.


Verkehrsverbindungen:
Straße: Feltalweg nach Felquell, Waldwege nach zum Felberg, nach Boxahüttel und nach Kolaquell

LandKohlonia
LandkreisKohlaschleuße
Gemeinde: K-2190 Felquell
Ort: K-2192 Felhütte